Jahre 1806: so ist die Ucbcrcinkunft vom 27. Februar ein neuer Abzug des deutschen Fürstenbundes vom Jahre 1784. — 1784 tritt Preußen dem Ehrgeize Oesterreichs, 1850 Baiern mit Sachsen und Würtem- berg demjenigen Preußens entgegen. So gewiß aber der alte Fritz das Wachsen Oesterreichs hintertrieben hat, so gewiß werden auch die schwarz-weißen Erobe- rungSplâne ohne irgend welchen Erfolg bleiben : und die Demokratie, welche herrlich gedeiht, während sich die Könige zanken, wird eines Tages, unbestritten und ungetheilt, den Einfluß erringen, um den Oesterreich, Preußen und die Napoleonischen Könige schon so lange Hadern.
N a s s a n i s ch e r L a « d t a g.
/X Wiesbaden, den 23. März. (Achte Sitzung.) Creutz, Wenckenbach und Unzicker fehlen. Präsident Wirth verliest eine Mittheilung über den am 23. März erfolgten Tod des Prinzen Moritz; sodann ein Schreiben des Abgeordneten Leisler, worin dieser die Wahl eines Beiraths zur Landesbank ablehnte. Daraufhin wird sofort eine andcrweitc Wahl vorgen om- men, die auf den Abg. Bertram fällt.
Raht stellte den Antrag, die Kammer möge dem gegen ihn wegen des Ausdrucks „Haus- und Hof-Ministerium" ergangenen Ordnungsruf nicht beitreten. Die Jnbetrachtnahme des Antrags wird gegen 18 Stimmen abgelehnt, worauf Raht den Antrag zurückzieht und es der Beurtheilung des Landes überlassen will, wie in diesem Saale die Redefreiheit zur Wahrung der Rechte des Volks gehandhabt werde.
Die Tagesordnung führt zur Berichterstattung über die Regierungsmitthkilung bezüglich der Civilliste u. des Standes der Gesctzgcbungsarbeitcn und über die Steuer- anforderung. Vorher jedoch verliest Präsident Wintzingerode eine Mittheilung der Regierung, wornach die Abgeordnetenversammlung, da cs der Regierung aus bekannten Gründen nicht möglich sei, die Gesetz- gebungsarbeiten hinlänglich vorzubereiten, außerdem die Verhandlungen über die Dotation des Herzog!. Hauses einen bedauerlichen Constikt herbeigeführt hätten, einstweilen, jedoch nicht über den 16. Septbr. hinaus, vertagt wird. Schluß der Sitzung. (Näheres Morgen )
Deutschland.
/X Dillenburg. Wenn auch in Beziehung auf die innern Verhältnisse der hiesigen Stadt, noch so viele gerechte- Wünsche ihrer Befriedigung entgegen sehen, so scheint doch über unserm Schulwesen ein ganz besonderer Unstern zu walten. Kaum war^auf Veranstaltung des hiesigen Gewerbevereins eine Sonntagsund Abendschule ins Leben getreten, so wurde Dieselbe durch die Entfernung des Herrn Prorektor Rostel, der dieselbe vorzugsweise gefördert hatte, so erschüttert, daß an ihrem Fortbestände sehr zu zweifeln ist. — Ein neues Elementarschulgebäude soll errichtet werden; unsere Bauhandwerker verlangen Arbeit und Brod und der Gemeinderath möchte mit dem Schulbau gern jeden Tag ans Werk schreiten, wenn nur die Vorfrage er- ledigt wäre, ob und welche Veränderung dem hiesigen für die Bürgerschaft fast ganz überflüssigen Pädagog bevorsinnde und was in Beziehung auf Errichtung einer Real- und Gewerbschule von Seiten der Regierung beabsichtigt sei, damit bei dem Neubau die etwa erforderliche Rücksicht hierauf genommen werden