Hon nach, weil sie es Unrecht fand, daß die Ankla- gekammer die Unterschrift eines nicht gebrauchten Em- pfehluugsschrcibenö nicht für Hoch- und Landeöverrath erklärte. Mohr ist also vorläufig noch in H a ft. —
Köln, 9. April. In Elberfeld hat eine Schild« wache auf einen Gefangenen geschossen, weil er zum ! Fenster hinaussah ; dergleichen Uebungen sind, nament- J lich in Elberfeld, oft vorgekommen, und es darf nicht ! wundern, wenn der letzte Vorfall endlich einige Auf- , regung hervorrief.
— In diesen Tagen begrüßten wir seltene Gäste in Köln. Die englischen Guineen, die Rußland geborgt, reisten hier durch. Vorgestern waren es 2680 Mark j Gold, die auf ihrem Zuge nach Rußland die gute ’ totabt passirtcu. (Westd. Z.)
Stuttgart, 8. April. Heute ist die dritte Con- ferenz der Verfassungscommissäre mit der Regierung. Ob es die letzte sein wird, werden wir vielleicht schon morgen erfahren; wenigstens wird es > von gewisser Seite behauptet und nach einem Artikel ! im gestrigen „Staatsanzeiger" ist es gar nicht unwahr- ; scheinlich, daß aus den Grunde nichts zu Stande kom- ; men werde, weil die Regierung zu fest an den in der ; Thronrede ausgesprochenes Grundsätzen festhält und i dem Volke gar nichts irgend Annehmbares bietet. Ob ; die sodann nothwendig folgende Kammerauflösung und das Regieren mittelst Oktroyirungen oder Verfassungs- suspensiontn von dem jetzigen Ministerium ausgeheu werden, ist mehr als zweifelhaft. Die Camarilla scheint also entschieden an Boden zu gewinnen und somit ist ; in Bälde Manches auch in unserm Lande zu erleben, | das uns nicht blos weit vor den März 1848, sondern ; auch vor das Jahr 1819 (in welchem unsere Verfassung zu Stande kam) zurückführen wird. (F. I.)
Berlin, 7. April. Der Ausfall der Wahlen zur ersten Kammer, deren Resultate nur einzeln aus den Provinzen uns zufließen, macht auf eine sehr conser- vative Kammer Aussicht, welche in ihrer Majorität die bisherige erste Kammer weit hinter sich lassen dürfte.
München, 8. April. Die „N. M. Ztg." meldet: Nach einem Briefe aus Wien hat Preußen unter der Hand neue Schritte daselbst zu dem Behufe einer Verständigung mit Oesterreich und den übrigen dem Bündnisse vom 26. Mai nicht beigetretenen Staaten in der deutschen Verfassungsangelegenheit gethan.
Altona, 9. April. General Boni n, Oberbefehlshaber der schleswig-holsteinischen Truppen, hat diese Stelle niedergelegt und Willisen den Oberbefehl übernommen. (F. I)
Wien, 2. April. Es ist unendlich schwer, unparteiische Nachrichten aus Ungarn zu erhalten. Wer etwas weiß, verschweigt es, aus Furcht vor den Spitzeln, die wieder mit vormärzlicher Nonchalance die ganze Atmosphäre anfüllen. Selbst aus Bosnien erfährt man hier kaum mehr als Nichts. So viel ist gewiß, daß es in Ungarn schrecklich aussieht. Da Niemand Waffen zu zeigen wagt, so treiben die Räuberbanden ihr Wesen ungestört. Gleichwohl schlagen die Bauern die neuen Gensd'armen todt, wie tolle Hunde. Ein rein instinktiver Haß gegen diese Sorte von Knech- tcmgswerkzengen, die sie von den Räubern nicht unterscheiden, treibt sie dazu. Die Noth der Gensd'armen ist so groß, daß in einigen Gegenden die bloße Bedrohung derselben bereits mit kriegsrechtlicher Behandlung bedroht wurde. Die einzelnen Ungarn sind freilich entwaffnet, das Land ist es aber nicht. Es ist mir eine Gemeinde bekannt, in der die Gewehre in 7 Sägen feierlich zur Erde bestattet wurden und deren Geistlicher seine Pistolen im Tabernakel verborgen hat. Die ungarische Geistlichkeit ist revolutionärer als die jedes andern Landes, und wenn Herr Schwarzenberg überall dem lauschen könnte, wvs in den Beichtstühlen besprochen wird, so würde er sich gewaltig wundern. Der Ungar hat, wie dec alte Römer, seinen nationalen Gott und seine nationalen Heiligen. Wenn er zu seinem magyarischen Gott betet: „Erlöse uns vom Uebel," und die" Debrecziner Maria anfleht, „Bitte für uns!" so denkt er nur an sein unglückliches Vaterland. Dieses Ausgehen der Religion in den Patriotismus versöhnt alle Konfessionen, und den Schwarzgclbcn wird es schwer werden, sich eine klerikale Partei dort zu schaffen. In jeder Weise haben die Ungarn seit 1848 viel gelernt. Sic fürchten sich nicht einmal mehr vor den Spitzeln. Sie gehen ihnen aus dem Wege^ und wenn sie sich ihnen nähern, jo geschieht es, um sie zu dupireu oder zu erploitiren. Seitdem die so gewöhnlichen Judenspitzel nicht recht mehr helfen, hat die apostolische Regierung sich mit den Frauenzimmern in Einvernehmen gesetzt und zwar hat sie sich dabei auf einen cosmopolischcn Standpunkt gestellt, daß fast in allen größeren Städten einige Phryucn in ihrem Solde sind. Vor Kurzem wurde erst eine solche Spionin, Mrs. Razibula in London entlarvt. (W. Z.)
