Wiesbaden. Samstag, 20. April
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Die Kritik der Raff. Allg. Zeitung über die Artikel der Freien Zeitung über die nass. Domänenverhältnisse Ro 80—87.
« Wiesbaden, 19. April.
Die Nass. Allg. Ztg. bringt in No. 90 einen Aufsatz, überschrieben: „die Domänen frage und die Freie Zeitung", dem wir in Nachstehendem einige Betrachtung schenken wollen: nicht sowohl um in dem Artikel enthaltene ncnneuswerthe Angriffe zu widerlegen, sondern um vielmehr die durch diesen Artikel von dem Organ der Regierung gemachten Geständnisse zu acceptiren.
In den No. 70—87 brachte die Freie Zeitung eine Reihe von Aufsätzen, welche sich die Aufgabe stellten, in gemeinfaßlicher Sprache und in gedrängter Kürze eine Geschichte des in Nassau seit dem Jahre 1816 obschwebenden Domänenstreits zu geben.
Alle relevanten Angaben in diesen Aufsätzen waren Quellen entnommen, über deren Reinheit und Bedeutung kein Vernünftiger wird irgendwie Zweifel erheben wollen . M
Insbesondere waren die „Zahlen" fast durchgängig Berichten des nassauischen langen Parlaments entnoinmcn.
Im ersten Aufsatz wurden die für das Land höchst nachtheiligen Folgen, welche die MarschaU'sche Kafsen- trennung vom Jahre 1816 hervorrief, auseinandergelegt ; im zweiten und dritten wurde die Wintzingero- dâ'schc Anforderung für die Bestreitung der Kosten der Hofhaltung und Schatulle (300,000 fl.) von^ber politischen, rechtlichen und nationalökonomischen Seite beleuchtet; der vierte zählte die Berschcnkungen, welche unbefugter Weise aus dem Domänenkomplcr gemacht worden sind, auf; der fünfte führte das Thema aus, daß man lediglich zu Gunsten der Herzoglichen Fauu- lie und ohne dringende Nothwendigkeit k.ât^^- lichen Theil der, ertragsfähigen Domänenmasse aufge- geben und dafür'nicht ertragsfähige Bestandtheile, namentlich Schlösser, erworben habe; der sechste zeigte, wie man in neuester Zeit, trotz der äußerlich allerdings aufgehobenen Kassenttennung, alle Vortheile aus den Domänen dem Herzog!. Hause unverkürzt zu erhalten gewußt habe; im siebenten wurde näher über die Creirung und Tilgung der Schulden gehandelt und im letzten, im achten, wurden die großen Verdienste der beiden Nassauer, Vollpracht und Magdeburg, um das Wohlergehen der Wallramischen Linie, quellen- mäßig geschildert. _ ,
Die Sprache in diesen Artikeln war sehr gemäßigt, viel zu gemäßigt für die Heldenthaten, um die es sich handelte, viel zu gemäßigt für die Helden, die es zu zeichnen galt. Hätten wir Personen und Dinge mit den Namen belegt, welche das deutsche Volk bei dergleichen Geschichten anzuwenden pflegt, so wären wir sofort wieder auf das arme Bänkchen geschleppt worden.
Ein Streifzug in die kalifornischen während der Regenzeit.
Bou Friedich @ttßâ<f«r.)
Minen
, (Fortsetzung.)
Schon in Niels Rancho und auch in dieser Nacht von zwei Amerikanern die zu unserm Feuer kamen und vou denen der eine krank war, hörten wir, daß es nicht weit von da, wo wir gerade lagerten, eine große Anzahl von Antilopen gebe. Freilich sollten sie ungemein scheu sein, möglich war es ja aber doch, daß wir zum Schusse kommen könnten.
Zn früheren Jahren hätte es mir schon die ganze Nacht keine Ruhe gelaßen eine Antilopenjagd zu machen, jetzt hörte ich die Berichte sehr ruhig an — wunderbarerweise hat meine sonst so unermüdliche Jagdbegierde die in förmliche Leidenschaft ausartete, gar sehr nachgelassen — nur unser bevorstehender Mangel an Lebensmitteln , bewog mich, den Versuch wenigstens doch zu machen, noch dazu, da ich nur vom Wege ein paar Meilen abzugehen brauchte, und einen weitern, mit Zeitverlust verbundenen Umweg gar nicht dabei machte. Den übrigen also das Maulthier und dessen Gepäck überlassend, wanderte ich mit dem jungen Matrosen, eines Jägers Sohn aus Deutschland, links quer über die Ebene hinüber, den Bergen gerade zu, an deren Fuß wir das Wild finden sollten. Spuren trafen
Die Freie Zeitung will sich aber vorläufig mit dem Prozeß Künstler, der noch obschwebt, begnügen, und sie kann auch mit Recht zweierlei vorausfetzen: einmal, daß es dem verständigen Leser nach dem gegebenen Material leicht sein mußte, die passenden Schlüsse auf die „richtigen, unzweideutigen" Bezeichnungen zu ziehen, und sodann daß früher oder später ein Tag kommen wird, wo man alle Dinge beim rechten Namen wirb nennen können, ohne von einer im Hinterhalt lauernden Anklage tückischerweise umgarnt zu werden. Was hat aber die Nass. Allg. Ztg. diesen wahren, quellenmäßigen, sehr gemäßigten Aufsätzen über die Domänen gegenüber vorzubnngen? — nur frivole Schmähungen, grandiose Leichtfertigkeit und reinen Blödsinn.
