Ne^ÄvèLc Frankreich
Paris, 3. April. Viele Journale sprechen sich energisch gegen die Beschlagnahme der Boir Mi peuple wegen beo Artikels: „Sozialisten und Malthusianer", aus. Der "National sagt darüber: „Wir haben den Artikel, den der Prokurator der Republik schuldig befunden hat, mit der größtmöglichsten Aufmerksamkeit gelesen, und können nicht von unserm Erstaunen über Verfolgung desselben zuruckkommen. Dieser Artikel ist mit Ruhe, mit dem größten Ernst und der vollsten Ueberzeugung geschrieben. Der Autor vertheidigt darin den Sozia- lisnino gegen die unsinnigen Anklagen des Hasses, gegen die Religion und gegen das Eigenthum. Er erklärt, vom Eigenthum nichts abzuweisc», als dessen Mißbräuche, und vom Katholizismus nichts, als die falschen Anwendungen, welche man damit auf dw menschlichen Leidenschaften gemacht hat. Er neigt sich jedoch vor der gereinigten Religion und vor dem Eigenthum, welchem die Privilegien entzogen sind, die es zu einem Instrument der Unterdrückung machen. Heißt das, das Prinzip des Eigeuchums angreifeii, i-eißt das eine gesetzlich anerkannte Religion beschimpfen oder verspotten? (So lauteten die Motive der Beschlagnahme.) Das Resultat der Anklage dagegen und des Prozesses beunruhigen uns durchaus nicht; aber das Faktum selbst ist ernst genug, und verdient, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wovon in Frankreich die Freiheit, zu denken und zu schreiben, abhängt. Wenn das Eigenthum und die Religion zwei heilige Säulen |rit, welche nur von ferne und mit gläubigem Vertrauen an* gebetet werden müssen, deren fundamentale Bc- diugungen nicht untersucht, deren Anwendungen nicht diskutirt werden dürfen, wen cs verboten ist, zu vermuthen, sei dies mit Recht oder Unrecht, daß menschliche Leidenschaften zu dem reinem Gold einige Ge- wichtstheile gemeines Blei gemischt haben, wenn cs verboten ist, zu verlangen, daß diese Mißbräuche abgeschafft und reformirt werden, dann könnt Ihr sogleich eben so gut erklären, daß die Freiheit der Presse nicht mehr besteht, daß die Konstitution, welche sie verleiht, abgeschafft ist, oder noch besser, daß die letz. ; ten drei Jahrhunderte unserer Geschichte nur ein Traum ' sind: daß Franz I. noch regiert, daß der Buchdrucker.’ Etienne Dolet, der Ketzerei überwiesen, morgen au- öffentlichem Platze verbrannt wird, und daß die Buch druckerei selbst, diese verführerische, diese verhängniß volle Kunst, für immer unterdrückt ist!"
