Die slavische Welt verlangt danach, sich in eine freie Föderation zu setzen; Rußland ist die orgainsirte slavische Welt, der slavische Staat. Ihm gehört also die Hegemonie, aber der Czar stößt sie zurück. Anstatt die Brudervölker seines Volkes zu sich zu rufen, dcnnnzirt er sie; anstatt sich an die Spitze der slavischen Bewegung zu stellen, leiht er seinen Arm und seinen Namen den Henkern der Slaven. Er fürch- tet jede Bewegung, jedes Leben, er fürchtet die Armee, welche nicht mehr in die Heimath zurückkehren, sondern lieber revoltiren möchte, die Armee, welche tapfer ist, aber nicht ergeben, welche vor dem Feinde flieht, aber in Friekenszeiten beferhrt, welche der erbärmlichen Behandlung, der unerträglichen Mühseligkeiten müde ist, und welche in sich die Verzweiflung einer verlornen Cristen; trägt.
Der russische Soldat muß 15 und selbst 17 Jahre dienen, und man will damit, daß er aüfhöre, Mensch zu sein, um ein Instrument der Regierung zu werden. Er fängt aber an, diese ungeheure Ungerechtigkeit zu begreifen; er murrt, und die Regierung bettachtet Mit düsterer Angst die trübe und flüstere Haltung ihrer Regimenter, ohne zu wissen, wo sie ein Heilmittel holen solle. Wenn sie Eadr-es der Armee verringern wollte, könnte sie das Land nicht mehr im Zaume halten; wenn sie die Dauer der Dienstzeit herabsetzen und jedes Jahr eine Masse junger, in den Waffen geübter Leute in die Provinzen werfen wollte, würden sich die Bauern in Masse erheben; es würde das Signal zu einer Jaquerie sein!
Und warum würden sie sich in Masse erheben, da doch der russische Bauer Land besitzt und eine Cvm- munalorganisation hat, welche jedes Proletariat unmöglich macht? Weil die Romanoffe, anstatt die Reformatoren, die Beschützer der Civilisation zu sein, anstatt die niederbeugende Dienstbarkeit der Bauern abzuschaffen, sie ausgedehnt und bestätigt haben, weil sie selbst das barbarische Recht der Leibeigenschaft ausübten und noch ausüben; weil sie den Mißbrauch le* galisirt, die grausamen Mißbräuche allgemein gemacht haben, um den Adel für sich zu gewinnen und sich
auf Etwas in der Ration zu stützen. Sic haben eine Noblesse geschaffen, indem sie sie vorher zur^Eivilisa- hon und zue Sklaverei bestimmten, und sie haben Recht gehabt, mit ihrer Korruption anznfangen!
Unglückliche russische Bauern, was hat man seit dem Beginn des achtzehnten Zahrhuuvertö für Euch gethan? Ist es nicht die FreNndtN Voltaires, Katharina die Z reite, die Mutter des Vaterlandes, welche die Dienstbarkeit in Klein-Rußland emjichrte, welche die Kosaken der Ukraine in Leibeigene umwanoelte? Katharina plünderte die Klöster Mittel-Rußlands, um die Gemeinden, welche dazu gehörten, ihren Liebhäoern als Salair zu geben. Ihr Sohn, der gekrönte Ma- niac, belohnte am Vorabend des 19. Jahrhunderts Oie Servilität seiner Höflinge mit dem Geichenke von einigen Tausend Banern-Sklaven, und erkaufte so die Verlängerung seiner Etistenz um einige Tage.
Als die Regierung die ganze Ungerechtigkeit, oder besser, die ganze Thorheit dieses politlichèn Raubes zum Vortheil einer einzigen Kaste einsah, war cs zu spät, um zu helfen. Die Noblesse wollte ihre Beute nicht loslasscn, ohne wtnigftenS einige politische Rechte zu erobern» Von dem Volke losgerissen, auf dem Wege der offiziellen Civilisation von der Regierung nachgc- zogen, war sie die festeste Stütze des Thrones und der kaiserlichen Familie, und dennoch war sie es zuerst, welche sich von der Regierung lossagte, und wenn cs zwischen diesen Beiden noch ein Band gibt, weiches sie zusainmenhält, so ist es die Herrschaft, welche sie mit gemeinsamem Nutzen über den Bauer ausüben. Monströse Verbindung. DaS Gouvernement bemerkte eS und war über die Undankbarkeit der Noblesse nu dignirt; es hatte geglaubt, mit der Civilisation spielen zukönnen, aber es vergaß, daß das letzte Wort der Civilisation Revolution heißt.
