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man sie einstweilen freilassen, obgleich noch keine Vcr^ füguug des Justizministers da sei.

Der Dillenburger Turnverein wird in der nächsten Zeit eine Spritze aus der Werkstätte des anerkannt tüchtigen Fabrikanten Metz in Heidelberg zur Bedie­nung erhalten. Der Gcmcindcrath nämlich hat eine solche bestellt, nachdem die Münchener und Aachener Feuerversichcrungsgesellschaft schon vor länger als einem Jahre dem Turnverein 300 fl. zu diesem Zwecke zu- gcsagt und der Bürgerausschuß dazu noch 500 fl. aus der Stadtkasse bewilligt hatte. Da indessen die Spritze 950 fl. kostet und es überhaupt wünfchenswerth wäre, auch die Rettungsgerüthschaften, welche Herr Metz in der Regel mit jeder Spritze zu billigen Preisen abgibt, allzuschaffen, so must die Angelegenheit nochmals in dem Bürgcrausschuß zur Berathung gebracht werden, und hier ist es zu hoffen, daß die Bürger nicht aus falsch verstandener Sparsamkeit eine Ausgabe verwei­gern, welche durch den erhöhten Schutz gegen Feuers­gefahr sich reichlich verzinsen wird. Im ungünstigsten Falle kann übrigens sicher erwartet werden, daß der nöthige Zuschuß durch freiwillige Beiträge gedeckt werde. Die Zweifel, welche einige Ungläubige in die Ver­sprechungen des Herrn Metz setzen, sind gewiß unge> gründet, da dieser sich bereit erklärt hat, seine Spritze sammt Rettungsgeräthschaften ohne Entschädigung wie­der mitzunehmen, wenn ein dazu zu bestellender Aus­schuß ein ungünstiges Gutachten abgeben werde.

Hier wäre- wohl der Rath am rechten Orte, daß sich die Turnvereine des Löschwesens allcrwärts anneh­men möchten, sowohl um der Sache selbst Willen, als auch zum Besten der Vereine, welche leider an vielen Orten rückwärts gehen und Gefahr laufen, den guten Namen wieder einzubüßen, welchen sie sich in den letz­ten Jahren erworben hatten. Eine solche Thätigkeit ist eher geeignet, die Turnvereine innerlich und äußer­lich zu kräftigen, als die Streitigkeiten über Bildung oder Erhaltung eines allgemeinen deutschen Turner­hundes, welche mehr der Form als der Sache gelten, und trotz dem guten Willen Einzelner zu keinem ge­deihlichen Ziele führen können, weil das Bedürfniß da­zu noch nicht allgemein genug gefühlt wird.

± Don der obern Lahn. Auffallend war es uns bisher, daß in den Artikeln 0 Wiesbaden so sehr gegen eine Lahneisenbahn gestruten wird; daß ferner der 0 Wiesbadener Correspondent um deß­willen auf einer Westerwälder Schneebahn beharret, weil die projektirte Bahn von Bonn, Coblenz, Lim­burg nach Wiesbaden wohl als eine Seitenbahu von der Lahnbahn angesehen werden könne. Wir haben aber nun aus mehreren Artikeln ersehen, daß der Hr. 0 nur darum der Deuz-Wiesbadener Linie das Wort redet, weil diese die Kreisstadt an der Elbe und die Braunkohlengruden des Westerwaldes berühren würde. Alles hat aber seine Zeit ! Und daß die Braunkohlen noch nicht an der Reihe sind, per Eisenbahn verführt zu werden, das wird jeder Kenner zugeben müßen. Daß wir aber schnell anfangen sollten, Eisenbahnen durch unser Land zu führen, darüber sind wir wohl alle einverstanden, und daß eine Bahn, welche nur aus­ländische Produkte durch führt, was auf der Westerwälderbahn der Fall wäre von ganz geringem Interesse für unser Land ist, das wird wohl auch nicht zu beweisen nöthig sein. Dagegen kann nicht abgeleugnet werden, daß die projektirte Ei­senbahn den längsten Tiefdurchschnitt durch unser Land bietet, und den Rhein bei Niederlahnstein mit der Main-Weserbahn bei Gießen verbindet; daß die Bahn 5 Städte, 5 Flecken, einen bedeutenden Kurort und eine große Menge Dörfer, Mineralbrunnen, Eisenhüt­ten und Bergwerke je. berührt, und daß schließlich ge­rade die Lahngegeuden die Theile unseres Landes sind, die sehr große Quantitäten Naturprodukte aus füh­ren würden. Wir zweifeln daher aus diesen Grun- 1

den nicht, daß unser Gouvernement und unsere Land­stände zuerst auf eine Lahnbahn die erforderliche Be­rücksichtigung nehmen werden.

