Im Dörfchen Chenarliet tm Kanton Wallis hat eine Frau sich gegen drei Burschen gewehrt, von denen sie vor ihrem Hause mörderisch überfallen wurde, und einen derselben mit einer Mistgabel erlegt.
Türkei.
Konstantinopel, 13. März. Oesterreich hat die offiziellen Verbindungen mit der Türkei noch nicht wieder ausgenommen und auch seine Unterhandlungen in Betrest der Anternirung find noch nicht weiter vorgeschritten. Wie man versichert, will der ottoma- uischc Minister, auf den Nath der Diplomatie des Westens, dein Wiener Kabinette den Vorschlag machen, die Jntcriiirung der Flüchtlinge, die sich in diesem Augenblicke in Bruffa befinden, in eine Ausweisung nach Amerika umzuwaiidel», um so die bei der In- ternirungSmaßregel sich ergebenden Schwierigkeiten beizulegen.
Herr Jasinagyi (dem der Mordanschlag auf Kos- suth zngcschrikben wurde) ist mit den ihn begleitenden Croaten (V) von Varna nach Konstantinopel gekommen und trifft Vorbereitungen, um von hier nach Bruffa und von da nach Kiutahie und Aleppo zu gehen. Man betrachtet diese Personen als Aufseher, welche von Oesterreich ausgesanrt wurden. — Die Pforte erkennt übrigens die Mission des Herrn Ias- magyi nicht an, da sie jedoch mit Oesterreich auf friedlichem Fuße steht, so kann sie dessen Unterthanen, wenn sie mit gehörigen Pässen versehen sind, das Reisen und den Aufenthalt in ihren Staaten nicht verwehren.
Murad Pascha (Bcm) und diejenigen, welche zum Islam übergetrett», sind am 7. d. M. an Konstantinopel vorübergekommen, ohne hier anzuhalten. Murad Pascha, welcher die Ermächtigung erhalten hatte, an's Land zu steigen und in der Hauptstadt zu verweilen, hat diese Gunst abgelehut und an den Seraskier ein Schreiben gerichtet, worin er erklärt: „nachdem er blos die Ermächtigung, nicht aber den Befehl erhalten habe, hier an's Land zu steigen, so bitte er, man möge ihm gestatten, hiervon keinen Gebrauch zu machen, er behalte sich das Recht, seine Huldigung an den Stufen des Thrones seines Fürsten niederzulegen, für eine Zeit vor, wo er von jeder fremden Beaufsichtigung frei sein und seine Anwesenheit keine Pro- testation von den Gegnern seines frühern, wie seines gegenwärtigen Vaterlandes — Polens und der Türkei — hervorrufen werde." Das Schiff, welches die Flüchtlinge trug, fuhr nach Alerandretle, von wo sie sich zu Lande nach Alep begeben.
Italien.
Turin, 23. März. Elf Bischöfe , den Erzbischof von Turin an der Spitze, ferner der Erzbischof von Vercelu und der Bischof von Casale, haben dem König Bittschriften überreicht gegen das Gesetz Siccardi.
Florenz, 20. März. Der geforderte Schadenersatz für Verluste britischer Unterthanen in Livorno soll nach englischer Berechnung 150 — 160,000 Lire betragen.
Der turiner „Opinion" vom 24. gibt die bevorstehende Rückkehr des Pabstes zu folgenden Bemerkungen Anlaß: „Ein Jude, ein schismatischer Kaiser, ein anderer Kaiser, welcher nur durch den Belagerungszustand herrscht und ein König, welcher der Henker seiner Unterthanen ist, bilden das bewunderungswürdige Viergespann, welches den heiligen Vater nach Rom führt. In den Vatikan Mrückgekehrt, wird dieser, wie inan sagt, eine Amnestie nach dem Muster der Radetzky'schen und eine Constitution nach Art der österreichischen, d. h. das Scheinbild einer Amnestie und das Scheinbild einer Constitution verkündigen. Als Rath wird er den General Gyulai haben, als Beschützer die Croaten, als Polizei-Satelliten französischen Soldaten, welche durch die Albernheit ihrer Regierung zu der anti-französischen Schmach bestimmt sind, Oesterreich und dem Pabste als Polizei- Agenten zu dienen." (K. Z.)