Damals begann die Regierung einen stummen Kampf gegen die Gesetze des Adels; sie unterminirte sie, indem sie dieselben zu befestigen schien. Sie hat die Absicht, die herrschaftlichen Gemeinden zu emanzi- viren, und wagt nicht, Hand ans Werk zu legen und straft mit unerhörter Strenge jede populäre Bewe
gung, welche diese Emanzipation bezweckt. Die Regierung schwankt zwischen der Furcht vor einer Ja- querie *) und der Gefahr einer Revolution; sie empfiehlt der Noblesse die Freigânrgejnud legt den Bauern stummen und passiven Gehorsam auf; sie wünscht die Befreiung der herrschaftlichen Gemeinden (Leib- eigendorfer) und macht die Befreiten zu Sklaven der kaiserlichen Domänen.
UebevaK Verwirrung und Chaos! Das russische Gouvernement, mißtrauisch und uuentschlosicu, mehr brutal als fest, umgeben von einer verkäuflichen und treulosen Bureaukratie, betrogen durch seine Polizei, verkauft durch seine Freunde, befindet sich auf einem Wege ohne Ausgang. Ein durch die Erpressung beschränkter Despotismus, wünscht es manchmal, die Leiden des Volkes zu mildern, und kann nicht dazu gelangen; er möchte manchmal der organfirteu Plünderung Einhalt thun, und die Plünderung ist stärker als die Regierung. Trübe, gallicht und verhärtet, hat sie keine dauerhafte Stütze als die Armee. Und wenn zufällig die Armee nicht so unbeweglich wäre, wie sie glaubt? (Mainz. Z.)
•) Nicdccmctzelung des Adels durch die Bauern.
Berichtigung.
Bezüglich des Artikels IV über die Domänen-An- gclegenhcit sind folgende Berichtigungen a lzuzeigen: Sp. 1 Zeile 6 von oben statt 1807 lies 1817. Sp. 2 Zeile 33 von oben ist nach „ bis jetzt einge- bra$t?" einzuschalten: „Die Beantwortung dieser Frage führt zu obigen 3 Millionen."
Verantwortlicher Redakteur: Z Oppermann.
Bekaantmaeyuage»,
Bekanntmachung.
(357) Montag, den 15. d. M., Morgens 9 Uhr, werden in dem alten Zollhofe zu Biebrich Backsteine, Sandsteine, Dachziegeln, Zimmerholz, Fußböden, Thüren, Fenster und sonstige Baumaterialien, sowie einige Bauwcrkzcugc, uamcntllch Steinhauergeschlrrè, öffentlich versteigert. —
Wiesbaden, den 9. April 1850. Herzoglich Nassauisches Kreisamt.
8 e r g c r.__
Zur Nachricht.
(359z?Die von Herrn Chr. Ried aus Königstein während seiner Untersuchungshaft, wegen Dckhciligung an der badischen Volkserhebung, in dem hiesigen Criminalgcfängniß aus getautem Brode modellirten Figuren sind im Gasthause zu den vier Jahreszeiten dahrèr, von hrnte bis zum Sonntag Abend, ausgestellt. Wer dieselben zu sehen wünscht, beliebe beim Eingang einen freiwilligen Beitrag, welcher zu mildthätigen Zwecken verwendet wird, zu geben.
Zugleich wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß Herr Chr Ried Nachmittags von 2 — 4 Uhr zugegen ist, und mit Bereitwilligkeit Erklärungen über die betreffenden Gegenstände geben wird. —
Wiesbaden, den 11. April 1850.
Zur Nachricht für Auswanderer.
(282) Das von der Königlich Preußischen, Herzoglich Nassauischen und mehreren andern deutschen Regierungen genehmigte
Bureau zum Schutze der Auswanderer von F. W. GeU- hausen in Coblenz befördert Auswanderer zu jeder Zeit über alle deutsche und französische Häfen nach Amerika, zu den billigsten Preisen, ohne Nachzahlung und unter Führung eines Condnkteurs.
Bei dem genannten Bureau sowohl, als auch bei dem Agenten C. J. Biegel in Limburg an d. L. sind Prosvekte unentgeltlich in Empfang zu nehmen, welche über daS Verhalten vor und während der Reise, bei der Ankunft in Amerika und über die Ansiedelung daselbst die belehrendste Aufklärung geben.
(321) Bei Robert Jacobsohn in Ratibor ist erschienen und in der H. W. Rètter'schen Buchhandlung in Wiesbaden zu haben:
Wie Sonntagsfeier, betrachtet in Hinsicht auf öffentliche Gesundheit, Moral, Familien- und Bürgerleben.
Von Proudhon.
Es muß bestimmte und periodische Versammlungen geben, die nicht abgeschafft oder vertagt werden können, so daß an einem festgesetzten Tage daS Volk gesetzmäßig zusammen berufen ist, ohne daß eS irgend einer andern formellen Zusam- . menberufung bedarf,
I. I. Rousseau, contr. sociale. Aus dem Französischen. Preis: 27 Kreuzer.
(134) Bei F. A. Brockhaus in Leipzig ist erschienen und in der H. W. Ritter- schen Buchhandlung in Wiesbaden zu haben:
Warum hat die Revolution in England gesiegt?