Wien, 6. April. Sicherem Vernehmen nach werden die Feldzeugmcister Freiherr v- Hayn au und Banus Jel lach ich von der Krone ansehnliche Dotationen in ungarischen Gütern erhalten, die der Fiskus von den verurtheilten Rebellen eingezoge» hat. Es heißt, daß bem Baron von Haynau die reichen Besitzungen des mit Pulver und Blei Hingerichteten Ju- surgentenführers v. Kiß zugedacht sind, bereit Werth über zwei Millionen Gulden beträgt. (S. M.)
— Dielministerielle Reichstagssitzung meldet wider Erwarten, daß das Interim, als allgemeine deutsche Bundesgewalt, noch auf einige Zeit werde verlängert werden.
Wien, 6. April. Die Zeitungen besprechen heute den Erfurter Vereins tag und sind, bei aller Partheiverschiedenheit, darin einverstanden, daß mit der neuesten Hinweisung des Herrn V. Radowitz auf den deutschen Bund dem Unionsbestrebe» Preußens das letzte Stündlein geschlagen habe. ' Man lockt indessen noch mit einer Territorialvergrößerung , welche man bem preußischen Staate zu gönnen vorgibt. Die„Oest. Korresp." will wissen, daß eine angemessene Verlängerung des Interims sehr wahrscheinlich sei, unb dahinzielende Verhandlungen bereits angeknüpft „sein dürften."
Für die Verfertigung einer Lokomotive die 2500 Ctr. mit der Geschwindigkeit von 1 % Meile, selbst bei ungünstigen Krümmungs- und Steigungsvcrhält- nissen zu befördern im Stande ist, hat das Handels- ministekium einen Preis von 20,000 Dukaten, außerdem noch 5 Accessitpreise von 10,000 und 6000 Dukaten ausgesetzt. — Dem Bezirke Leopoldstadt steht durch Verwendung mehrerer Menschenfreunde die Be- . gründung dreier kiiidcrfrcuudlichen Institute, einer Säuglingsanstalt, einer zweiten Kinderbewahranstalt und eines Kinderspitals, bevor.
— Einem so eben erlassenen Gouvernements-Befehl zufolge dürfen, während der Dauer des Belage- ruugszustaudes, alle Werke und Flugschriften, welche karikirte Xilographien ober Lithographien enthalten, nicht in Verkehr gebracht werden, und sind demnach, wo sie sich vorfinden, mit Beschlag zu belegen. In Folge dieses Befehls ist die von Hrn. Böhringer, ehemaligem Redakteur der „Geißel", in Heften herausgegebene Flugschrift unter dem Titel: „Jllustrirtes März- album von Hans Ohnefurcht" mit Verbot belegt, und deyen weitere Herausgabe uutersagt worden.
Griechenland.