könne. Seit sechs Jahren petitionirt die Gemeinde um eine den gewerblichen Interessen der hiesigen Bevölkerung entsprechende Lehranstalt; seit sechs Jahren sind die darauf gerichteten gerechten Ansprüche der hiesigen Stadt ein stehendes Kapitel in den landständischen Verhandlungen; seit sechs Jahren haben wir manche schöne Zusagen und Vertröstungen von der Landes-Schulbehörde zu hören bekommen; in der That aber ist bis auf eine völlig unzulängliche Theilung der ersten Klasse des hiesigen Pädagogs in eine Sektion studirender und eine Sektion nichtstudirender Knaben, Alles beim Alten geblieben. Erst im vorigen Frühjahr hat der Gemeinderath in einer ausführlichen Eingabe an Herzgl. Landes-Regierung, unter entschiedener Verwahrung der Rechte des hiesigen Landestheils auf eine höher Schulanstalt, darauf eingetragen, daß den durchaus gewerblichen und kommerziellen Bedürfnissen der hiesigen Bevölkerung endlich Rechnung getragen, die gelehrte L-chulc endlich ausgehoben und gleichzeitig in eine höhere Bürgerschule mit entschieden realistischem Charakter umgewandelt und derselben endlich eine solche Einrichtung gegeben werde, daß sie als Vorschule für eine hoffentlich in naher Zukunft dahier zu errichtende höhere Fachschule für Forst- und Bergleute benutzt werden konnte. — Dem Vernehmen nach sind diese Anträge von Seiten der damals niedergesetzten Schul- commission in ihren wesentlichen Theilen begründet befunden und die Errichtung einer Real- und daran sich schließenden Gewerbschule von derselben befürwortet worden. Eine Erwiederung auf ihr Gesuch hat aber die Gemeinde nicht erhalten; schon dreimal hat der Gemcinderath die Sache bei der Regierung aufs drin- genste in Erinnerung gebracht; es erfolgt — nicht s.
Wiederum scheint für das Schuljahr keine Vorbereitung zu einer Umgestaltung des Pädagogs in dem angegebenen Sinne geschehen zu sollen; nach wie vor scheint es, als sollte diese Schule als Strafanstalt für solche Lehrer offen gehalten werden, die durch Mangel
an Servilismus oder gar durch Liebe zum Fortschritt den Aufenthalt in der Residenz verwirkt haben. Gleichwohl bestehen die Bedürfnisse des kaufmännischen und gewerblichen Theils der hiesigen Stadt und Umgegend fort und werden täglich dringender; ob unsere Abgeordneten in der Kammer endlich ein Einsehen nehmen und durch entschiedene Maßnahmen der Verwendung der Staatsmittel an eine längst überflüssig gewordene Anstalt ein Ziel setzen und einem anerkannten Bedürfniß der hiesigen Gegend abhelfen werden, müssen wir abwarten, bei der Zerfahrenheit ihrer dermaligcn Majorität aber noch in Zweifel ziehen. Wahrscheinlich wird unser Gemeinderath durch eine Deputation bei Herzog!. Staats-Ministerium als letzten Schritt den Versuch machen, ein Anliegen zur Entscheidung zu bringen, das längst eine Lebensfrage für unsre Industriellen geworden ist. —
V Vom hohen Westcrwalde. (Eine Marktparade.)
Wo stolz bey Mannes Blicke Den Fremden treffen kalt; Wo^fich kein Rücken bücket Vor Unrecht und Gewalt; Wo deutsche Kraft und Treue 9li?$ wohnt bei Jung und Alt: Da sind der Freiheit Höhen, Da ist der Westerwald.
Hangar d.
