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Wiesbaden. Mittwoch, 17. April

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FF. Briefe über Erfart

Der große Redeakt im Festungsparlameilt hat end­lich begonnen. In dein Augenblick, wo muthmaßlich eine förmliche Uebereinkunft zwischen Oesterreich und Preußen zur Ertedignng der sogenauuleu deutschen Frage bereits abgeschlossen ist, vergönnt die preußische Regierung den Wort- und Phrasenbrechslern aus dem berüchtigten Nedekränzchen zu Gotha noch einmal, ihr Steckcupferdchen zu reiten, fleindeutsche und großpreußische Einheitsdome zu bauen, für den Manteuffel'schen Eonstitutionalismus zu schwärmen, nöthigenfalls ihre Flagge, schon längst einer Hans­wurstjacke ähnlich, an den Mast zu nageln und mit andern dergleichen erhabenen Vorsätzen zu prahlen, womit ihre ganze politische Laufbahn, wie nach dem portugiesischen Sprichwort der Weg zur Hölle dicht gepflastert ist, und worauf sie, wie auf ihren Grund­sätzen, jeden Augenblick mit Füßen herumtreten.

Es war ein erbauliches Schauspiel dieser 12. April, an dem in dem sog. Volkshaus zu Erfurt die Bera­thung über den Bericht des Verfasfungsausschuffes begann. Jährte es sich doch gerade, daß die Mitglie­der derLinken" in der jetzigen Versammlung, da­mals im Sumpf der Mitte in der Frankfurter Natio­nalversammlung Gut und Blut für die enbgiltig be- schloffene und verkündigte Neichsverfaffung einzusetzen geschworen hatten; und wahrlich, dieseBiedermänner" allesammt konnten den beispiellosen Verra.H nach Jah­resfrist nicht besser feiern, als aufs Neue tu hochtra­benden Redensarten ihre Vaterlandsliebe zu betheuern und ihre Standhaftigkeit für die Gründung der Ein­heit und Freiheit Deutschlands in demselben Moment zn rühmen, wo sie, um ihrem Herrn und Meister ge­fällig zu sein, der sie vorm Jahr sammt der ihm an- gebotenen Kaiserkrone zur Thür hinausgewiesen, auch noch das letzte Titclchen der in den Grundrechten übrig gebliebenen Volksfreiheiten zu opfern sich erboten hatten. Diese ihre jüngste H ldenthat erndtete dann auch den Dank des Herrn v. Radowitz, der in jenem kalten Pathos, unter dem sich, wie bei dieser Gelegenheit, manchmal der schneidendste Hohn verbirgt, dem Vcr- faffungsausschuß die Anerkennung dafür aussprach, daß derselbe seiner Pflicht nachgekommen sei, und die Grundrechte mit der preußischen Verfassung in Ein­klang zu bringen verstanden habe. Aber, gab er zu verstehen, diese neue Willfährigkeit genüge nicht; was im April 1849zeitgemäß" gewesen sei, sei es heute nicht mehr. Die Verfassung müsse auch in politischer Hinsicht nach dem Muster der preußischen Verfassung revidirt werden, das will nichts anders sagen, als: der engere Bundesstaat soll durch die ihm gegebene Verfassung borussifizirt, die völlige Einverleibung der dazu gehörigen kleineren Staaten in Preußen dadurch möglich gemacht werden. Herr v. Manteuffel, der in seiner Eigenschaft als Minoritätsabgeordneter

der Stadt Berlin nach Erfurt gekommen war, um den Gothaern den Willen seines Herrn und Gebieters kund zu thun, vervollständigte! die Lektion, die ihnen der große politische Magus bereits ertheilt, obwohl er selbst etwas glimpflicher mit ihnen verfuhr, als vor ein Paar Tagen in seinem Auftrag diedeutsche Re­form" sein Organ, das die Schwätzer und Schönred­ner in der That en Canaille behandelt hatte, welchen Schimpf sie, wië noch alle ihnen von dieser Seite widerfahrenen Erniedrigungen, stillschweigend hingenom- men haben. Auch er bestand auf einer Revision im preußischen Sinne. Diesen determinirten und gebiete­rischen Erklärungen gegenüber, die die Gewißheit in sich tragen, daß ihnen nolens voleus Folge geleistet werden würde, nahm sich die Beredsamkeit der tapfern Ausreißer aus der Paulskirche ganz possirlich aus.

Herr Beckerath, mit der Wiege neben dem Web­stuhle seines Vaters, drohte wieder einmal mit der Re­volution, wenn man nicht en bloc annehme; als werde das Volk sich um die Affenschande dieser Erfurter Gothaer nur einen Finger ritzen lassen! Und der'Rit­ter des durchlöcherten Rechtsbodens, Hr. v. Vincke, tummelte seinen alten, bekannten Kampfgaul, räbulisti- sche Spitzfindigkeit und Dialektik, indem er heraus­brachte, daß Radowitz und Manteuffel Revolu­tionäre seien, natürlich keine Kontrerevolutionare, son­dern wirkliche. Das Zuklatschcn ihrer Partei haben die schlechten Musikanten für den Beweis ihres Sie­ges angesehen. Man wird sie wohl noch ein paar Tage in diesem Wahne hinschwelgen und hochfahrende Reden halten lassen, dann wird man sie heimschicken, d. h. wird die RedeübungsgeseUschaft in Infinitum ver­tagen , um auf dem bevorstehenden Fürstenkongreß die Sache so zu ordnen, wie es Oesterreich und Preußen gemeinschaftlich für gut finden.