Die griechische Angelegenheit wird immer verwickelter, eine Folge aller der Mißverständnisse und diplomatischen Fehler. Versuchen wir es, so viel wie möglich alle in dieser Angelegenheit begangenen Schnitzer aufzüzählcm Im Januar spricht Sir Wyse in einer Note von den Inselchen Sapienza und Cervi. Plötzlich zieht der griechische Minister des Auswärtigen, Hr Löndos, daraus den Schluß, Englands wolle diese Inselchen besitzen. I» seinem ersten Eifer schreibt er dies an den außerordentlichen Gesandten Griechen- land's in Petersburg, Hrn, Zographos. Dieser theilt dem Grafen Nesselrode die Klage mit, der nun sei- ; nerseits in hochtrabendem und drohendem Töne dieser- Halb an Lord Palmerston schreibt. Später klarte sich die Sache dahin auf, daß Sir Wyfe, indem er von Inselchen gesprochen, nicht beabsichtigt hat, den Besitz derselben zu erlangen. Nun bedauert der Kaiser Nicolaus die heftig gehaltene Note und trägt dem Grafen Nesselrode auf, in versöhnlichem Sinne an Lord Palmerston zu schreiben. Hierauf beschränken sich aber diese unglückseligen diplomatischen Schnitzer noch nicht. Bei dem Bekanntwerden der ersten (englischen) Note in Griechenland gerätst das Volk in Aufregung; die Vermittelung des Hrn. Gros, her mittlerweile im Piräus an kommt, wird ausgeschlagen. Es sieht schon im Geiste eine russische Armee zu seinem Schutze herbeicilen uud auch einen, Eroberungskrieg gegen die Türkei unternehmen. Nachdem Griechenland die Vermittlung Frankreichs von der Hand gewiesen hat, kommt die friedsame Note des Czaren an, in der er u. a. erklärt, er überlasse die Schlichtung der Angelegenheit, in sofern es sich nicht um die Inselchen Sapienza unb Cervi handelte, gänzlich Frankreich. Diese Erklärung gibt Hr. Persiani in Athen. — Die Griechen , sich von Rußland verlassen fühlend, schonen eS durchaus nicht mit ihren Vorwürfen. — So stehen die griechischen Angelegenheiten. — (Westd. Ztg,)
Italien.
Das „Giornale di Roma" vom 29. März veröffentlicht das Reglement des Velitencorps. Dieses Corps wird aus 1630 Mann mit 525 Pferde» bestehen und von einem Obersten befehligt werde». Folge»des ist der Eid, den jeder Vclite bei seinem Eintritt schwören muß: „Ich schwöre vor Gott und auf meine Ehre, gut und treu dem h. Stuhle und dem Papste, meinem legitimen Monarchen, zu dienen, meinen Oberen zu gehorchen in Allem, was den Dienst ^>cs b. Stuhles und Sr. Heiligkeit betrifft, und in der Ausübung meiner Amtsverrichtungen mich der Gewalt, welche mir anvertraut ist, nur zur Erhaltung der Ordnung und der Ausübung der Gesetze der päpstlichen Regierung zu bedienen." Der Eid wird von dem Vclite» ohne Waffen vor dem Präsidenten des Tribunals erster Jn- stanz in öffentlicher Audienz geleistet. — Dein „Monitore Toskana" zufolge ist die Vermählung des Grafen von Trapani, Bruders des Königs von Neapel, mit der Tochter des Großherzogs von Toskana wegen der Abreise des Papstes nach Rom auf einige Tage hinausgeschoben worden. — Das „Risorgimento" erklärt die Nachricht, daß der von Paris in Turin an- gekommene Erzbischof von Pigneroles, Msr. Charvaz, beauftragt sei, nach Rom zu reisen, um de» Papst zur Genehmigung des Gesetzes Siccardi zu bewegen, für grundlos. Das erwähnte Blatt will aus guter Quelle wissen, daß, wenn Msr. Charvaz sich nach Rom begebe, dies nur wegen persönlicher Angelegenheiten geschehen werde.
Spanien.
Madrid, 3. April. Die amtliche Zeitung enthält ein königliches Decret, welches in den Hauptstädten der Provinzen und den Seehäfen die Octroi-Abgaben für 62 allgemeine Verbrauchsartikel aufhebt. — Der Prinz und die Prinzessin von Joinville haben sich zu Cadir nach England eingeschifft, und der brasilianische Gesandte, welcher sich dorthin begeben hatte, ist hieher zuruckgekehrt. — Der „Heraldo" ist der Ansicht, daß das diesjährige Einnahme-Budget das vorjährige um 150 Millionen Realen übersteigen werde. — Gegenwärtig sind in Spanien fünf Eisenbahnen im Bau begriffen: von Madrid nach Aranjuez; von Matara nach Arens; von Asar nach Santander; von San Juan de las Abadessas nach Barcelona, und endlich die von Langres.
Großbritannien.