Betrachtungen
über di« Geschichte der Nevosntron in England von Guizot.
Ans dem Französischen. Preis: 36 kr.
(238) Wichtig für Auswanderer.
aRegelmässige Postschifffahrt
zwischen Antwerpen «L* IVew-York.
Abfahrt von Antwerpen am 1. und 15. jeden Monats.
Die Schiffe dieser Linie, wie: Luconia, Capitain Hamilton; Hector, Capitain Post; Victoria, Capitain Whatlington; Cotton Plan ter, Capitain Pratt u. f. w. — find alle als vorzügliche gekupferte Dreimaster erster Classe bekannt und werden von erfahrenen, menschenfreundlichen Capitainen geführt.
Denjenigen Auswanderern, welche im Anfang des Frühjahres ihre Reise antreten wollen, diene zur Anzeige, daß die
Victoria, Capitain Whatlington am 1. April,
Cotton Planier, Capllain Pratt am 15. April, crpcdirt werden, und daß sie zur Sicherung ihrer Plätze sich frühzeitig an die Unterart (inctcn und deren Agenten wenden müssen.
Außer obigen Schiffen crpeoiren wir auch mit Beginne des Frühjahres schöne amerikanische Dreimaster
naeh New-Orleans.
Nähere Auskunft über Preißc und Bedingungen ertheilen
Br. G. Strecker J, J. Bleist Jos. Stock
in Mainz. in Bingen. in Crcuznach. „F. J. .YSöleier in Wiesbaden, concessionirter Haupt-Agent.
Sowie die Agenten: Herr Bernhortl Ekrtnann in Hattersheim; Herr Carl Eang in Ems; Amrsarmeucassirer Maurer in Langenschwalbach; F. J. Meckel inHrrborn; Wilhelm Wagner, Rechtspraktikant in St. G o ars pa u sen.
(263> Einladung zur Subscription
auf
„Die Männer und Frane» des Naffanischru Belkes"
von Friedrich Schulz.
DaS Werk erscheint in 6 Heften in Zwisch mräumcn von 5—3 Wochen, daS erüc Hcft im Mai. Jedes Heft von 5—6 Wochen kostet im SubscriptionSpreis 18 kr. rhein, — 5 Sgr. Und enthält ohngefâhr sechs bis acht Lebensbeschreibungen. DaS erste Heft wirs Schilderungen bringen von dem um Laiidmirthschaft so verdiente» Pfarrer Christ, von Seminardirector Gruner, Gymnasial« director Snell, Bergrath Buderus, den Staatsmännern Weitzel und Gagern, dem Vater, sowie von der Dichterin Adelheid v. Stolterfoth. Der Verfasser, vcm vielseitige Nnte-akutzung zu Theil geworden, wird sich bemühen, den Bewohnern des Herzogthnml ein anregendes Buch in die Hände zu geben und der Verleger, welcher um recht zahlreiche Subscription hiermit bittet, verspricht eine freundliche Ausstattung desselben. — Subscribentensammler erhalten auf 10 Exemplare ein Freiexemplar.
Weilburg, im März 1850. L. E. Lanz.
(354) Herr Caplan Kunz hat gegen meinen Artikel in der „Freien Zeitung" protestirt und sagt, es sei ein äußeres Geschrei, erklärt mich als Lügner und Verlâumder; ich bin aber meiner Sache ebenso gewiß, wie Herr Caplan Kunz. Nach einer gerichtlichen Untersuchung konnte er sich solches bedienen; jetzt aber liegt die Sache dem Gericht vor.
Laubach. Conrad Heubel.
(311) Ein Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaft, der neben diesen Unterrichtsgegenständen auch die übrigen Zweige des sog. realistischen Wissens vorzutragen im Stande ist, sucht eine angemessene Stellung, sei es an einem schon bestehenden oder an einem im Verein mit Andern noch zu gründenden Knabeninstitut. Erkundigungen bittet man in frankirten Briefen bei der Expedition d. Bl. einzuholen.
Agentengssnch.
(355) Für ein einträgliches Geschäft, welches ohne Kapital überall betrieben werden kann, werden Mitarbeiter gesucht und wird besonders auf ausgcbreitcte Bekanntschaften gesehen.
Hierauf Rcflectirende belieben sich unter J. A. K. franco, Post restante Frankfurt a. M. zu wenden.
(356) Einsteher werden gesucht. Wo? sagt die Erped. d. Bl.
(346) Ein Militärcinsteher wird gesucht. Von wem? sagt die Erped. d. Bl.
(332) Bei Metzger I.'Sewald wird ein Lehrling gesucht.
Druck und Verlag der C. Ritter'schen Buchdruckerri.