Paris, 3. April. Das Budget brr Stadt Paris ( für das laufende Jahr ist sowohl für die Einnahmen i als die Ausgaben auf 48,803,470 Frs. festgesetzt. — ' Unter den Einnahmen ist das Oktroi mit 32,715,000 Frs. ausgeführt; unter den Ausgaben fignrire» 7,128,124 Frs für Spitäler und milde Anstalten, 7,500,788 Frs. für das Budget der Polizei - Präfektur, 6 Millionen
für die neuen Bauten und mehr als 3'. 2 Million für Iusiandhal!ungsarbeileu. Die Bevölkerung von Paris betrug bei der letzten amtlichen Zählung vor fast 4 Jahren 945,725 Seelen, ist aber seitdem über eine Million gestiegen. — Rach einem unverbürgten Gerücht wäre zwischen V. Napoleon und Eoangarnier eine kleine Mißhelligkeit entstanden, weil letzterer sich unaufgefordert bei der vorgestern plötzlich von ersterem anbefohlenen Revue zu Vinccnnes mit zahlreichem Stabe einfand. Auf die Anfrage des überraschten Präsidenten soll Changarnier erwidert haben, daß gunc Eigenschaft als kommaurnrender General der ersten Mllilâ.division ihn verpflichte, alle Evolutionen zu leiten, die der Präsident anznordnen beliebe, indem derselbe nach Art. 10 der Verfassung persönlich nicht kommandiren könne. Die zu Vincennes angestellten Schießübungen wurden übrigens mit großer Vollendung ausgeführt. Als der Präsident, von Vincennes zurückkehrend, über den Platz der Thronbarriere und durch die Vorstadt St. Antoine fuhr, brachen die dort ans Anlaß des Pfefferkucheumarkles versammelten zahlreichen Volksmassen einmuthig in laute Vivats für die Republik aus, und mehrere Männer aus dem Volke, welche sich dem Wagen L. Napoleons näherten, riefen: „Wir wollen nichts als die Republik!" In der Nationalversammlung wurde heute auch erzählt, daß L. Napoleon bei der Hinfahrt nach Vincennes zwischen der Thronbarriere und St. Mandö plötzlich von einem Haufen Leute umnngt worden nb cir ipm mit der Faust drohelen und schrieen: „Es lebe die Republik! ES lebe die demokratische und sociale Republik! Nieder mit Napoleon! Nieder mit dem Tn- rannen'"
— Der würtcmbergische Geschäftsträger soll gestern in besonderer Änkicn; L. Napoleon eine von seinem Könige an alle Regierungen von Europa gerichtete Denkschrift überreicht haben. — Der Staalsprokurator hat gestern eine legilimistische Monatsschrift wegen eines Artikels, der Die Aufschrift trägt: „Nieder mit der Republik!" in Beschlag nehmen lassen. Die Anklage lautet auf Angriff der republikanischen Institutionen und Verfassung. — Die National - Versammlung befindet sich in Bezug auf das Preßgesctz foitwaprend in großer Verlegenheit wegen des einmuthigen Sturmes, keil dasselbe bei den Journalen der gemäßigten Partei zu Paris und in ken Provinzen her vorgerufen hat. Heute findet abermals eine Zusammenkunft der Abgeordneten der gemäßigten Presse statt, va dieselben nächster Tage abermals von dem Ausschuß des Preßgesetzes empfangen werden sollen. Wie man versichert, neigt sich die Commission gegenwärtig zur gänzlichen Verwerfung der Cautionserhöhung und der Einführung deS ZeitungSstempels und zu einem Amendement hin, wonach künftig jedes Journal, das eine gerichtliche Vcrurthcilungerfahren hat, binnen drei Tagen
feine Geldstrafen und die Gerichtskosten bezahlen muß, widrigenfalls es nicht fortfahren kann, zu erscheinen. Diese Maßregel würde allerdings die konservative Presse nicht mitteesfen und daher einem Hanpteinwand gegen das ministerielle Preßgesetz entgehen. (K. j)
Paris, 4. April, Abends 8 Uhr. Die Wahl eines neuen Dcpntirte» für Paris an V dal's Stelle ist auf den 28. April ausgeschrieben.
Die Nationalversammlung wählte bei der heutigen Neuwahl Dupin zum Präsidenten, Bedeau und Daru zu Vieepräsikenten. Der Justizminister legte Den Gesetzentwurf über die Hypothekcureform, der Fiuauzmi. iiistcr den Budget-Entwurf für 1851 vor, wonach sich die Ausgaben auf 1283 Millionen revucireu.
Am 27. März sind 124 polnische Flüchtlinge auf Malta angekommen. (Köln. Ztg.)
Erklärung.
Zu meinem nicht geringen Erstaunen finde ich eben in Nr. 82 der Nass Allg. Zeitung eine Erklärung deS Herrn Dr. N< etz in Hachenburg, die mir die Nichtberücksichtigung einer zugeseudeteu faktischen Besichtigung vorwirft.
