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Deutschland.

na Hadamar. Es verbreitet Mch hier daS omi­nöse Gerücht, daß auch unsere Stadt demnächst durch einen Besuch der bekannten Redemtoristen heimgesucht werden soll. Wir bedauern unsere nassauische Geist­lichkeit, die damit öffentlich den Beweis ihrer großen Fähigkeiten ablegt, und hätte dieselbe nach unserer Ansicht nicht nöthig, so bescheiden zu sein, denn leider sind auch hier in den letzten Jahren nach deren Sinn sogenannteFortschritte" auf dem Gebiete deS religiösen und kirchlichen Lebens gemacht worden. Wir bedauern aber auch unsere guten Bürger, die durch die Erscheinung dieser Mönche daS böse Licht auf sich werfen lassen, als bedürften sie derselben, um aus einem Sündenpfuhl heransgeripen zu werden; be­sonders aber bedauern wir unser weibliches Geschlecht und würden es nicht jo ohne Folgen geschehen lassen, wenn deren Ehre und Schamgefühl auf die bekannte schauderhafte Weise verletzt werden sollte. Diese Her­ren mögen sich hüten, daß sic nicht einmal von einer verkappten Donna im Beichtstuhl auf's Eis geführt werden. Wir sollten uns jetzt vielmehr mit der an­geregten Lebensfrage einer Eisenbahn befassen, damit das Leben endlich einmal bedeutend werde; denn wenn sich einmal Altes bewegt, wenn es saust und braust, und die allgemeine Bildung mit Riesenschritten zuge- führt wird, werden auch solche finstere Gäste mit ihren Lehren nicht mehr bei uns einkehren wollen.

K Aus dem Amte Rennerod, den 3. April. Die Nassauische Allgemeine Zeitung gehört immer mehren den seltenen Vögeln des Westerwaldes. So wie sich im Dorfe Wallenfels, Amts Herborn, kein Spatz sehen läßt, so wird auch die Zeit kommen, wo man die Nass. Allg. Ztg. auf dem Westerwalde nicht mehr erblickt oder sie höchstens nur als einen sehr fremden Vogel anstaunt/ Voriges Jahr hatte sich diese Zeitung, das kann man nicht leugnen, hier ziem­lich gut eingenistet. Warum es ihr aber in Hiesiger- Gegend nicht mehr gefällt und sich so auf einmal von dannen gemacht hat, ist sehr auffallend. Ist sie viel­leicht ein Südvogel, daß sie darum die kalte Nordluft nicht vertragen kann, oder sind ihr die bescheidenen Wohnungen der Westerwälder zu enge? Es sei dem, wie ihm wolle; wir sind diese Zeitung in unserem Postbczirke bis auf ein Eremplar los, weßhalb wir auch ein Te deum laudamus angestimmt haben. Die Freie Zeitung dagegen wird immer mehr gelesen. Nur nicht am gesunden Sinne des Westerwälders ge­zweifelt!

Die Wiederanstellung unseres braven AmtssekretärS Hehn er zu Rennerod hat die freudigste Sensation in hiesiger Gegend hervorgerufen. Leid würde es uns sein, wenn er versetzt werden sollte; denn Herr Heh. ner ist ein Mann, bei welchem sich Kenntnisse im reichsten Maße und Humanität gepaart finden.

Mainz, 4. April. Das Trifolium hessischer Weis­heit: Gagern, Reh und Wernher, haben erreicht, was sie durch Gründung des Reichswahlvereins beabsichtig­ten; ihre werthen Personen sind in Heppenheim, Of­fenbach und Darmstadt gewählt und schon sind sie in Erfurt, um ihr Licht leuchten zu lassen. Glückliches Vaterland! Deinebesten" Söhne werden für Dich wirken! Du bist gerettet! (M. Z.)

Frankfurt a. M., 30. März. Seit gestern ist eine neue österreichische Note in der deutschen Verfass sungsangklcgenheit hier bekannt, welche, wie man sagt, in Zusammenstellung mit der Radowitz'schen Rede kaum noch Hoffnung auf eine friedliche Ausgleichung zwischen Oesterreich und Preußen übrig läßt. Von einer Ver­längerung deS Interims ist keine Rede mehr. Es wird vielmehr zuversichtlich behauptet, daß Oesterreich und die drei verbündeten Königreiche nach dem Entwurf vom 27. Februar alsbald eine Reichsregierung zusam­menberufen würden, sowie Preußen für die sogenannte deutsche Union die Vollziehungsbehörde ernenne. Die

Gegner deS preußischen Unternehmens schmeicheln sich damit, beide Hessen sofort dem Projekt vom 27. Febr. beitreten zu sehen, sie hoffen dasselbe von Nassau unb behaupten sogar, daß Baden nur widerwillig in dem Berliner Bündniß verharre. (Allg. Z )

Schwerin, 30. März. DieMeckl. Ztg." enthält Folgendes: Die Mitglieder des Gesammtministeriums, Staatminister von Lützow Erc., die Staatsräthe v. Liebeherr, Meyer, S tever, haben gestern Abend ihre Demission ein gereicht, welche von Sr. k. Hoheit dem Großherzog angenommen ist.