Da der Antrag Bodelfchwingh-Patow am 13. April mit 125 gegen 89 Stimmen angenommen worden ist, so wird die Vertagung des Parlaments nun nicht lange auf sich warten lassen.

Ueber den Straßen- und Wasserbau in Staffan.

1.

# Don der Lahn. Unsere Gegner suchen den begonnenen Streit auf das Gebiet der Wissenschaft zu ziehen, wohlan, wir folgen ihnen, gerne dahin, obschon uns nicht geringe Zweifel ankommen, ob eine politische Zeit­schrift der geeignete Kampfplatz sei. Wir werden unS indessen immer so auszudrücken suchen, daß wir,Hauch demLaien" verständlich werden, wozu wir uns um so mehr verpflichtet fühlen, als wir unsern zuletzt auf­getretenen Gegner, den ^Correspondenten von der Lahn, selbst für einen Laien halten müssen. Derselbe wirft uns nâmlich vor, wir hätten uu^ütallgemei­nen Phrasen" ergangen, ohne unsere Angaben mit

Gründen belegt oder unsere Ansicht entwickelt zu haben. Wir begreifen nicht, wie ein Mann von Fach unS diesen Vorwurf machen kann, da wir doch nicht allein viele einzelne Fälle aufgeführt, sondern auch ganz spe­ziell den ausgesprochene» Tadel motivier haben. Wollten wir nniere Ansicht entwickeln, so müßten wir vorerst eine genaue Terrainaufnahme vornehmen und der Herr 4= Eorrcspoudent wird doch wohl nicht im Ernste das Ansinnen an uns stellen, einmal wozu wir auch gar iml)t berufen sind Charten aufzu­nehmen iiiio sic dann noch gar drucken zu lassen! - Wir beabsichtigten blos aus die groben Fehler aufmerk­sam zu machen, die bei Anlegen neuer Straßen ge­macht werden und die man füglich hätte vermeiden können.

Der genannte Correspondcut beginnt seine Wider­legung mit einer Definition der Zweckmäßigkeit einer Straße, die aber nichts weniger als den in dieser Branche gebildeten Techniker verräth. Er sagt näm­lich, eine Straße sei immer zweckmäßig, wenn sie bei geringsten Kosten, größter Bequemlichkeit und Sicher­heit i» der kürzesten Richtung zmn Ziele führe; wir sagen dagegen, eine Straße sei zweckmäßig, wenn auf derselben bei dem geringsten Zeit- und Kraftaufwande der größte Effekt erreicht wird. Der Kostenpunkt darf natürlich nicht aus dem Auge gelassen werden und hat sich stets nach der Frequenz der Straße zu richten, welcher nicht selten in dieser Beziehung ein Opfer ge­bracht werden muß. Die Straßen müssen daher mög­lichst grade und eben angelegt werden in welchem Falle immer der größte Effekt erreicht wirdoder wie z. B. Umpfenbach anführt eine Straßen­richtung muß, auf die ebene Linie reduzirt, gegen die zu vergleichende kürzer werden. Größte Sicherheit und Bequemlichkeit bezieht sich nur im Allgemeinen auf den Bau des Straßenkörpers, dein dann aller- drrrgs Schutzgelänbrx, Ruhebänke, Brunnen rc, nicht abgehen sollen.

In kürzester Richtung kommt man oft zum Ziele, braucht aber dabei oft dreimal mehr Zeit, z. B wenn man über einen Berg geht, anstatt denselben zu um­gehe». Hätte der erwähnte Correspondcutin kürzester Richtung mit dem geringsten Zeit- nnd Kraftaufwand" angeführt, so wäre^die Definition gut gewesen. Was den Kostenpunkt anbelangt, so scheint unser Herr Geg­ner nicht zu wissen, daß bei frequenten Sdcaßen die durch schlechte Anlagen cittstehenben Kosten, ;. B. für Vorspann rc. den Baukosten zugesetzt werden müssen, damit nicht die mit wenigen Kosten aber schlecht an­gelegte Straße später sehr theuer und kostspielig werde, wobei jedoch nur die Frequenz maßgebend sein kann, indem man bei wenig befahrenen Straßen nach ande­ren Grundsätzen verfahren wird.

Bezüglich der beliebten3 Grade" müssen wir un­serem ehrenwerthen Gegner bemerken, daß wir eine Straße nicht immer deswegen für unzweckmäßig hal­ten, weil sie 3 Grade Steigung hat, sondern wir hal-

Ein Streifzug in die kalifornischen Minen während der Regenzeit.