Auf dem am 13. März in Marienberg abgehaltenen Jahrmärkte fassen unter einem Z.lte mehrere lebensfrohe Westerwälver-Jünglinge und sangen Wohlgemuth das bekannte Heckerlied. Um sie her standen ihre Mitbürger und horchten wohlgefällig der beliebten Weise. Da gesellte sich zu den Sängern noch ein Mitbruder, der nach seinem Aeußeren zu schließen, schon mehrmals mit den schwersten Feuerröhren gegen die „Anarchie" gekämpft hatte, und forderte, indem er mit seinem Stocke auf eine Ecke des Tisches klopfte, seine Kameraden auf, recht munter zu sein. Leider fielen durch den etwas unsanft angegebenen Takt einige Gläser um, oder zerbrachen, die der Jüngling jedoch bereitwillig bezahlen wollte. Unterdessen hatten sich auch einige Landjäger bei dem Zelte eingefunden. Einer von ihnen erkundigte sich nach dem Namen des Sängers des Heckerliedes, schrieb sich diesen auf in seine Schreibtafel und ging alsdann den mit seinen Gläsern verunglückten Jüngling über seine Grobheit sehr hart an, Viewer blieb ihm jedoch keine Antwort schuldig und erklärte sich bereit, den verursachten Schaden zu bezahlen. Darauf verlangte einer der Landjäger, daß das Heckerlied nicht mehr gesungen werde. Nachdem die Jünglinge sich aber bei den Umstehenden erkundigt hatten, ob das Lied irgend Jemanden mißfalle ober beleidige, und Jedermann seine Völle Zufriedenheit damit zu erkennen gegeben hatte, erklärten die Sänger, daß sie das Lied für ihr Vergnügen sängen, daß die Herrn Landjäger ihnen in dieser Beziehung Nichts zu befehlen hätten, sie aber, wenn sie wollten, anzeigen könnten, daß sie das Lied vor anderen Herrschaften, als die Landjäger seien, gesungen hätten und cs auch jetzt noch fortsingen würden, daß sie ihre zerbrochenen Gläser auch ohne die Aufforderung der Landjäger bezahlen würden u. s. w. Diese kühne Sprache reizte aber einen der Landjäger zu Füße so sehr, daß er sein Gewehr schwenkte, und einem der Jünglinge einen derben Schlag versetzte. Das war jedoch den Weftcrwäldern zu viel, auf ihren freien Höhen für das Singen eines allbeliebten Liedes so belohnt zu werben. Wie aufs Counnando machten alle Knotenstöcke „Gewehr auf", und jener Landjäger soll gewaltige Prügel erhalten haben. Sein reitender College kam ihm zur Hülfe, erhielt jedoch als er einen Bauern -am Kopfe faßte, einen Wurf an das Haupt, daß er arg blutete. Der ganze Markt kam in Bewegung. Die Landjäger zogen sich kämpfend zurück, ihnen nach der jauchzende Haufe. Auch in Marienberg war für sie kein Bleibens. Wcibcr und Kinder höhnten und verspotteten sie. So endete die Marienberger Marktparade.
W. Ans der Grafschaft Westerburg. Ueberall regt sich in der gegenwärtigen Zeit die Sehnsucht nach Fortschritt, überall zeigt sich das Streben nach Kenntnissen und Bildung; das beweisen die vielen Vereine unter ihren verschiedenen Namen, das bezeugen die frisch gegründeten Bibliotheken, das bekundet das bc- gicrige Haschen nach Tagesblättern aller Art. Auch unser Städtchen Westerburg scheint von dem allgemeinen Geiste angeweht zu werden und nicht Zurückbleiben zu wollen bei dem allgemeinen Forschritte. Einzelne Bürger haben daher neben den bereits bestehenden drei Elementarschulen noch eine Privatanstalt gegründet, in der ein Candivat der evangelischen Theologie in Ge- meinschaft mit einem Elementarlehrer französische, lateinische und englische Sprache, sowie Mathematik, Naturlehre, Naturgeschichte re. lehren sollen. Sehr lo- benswerth von unserm jungen Städtchen! — Nicht so lobenswert!) sieht es aber in einem unserer Nachbarorte aus. Währc nd überall die Losung „Vorwärts" heißt, scheint sie dorten „Rückwärts" oder „Krebsgang" zu heißen. In Langendernbach wirkten bis zum Jahre 1848 unter 300 Schülern zwei Lehrer, ein evangelischer und ein katholischer. Nachdem in jenem Jahre der evangelische Lehrer versetzt wurde, weigerten sich die Bürger von Langendernbach, einen neuen evangelischen Lehrer, in ihre Schule zu lassen, und Lehrer Meyer mußte daher, nach etwa ^jährigem unverschuldetem Nichtsthun, aus Langendernbach abziehen, erhielt jedoch aus der Gemcindekasse seine volle Besoldung. Ein