8. R. Löhnberg, im Monat März. Herr Gehei­mer Kirchenrath Wilhelmi äußerte in einem Schrei­ben vom 12. Februar v. I. an den hiesigen Gemeinde­rath, der sich im Wanten von % der Gemeindeglicder für die Belassung des Pfarrers Hild auf der hiesigen Stelle sehr angelegentlich verwendet hatte: Löhnberg müsse einen Geistlichen haben, der über den Parteien stehe, das heißt, der weder zur demokratischen, noch constitutionellcn gehöre. Ein solcher Mann sei der Pfarrer Schmidtborn in Merenberg, dieser werde beide Parteien durch seine Wirksamkeit befriedigen und mit einander versöhnen." Wir sind aber bei dem blo­ßen Wortlaut dieser Aeußerung nicht stehen geblieben, sondern haben auch zwischen den Zeilen gelesen und den geheimen Sinn errathen, den sic enthielten. Die­ser ist kein anderer, als in Löhnberg muß ein Geist­licher sein, der sich um die politische Aufklärung und Bildung seiner Gemeinde nicht bekümmert, der viel­mehr dem Umsichgreifen des demokratischen Geistes in derselben zu steuern sucht. Wir konnten mit der Er­klärung des Herrn Geheimen Kirchenraths unmöglich zufrieden sein, da wir Demokraten, die wir die große Mehrzahl in der Gemeinde ausmachcn, keinen Consti- tutionellen oder konservativen zum Geistlichen haben wollen. Als solcher war uns Herr Pfarrer Schmidt- b o r n schon von Merenberg her bekannt. Darum pro- testirten wir auch in mehreren Petitionen gegen seine Versetzung auf die hiesige Pfarrei, ja der Gemeinde- rath schickte ihm selbst ein Mißtrauens-Votum, allein das alles war umsonst. Pfarrer Hild mußte ihm Platz machen, ungeachtet derselbe dem Staatskirchenregiment durch ein ärztliches Attest dargethan hatte, daß die Steinfischbacher Stelle wegen ihrer Lage und des be­schwerlichen Dienstes seiner schon so lange leidenden Brust höchst nachtheilig sei. Die Beurtheckung dieses Verfahrens von Seiten der Kirchenbehörde überlassen wir dem Publikum. Wir können aber nicht verschwei­gen , daß das, was Herr Dr. Wilhelmi von der Versetzung seines Vertrauensmannes auf die hiesige Stelle erwartet hat, nicht in Erfüllung gegangen ist. Denn dieser steht keineswegs über den Parteien, son­dern hat nur zu bald gezeigt, daß er keine politische Centrumsnatur ist, sondern auf der Seite der Restau- rationspartei steht. Die hiesigen Parteien haben sich seit seinem Hiersein noch um keinen Schritt genähert, im Gegentheil stehen sie immer noch schroff einander gegenüber. Ganz natürlich. Denn so wenig als Chri­stus mit Belial einen Bund schließen kann, können wir, die wir die Grundsätze der socialen Demokratie für ächt christlich halten, mit unsern Gegnern, deren Losung ist, zurück ins alte Joch in eine Vereinigung treten. In dem letzten halben Jahre, welches Pfarrer Hild unter uns verlebte, wurde Die hiesige Kirche von Allen mit Ausnahme des Erschultheißen Gelbert und sei­nes kleinen Anhangs fleißig besucht, jetzt wird sie immer leerer. Gerade unsere Gegenpartei, welche sich nach Herrn Pfarrer Schmidtborn so innig sehnte, wie die Juden nach dem Messias, erscheint am seltensten in derselben, nicht, weil chr etwa die Predigten des- selben mißfallen, sondern weil ihr derkirchliche" Sinn abhanden gekommen ist. Denn sie hatte sich durch ihre Häupter G. und N. schon vor Jahresfrist verlei­ten lassen, bei einem Pfarrer, welcher die Ideen Frei­heit, Gleichheit und Brüderlichkeit als ächt christliche in seinen Predigten darstellte, nicht mehr in die Kirche zu gehen. Es ward ihr zugerufen: bleibt aus der Kirche, alsdann kommt der Pfarrer fort. Dagegen wenn wir, die wir immer gern eine heilige Stätte be­treten, wo kein im Interesse des Absolutismus vorge­tragenes Christenthum verkündigt wird, keine Lust mehr haben, in unserm Gotteshause zu erscheinen, so oft seine Glocken uns zur Andacht rufen , so hat das einen an­dern, sehr triftigen Grund. Denn Herr Pfarrer Schmidt-