Schwerin, 30. März. Ein Schweriner Corresp. der Rostocker Zeitung fügt der Nachricht von der De­mission des Ministeriums Folgendes hinzu: Die Kam­mer wird gleich bei ihrem Wiederzusammentritt auf­gelöst und die Verfassung vom 10. Oktober einstwei­len suspendirt werden. Ueber den nähern Zusammen­hang besagt ein aus glaubhafter Quelle stammendes Gerücht Folgendes: Durch den Einfluß seiner aller­nächsten Umgebung längst bearbeitet, willigte der Groß­herzog endlich in "die contrcrevolutionären Pläne Preu­ßens ein und traf bei der neulichen Anwesenheit des Grafen Bülow in Ludwigslust mit Strelitz und der renitenten Ritterschaft zur Aussöhnung die Vereinbarung, bei der Bundes-Central-Commission zum Zwecke gütlicher Ausgleichung des Streites ein Inhibitorium gegen die junge Verfassung auszuwirken, diese sodann einer ge­meinschaftlichen Revision zu unterwerfen und darauf den bei dem Verwaltungsrathe anhängigen Prozeß fallen zu lassen. In Folge dessen traf gestern das er­betene Inhibitorium ein und als der Großherzog er­klärte, demselben Folge leisten zu wollen, forderte das Ministerium, das schon dem neu proponirten Wahl­gesetze seine Zustimmung nicht hatte geben wollen, seine Entlassung, die ihm denn auch noch gestern Abend zu Theil wurde. Heute sind nicht nur an Herzog Wilhelm nach Potsdam hin Depeschen entsen­det, sondern auch Berufsschreiben an den bekannten Bülow-Cummcrow (von der Stahl-Gerlach'schen Par­tei), ferner an Blücher-Kuppenkin so wie Schreiben an die Bundescentralkommission in Frankfurt erlassen worden. So weit das Gerücht, das hier wenigstens überall Glauben findet und mit seinen Angaben zu­gleich die Thatsache in Verbindung bringt, daß 4000 Mann preußische Husaren in den nächsten Tagen durch Mecklenburg (angeblich nach Hamburg) marschiren werden.

Stuttgart, 3. April. Die Regierung soll gegen die Verlegung der badischen Truppen nach Preußen Protest eingelegt haben, als gegen eine Zerreißung des achten deutschen Armeekorps.

Stuttgart, 3. April. Die heute ausgegebene No. 12 des Regierungsblattes enthält das Gesetz zur Fort­erhebung der Steuern bis letzten April. Dießmal hat der Geheimerath nichts damit zu schassen, sondern die Verfügung ergehtnach Anhörung des Gesammtmini- steriums und unter Zustimmung der verfassungberathen- den Landesversammlung."

Erfurt, 2. April. Ein so schmachvolles, wider­wärtiges Schauspiel, als diese Parlamentsposse hier, ist noch nicht dagewesen. DieBesten und Edelsten", welche sich laut rühmen, die Mehrheit im Bolkshause zu haben, beeilen sich über Hals und Kopf, Alles, was die Reaktion von ihnen verlangen könnte, im Voraus selbst zu thun und es als freiwilliges Opfer ihrem strengen Gebieter vor die Füße zu legen. Nach­dem der Verwaltungsrath erklärt hat, mit den Grund­rechten dürfe keine Annahme der Verfassung vom 28. Mai v. I. in Bausch und Bogen stattfinden, strengt man alle Sinne an, um für die Beseitigung der Grund­rechte einevermittelnde Form" aufzufinden. In aller Hast hat man Kommissionen niedergesetzt, die die Grundrechte jenes Machwerks dergestalt verschneiden sollen, wie es die Hohenpriester der preußischen Ver­

