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â 78. Wiesba-err. Mittwo«H, 3. April 1830»

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DieFreit Zeitung« erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 (L 45 kr aus­wärts durch die Post bezogen mit verhältniömäpigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk­samem Erfolge. Die ZnscrationSgebührcn betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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M^M^ Bestellungen derFreien Zeitung" auf das mit dem 1. April begonnene zweite

Quartal beliebe man baldigst zu machen, hier in Wiesbaden in der H. W. Ri tt e r'schen Buch­handlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Die Expedition.

*.p Das zerstörende und das schaffende Prinzip der Revolution.

I.

Die Revolution trägt ein doppeltes Banner: hier erscheint sie als Todbringer, als Zerstörer, dort als Wiederbkleber und Erzeuger. Hier schreitet der Dä­mon des Hasses, der Rache, der Vernichtung; dort der Genius der Versöhnung, der Liebe. Hier macht sich die negative, verneinende Seite des Menschen geltend, dort das menschliche Herz in der schaffenden Urkraft seiner Liebe, der Geist als ordnende, gestaltende, be. rechnende Potenz.

'Der Haß ist nur die Kehrseite der Liebe: der Haß gegen die Despotie ist die Liebe zur Freiheit. Die Lust am Zerstören ist nur der andere Ausdruck für die Lust des Schaffens. Und wo der eiserne Ter­rorismus noch eben seine blutigsten Schlachten gegen die Iah' hunoerte lange Tyrannei kämpfte, da sprossen bald blumige Pfade für den Einzug der Freiheit, der himmlischen Göttin. Da,selbe Herz, bas allerbarmend und allgütig die ganze Menschheit erfaßt, das Freude­zähren weint im heiligen Feuer der Bruderliebe: es taucht auch mit Wonne den Stahl in die Brust des verhaßten Feindes. War es nur die Rache, die un­bittliche Rache, welche die Heroen der ersten französi­schen Revolution das Blut von Tausenden hinopfern ließ, oder glühte auch ein Funke von Freiheits- und Menschenliebe in ihrer Brust? Robespterre, der Ty­rann , der Wütherich! so stieß ihn die entsetzte Menschheit bisher von sich, um den Glauben aufzu- stellen, es gäbe Menschen, deren ganzes Sein und Le­ben nur ein ewiges mörderisches Kämpfen gegen die Wahrheit der Menschennatur wäre. Aber in demsel­ben Momente, wo das Volk den Terrorismus der Freiheit begreift und dieser Moment ist gekommen, da schwindet auch die Furcht vor den Karakteren, die die Geschichte, die Revolution zu ihren zerstörenden Dämonen auserkoren.

Eine der großartigsten revolutionären Erschelnun- gen der Vergangenheit des deutschen Volkes ist der Bauernkrieg. Er bildet den ersten Ring in der Kette der modernen Revolution. Würdig und erhaben begann die neue Epoche der Völker. Kaum hatte die Geschichte in Einem Momente so viel bewundernswür­dige Karaktere vereinigt. Das heilige prophetische Feuer, mit dem Thomas Münzer dem Volke die neue Lehre der evangelischen Gleichheit und Brüderlichkeit verkündete, der umfassende und durchbringende Geist, mit dem Wendel Hippler diesen Gefühlen in seiner Konstitution Form gab, die energische Begeisterung,

mit der die Masse der Insurgenten ihren Führern folgte: 0! hier regt jeder Gedanke, jede That das Herz zu erhabenen Empfindungen auf. Und dennoch wurde der wild aufbrausende Strom in sein altes Bette zu- rückgedrängt, und was die Geschichte Großartiges sah, blutete unter dem Beile deS Henkers. Der Gedanke des Schaffens war zu spät gekommen; das organische Gebild wurde im Keime erdrückt. Zufrieden damit, die alten Zwingburgen des Despotismus in Schutt gelegt zu haben, überließen die Thörichten das Werk der Umgestaltung ihren eignen Feinden. Unter dem Geächze der Betrogenen rollte der Vorhang dieses blu­tigen Dramas nieder.

Stolz wie die Sonne war eine neue Idee aufge­gangen am Himmel der Völker. Geheimnißvolle Ah­nungen von einem irdischen Messiasreiche, einer Ver­mählung der Gottheit und des Menschen, von einem Reiche, darin die Freiheit und Gleichheit König sein sollten, durchzuckten ihre Brust. Was die Ueberliefe­rung und der Glaube zu einem unantastbaren Heili'g- thum gestempelt hatten, das sank vor dem Geiste zu einem Bilde des Spottes, vor dem Herzen zu einem Gegenstände des Hasses zusammen. Denn eine andere Wahrheit hatte den Geist durchglüht, eine andere Liebe das Herz sich erwählt. Vor dieser Wahrheit war die alte ein Wahnwitz, vor dieser Liebe die alte ein Gräuel. Vernichtung der Vergangenheit, Tod dem Alten! Heil, dreifach Heil der Zukunft! Das allein konnte die Losung und das Banner des Kampfes sein.