born fällt es von Zeit zu Zeit ein, gegen die Revolu­tion von 1848 als ein unchristliches Werk zu Feld zu ziehen. Dabei erhält dann natürlich die Demokratie einige Seitenhiebe. Auf diese Weise werden die An­hänger derselben aus der Kirche herausgepredigt. Wir könnten hier unter anderm mehrere Stellen ans der Predigt, die der Herr Pfarrer am 1. Weihnachtstagc v. I. gehalten hat, als Belege anführen, allein wir fürchten, den Raum dieses Blattes zu sehr in Anspruch zu nehmen. Das ist also die vielgepriesene Neutrali­tät, die politische Farblosigkeit unseres Herrn Pfarrers Schmidtborn. Wir verlangen zwar nicht, daß er unsere demokratischen Ansichten theile, da er das We­sen und die Tendenz der Demokratie nicht zu kennen scheint, aber wir sind doch zu der Forderung berechtigt, daß er uns Demokraten in seinen Predigten unange­tastet lasse. Dieß räth ihm schon die Klugheit an. Aber auch diese scheint er nicht zu respectiren, sonst wäre er nicht noch in den letzten Tagen vor dem Ab­züge seines Vorgängers so amtseifrig von Merenberg herabgekomme», um das Kind eines fanatischen Rück­schrittsmannes zu taufen. Da dasselbe schon 3 4 Wochen alt war, so wollte sein Vater die Taufe, die nun einmal Pfarrer Hild verrichten sollte, noch länger verschieben. Wie wenig Herr Pfarrer Schmidtborn durch dieses amtsbrüderliche, pastoralkluge Benehmen sich bei uns nnpfohle» hat, wollen wir nicht weiter erwähnen. Sollte er übrigens fortfahren, in dem bis­herigen Tone seine Kanzelvorträge zu halten, so sehen auch wir Wenige, die wir noch dem Gottesdienste bei­wohnen, uns genöthigt, anderwärts die Kirche zu be­suchen, wo uns eine bessere Geistesnahrung dargeboten wird. Der Herr Pfarrer wird dann die Freude haben, vor leeren Stühlen zu predigen.

Stuttgart, 23. März. Auf der Tagesordnung stand heute die Berathung über den Gesetzentwurf, der Regierung die Forterhebung der Steuern bis Ende Juni zu bewilligen. Die Majorität der Finanzkom­mission hatte auf die Bewilligung bis Ende Mai an­getragen; von der Rechten ward die Bewilligung, wie die Regierung sie verlangt, unterstützt. Dieser letzte Antrag wurde zuerst abgeworfen, aber auch der Antrag der Commission fand keine Gnade, vielmehr wurde ein Antrag des Abg. Seefried, die Bewilligung nur bis Ende April zu geben, mit 43 gegen 17 Stimmen an­genommen. Am Schlüsse der Sitzung kündigte der Abg. Zwerger an, deß er der Regierung um eine Vor­lage über die Uebereinkunft von München ersuchen werde.

Kassel, 21. März. (Westd. Ztg.) Trotz der Massen eleganter Papierthaler, die Kurhessen in Um­lauf gesetzt hat, und namentlich in Berlin mit.vielem Geschicke in den Verkehr brachte, ist die Finanznoth auf eine solche Höhe gestiegen, daß man befürchtet, cs möchte binnen Kurzem unmöglich werden, die Beam­tengehälter zu zahlen, der Befriedigung anderer Staats- gläubiger nicht zu gedenken. Hassenpflug denkt aber fürs erste nicht daran, die Stände wieder einzuberufen. Er hofft sich so lange durchzuwinden, bis er ganz ohne Stände Steuern ausschreiben kann und zweifelt nicht, daß der neue Bundestag, der mit den Constitutionen wenig Federlesens machen wird, ihm besonders behülf- lich sein werde, denn er hat sich von jeher um die sog. Rechte der Kronen besonders verdient gemacht. Er hat sich zwar noch nicht definitiv vom Dreikönigs­bündnisse losgesagt, aber sobald das Vierkönigsbündniß in Wirksamkeit getreten, wird er Preußen Lebewohl sagen.

Erfurt, 25. März. Im Volkshause ist heute Simson mit 98 von 172 Stimmen zum definitiven Präsidenten, Freiherr V. Schenk mit 97 Stimmen zum ersten, Rüder mit 101 Stimmen zum zweiten Vice- Präsidenten erwählt worden. Für morgen ist die Mit­theilung des Verwaltungsrathes über den Stand der deutschen Verfassungs-Angelegenheiten angekündigt.

abcr beiderseits vergessen zu sein scheint. Zeugin hat I über Nichtalimentation ihres Kindes durch den Vater, zu klagen; sie hat eine Zeit lang dem alten Staus durch Flicken und Waschen Dienste geleistet und dabei einmal ein Ding" aus dessen Hosen fallen sehen, auch einige gelbe glänzende Sachen" bei ihm wahrgcnvmmcn, von Jak. Stauf hat sie manchmal Briefe erhalten, sie be­nachrichtigte ihn später von der Verhaftung seines Va­ters; er theilte dies dem Joh. Stauf mit.

