„âerßttk nah Recht!"
Wiesbaden. Freitag, 10. April
1850
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Eine Abrechnung.
Jetzt, nachdem die Contre-Revolution gesiegt hat, die konstitutionelle Partei, mit Schmach und Schande beladen, zur Ruhe und Ordnung verwiesen ist, wird auf einmal gewissermaßen zur Beschönigung des Verraths und Treubruchs dieser Partei, die Behauptung wieder laut, daß die Demokraten au dem ganzen Elend Schuld seien.
Wäre die konstitutionelle Versicherungffwahr, so brauchten sich die Demokraten deshalb feine grauen Haare wachsen zu lassen. Der Segen einer konstitutionellen Monarchie ist hinlänglich besamst. Es ist so ziemlich gleichgültig, ob das Volk von der Börse oder von dem Königthum getreten wird.
Oder hat die Demokratie Verpflichtungen gegen die konstitutionelle Partei? Sind wir gehalten, die Plünderungen der Börsen Wölfe zu prvtegiren? Sind wir verpflichtet, uns selbst als Beute für unsere Feinde hinzugeben? Wenn die Demokratie wirklich an dem Bankbruch der konstitutionellen Partei Schuld ist, so hat sie einen Theil ihrer Aufgabe erfüllt, so hat sie sich ihrer Haut gewehrt. Kann man ihr daraus einen Vorwurf machen?
Die Demokratie soll zu viel verlangt und dadurch alles verloren haben. Das ist nicht wahr. Mögen die konstitutioiiellcn Rechte nach Pfunden oder Metzen berechnet werden, die Demokratie hat mit dieser politischen Arithmetik nichts zu Missen. Die Demokratie hat nicht etwa ein paar Pfund politischer Rechte mehr gefordert, als die konstitutionelle Partei, sie hat auf daS gerade Gegentheil von dem Anspruch gemacht, was die Konstitutionellen verlangt haben. Die Prinzipien der konstitutionellen Partei lassen es freilich zu, für den Nothfall sich mit etwas weniger Freiheit zu behelfen, sich nach den Umständen elnzurieyren. L-ie Demokratie ist weniger gefügig und bescheiden, sie eristirt entweder ganz oder gar nicht. Will man cs nun der Demokratie verdenken, daß sie in dem Skandal, den die Konstitntionellen anno 1848 angerichtet, auch ihrerseits sich geltend zu machen suchte? Oder mußte die Demokratie zu Gunstew des konstitutionellen MffMgeschäfts ihre Hände in den Schooß legen und auf ihre Zukunft Verzicht leisten? Mußte die Demokratie ruhig zusehen, wie ihr Gegner sich so viel Rechte tu den Sack zu stecken suchte, als zu seiner Sicherheit nothwendig waren? Das wäre eine sonderbare Zu- muthung.
Die Demokratie hat ihrerseits Eroberungsversuche gemacht, und die konstitutionelle Partei ihrerseits. Was gehen sich die Demokraten und die Konstitutionellen ân? Die Eroberungsversuche sind mißlungen. Sie sind bei den Demokraten mißlungen, weil die Demokratie ihre Zukunft nicht auf einzelne Piratcnzüge, sondern auf etwas ganz anderes zu setzen hat, sie sind
Ein Streifzug in die californischen Minen während der Regenzeit.
Lon Friedich Gerstäckeryt
(Fortsetzung.)
Das ganze Dorf durch das wir kamen schien ziemlich bewohnt zu sein, oder die ganze Einwohnerschaft war wenigstens vor den Thüren und auf den Hütten, welchen letzteren Platz besonders die Männer gewählt zu haben schienen, versammelt. Diese letzteren schienen sich besonders behaglich in ter nach kaltem Morgen warm nltberscheinendeu Sonne zu fühlen und kauerten, meistens ganz nackt, mit den bloßen Rücken dicht zusammen. Eigenthümlich w-r es dabei, wie sie, jedenfalls absichtlich , nicht die mindeste Notiz von den dicht an ihnen vorbeiwandernden Fremden nahmen, und entweder vor sich nieder, oder gerade über sic hin ins Blaue stierten. Nur auf einer einzigen Hütte saßen vier rauh genug anöschrnde Bursche, drei nackt und der vierte in eine brennend rothe Decke gehüllt und zeigten auf uns, schwatzten dann zusammen und lachten, daß ihnen die dicken Bäuche wackelten. Die Frauen waren fast sämmtlich mit irgend einer Art Arbeit beschäftigt, und nicht selten tauchten sie, wenn sie die weißen Männer bemerkten, rasch in ihre niederen Wohnungen unter.
Einen sonderbaren Zierruth, eine Art Trophäe, fanden wir in diesem Dorf aufgestcckt. Es war dieß eine Stange, an deren Spitze fünf oder sechs ausgestopste
beiden Konstitutionellen mißlungen, weil — — — Aber greifen wir nicht vor.