Ich kann mich nämlich ganz und gar nicht entsinnen, die fragliche Erklärung deS Hrn. Dr. Metz je erhalten zu haben. Ich habe heute sofort nach dieser Erklärung nachgeforscht und allerdings in Erfahrung gebracht, es sei ein Schreiben des Herrn Metz für mich in der Erpeditiou abgegeben worden. Wahrscheinlich ist dieses verlegt worden, und es konnte auch brö jetzt noch nicht wieder aufgefunden werden.
Indem ich Dem billigen Ermessen des Hrn. Metz ganz anhcimgebe, zu beurtheilen, ob es nicht passender gewesen wäre, vorerst noch einmal anzufragen, anstatt ohne Weiteres Verdächtigungen ausznsprecheu, erkläre ich ihm hiermit zugleich, daß ich sehr bereitwillig eine faktische Berichtigung dessen, waS in Nr. 65 über seine Person gesagt ist, aufnchmen werde.
Wiesbaden, 6. April 1850. J. Opper m a n n.
Amtliche Nachrichten.
Der Lehraehnlfe Wintermeyer in Dillenburg ist zum Lehrer daselbst ernannt worden.
Am 27. März ist der Lehrer Weidenfeller zu Gierod und am 28. März der Lehrer Medenbach zu Vogel mit Tode abgegangen.
Maisz, 5. April 1810.
Waizeu per Maller »00 Pfv. ... 7 fl. 13 fr. Kern ditto . . 4 fl. 59 fr. Gerste ditto ... 4 fl. 31 fr. Hafer |titto ... 6 fl. 6 fr.
Spelz ditto . . • — fl. — fr.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
^ Demokratie.
Generalversammlung.
Wichtige Angelegenheiten.
Die Mitglieder des früheren Arbeitervereins ver- sammeln sich Montag, den 8., Abends um 8 Uhr, im Nerothal; diejenigen des Turnvereins Dienstag, den 9., Abends um 8 Uhr in demselben Vocal und diejenigen des Vereins zur Wahrung der Volksrechte Mittwoch, 'den 10. zur selben Zeit und an demselben Orte.
Der vereinigte Vorstand.
NB. Diejenigen, welche Mitglieder mehrerer dieser Vereine sind, oder waren, werden dringend gebeten, einer jeden Sitzung der Vereine, welchen sie angchören, oder angehörten, beizuwohnen.
Eentvak^ Verein für Auswanderung
zu Köln und Düffeldorf.
Regelmäßige Beförderung von Auswanderern nach allen Häfen von Nord - Amerika, nach Brasilien, Australien und Californien, über Bremen, Hamburg, Havre, Antwerpen und Rotterdam an bestimmten Abfahrtstagen zu fest normirten Preisen.
Wichtig für Auswanderer.
(347) Vie Sicsiersieit,
Gesellschaf t zum Schutze der Auswanderer.
Der Zweck dieser Gesellschaft ist, bei der größtmöglichsten Sicherheit und den billigsten Preisen die Auswanderer gegen jede Art voo Betrug und Prellerei zu schützen und ihnen mit Rath und That beizustehen.
Die Abfahrten finden Statt:
jede Woche nach New-Aork und
am 30. März, 15. und 30. April nach Ncw-OrleanS.
Jeder Transport wird von einem; solidem erfahrenen Condncteu, bis in den Seehafen begleitet.
Preis der Ueberfahrt im Monat März und April t von Frankfurt, Mainz, Biebrich Bingen oder Coblenz bis New-Avrkl
Ueber Antwerpen............Mfl.
„ Havre per Postschiff......... 65 ,
„ Liverpool mit vollständiger Verköstigung . . 70 „
Kopfgeld und freier Transport von 2 Eentner Reisegepäck find in diesem billigen Preis »iw- begriffen.
Prospekt» und alle möglich» Auskunft werden auf frankirte Briefe bereitwillig ertheilt von Professor Mayer sen., General - Agent __________________in Bockenheim, bei Frankfurt a/M. _________
Concessionirte Haupt-Agentür für das Herzogthum Nassau zur Beförderung von Auswanderern.
(328),* Der unterzeichnete Hauptagent erpedirt monatlich 4mal Auswanderer nach den Hâf»n Amerikas über Havre und Antwerpen zu möglichst billigen Preisen.