fassung gethan. So hofft man denn die Huld des Verwaltungsraths insoweit zu gewinnen, daß man in die en bloc Annahme inklusive der kombabifirten Grund­rechte willigt. Auch hat man schon in' irgend einer preußischen nachträglichen Erklärung - oder Depesche vom Juni v. I. oder in einem Paragraphen des Dreikö­nigsentwurfs etwas entdeckt, was man dermaßen deu­teln kann, als sei wirklich nur einfaches Stimmenmehr znr Annahme der vorausrevidirten Grundrechte erfor­derlich. So weit diese Vorrevision in den zu diesem Zwecke niedergesetzten Kommissionen und Subkommissio­nen bis jetzt gelangt ist, hat man fast überall dem konservati­ven Prinzip nachgcgebcn, d. h. man hat sich den preußischen Grundrechten anbequemt: Die Aufhebung der «Fami- lienfideikommiffe ist gestrichen, die Civilehe und andere dergleichen Dinge sind gefallen. Mit dem politischen Theile der Verfassung, der gleicher Vorrevision unter­liegt, wird es nicht besser gehen. Dann hofft man bei der Annahme in Bausch und Bogen des also ka- strirten Werks eine imposante Majorität und will, wenn es von dieser oder jener Regierung nicht ange­nommen werden sollte, die Geltung des ursprünglichen Verfassungsentwurfs vindiziren. Als ob man mit Leuten, welchen, wie man nun zum Hundertstenmale erfährt, man Alles, Alles bieten darf, viel Federlesens machen wird, sobald sich Htrausstellt, daß die also umgemodelte Verfassung Rußlands und Oesterreich noch nicht hinlänglich^Garantie für die Aufrichtung des ab­soluten Systems in Preußen und Deutschland bieten sollte. Oder glaubt man wirklich, daß diese Menschen, welche noch nicht den entferntesten Versuch gemacht haben, sich der Gewalt zu widersetzen, sich ein Herz fassen werden, wenn dieser beispiellose Akt der Selbst- entmannung den Machthabern noch nicht genügt, und man ihnen neue Selbstverstümmelungen vorschreibt? Zwar ist der große Gagern gestern hier eingetroffen, aber auch er weiß und hat, wie alle seine Parteige­nossen bewährt, daßFürsicht der Tapferkeit besserer Theil", und von ihm am allerwenigsten läßt sich er­warten, daß er seinem Anhang einen andern Weg anrathen werde, als den er mit ihm bisher gewan­delt den des Schimpfs und der Schande.

Mit Herrn v. Gagern ist auch sein treuer Achates, Herr Buhl aus der Pfalz, aus Leipzig Herrn Biedermann eingetroffen. Nun sind der Bun­desstaat und Deutschland sicherlich gerettet. (N.D.Z.)

Erfurt, 4. April, 2 Uhr Nachm. (Tel. Depesche.) Gestern Abend Schlußberathung des Verfassungsaus- schuffes. Bodelschwingh trennt sich von der Bahn­hofspartei, daher wird die En bloc-Annähme, so­wie die vorherige Revision verworfen und der Ausschuß bringt neue Minoritätsanträge an das Haus.

(Fr. I.)

Frankfurt, 5. April. Eine zweite gestern Abend spät uns aus Erfurt vom 4. d., Abends 8 Uhr, zuge­kommene (während der Nacht unterbrochene) telegra­phische Depesche sagt, daß Bodelschwingh sowohl ge­gen die Blocannahme der Verfassung, als gegen eine sofortige Revision derselben gestimmt, und sich für eine Vermittelung erklärt habe. Der Ausschuß werde demnach keinen Antrag an das Volks Haus stellen. (F. I.)

Altona, 1. April. Die Niedersächsische Zeitung veröffentlicht ein Schreiben des preuß. Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Hrn. v. Schleinitz an die Statthalterschaft, das den preußischen Rück­zug für die Herzogtümer anbahnt.

Altenburg, 1. April. Die hiesige Demokratie läßt ihre Angehörigen nicht fallen. Das Haupt der­selben, Dr. Douai, erhält, so lange sich derselbe in Gefangenschaft befindet, aus der Kasse der Demokraten wöchentlich 4 Thaler; andere Demokraten, welche das gleiche Loos mit Douai theilen, aber nicht dessen Be- deutung haben, bekommen nur die Hälfte dieser Un­terstützung.

sei; er las in dem Brief:wegen Geld", und theilte es seinem Bruder mit, der sogleich gesagt habe:cs sei wegen Gold"; Grünspan will er seinem Bruder nie geholt haben, sondern einmalBleu", womit der. selbe seine Weste blau habe färben wollen! von den andern Sachen, die er geholt haben soll, weiß er nichts; der Zeitpunkt ist ihm auch hier nicht erinnerlich; er sei überhaupt wenig mit seinem Bruder zusammen gewesen ; über die andern Sachen habe ihm derselbe nichts nesagt. Auf den Vorhalt deS Präsidenten, daß er vom Militär­gericht wegen einer niedrigen Handlung gestraft und degradirt worden sei, behauptet er, unschuldig bestraft worden zu sein.

