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Wiesbaden. Donnerstag, 28. März
„Freiheit und liecht!"
1850
Die „ 8 r e 11 Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden I ff. 45 kr, auswärts durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. — Znserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirk- famem Erfolge. — Die Jnserationögebühren betragen für die vierspaltige 'Petitgeile 3 Kreuzer.
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w^j®“*” Bestellungen der „Freien Zeitung" auf das mit dem 1. April beginnende zweite Quartal beliebe man baldigst zu machen, hier in Wiesbaden in der H. W. Ritte r'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Die Expedition.
Die am gestrigen Tage erfolgte Vertagung dcrAbgcord- rietenversammlung ist wahrscheinlich Vielen, welche den Ereignissen nicht ganz nahe gestanden haben, nicht erklärlich. Wir halten es daher für unsere Pflicht, unser Verhalten in dieser Angelegenheit unsern Mandanten durch die Presse sniisnkhMen, da wir durch den Umstand, daß eine Diskussion in der gestrigen Sitzung abgeschnitten wurde, verhindert wurden, dies, wie Wirts beabsichtigten, auf parlamentarischem Wege zu thun.
Es ist unseren Wählern bekannt, mit welchen Mittheilungen das Ministerium am 22. d. Mts. vor die Abgeordneten - Versammlung getreten ist. Es erklärte, daß cs, im Widerspruch mit dem Beschluß der Abgc- ordneten-Vcrsammlung vom 20. d. Mls., welcher den Betrag für Hofhaltung und Schatulle auf 250,000 fl. fkstsetzte, bei der ferneren Auszahlung von 300,000 fl. sein Verbleiben behalte, und berief sich hierbei auf einen Besitzstand, einen Status quo. Es erklärte ferner, daß es dermalen dem Landtage keine Gesetze verlegen werde und stellte nur für einen spätern Wlcdcrzusammcntritt des Landtages die Vorlage eines Gesetzes über Forst- organisation und Forftverwallung und eines solchen über die Stellung der Richter, sowie „wo irgend thum» lich", die Reorganisation der Civil» und Strafjustiz, in Aussicht. Daneben verlangte eS sofortige Berathung über das angeforderte 3te und 4te Steuer- simpel, indem es dabei, der Opposition gegenüber, von „Untergrabung der Landesverfassung" und „Unordnung im Staatshaushalt" sprach. Nachdem die Untrrzcich- ueten bereits am 22. d. Mts. bei Gelegenheit deS von Jung II., Kalt und Braun gestellten Antrages ihre Ueberzeugung in Betreff der Unzulässigkeit der Ueber- schrcitung der für Hofhaltung und Schatulle festgesetzten Summe und der daraus erwachsenden Ersatzpflicht des Ministeriums ausgesprochen und dafür die Mehrheit des Landtages gewonnen hatten, stellten dieselben durch Lang und Braun den Antrag, die oben bezeichneten Mittheilungen des Ministeriums an einen besondern Ausschuß zur sofortigen Begutachtung zu verweisen. Wir wollten nicht ohne eine gründliche Prüfung in dieser für die Rechte des Landes so überaus wichtigen und folgcschwcrrn Sache unsere ferneren Schritte bemessen; zugleich aber wollten wir bewirken, daß der Landtag sich endlich offen und entschieden dem Ministerium gegenüber ausspreche, sei dies nun, wie
Prozeß Görlitz.
XL
” Darmstadt, 25. März. Morgensitzung 10—% 1 Uhr. Die heutige Verhandlung brachte das Verhör einer Reihe von Zeugen, Deren Aussagen sich auf persönliche und häusliche Verhältnisse der Familie Stauf und insonderheit auf Die Werthobjekle bezogen, Die bei Dem Alten vorgefunden wurden. Es füllen diese Verhöre zugleich die Zeit aus, welche Die Experten zu ihren Berathungen brauchen, deren Resultat in wenigen Tagen zu erwarten steht, und es lässt sich hoffen, daß bis zum nächsten Donnerstag hin der Schluß der Abhörungen stattfinden und das Plaidoyer beginnen kann.
Der erste Zeuge, Bürgermeister Otterbein von Obcrohmen, kannte die Stanf's als arme aber ehrliche Leute. Der Qlltc, Heinrich, war ein zuverlässiger Mann, der sich seinen Unterhalt durch Arbeit verdiente, aber freilich manchmal etwas schuldig bleiben mußte; er ver« - langte einmal ein Oclhandelpatent, was ihm jedoch abgeschlagen wurde; von früheren Unredlichkeiten H. Stauss ist dem Zeugen nichts bekannt; es fiel ihm auf, daß er im Jahr 1847 häufig eine silberne Uhr bei Stauf sah; Briefe habe derselbe manchmal bekommen, der letzte, an seine Tochter, sei jedoch, wegen Mangels an Portvgcld nicht angenommen und darum an das Landgericht abgegeben worden. Dieser Brief ist von Johann Stauf ge-
andere glaubten, billigend, oder, wie wir glauben mußten, mißbilligend.