Wsiesbaden, im April 1850. Caspar Kau, Langgaffe.
Prospettiis und nähere Auskunft auf dem Central -Bureau, Friedrich -Wilhelmstraßt Nro. (i—8, sowie bei unsern sämmtlichen Herren Agenten.
Köln, den 26. März 1850.
Unter Bezugnahme an das Vorstehende erklären sich die Unterzeichneten zur Ausfertigung von Ueberfahrts-Verträgrn bereit.
Wiesbaden und Biebrich im April 1850.
(337) JF. II Kaeeebicr. Ii. liifffcnbttvh.
(333) Unterzeichneter empfiehlt fein neu eingerichtetes
Haarschneide - Cabinet re.
TauiiuSstraße Nro. ,24, dem Kochbrunnen ge
genüber. ll*i Ui. BriiM.
(330) Von heute an wieder Lagerbier bei H. Engel.
P o st s ch i f f e zwischen London und Jeir - ^ork.
• Die Spe^al-Agentur der einzigen' regelmäßigen s$3fh't^1f^ durch
Zhre 16 großen, schönen, dreimastigen, gekupfL^n, schnellsegelnden amerikanischen Postschiffe.: Mckktown, Victoria, Independente)' Hendrik Hudson, London, Margaret Evans, Switzerland, Devonshire, Sir Robert Peel, American Eagle, Prince Albert, Westminster, Gladiator, Northumberland, Wellington und Southampton am 6., 13., 21. und 28. eines jeden Monats von London absegelnd, Auswanderer zu den billigsten Preißen. Das Nähere ertheilt auf portofreie Anfragen
Mainz, den 1. Februar 1850
G. II. Paulsen. Special-Agent, Rheinstraße, Colonnade 9tro. 503 in Mainz.
Ferner die Agenten desselben: Herren Christoph Wagner in St. Goarshausen, Gottfried Kraus in Biebrich.
(335) Ich zeige hiermit ergebens! an, daß ich meine bisherige Wohnung verlassen und eine andere in der untern Webergaffe, vis-â-vis dem BadhauS zum Stern, bezogen habe. Zugleich bitte ich meine Freunde und Gönnst, das mir bisher geschenkte Zutrauen auch ferner,mir zu Theil werden zu taffen. Ich werde stejS bemüht sein, meine geehrten Abnehmer prompt und reell zu bedienen. - '
.. Wiesbaden, den 6. April 1850.
BMlipp Ila ns,
Hutmacher.
(336) Die Adam Dörrin hat fich unterstanden zu sagen: ich habe einen großen Sohn. Ich erkläre fie für eine schändliche, ehrlose Lügnerin und Verläumderin bis sie erweist, daß ich jemals ein Kind gehabt und einen Sohn habe.
Wiesbaden, den 5. April 1850.
C. v. «r MiiMen.
(332) Bei Metzger J. Sewald wird ein Lehrling gesucht.
(331) Von heute an ist vollständiges Mittagessen ü 16 fr., für Abonnenten za 14 fr., zu haben bei Nathan Kirsch, Metzgergermeister. (Neugaffe Nro. 11.)
(324) Ein gesitteter Junge hiefiger Stadt, der eine gute Hand schreibt, wird auf eine Schreibstube gesucht. — Wo? sagt die Erped. d. Bl.
(319) Zum Einrahmen von Bildern, besonders in Goldleifien, empfiehlt fich
B. Bauli,
. Buchbinder. (Goldgasse Nro. 20)
(323) In der Bnrgstraße Nro. 2, in der Nähe des Realgymnasiums, kann ein Logis mit Kost für zwei Schüler abgegeben werden.
(304) Frisch gebrannter Kalk ist zu haben bei Marbarg <f Zintgra/T, hinter der Kaserne.
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag, den 7. April. Zum Erstenmale : Ein Sommernachts« träum, nach Shakespeare in 3 Auszügen. Uebersetzt von Schlegel.