Bon Fritdich Gerftâcker.)

(Fortsetzung.)

Montag den 29. Okt. Hatten wir einen herrlichen, sonnigen, freilich etwas heißen Tag und wanderten auf der ziemlich befahrenen Straße, in der Nähe des Sacra­mento, an vielem Fsusse hinauf. Auch hier waren nur die nächsten Ufer bewaldet, das klebrige weite, baum­lose, mit Buchen oder Gras dicht bewachsene Ebene. So still und öde dieselbe aber auch in früherer Zeit ge­wesen sein mochte, das blinkende Metall und der Ruf des neuen Eldorado, hatte ihren Charakter jetzt verän­dert, und wo sonst der Elk vielleicht majestätischen Schrittes di Steppe gekreuzt und seinen Durst in dem klaren Wasser des Stromes gelöscht hatte, wo der In. dianer, der rothe Soh» dieser Ebenen, mit Bogen und Pfeil seiner Bahn gefolgt, oder diesquaw in dem spitzen Rohrkorb unter der Last der zum Wintervorrath cingcsammclten Eicheln herangekeucht war, führten jetzt mit kräftigen Stieren bespannte Wäge», Massen von Provisionen den entfernten Bergen zu; Reiter, aus den Minen kommend, die «Büchsen vorne quer über dem Sattelknopf liegend, ihr weniges Gepäck hinter sich be­festigt, sprengten rasch und mit kaum flüchtigem Blick auf die ihnen begegnenden Wanderer, vorüber, und dort

dicht am Strom und weiter auf ter Ebene draußen, auf dem Fäbrweg sowohl wie manchmal ab von jeder be. tretenen Bahn, zogen kleine Carawanen mit einem oder mehreren Maulthieren , alle aber mit Proviant schwer beladen , den ersehnten Mi»e»distrikten zu. Ja mehr­mals trafen wir auch sogar Fußwanderer die nicht ein­mal ein einziges Packthier mit sich führten, sondern alles und jedes waS sie zu ihrem Bedarf gebrauchten, auf den eigenen Rücken trugen; das war aber nur selten, und die Leute haben das gewiß später schwer bereut.

Ueberhaupt gingen auch wir sämmtlich selber viel zu schwer beladen, troydem, daß wir noch das Packthier mit uns führten, und ich bin deßhalb zu dem festen Entschluß gekommen, auf spätern Märschen, wenn es nicht die bringen sie Nothwendigkeit erfordern sollte, keine zehnpfündige Last über die Schultern zu hängen, man wird sonst selbst zum Lastthier, und hat nur einzig unb allein damit zu thun, sich auf der Straße Hinznquälen, dabei nicht den mindesten Sinn für die überall in reichster Fülle ausgebreiteten Naturschönheitcn, und ist Abends, todmüde im Lager angelangt, kaum fähig mehr sein ein­faches Abendbrod zu bereiten und zu verzehren, so er­mattet sind die Glieder, so erschöpft ist der Körper.

An diesem Abend erreichten wir einen alten, aber verlassenen Lagerplatz der Indianer, und blieben dort. Er lag dicht am Ufer des Sacramento, an einer l>vchst romantischen und zugleich bequemen Stelle. Eine Menge

zurückgelassener Gegenstände, verriethen übrigens, wie der StamiN diesen Ort erst seit kurzer Zeit wahr, scheinlich erst seit der Errichtung einiger benachoarter amerikanischen Zelte verlassen haben konnte. Dicht am Strom waren noch die mit Stämmen künstlich er­richteten Derbaue, wo die Fischer gelegen, die den Strom hlnausragkndcn Planken, wo die Squaw das klare Wasser zum Kochen geholt; oben am hohen Ufer, lagen noch die runden Steine mit denen die gedörrten Eicheln zu Mehl gerieben werden, und vergessene ober absicht­lich zurückgelassene, ausgehölte Holzgefäße lehnten an verschiedenen Bäumen. Auch wackere Jäger waren die Männer gewesen mit ihrem einfachen Jagdgeschüy, dem Bogen und Pfeil was für tüchtige Hirschgeweihe lagen neben der einen umgestürzte» Weißeiche am Boden! Unb daneben gaben die beiden Fittiche eines erlegten AdlcrS Zeugnis; eines ander» guten Schützen^ Und wo waren die Jäger, wo die squaws die das Wasser ge­schöpft aus dem blinkenden einsamen Strom? Fortge­scheucht von den Gräbern der Ihrigen zogen sie in dem Lande umher, wo der Weiße ihren Frieden gestört, ihr Wild verjagt oder getèbtet, und selbst ihr Leben bedroht und genommen hatte. Ein einziges Jahr war im Stande gewesen, diesen fabelhaften U terschied hervorzubringen und der Indianer existirte in Wirklichkeit schon gar nicht mehr als Stamm, ehe er nur selber zu begreifen anfing, welche verberblid>e Veränderung das Einströmen der Bleichgesichter in sein Land, hervorgebracht hatte.