Neapel, 19. März. Gestern Abend hatten wir das imposante Schauspiel fünf Linienschiffe der französischen Flotte des Mittelmeeres, sowie drei zu derselben gehörende Dampfer hier ankommen zu sehen.
. Schon seit mehreren Tagen war die besagte Flotte zu Messina signalisirt worden. Sie wird vorläufig im Golf von Neapel und Baja ihre Station nehmen. Den Oberbefehl über dieselbe führt der Viceadmiral Parseval Deschencs.
Neapel, 20. März. Die Verhaftungen dauern hier immer fort, und die Zahl der Verhafteten in Neapel und Sicilien übersteigt nach der Versicherung des Chefs der Centralpolizei' die fabelhafte Zahl von 33,000. Unter diesen sollen 1400 von einem einzigen Advokaten vertheidigt werden. Man sammelt immer noch Unterschriften für die Bittschrift um Aufhebung der Versagung und wendet dabei auch Drohungen an. Der König hat im letzten Concil der Bischöfe den Antrag stellen lassen, ihn von dem auf die Verfassung geleisteten Eide zu entbinden. Auf den Vortrag des P. Spaccapietra, Superior des Lazaristcnklosterö in Neapel, wurde der Antrag abgelehnt, Spaccapietra aber mußte sich nach Rom flüchten, um der Verhaf- tung zu entgehen. (Fr. O.-P.-A.-Ztg.)
Ein Brief aus Livorno'vom 21/März im „Co- stckuziouale" meldet, daß ein britisches Geschwader seine Station vor Portoferraro einnehmen werde und daß ein österreichisches, 12,000 Mann starkes Observationscorps in Livorno gebildet werden solle. Dasselbe Blatt berichtet aus'Florenz vom 20. März, daß Orbitello, Piombino und andere Punkte der Ma- remmen binnen Kurzem eine österreichische Besatzung erhalten würden. Die Garnison von Florenz sollte auf 4000 Mann gebracht werden. In Pistoia hatten die toscanischen Veteranen den Befehl erhalten, das Fort zu räumen, um den Ocfterreichern bessere Quartiere zu verschaffen. Bei Ardenza arbeiten die Oesterreicher an einem verschanzten Lager. Die toscanische Regierung soll sich geweigert haben, in Bezug auf die englischen Forderungen die sardinische Vermittelung an- zunehmen und statt dessen Rußland als Schiedsrichterin Vorschläge» haben. — Nach einer von der Wiener Correspondenz mitgetheilten telegraphischen Depesche aus Triest ist das österreichische Wappen in Rom am 21. feierlich ausgerichtet worden. — Briefen aus Rom und Neapel zufolge würde die Abreise des Pabstes aus Porlici erst am 19. April Statt finden. — Nach Briefen aus Neapel vom 16. März war das französische Mittelmeer-Geschwader in Messina angekommen. Man glaubte, dasselbe werde mit dem Eintritte günstiger Witterung sogleich nach Neapel segeln.
'D a l m a t i e n.
Von der Adria, 24. März. Oesterreich fängt au, ehrgeizig zu werden. Ich schrieb Ihnen bereits mehrmals von den auffallenden Truppensendungen nach Dalmatien, die fortdauern, obgleich die Steuerverweigerer sich ohne Widerstand gefügt haben und auch die Montenegriner sich ruhig verhalten. Kein Lloydboot fährt nach jenen Gegenden ab, das nicht seine 2- bis 300 Mann an Bord hat. Diese Woche mußte sogar der Levante-Dampfer eine solche Ladung entnehmen, um sie in Ragusa, wo-'er sonst nie anzulegen pflegt, auszuschiffe». Wenn also die Dalmatirer keine Be- sorgulpe mehr einflößen, wozu dann diese Truppenan- Hausung, welche mit Einschluß der Lanvesgarnison dermalen wenigstens 20,000 Mann betragen muß? Ich kann nur meine frühere Mittheilung wiederholen, zu deren Bestätigung sich immer mehr Momente darbieten.