Nicht die Demokraten sind an dem Unglück der konstitutionellen Partei Schuld - leider nicht!!!— sondern die Logik, der gesunde Menschenverstand. Oder, wer in aller Welt hinderte denn die Dynasten , mit ihren getreuen Konstitutionellen sich über eine konstitutionelle Verfassung zu vertragen? Nachdem die Demokratie gestandeechtet war, konnte man ja im schönsten Einverständnis' leben. Hatten die Herren Dynasten nun die Lust verloren ? Hatten sie vor den paar demokratischen ISchreiern" einen Schrecken bekommen? Also, eure gepriesenen Könige verstehen sich nur zum KonstiNitionalismus, wenn ihr hübsch artig seid, wenn alles ganz nach Wunsch geht? — Sobald sich das Volk ein wenig flegelt, wird die konstitutionelle Monarchie wieder über Bord geworfen und der Absolutis-
mns hervorgeholt.
Die Sache verhält sich so: Im Grunde ihres Herzens sind eure Könige sämmtlich die gründlichsten Feinde der konstitutionelles Monarchie. Und mit Recht. Eine starke Regierung muß in unserer Zeit sein. Eine konstitutionelle Regierung ist aber keine starke Reg e- riliig, sondern eine sehr schwache. „Zum Adel kann man nicht zurück, bei der Bourgeoisie kann man nu^t flehen bleiben, ohne das Proletariat aufzuwiegeln, das Proletariat ist aber die Vernichtung des Staatec, matt muß sich also den Adel, die Bourgeoisie und das Proletariat in gleicher Weise vom &ibc halten, man muß absolut regieren." — Das ist die gesunde Logik eurer
man
Könige.
Wir wiederholen: Nicht die Demokraten sind an eurem Elend Schuld, sondern die Logik. Ihr müßt nicht die Demokraten a »klagen, sondern die Demokratie. Freilich, wenn'S gar keine Demokratie gäbe und geben könnte, wenn mit der konstitutionellen Monarchie die Weltgeschichte ein Ende hätte, dann allerdings IVilrVtn f(t^ Vtv ^vutßt Vilüv»^>4 TK-Jbipjpr ^r^rtpjVnpH Staatsform überreden lassen. Was können aber die Demokraten für die Demokratie? Wenn muTHRne Demokraten nicht geputscht Hätten, der Geist der Geschichte, die eiserne Konsequenz hätt.'» geputscht. Verlangt ihr, daß die Demokraten ter Demokratie den Hals hätten umdrehen sollen ? Köpft einmal-die Logik, wenn ihr's könnt.
Ihr seid gefallen, weil ihr falln mußtet, weil ihr nicht einsehet, daß eine despotische Regierung die einzig haltbare Staatsform der Ieftzeit ist, oder daß eine despotische Regierung keine getheilten Gewalten dulden darf.
Auf das Amüsement, zu regicen, müßt ihr ein für allemal Verzicht leisten, denn ole Tage der Spießbürgerrepublik sind nun auch veuber. Tröstet euch über euer Schicksal und gewöhnt mch an's — Arbeiten. Vor allen Dingen laßt abc die Demokraten in Ruhe, hängt lieber euern Verstad! (Horn.)
wilde Gänse befestigt waren, und zwar so befestigt, daß cs aussah, als liefen sie mit geb betten Hälsen an der Stange hinauf. Die Gänse warn wirklich vortrefflich ausgestopft und sahen aus, als >b sie lebten; es that mir nur leid, daß ich die Hrfadn mit) Bedeutung dieses Zeichens das ich später in feinet einzigen Dorfe weiter fand, nicht erfahren sonnte.
An demselben Abend freute wir den Feathernvcr an der untern Furt und lagerten:» der andern Seite — er war hier ziemlich breit, mit arker Strömung, doch konnten wir ihn immer noch duhwaten. In derselben Nacht regnete eS wieder und t Himmel sing an gar bedenklich auszufehc», doch gingüe Sonne noch freundlich genug auf, nur die Färbig und Gestalt der einzelnen Wolken war mir bedenkt».
Wir halten an diesem Tagnach 'Niels Range am Bute Creek zu, einen Marsch vo 30 Meilen zu machen, da wir früher kein fließendes Asser und nur jehr wenig Holz fanden, wir wanderte also tüchtig darauf zu, uns mit dem Gedanken tröstd, ja auch mit jeder Meile unserm endlichen Ziele nd Rastplatz näher zu rücken. Um 9 Uhr wölkte st daher der Himmel immer bedenklicher und um halb zchulhr sing eS denn endlich an erst langsam, dann hier stärker zu regnen. An Halten war gar nicht zu Wen, und nicht einmal ein Baum in der weiten Ebe» unter den wir hätten treten können, also vorwärts hi die Losung, und Abends, gerade mit Dunkelwerden, eichten wir endlich den
J^ Das Herzogs. Nassauische Medizinal-
Colleginn- und nochmals die Arzneitaren.