Heinrich Stau ff, der nach seinem Sohn vernom­men wurde, scheint wirklich ein durchtriebener Mensch, der da, wo er seine Sachen schlecht stehen sieht, sich hinter Ausflüchte, Zweideutigkeiten und Abschweifungen nicht ungeschickt zu bergen weiß. Seine Antworten sind häufig originell und schlagend und zeugen von gesundem Witz und einer Hartnäckigkeit, die sich nicht leicht irre machen läßt. Schon gegen die erste Frage berief er sich aufsein Pro toll",da steht's darin! glauben Sie denn^Herr Präsident, daß ich noch jedes Wort so wußt' wie ichs gesprochen hab!? jo alte Leut, wie ich, haben so kein Gedächtniß, wie die Jungen; ich kann's jetzt nicht sagen, lesen Sie das Protokoll!" v. dgl. Er kam im Februar 1847 einmal nach Darmstadt, um seinen Sohn um Geld anzusprechen; die 22 Stunden Wegs

machte er mit wenig Kosten, weil er mit einem Fuhr­mann reiste, dem erden Johann machte;' vor 10 Jahren wollte er mit seinen Kindern nach Amerika gehn, er hatte einenGaul" für 90 fl. verkauft, doch es zerschlug sich später, allein bei seiner Anwesenheit in Darmstadt im Februar war keine Rede davon; seine Tochter gab ihm später das Geld, das ihr Jhanu Stauss geliehen in einzelnen Posten von 510fl. rc. ; nach dem Tod der Gräfin bat ihn sein Sohn nochmals zu kom­men, um ihn in den Odenwald (die Heimath der Christine Born) zu bringen und mit ihm zu besprechen, ob er (Johann) im Dienst bleiben solle. Weitere Auskunft verweigert er hier mit abermaliger Verweisung auf das Protokoll und Beschwerde über die Untersuchungshaft: ich bi» schlecht behandelt worden, 36 Tag' hab' ich Kett' gehabt, ich trag' noch die Spuren davon!" Der Präsident entschuldigt diese Strafen als gesetzlich zulässig, der alte Stauss habe durch ein beständiges Leugnen den Untersuchungsrichter zur Anwendung der ihm zu Gebot stehenden diociplinärcn Maßregeln gezwungen (Also wer nichts zu sagen weiß, kommt an die Kett!) Stauss be­hauptet dagegen, er sei unrecht bestraft worden; bei seiner Anwesenheit im Sommer 1847 habe er im Weinberg logirt; allein sich nicht ein eigenes Zimmer- geben lassen, sei auch nicht mit seinem Sohn Johann darin eingeschlossen, doch habe dieser und die Christine ihn besucht, Jakob nicht; Johann habe ihn mit Kleidern ausgestattct, in denen er mit ihm eine Reise in den

Odenwald machte; sein Sohn Jakob habe ihn an eine Hecke, wo, weiß er nicht mehr, geführt und ihm aus derselben ein Päckchen geholt, das von Johann sei und er (Der Alte) verkaufen solle; es sei so groß wie ein Tintenfaß gewesen und er habe eS uneröffnet in den Hosensack gesteckt. Auf Den Zweifel des Präsidenten, ob der Sack groß genug gewesen, produzirt er denselben mit Den Worten:das ist der Sack und das Tinten­faß gebt hinein!" Auf der Eisenbahn öffnete er später das Päckchen und fand darin Die Goldsache« undPer- lenwerk", das er in Frankfurt um 12 fl. verkaufte; die andern Sachen verkaufte er in Alsfeld , hatte auch noch einiges in Kassel übrig; der Ring aber sei von seiner Frau; in dieser Behauptung läßt er sich durch Vorhalt über Die Platinaverarbeitung und der Aussagen des Grafen nicht irre machen.

Mittagssitzung 3 6 Uhr.

Obgleich das Verhör des Alten noch nicht beendet erscheint, so läßt der Präsident doch jetzt den Johann Stauf vorführen. Nach einer Mittheilung über die gemachten Aussagen und einer Ermahnung zur Wahr­haftigkeit durch den Präsidenten erzählt Stauf in ruhi­gen und zusammenhängenden Worten seine hierher gehö­rigen Erlebnisse vom 13. Juni an bis zu seiner Verhaf­tung; an jenem Tage habe er Morgens die gewöhnliche Arbeit gethan, dann die Kirche besucht und nach dersel­ben, nach 11 Uhr, im Weinberg zu Mittag gegessen,