London, 8. April. Sicherem Vernehmen nach kann das freundschaftliche Arrangement der Differenz zwischen der spanischen _ und der britischen Regierung als eine vollendete Thatsache angesehen werden. Sofort wird sich, wie es heißt, ein Gesandter Englands nach Madrid begeben. General Narvaez nahm das Ultimatum Englands ohne Aenderung an, und es soll dieS Docuinent auch eine solche Fassung gehabt haben, daß es keine Empfindlichkeit wecken konnte, und zugleich die Ehre Englands in vollem Maße wahrte. Die officielle Anzeige von der Wiederherstellung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Spanien und England dürfte, nebst der betreffenden Correspondenz schon am 15. d. oder noch früher in der Madrider Zeitung veröffentlicht werden.
Belg i e n.
Antwerpen. Nach Berichten aus England hat der Sturm vom 30. bis 31. März, Nachts, an den Küsten von England, Schottland und Irland bedeutende Verheerungen und Unglücke verursacht. Auf der östliche» Küste von England sind 30 Schisse unterge- gangen. Ein eben von Limerik mit 170 Auswanderern nach New-Aork abgegangenes Schiss ist gescheitert und ist die ganze Bemannung umgekommen. — Ein belgischer Ingenieur hat eine Maschine erfunden, mit der er behufs Anlage einer Eisenbahn von Turin nach Chambery einen Tunnel durch die Alpen bohren will.
Schweiz.
Lauffen, 4. April. Heute versammelten sich dahier sämmtliche «Schullehrer des Lauffeuthals, um zu berathe», ob unb welche Partei für die entfd^eibenben Wahle» am 5. Mai zu ergreifen sei. Der einmütige Beschluß ging dahin, daß das intellektuelle Inte reche der Schule wie das persönliche der Schullehrer (mit besouderm Hinblick auf die konservative schttlumwälzung in der Afterrevublik Frankreich) dringend erfordere, den Radikalismus mit Wort und That zu unterstützen. (Sch. N.-Z.)
Republik Frankreich.
Paris, 8. April. (M. Z.) Die neueste Sonntagsnummer des Napoleon enthält zahlreiche Artikel über die Fragen des Tages, erinnert aber in einer Note daran, daß diese Artikel nicht offiziell seien. Es ist recht gut, daß er dieses thut, man würde sonst schon heute den Präsidenten als Verräther tituliren. Während er noch gestern bei Eröffnung der Verhandlungen des Conseil für Ackerbau und Handel eine mit den schönsten Phrasen ausgestattete "Rede hielt und von Hebung des Vertrauens und der gesellschaftlichen Ordnung sprach , enthält sein Wochenblatt zwei Artikel, worin er die Wähler von Paris darauf aufmerksam macht, daß das Wahlgesetz geändert, also das allgemeine stimmrecht aufgehoben werden würde, wenn der Kandidat seiner Partei nicht den Sieg gewänne, unb worin er ferner die Revision der Konstitution als bevorstehend hinstellt.
Die Patrie bemerkt hierzu: Wir haben heute im Napoleon mehrere Artikel gelesen, welche von einem wahren. Gefühls über die gegenwärtige Lage eingegeben sind. Wir sind glücklich, uns als vollkommen "einverstanden mit denselben erklären zu können!
Paris, .8.^April. Der Papst Mus IX. hat zwar Pvrtici verlassen, um nach seinen Staaten zurück;»-^ kehre». Es heißt nun aber, daß er sich vorerst nicht nach Rom begeben werde. In einem geheimen Con- fWiiim soll, kurz vor der Abreise von Portici, der Beschluß gefaßt worden sein, daß der Papst sich nach Bologna verfügen solle. Pius IX. würde also dem Wunsche Frankreichs, daß er „nach seinen Staaten" zurückkehren möge, entsprechen; er würde aber hier seine Residenz in einer Stadt aufschladen, wo er, unter bem Schirme Oesterreichs, sich sicherer fühlen würde. Es muß indeß bemerkt werde», daß diese Nachricht, obschon sie für positiv ausgegeben wird, noch seine vier offizielle Bestätigung für sich hat. Jin Conferenzsaale der Natioiialversammlung verbreitete sich diesen Liach- mittag das Gerücht, der Papst wäre auf dem Wege von Portici nach Lerracina vergiftet worden. Doch fand diese Ausstreuung nicht den geringsten Glauben, ebenso ein anderes Gerücht, nach welchem dem PraH benten LoniS Napoleon gestern auf ben elisesschen Feldern abermals eln sehr unfreundlicher Empfang von Seiten eines Volkshaufens zu Theil geworden wäre.
(Fr. I.)