Man sieht, der auf den Diebstahl und die Hehlerei bezügliche Theil des Prozesses ist ein wüstes Feld, in dem zu recht zu kommen, es unendlich schwer sein wird, namentlich wegen der Masse der noch dazu sehr ausei­nander gerissenen Zeugenaussagen , von denen keine nach so langer Zeit und bei so unwichtigen Fragen bestimmt und detailirt sein kann, so daß in dieser Beziehung, ohne Geständnis; der Hauptpersonen nach dem jetzigen Anschein schwerlich viel herauskommen wird.

Mittagsstynng , 3 % 7 Uhr.

Dem Zeugen, Kaufmann Ramspeck von Alsfeld wurden im Herbst 1847 von H. Stauf Geld und Sil­bersachen, darunter ein Ring und zerbrochene Schnallen zum Kauf angeboten, was er jedoch nicht annahm. In dem Protokoll seines damaligen, jetzt verstorbenen Kom­mis wird dies bestätigt und werden die Sachen als Luxusgegenstände, z. B. ein paar Ohrringe, eine goldene Armspange bezeichnet, anderes sei zerbrochen und unkenntlich gewesen.

Zeuge Schlosser Borrasch von Darmstadt wurde am 13. Juni Abends durch Stauf in» Görliy'sche Haus gebeten, da er jedoch unwohl war, auch als Kunde die Launen" der Gräfin kannte, so blieb er mit dem Vcr- lprechcn, den folgenden Tag zu kommen, zu Hause. Stauf behauptet, gesagt zu haben, die Gräfin werde vermißt, was jedoch Zeuge bestimmt in Abrede stellt. Bei einer Auskunft über die Schlösser und Schlüssel im Haus, ergibt sich ein Widerspruch Schiller's mit dem Meister", in Folge dessen Beide mit dem Zeugen Lipp zur Ergründung der Wahrheit ins Görlitz'sche Haus ge­schickt werden.

ZeugeHerr" Feldwebel C o u b l m a n n bezeugt, daß sich Stauf während eines zweijährigen Militärdiensts recht brav, sehr willig und dienstfertig benommen, daß er Offiziere bediente, aber von Einem derselben wegen einer Unregelmäßigkeit entlassen wurde. Als Stauf nach­her in Dienste des Grafen getreten war, besuchte er den Feldwebel, zu dem er Vertrauen zu haben schien, noch mehrmals, ohne ihm jedoch etwas besonderes mit- zutheilen.

Der nâcl sie Zeuge, Hofiauger Hoffman n, besagt, daß Stauf bei seinem Sohn, dem Oberlicutcuaut Hoff­mann, brav gedient habe, von diesem aber alsPfiffikus" bezeichnet worden sei.

Die Verhandlung wird nunmehr durch eine längere Pause unterbrochen, da die zu verhörenden Zeugen aus den höheren Ständen ihre Zeugenzimmer zu Hause haben

und erst gerufen werden müssen. Nach Ablauf derselben und dem Verhör einer irrelevantenOberfinanzräthin", HauSgenossiu Schiller's, ist der Schlüsselansschuß zurück- gekehrt, dessen Referent Lipp erklärt, daß nach Befund Borrasch Recht und Schiller Unrecht habe. Von In­teresse sind die Angaden deö Schlossers, daß an den Thüren der Gräfin keine Nachtriegel waren, und daß sie, wenn sie sich einschloß, den Schlüssel immer stecken ließ.

Die Angaben über die Schlüssigkeit der einzelnen Schlüssel sind von weniger Wichtigkeit.

Der letzte Zeuge, Schneider Keller, hat den Schâmbs am Mittag des 13. Juni in der Mclomanenversamm- lung gesehen. (N. D. Z.)

In Prag ist ein Sekretär des Vicckönigs von Aegyp­ten angekommen, der mit dem Auftrage feines Herrn herumreist, deutsche Aerzte für die mediciiüsche Schule in Cairo zu werben. Er bietet enorme jährliche Ge­halte. Die Ansprüche, die an den Prof. der Klinik er­hoben werden, sind: französischer Vortrag und entspre­chende Organisations-Fähigkeit für Schule und Spital; mit dieser Stelle ist die Würde deS Leibarztes beim Pa­scha und ein jährlicher Gehalt von 20,000 fl. ver­bunden. (K. Z )