^Kaum ist seit Jahr und Tag Eolavium, eine in Acther gelöste Schießbaumwolle, in die wundärztliche Wissenschaft und Praris mit überraschendem Erfolg eingeführt, als auch schon das Ministerium des In- ; neren auf Antrag des nur aus Aerzten bestehenden ' Medizinalcollegiums das Eolavium in unsre Phar- I macopö ausgenommen und eine gesetzliche Tare bestimmt : hat. Leider erfolgt aber für den Apotheker die ge- ; schliche Einführung zu spät, denn die meisten Apothe- ! fer haben es längst privat Angeführt und haben sich ■ aus allzugroßer Bescheidenheit die Drachme desselben
; nur zu 2 und 3 Kreuzer bezahlen lassen, während ih- ! neu die Verordnung jetzt 5 Kreuzer gestattet. Die I Unze desselben kostete nämlich seither im Handel ; 3 ^2 Sgr. — und wird wahrscheinlich noch mehr im ' Preise fallen — die Drachme daher 11 'H Kr.; indem ' es daher der Apotheker zu 2 und 3 Kreuzer verlief, war er mit den bescheidenenGnvinnsprocenten 3l bis : M zufrieden, allein unsere Medizinalbehörde mochte ■ ein sehen, daß die Apotheker ihre Staatsinftitute, die
Apotheken, mit solchem niedrigen Gewinn rumireu würden, und erlaubte ihnen daher 227 Prozent — sage — schreibe zweihundert sieben und zwanzig Prozent Gewinn — außer an GlaS und Signatur, nehmen zu dürfen. Genug mit dem Beispiel!
Allein wer bezahlt nun die Apotheken in 3 bis 4fach höherm Preis, als der Realwerth beträgt? Der Apotheker gewiß nicht, sondern das Publikum, das sie so hoch verzinst.
Und wer verfeuert dem Publikum die Arzneien auf eine so beispiellose Weise? Gewiß wieder nicht der arme Apotheker, denn er macht sich nicht die Preise, sondern das Ministerium setzt sie fest aus Antrag des _ Mcdks'nalkollcgiums. ____________
, —- Ist endliä/ oas aus drei ärztlichen Mitgliedern bestehende Medicinalcolleg befähigt, auch ohne Kenntniß der pharmaceutischen Waarenkuude und Technik die Medizinaltaren zu bestimmen? — Die Antwort
könnte man aus obigem entnehmen, allein die Herrn sind alte, erfahrene Männer,
auch mit ihrem Amt die nöthigen sitzen, denn ....
lind nun noch zwei Sorte an Apotheker und Aerzte! Die einen
und müssen daher Sachkenntnisse be-
Ench, nassauische
klagten über zu befürchtende Ben ach t he i l igun g durch die Zü-
sammensetzung des Medicmalcollegiums und müssen gestehen, daß sie sich geirrt haben, denn ein technischer Referent in Apotheceraugelegenheiten würde Bedenken tragen, die Verantwortung so hoher Taren zu übernehmen; die andern, d. h. die Aerzte, hofften von dem neuen Medizinalcollegium endlich eine Besser- ftellnng ihrer Lage und haben sich auch geirrt — doch hiervon ein anderes Mal. Genug, die Einen
Bute Creek und den rancho oder ränge (wie es die Amerikaner nennen) eines gewissen Stiele. Ware aber auch unsere Sasse in einem bessern Zustand gewesen als sie wirklich war (unserer sechs besaßen, außer den Provisionen die noch etwa auf zehn Tage reichen mochten, vier und einen halben Dollar Gesammtvermögen), so ließ sich in der engen Wohnung der ß. utc doch kein Unterkommen hoffen. Alles butte sich schon bei dem Regen unter Dach und Fach gedrängt, nur der mit Binsen gedeckte Vorbau eines alten Blockhauses war erst jum Theil von einer andern Gesellschaft ebenso durchnäßter Reisender wie wir eingenommen, und hierher flüchteten wir uns, froh für die Nacht wenigstens eine Art Schutzdach gefunden zu haben, und nicht ganz und gar dem noch immer in Strömen niederfallcntc» und vom Winde gepeitschten Regen preisgegeben zu sein. An dem Feuer der Amerikaner konnten wir uns wenigstens einen Kaffee und etwas zu essen kochen und die Nacht schliefen wir — wenn auch nicht trocken, denn unsere Decken waren durchnäßt und der Regen tropfte überall durch die Binsen, doch in etwas geschützt vor dem Reg nwetter.
Der nächste Morgen brach allerdings etwas freundlicher an, der kleine Fluß aber, der sogenannte Bu’e Creek war während der Nacht so angeschwollen, daß wir ihn hätten durchschwimmen müssen; cs war uns b - her selbst lieb, eine Entschuldigung zu haben, einmal einen Tag auszuruhen und unsere D cken und Kleider zu trocknen.