-Der Teufel dreht die Schrift nach seinem Zweck, fein arges perz, das heMg Zeugniß gibt, oft wie ein S^alt mit lächelndem Gesicht, fein schönec Apfel, in dem Sterne faul.«
läßt Shatspeare den Antonio sagen, und der „Schälke" und „Teufel", die die Schriften nach ihrem Zwecke drehen, hat eö auch bei der Behandlung der nassauischen Domänenangelegenpeiten schon über genug gegeben; doch der Verfasser des fraglichen Artikels gehört nicht zu der Klasse dieser Schälte, er ist qn trauriger Logiker, ein klagitcher Schreier und zählt vielmehr zur Klasse der Personen,? von messen derselbe große Meister in folgenden Vkrsen ein Eremplar schildert:
„Stolzirend, Wie ein Bühnrnhcld, deß Geist Wohnt in dem Kniebug, und dem's prächtig dânkt, Der Breiter SchaU uno hölzern Echo Horen, Wenn er mit steifem Map den Boden stampft; So jämmerlich vetorepr und übertrieben, Agirt er. — Wenn er spricht,
Liuigt's wie geiprun^'ue Glocken: Sinnlos Zeug, Wie es hervorgevrullt aus Lpphon'S Schlund Bvinbast noch ichienc.-
Satze wirst Oie Nass. Allg. Jtg. der Freien Zeitung
vor: 1) „gänzliche Berkennung des wahren SmchverhnttS, laut Mittheilung dieser Zeitung die Gemeinderäthe
2) sophistische Darstellung; 3) die Absicht, die unter dem „ungebildeten" Theil des Lesekreises der Freien Zeitung über diesen Gegenstand herrschenden Bvrur« theile zu nähren; £) die Absicht, „von dieser Seite" her eine neue Agitation im Lande hervorzurufen; 5) die fraglichen Artikel seien aus „Ungereimtem und Unbegründetem" zujammengeschmiedek, wobei es sich nicht um eine „Widerlegung, Satz für Satz" — der bloße Versuch hierzu sei fchon eine Versündigung gegen das Publikum der Nass. Allg. Ztg. I — sondern bloß um eine „Würdigung" handle. Im zweiten Hauptabsatz spricht die Raff. Allg. Jtg. weiter von kolossaler Unwissenheit, thatsächlichem Ignorireu, von Verdrehungen, welche dazu dienen sollten, „das Urtheil deS großen Haufens irre zu leiten und durch Aufregung niedriger Leidenschaften sich diesen dienstbar zu machen. Am Schluß des Artikel'S heißt es dann noch,
wir, nach kaum einer Meile Marsch in großer Menge und diese führten auch sämmtlich dem uns bezeichneten Play zu; wir folgten ihnen alfo^ und trennten uns, ziemlich nahe in der beschriebenen Gegend angelangt, um von zwei Seiten eher Gelegenheit zu haben, Wild an. zutreffen , wie auch vielleicht das aufgejagte einander zuzuscheuchen.
Ich mochte so kaum eine Viertelstunde marschirt sein, als sich plötzlich, indem id eine kleine Anhöhe hinau- klimmte, der untere Theil des Thales vor mir ausbreitete und ich jetzt zu meinem wirklichen Staunen sah, daß der ganze weite Plan förmlich von weidenden Antilopen schwärme. Wohin ich auch sah, traf der Blick auf ganze Hccrdcn von drei bis vierhundert Stück und mit dem Fernrohr konnte ich deutlich die schönen weiß und braun gezeichneten Thiere erkennen. Aber an Hinschleichen war gar nicht zu denken, denn kein Busch, nicht einmal ein Grasbüschel auf der ganzen Fläche zwischen mir und dem Wild, der mich den scheuen Thieren hätte verbergen können. Allerdings machte ich bei drei verschiedenen Heerden den Versuch, und schlich einmal sogar im Bett eines angeschwollenen Baches hin, bis über den Gürtel im Wasser, die Antilopen zu täuschen, doch vergebens, eine der ordentlich ausgestellten Wachen gab den Allarm und mit Windesschnelle stob die ganze Schaar ins Weite hinaus. Meinem Gefährten ging es nicht anders; er hatte gleiche Massen angetroffen , aber nicht eine einzige zum Schuß bekommen können.
um in wüiPlger Weise das gelungene Werk zu krönen: „Sehr reich sind indeß die beregten Artikel der Freien Zeitung dadurch, daß sie auf den Bildungsgrad ihres Publikums, dem man solches zu bieten wagen huben" gew'ß unzweideutigen Schluß zu ziehen er«
Kapitel der Schmähungen, welche de .Allg. Ztg. gegen uns und unsere Leser vor- bringt, und Die sie begreiflicherweise für „Gründe" und „Widerlegungen" hält, hiermit schließen, und bedauern nur Die Leier, denen man ohne Scham solchen Schmutz für gesunde Speise auszugeben sich erdreistet.