In dem Ausschuß machten sich folgende Meinungen geltend: Herr Großmann erklärte sich mit den Ansichten des Ministeriums einverstanden und sprach für Verwilligung der Steuern. Herr Schmidt war gegen die augenblickliche Verwilligung der Steuern, er beantragte, dieselben erst nach einem im Juli erfolgten Wiederzusammentritt und, nachdem bis dahin die Regierung die dringlichsten Gesetze, namentlich Forst-, Justiz- und Schulorganisation, vorgelegt habe, zu vo- tiren, Die Streitfrage wegen des Postens für Hofhaltung und Schatulle dagegen ließ er, obgleich das Verfahren des Ministeriums nicht billigend, fallen. — Die Unterzeichneten, welche in dem Ausschuß durch Jung 11. und Lang vertreten waren, sprachen sich dahin aus, daß die Erklärung des Ministeriums über fernere Auszahlung der nicht verwilligten 300,000 fl. widerrechtlich und folglich wirkungslos sei, und daß sie, da das Ministerium die zu verwilligenden Steuern zu nicht verwilligten Ausgaben verwenden wolle, und da es daneben in Bezug auf die dringlichster Gesetzgebungsarbeilen bisher gänzliche Unthätigkeit gezeigt habe, und seine Erklärungen ein Abgehen hiervon nicht erwarten ließen, eine Zustimmung zu der Steuergesetzgebung nicht beantragen könnten, weil wir dies für das einzige Mittel hielten, das Ministerium von der ein- geschlagenen Bahn, welche wir für eine den Interessen des Landes widerstreitende halten, abzubringen.
Zugleich erstattete der Steucrausschuß Bericht. Hr. von Eck beantragte die Verwilligung des 3ten Simpels und die Aussetzung des 4ten bis zum Wicderzu- fammentritt der Kammer, womit sich denn das Ministerium eventuell auch zufrieden erklärte. Die Unterzeichneten dagegen, welche durch Jung L, Born und Wimpf in dem Ausschuß vertreten waren, ent- schieden sich gegen jede Verwiliignug aus den oben angegebenen Gründen.
Wir übergeben die beiden Comnussionsberichte, sowohl den von Jung II. und Vang über die Mittheilungen der Regierung, als auch den von Jun gl., Born und Wimpf über die Stenerfrage, welche wir beide als den Ausdruck unserer Meinungen betrachten, durch die Presse der Oeffentiichke.t. Vor der gestrigen öffentlichen Sitzung fand die übliche allgemeine Aus- schußsitzung statt, in welcher sich Die oben dargelegten Ansichten aussprachen.
Unmittelbar vor der Eröffnung der Sitzung vergewisserte sich das Ministerium nochmals durch Befragung Der Ausschußmitglieder, daß es auf eine Mehrheit für die angeforderttn Steuern nicht rechnen könne.
schrieben und enthält einen andern Brief 'desselben an den Alle» mit der dringenden Bitte um Geld, Beschwerden über Vernachlässigung u. s. w. Auf Befragen erklärte Joh. Stauf, er habe aus früheren Ersparnissen bei. seiner Schwester 52 fl. deponirt, die dieselbe dem Pater gegeben, von dem er sie damals zurückverlangt habe. H. Stauf gibt zu, daß er zwischen 40 und 50 fl. von seiner Tochter erhalten habe.
Bei Dem weiteren Zeugen, Kaufmann Krause in Alsfeld, verkaufte Der alte Stauf im September 1847 Oel und zwei silberne Schnallen mit gvldncr Einfassung; er will dieselben „in einem Päckchen" von seinem Sohn Jakob erhalten haben; Dieser erklärt, sein Bruder habe ihm das Päckchen „bei Bessungen" (einem dicht an Darmstadt liegenden Dorfe) wo cs in einer Hecke versteckt gelegen, gegeben. Joh. Stauf will das Päckchen als freiwilliges Geschenk vom Grafen erhalten, aber wegen dringender Geschäfte uneröffnet gelassen haben; doch fei es identisch mit dem „Päckchen Juwelen", das er vom Grafen erhalten (ein offenster Widerspruch der Angaben).