Wer denkt nicht an die unzähligen Spottgedichte, die alle dieser großartigen Zeit vorangingen? Wer nicht an diè blitzenden, kampf- und racheathmenden Reden Ulrichs von Hutten? Mau hätte glauben sol­len, es sollte kein Stein auf dem andern bleiben, so groß schien die Masse der Streiter der Zukunft. Witz und Haß hatten alle Bande der alten Gesellschaft ge­löst: wo war die Ehrfurcht vor den heiligen Dienern Roms? Wo das Vertrauen auf die Macht des Kai­sers ? Selbsthilfe war die allgemeine Parole jedes Standes. Der Kaiser, die Fürsten, die Ritter und Herren, die Bischöfe und Prälaten, der Bürger, der Bauer, und die besoldete Kriegerkaste: Alles stellte sich selber als Zweck an die Spitze des Ganzen. Das Chaos, die Anarchie war vollendet: der Egoismus, mit allen seinen verderblichen Leidenschaften im Ge­folge, war das belebende, oder besser ertödtende Prin­zip der Gesellschaft geworden. Da schleudert Luther seine Deutsche Bibel ins Volk: sein Gedanke zündet, in ihr hat die Gesellschaft einen Anker gefunden. Der Name des Mannes, der all dem Ringen und Kämpfen eine leitende Idee gab, ward bis über die Sterne ge­tragen. Luther bestimmte die Zukunft seines Volkes.

Er trat nicht nur zerstörend, er trat auch schaffend auf. Seine Opposition hatte ihm nur den Weg ge­bahnt zum Reformator. Es konnte neben ihm be­gabtere Geister, heiligere Enthusiasten, wahrhafte Pro­pheten des modernen Sozialismus geben: mehr klug, besonnen, praktisch, seine Zeit würdigend und begrei­fend, wie er, war Keiner!

Jahrhunderte lang rollte die Geschichte in trägem Dasein vorwärts, bis die verhöhnte und gemordete Idee des Bauernkrieges einen würdigen Rächer fand. Jene Nacht des August, die dem gedrückten Bauern­stande die Fesseln abnahm, jener Zuruf des Konvents an die Nationen Europa's, das lang getragene Joch der Despotie abzuschutteln, jene erhebenden Kämpfe des empörten Frankreichs gegen die Allianz der Monarchen: das war die Antwort des Volks auf die verjährte Ty­rannei, das verjährte Unrecht, die verjährte Unord­nung, die die Frechheit harten, auf ihre Verjährung pochend, sich Gesetzlichkeit, Recht und Ordnung zu nen­nen. Die erschlagenen Führer des Bauernkriegs schie­nen wiedererftanden in den Führern der ersten franzö­sischen Revolution. Warum siegte sie nicht? Warum konnten noch zwei Empörungen folgen, um alle Hoff­nungen der Völker wieder an eine dritte zu ketten? Das Studium jeder Revolution enthält die Lösung des Räthsels. Wer nur zuerst die Formel findet für die Befreiung von der Anarchie, die kürzeste, bündigste, klarste Formel und sei sie auch nur ein Ausdruck für die wiederkehrende Herrschaft der reaktionären Klassen; wer eine Ordnung, wenn auch nur eine Scheinord- nung, eine willkührliche tyrannische Ordnung, als vol­lendete Thatsache hinzustellen weiß: der ist der augen­blickliche Sieger. Das Wüthen der Diktatoren des Konvents war durch das Bedürfniß geboten, die Re­volution gegenüber den Angriffen von Außen und den Verschwörungen im Innern zu sichern, zu' organisiren. Aber es kam eine Zeit, wo es als übertrieben, d. h. als überflüssig erschien. Der Mangel der Diktatoren, die veränderte Lage zu erfassen, der Revolutionsidec noch einen andern Ausdruck zu verschaffen, als den Terrorismus der Guillotine: das war ihr Sturz. Als die Situation Frankreichs eS erheischte, die Führung der Revolution an die Militärdiktatur zu überliefern, da war es Bonaparte, dessen unbegrenztem Ehrgeiz es gelang, in den Augen seiner Nation den Ruhm der Waffenehre über den Ruhm des Freiheitsstolzes zu er­heben. Aber er vereinigte auch mit dem Ruhme des Feldherrn den Ruhm des Administrators, obschon das, was er schuf, der Tod der Freiheit war. So ging die Revolution verloren an den Egoismus, und den Monarchen wurde es ein Leichtes, ihre Völker gegen den selbstsüchtigen Tyrannen zu wenden, der schon im

Ein Urtheil über Rußland

von einem Russen.