Einer grandiosen Leichtfertigkeit macht sich aber der ^ Verfasser des Aufsatzes in der Nassauischen Allgemeinen Zeitung dadurch schuldig daß er den
^kr Freien Zeitung ganz allgemein und bestimmt, „gänzliche Verkennung deS wahren Sachverhalts" vorwirft, und zugleich erklärt, eine „Widerlegung Satz für Satz" halte er unter feiner Würde. Wahrhaftig! das ist eine schöne Manier, Hindernisse zu^besiegen und Alistände zu beseitigen. Aber wir müssen wiederholen, das ist nicht die Manier eines schlauen Teufels, eines Schalks, sondern nur eines traurigen Bühnenheldeu, dessen Worte wie gesprungene Glocken klingen.
Warum aber hat der jenseitige Artikelschreiber keine eine der vorgebrachten Zahlen bestritten? Warum hat er^ keine der erwähnten Verscheukungen verabredet? Weil er diese quellenmäßigen Angaben eben nicht leugnen konnte, und wenn er also dessenungeachtet den Artikeln der Freien Ztg. ganz allgemein „gänzliche Verkennung des wahren «Sachverhalts" und „sophistische Darstellung" vorwirft, so bekundet er damit gewiß eine grandiose Leichtfertigkeit. (Schluß folgt.)
^ Bvm Psarrstucr. jii yotge criirv zmuav aus dem Wälzkübel in der Freien Zeitung haben sich
von Fussingen und Hintermeilingen veranlaßt gefunden, eine Erklärung in der Nasi. Allg. abdrucken zu
lassen; sodann haben die „sämmtlichen", auch die ab- wesenden, Lehrer des Kirchspiels Lahr ebenfalls eine Erklärung in Beziehung jenes Artikels in der „Freien Zeitung veröffentlicht.
ES ist uns nicht gelungen, die Nass. Allg. aufzu- fiuden, wir müssen uns daher vorerst an das in der „Freien" Mitgetheilte halten.
In jenem Artikel , auS dem Wälzkübel" wurden zwei Beispiele, wie es den Lehrern ergeht, ohne Beziehung zu dem Vorstehenden, ohne alle Andeutungen auf Ort und Personen, mitgetheilt; der Leser konnte daher gar nicht muthmaßen, welche Personen derVcr^ faffer im Auge gehabt.
Die angegebene Art, Petitionen unterzeichnen zu lassen, war damals ziemlich allgemein; auf manchen
Wir ließen jetzt Antilopen Antilope» sein und wanderten , mit einem leisen Fluch auf das flüchtige Wild i zwischen den Zähnen, einer Bergschluchr z», die uns wieder auf den verlassenen Weg bringen mußte. Kleine, ! niedere, hartbraune, grasartige Sträuche standen hier, I zu offen fast irgend einem Wilde Schutz zu geben, gerade aber als wir einen schmalen Bach passtet waren und auf der andern Seite eine solche Gruppe betreten wollten, sah ich auf achtzig Schritte eine dunkle Gestalt darin hingleiten. Es war einer jener Steppenwölfe, die Nachts oft zu Hunderten auf so jämmerlich komische Weise unser Lager umheulten und ich wünschte mir einmal einen der nächtlich heimtückischen Burschen in der Nähe zu besehen. Ich pfiff den leise und geräuschlos davouschleichenden scharf an; er stutzte bei dem unbekannten Laut und ihn rasch aufs Korn nehmend drückte ich ab. Schon glaubte ich ihn gefehlt zu haben, denn weit hinaus hörte ich nach dem Schuß meine Spiykugel den Hang entlang . über Die tiefer liegende Ebene zisch n, gleich darauf sah ich aber, wie sich Freund Reineke an Ort und Stelle wälzte, und beim Näherkommen fanden wir, daß ihm die Kugel daS linke Vorderblatt zerschmettert halte und durch den Körper wieder ausgefahren fei. Der Wolf maß mit dem Schwänze vier Fuß und war von gelb- graulicher Farbe. An Höhe und Stärke übertraf er übrigens nur wenig einen recht starken deutschen Fuchs, obgleich er wohl ein wenig schärferes Gebiß haben mochte.