Es ist auf nichts weniger, als die Eventualität einer Occupatio» der türkischen Provinz Herzegowina abgesehen. Zwar hat die Unterdrückung oder vielmehr Beilegung des Ausstandes in Bosnien den bereits jetzt erwarteten Ausbruch in der Herzegowina verzögert, aber es sind alle Anzeichen, daß er nicht lange mehr wird auf sich warte» lassen. Der rechte Augenblick dazu wird sein, wenn das .österreichische Observations- Corps vereinigt und längs der Gränze ausgestellt ist. Bei der Schwierigkeit des Terrains und dem besonders diesmal späteren Eintritte des Frühjahrs in jenen Hochgebirgen gehen die Bewegungen nur langsam voran. Die Gränze des Kreises Cattaro ist bereits besetzt; jetzt ist man bei der Gränze des Kreises Ra- guza, und der Schluß wird die Besetzung des strategisch besonders wichtigen BrentathaleS bilden, welches mitten in das Herz der Provinz bis zur Hauptstadt Mostar reicht. Die Bewegung der dortigen Bevölkerung würde daraus berechnet sein, unter österreichische Herrschaft oder wenigstens Schutz Hoheit zu kommen, so daß die einrückenden Truppen einer willkommenen Aufnahme versichert wären. Oesterreich meint, wenn Rußlaiid über die Fürstenthümer der Donau sich ein Protektorat anmaße, ja, sogar über das weit von ihm entfernte Montenegro, so könne es gleichen Anspruch erheben für die übrigen türkischen Gränzländer, die nach einer ähnlichen Befreiung verlangen. Gegen solche Schlußfolge ist wohl nichts weiter emzuwenden, als daß sie zu spät kommt. Eine weise und fernblufenoe Politik hätte Rußland an der unteren Donau und den Mündungen niemals zur Alleinherrschaft kommen lassen und sich bei jenen halbbarbarischen Völkern das Ansehen erhalten, welches sie von früheren Jahrhunderten her ausübte, jetzt aber ganz verloren hat. Aus diesem Grunde zweifeln wir, ob es jetzt noch Zeit sei, das Verlorene nachzuholen, und, selbst die günstige Stimmung der Bewohner der Herzegowina zugestanden, die Occupatio» a»ch zu behaupten und, was die Hauptsache, auf Bosnien amszudehmn. Eine solche Arrondirung der österreichischen Monarchie wäre allerdings von größter Beoeumng und würde iuSbesondere ihre Haiidclsmacht auf dem adriatische» Meere zur unbedingt herrschende» erheben. Ein Blick auf die Karte zeigt, wie nothwendig der finale Küstenstrich Dalmatien eines solchen Hinterlandes bedarf, um seine volle Lebenskraft zu entwickeln. Jene türkischen Provinzen sind ganz ausgezeichnete Produktenländer, denen es bis jetzt nur an Absatzwegen nach der See hinaus fehlte. Allein die Sache hat, abgesehen von ihrer innern Schwierigkeit, noch einen andern Haken. Sie erinnern Sich, daß vor Kurzem tue „Laibacher Zeitung", ein schwarz-gelbes- Prövintialblatt, in einem lakonischen Briefe die Nachricht brachte, Oesterreich habe die sogenannte Bocca (Bucht) von Cattaro, einen der sichersten und geräumigsten Hafen der Welt, an Rußland abgetreten. Die Nachricht ging, von verschiedenen Fragezeichen begleitet, durch die deutsche Presse.
Man schien ihr, wie sehr man auch sonst über- ' zeugt war, daß Rußland die ungarische Intervention ! Oesterreich nicht schenken werde, doch keinen Glauben 1
beizumessen. Ich kann Ihnen nun aus guter Quelle mittheilen, daß an der Sache doch etwas Wahres ist, zwar nicht eine förmliche Abtretung der Bucht, wohl aber eine zeitweilige Ueberlassung derselben als regelmäßigen Stationsplatzes für die zum Sommer dieses Jahres angemeldete russische Flotte aus der Ostsee. Diksselbe ist in jenen Gegenden nicht unbekannt, das 4nbenfen ihrer Thaten zu Anfang des Jahrhunderts als Schutz gegen die vordringenden Franzosen lebt bei den Eingeborenen noch fort. Hart an Cattaro gränzt bekantlich Montenegro, und so haben die Russen auch zu Lande einen festen nationalen Standpunkt. Die österreichische Flotte würde allerdings die Erlaubniß haben, sich mit der russischen zu vereinigen und den vaterländischen Hafen von Cattaro gemeinschaftlich r« gebrauchen! 1
.Ist vielleicht die bevorstehende Werbung von Matrosen in der Ostsee, wozu in diesen Tagen die Frc- gat.e „Venus" abgehen wird, auf solche Combination berechnet? Jedenfalls wird die Fregatte Befehl erhalten , ihre Reife bis Croustadt und Petersburg auszu- dehnen. (Köln. Ztg.)