(Aus demRH. Echo".)

Wir kennen bisher so viele fremde und ungerechtfer­tigte Urtheile über dies Land, hören wir jetzt eins von einem seiner bedeutendsten Söhne. Es ist dies aber auch aus dem Grunde von doppeltem Interesse, weil der Verfasser, den avancirtesten Standpunkt der europä­ischen Revolution einnimmt. Die folgenden Zeilen sind der Schluß eines Briefes, den Iskander an G. Herwegh im Sommer v. I. gerichtet hat und den Jeder vollstän­dig imVom andern Ufer" finden kann.

Er spricht hier gerade von dem Petersburger Auf­stande am 14. Dez. 1825 und sagt, daß der Erfolg des Unternehmens nur an einem Haare geschwebt habe.

Was daraus geworden wäre, fährt er dann fort, ist schwer zu sagen; aber was auch gekommen sein möchte, man kann positiv behaupten; daß Volk und Adel ganz ruhig das fait accompli angenommen hätten. Diesen und eben diesen entsetzlichen Gedanken begriff jetzt die Regierung. Mißtrauisch gegen den Adel wollte sie sich national machen und machte sich nur zur Feindin jeder Bildung. Die National-Ader mangelte ihr vollkommen. Die neue Regierung begann finster. Ein ganzes CorpS

neu vrganisirtcr geheimer Polizei umringte den Thron. Das Gouvernement verleugnete jetzt die volle 100 Jahre lang von ihm hoch erhobenen Prinzipien Peter I. Ein schwerer Schlag nach dem andern, fiel auf alles Freie, auf jede intellektuelle Thätigkeit, der Terror entfaltete sich immer mehr und mehr. Man fürchtete sich, etwas drucken zu lassen und Briefe zu schreiben, ja man fürchtete sich nicht nur öffentlich, sondern auch in seinem eigenen Zimmer zu sprechen; Alles verstummte. Die gebildeten Leute fühlten jetzt ihrer Seits, daß sie keinen heimischen Boden unter sich hatten, sahen ihre Schwäche vor Augen und verzweifelten. Ihre Thränen und ihren Groll im Innern verbergend, zerstreuten sie sich auf ihren Land­gütern uud auf allen großen Straßen Eurupas. Peters­burg wie die Regierung nahm einen andern Charakter an, es war eine Stadt in ewigem Belagerungszustände. Die Gesellschaft schritt mächtig rückwärts. Die aristo­kratischen Gefühle der menschlichen Würde, die unter Alexander viel Boden gewonnen hatten, waren zertreten bis auf die Möglichkeit eines Gesetzes für die auslän­dischen Pässe und bis auf die Sitten, welche Ihnen Custine schildert.

Aber die innere Arbeit dauerte um so tiefer und mächtiger fort, als sie keine Gelegenheit fand, sich zu bethätigen. Von Zeit zu Zeit übrigens erschollen Stimmen die alle Fiebern des menschlichen HerzenS erzittern machten, es war ein Schrei des Schmerzes, ein Stöhnen deö Unwillens und ein Lied der Verzweiflung und zugleich

mit diesem Schrei, diesem Stöhnen und diesem Lieke ! Nachricht vom traurigen Schicksal des verwegenen Ver­fassers, der nach dem Kaukasus oder Sibirien wandern mußte. In dieser Weise hat zehn Jahre nach dem 14. Dez. ein tiefdenkender Mann einige Druckbogen in die Welt geschleudert, welche der ganzen lesenden russischen Welt einen elektrischen Schlag geben. Diese Schrift war ein ruhiger unerbittlicher Vorwurf, sie schien eine leidenschaft­liche Betrachtung der russischen Zustände zu sein, war aber der zormge Blick eines Mannes, der in den edel­sten Seiten seines Wesens tief beleidigt ist. Streng und kalt fordert er Rußland für alle Leiden zur Rechenschaft die es dem denkenden Menschen bereitet, und sic von allen Seiten betrachtend, wendet er sich ab, verflucht die Vergangenheit des Landes, verachtet seine Gegenwart und prophezeit seiner Zukunft nur Unheil. Solche Stimmen hörte man nicht während der bellen Epoche des etwas exotischen Liberalismus unter Alexander, man hörte sic sogar nicht ind den puschkinischen Poesieen; um sie aus einer menschlichen Brust herauszupressen, müßte man die unerträgliche Last eines zehnjährigen Terra 6, des Unterganges aller Freunde , des R u h m c s der Er­stürmung Warschaus und der Beruhigung Polens er« tragen. Tchaadaeff ha'te in Vielem Unrecht; abir seine Stimme war begreiflich und enthielt eine große lyrische Wahrheit in sich. Das erklärt ihre große Wir­kung. Um diese Zeit nimmt alles Bedeutende in der Literatur einen anderen Charakter an. Mit der Nach-