Päcken Juwelen
das er
Müller Trüller von Angcrvv bezeugt, daß ihm H. Stauf von 1844—47 als Oelschläger treu und fleißig gedient, ebenso Müller Schwarzentraub, bei Dem Stauf um Fastnacht 1847 eintrat. Zeuge hat eine silberne Uhr bei ihm geselln , Die H. Stauf vor jener Zeit zu Frankfurt gekauft zu haben behauptet: „eine Uhr sei oft ein vortheilhaft s Ding." Der Alte cxzcllirt
Es entschloß sich darauf zur Vertagung der Kammer in der Weise, daß hiermit die Sitzung eröffnet und dadurch jede Diskussion abgdschnitten wurde. Hiermit ist unsere Thätigkeit beendigt. Dieselbe war, obgleich mühevoll und unangenehm für uns, nicht fruchtbringend für das Land; daß sie letzteres nicht war, glauben wir nicht zu verschulden.
In dieser Ueberzeugung werden wir unsere beiden oben genannten Berichte *) der Oeffentlichkeit übergeben und Der Entscheidung unserer Mandanten über die Frage, ob das Recht auf unserer oder unserer Gegner Seite gewesen, getrost entgegensehen.
Wiesbaden, 27. März 1850.
Braun. Gergens. Creutz. F. A. Wimpf. Born. 3 tut gl. fritz. Habel. Haupt. Lang. Iusti. Müller II. jung 11. 5 bach. Kalt.
Hehn er. Wepr- Snell.
y Dillenburg, 24. März. Die drei Freischärler, welche seit Anfang Dezember in dem hiesigen Untersuchungsgefängniß gefangen gehalten wurden, sind gestern endlich frei gelassen worden mit dem Bedeuten, vorerst noch zu Hause zu bleiben, damit sie, sobald man ihrer bedürfe, wieder aufgefunden werden könnten. Es sind drei Schneidergescllen: Rado aus Weilmünster, Ketter aus Waldhaufen bei Weilburg und Großmann aus Kirberg und ihr „Verbrechen" ist folgendes: Als im Mai vorigen Jahres die deutschen Arbeiter in der Schweiz, wo auch sie in Arbeit standen, aufgefordert wurden, für Freiheit und Vaterland die Waffen zu ergreifen, verließen sie ihre Werkstätten, schlossen sich der sog. Schweizerlegton, welche Böhning führte, an, uuo machten Den ganzen Feldzug mit, bis sie endlich in Rastatt gefangen genommen unv in die Kasematten geworfen wurden. Die acht Monate langen Kerkerqualen, welche sie seitdem ertragen mußten, haben aber ihre tüchtige Gestalten so wenig, als ihren republikanischen Trotz gebeugt. Ihre Freilassung war wahrscheinlich die Folge eines Antrages ihres Vertheidigers des Prokurators Braun; denn der Untersuchungsrichter eröffnete ihnen, jene Schrift sei dem Ministerium vorgelegt worden und da Herr Staals- prokurator Lantz dieselbe befürwortet habe, so wolle
Diese beieeii Berichte werden morgen in einer Beilage mit- getheilt werden. Die Redakiia».
überhaupt in originellen Antworten auf Die oft ebenfalls originellen Fragen d^s Präsidenten. Zeuge hat damals bei H. Stauf einen Ring von Gold und Platina gesehen. Letzterer will diesen Ring von feiner F au, Die ihn von ihrem Vater, „einem Schiffsmatrosen", erbte, ' haben, Jakob Stauf behauptet, seine Mutter habe einen „ganz gelben" Ring, Joh. Stauf, sie habe einen goldenen und einen silbernen besessen.
Nach Lcrlesu g eines irrelevanten Protokolls eines nun verstorbenen Zeugen, erklärt der Messerschmied W c i d- hardt von Obcrohmen, daß er während seines Soldatendienstes Den Joh. Stauf mehrmals vor und einmal kurz nach Dem Tod der Gräfin besucht habe; daö letztemal wurde er von Stauf gebeten , nicht wieder zu kommen, weil Weißzeug im Haus gestohlen worden sei (welche Gelegenheit der Präsident zur Aeußerung eines Vertrauensvotums für das herrliche Kriegsherr benutzte), auch habe Stauf die Vermuthung eines Selbstmordes der Gräfin wegen Der verschlossenen Thüren geäußert.
Metzger Winson fragte am 13. Juni AbcndS zwischen 6 und 8 Uhr im Görliy'schen Haus um Fleischbestellung nach und erhielt Die Antwort von einem Bedienten (weiß nicht mehr welchem?) unter der Thorhalle. Stauf will ihm Die Antwort vom Hintcrfenstcr aus gegeben haben.
Die letzte Zeugin, Elise Guntrum, Dienstmagd in Heimertshausen, stand früher in einem Verhältniß mit Jakob Stauf, welches nicht ohne Folgen blieb , jetzt