Nepubli? Frankreich
Puriö , 28. März, Abends. Der Präsident der Republik soll beschloßen haben, mit der Großberzogin Wittwe von Baden eine Reise in die östlichen Departements zu machen.
Graf Chainbord hat in einem Schreiben die Geschenke, die man aus einigen Gegenden Frankreichs ihm machen wollte, anzunehmen abgelehnt.
Larochejaguelin soll seinen vorgestrigen Vorschlag auf Veranlassung des Grafen Chambord gemacht haben.
Am nächsten Montag wird der Ausschuß für das Preßgesetz Deputationen der Pariser und "der Depar- temental-Prcsse empfangen.
Die Affaire der Straße Rumfort ist für die Assi« sen verwiesen.
Aus Rom ist die Nachricht eingegangen, daß der König von Neapel den Papst wirklich auf seiner Reise begleiten werde.
Paris, 29. März, Abends. Die Nationalgarde von Libourne (Gironde) ist, wegen Feier des 24 Februars durch eine Parade, aufgelöst wordkn.
Die ‘in der Affaire der Straße Rumfort Bekhei- Ilgten sind zu leichten Gefängnißstrafen verurtheilt worden.
Der demokratische Candidat Guilgot soll im Departement Vogesen die Mehrheit erhalten haben. ~
I" Toulon wird eine Flottenabtheilung ausgerüstet um nach ToScana zu gehen, falls England angreifen sollte. (Köln. Z.) '
Portugal.
Wir entnehmen einem Privatschreibe» aus Lissabon: Portugal steht auf dem Punkte, von Neuen: von einer Revolution heimgesucht zu werden. Die verschiedenen Oppositionen vereinigten sich, um den Grafen ^'•nar zu stürzen. Es gelang ihn: jedoch durch keinen Einfluß in der Pairs- und Deputirtenkammer die Angriffe abzuweiseir und seine Gewalt zu befestiaen Demnächst entschloß er sich, Rache an der Opposition zu nehmen. Das Haupt derselben war der Herzoa von Palinella, det gefürchtetste Gegner aber der Herzog von L-aldanha, der auf seinen Einfluß in der^'lr- mee und seine Populan'tät zählte. Graf Thomar 'begann nun, sobald er sich sicher fiihlte, denselben seiner Stelle als Groß-Intendant des Königlichen Hauses zu eiitsetzeii. Dies hatte der Herzog von Saldanha nick: erwartet, da die Stelle, welche er behauptete, von- eine lebenslängliche war. Er protestirte und verlangte vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, jedoch vergeblich. Es wurde il;m vom Grafen der Bescheid daß die Königin das Recht habe, wie jeder Privatmann seinen ^Vieuer, so auch ihre Beaiuten zu verabschieden. Graf Thomar trotzte hiermit dein militärischen Einfluß des Grafen von Saldanha, obschon er schon einmal wegen seiner Angriffe auf den Militärdespotis- mus, der in den Häildeii von drei oder vier Chefs liegt, die sich nur zu verbindeu brauchen, um die Regierung zu stürzen, das Land hatte verlassen müssen Ob feine Kühnheit diesmal von Erfolg sein wird ist fraglich. Den Tag nach seiner Absetzung ritt der Her- zog ^sii Saldanha in Parade-Uniform, von einem Adjutanten begleitet, durch die Straßen von Lissabon' in der Absicht, eine militärische Demonstration zu seinen Gunsten hcrvorznrufe». Die Regierung hatte dies aber vorgesehen und mehrere Oberste, denen sie nicht traute, durch andere ersetzt. Der Oberbefehl in Lissabon war dem Herzog von Terceira an vertraut, was deshalb großes Aufsehen erregte, weil man geglaubt patte, daß derselbe gegen das Ministerium sei. Da er als einer der einflußreichste» Militär-Chefs diesem jedoch seine» Beistand zugesichert hatte, so war der Plan der Opposition gescheitert. Ob die Herzöge von Palmella und Saldanha einen Angriff auf Oporto ma- ch"' werden, ist gegenwärtig die Frage, welche Portugal beschäftigt- Die Lage wird durch die Krankheit deS Grafen Thomar noch ernster gemacht. (W.Z.)
Verantwortlicher Redakteur: Oppermann.