katholischer Lehrer wurde Nachfolger. Als dieser jedoch zu Neujahr 1850 versetzt wurde, erhielt Langendernbach abermals einen evangelischen Lehrer. Dieser darf jedoch nicht einmal die Schule betreten; wahrscheinlich würde er sonst auf einmal alle katholischen Schüler zu lauter Ketzer machen. Der schon ziemlich bejahrte Lehrer F. unterrichtet indessen täglich 300 Schüler, während der jüngere Lehrer zu seinen Kollegen auf den nächsten Dörfern geht und ihnen in der Schule Hülfe leistet. Und dieses Alles kann die höhere Behörde sehen, ohne energische Schritte zu thun! Und doch besitzen die zahlreichen Protestanten Langendernbachs einen für sie vom Prinzen von Oranien gestifteten Schulfond von 1800 fl. Kapital, dazujährlich 2 Klftr. Holz und in frühern Zeiten ein eigenes Gebäude, das zum Besten der Gemeinde verwendet worden ist. Woher mag aber wohl der Religionshaß in Langendernbach kommen, der in der letzten Zeit so weit stieg, daß selbst an der Wohnung des evangelischen Lehrers während der Nacht die Fensterläden eingeschlagen wurden? . Lebten doch auch in früherer Zeit die Bürger Langendernbachs einig, und sucht doch der Mensch, als Mensch unverdorben aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen, seinen Nächsten zu lieben, zu achten und ihm wohl zu thun! Wer hat nun wohl diesen Religionshaß gesäet? Denn gesäet ist er, das ist gewiß, wachsen doch keine Disteln und Dornen, wo man Walzen und Neben pflanzt. Jedermann, der nicht selbst mit dem Schleier der Finsterniß umhangen ist, kann es sich ganz gut erklären, wenn er nur bedenkt, daß gar viele seiner Mitbürger noch so weit zurück sind, daß ihrer ungefähr 20—30, wie man mir sagte aus dem Amte Rennerod, in einer der kältesten Nächte des Winters 1849 bis 1850 auf den Blasiusberg zur heiligen Kapelle zogen, um dorten einen gebannten Geist, der schon lange schmachte, durch die Hand einer alten Frau zu erlösen. Wir hatten wahrscheinlich in Nassau die Alt-Baiern nicht nöthig, um Uneinigkeit unter dem Volke zu erregen und dem Rückschritt Bahn zu brechen.
ff Vom Rhein. Meine letzte Zuschrift über die Zustände dahier hat ihre beabsichtigte Wirkung nicht verfehlt. Freunde der Wahrheit beklagen die erwähnten Thatsachen ; nur diejenigen, die durch etwaige Abstellung der Mißstände eine Beeinträchtigung ihrer Einnahmen vermuthen und wenige Casino-Theaterhelden, die ihre Schauspielereitelkeit, überhaupt ihr Thun und Treiben verletzt fühlen, sind die Verwundeten, die sogar über Mißbrauch der freien Preise schreien. Sie halten es nicht der Mühe werth, wie sie sich ausdrücken, „Albernheiten" öffentlich zu widerlegen, sind aber fähig, einen ganzen Abend mit einem Heuler-Quartett anszufüllen. Sie sind immer noch mit dem Vorurtheil behaftet, daß es Casino-Laien, d. h. Solchen, die nach ihrem Dünkel nicht berechtigt sind, hinter ihre Coulissen zu bii- cken, nicht zustehe, ihr Thun und Treiben zu beurthei- lcn. Um so weniger wollen sie von sich Rede wissen, als sie in Folge derselben Kundgebungen des Volkes fürchten, die auch den Bethörtesten zur Besinnung bringen. Es ist dies jener nicht seltene, tolle Adelsdünkel und Egoismus, der mit Hintansetzung aller Humanität nur sich selbst und seinen sinnlichen Genüssen lebt. — Sie möchten, stünde eS_ in ihrer Gewalt, das Volk im Flusse Lethe (Vergessenheit) tränken, damit es dieQua- len, die ihm von seinen Anssangern bereitet worden sind und bereitet werden, vergessen und beschuldigen den, der dem Volke seine Leiden zum Bewußtsein bringt, des Wahnsinns, während sie an der Gehirnentzündung und dem mit dieser Krankheit verbundenen Jrreden leiden. Sie haben sich noch in 1849, die badische Fluth fürchtend, als ehrliche Demokraten geriet und nun sind sie fähig und frech genug, der besiegten Demokratie zu spotten und denen, die das Wohl des Volkes und folglich alle Consequenzen wollen, die Berechtigung abzusprechen, Mißstände der öffentlichen Beurtheilung zu übergeben, die das Volkswohl in Frage stellen! Sie mögen die Versicherung hinnehmen, daß ihr herzzerschneidendes und herzloses Heuler-Conzert, in Soli sowohl, als auch in Chorus vorgetragen, stets einen rücksichtslosen Kritiker finden wird.
Doch hinweg von diesem Bilde; ein lieblicheres wohnt an seiner Seite, wie neben der täuschenden Giftpflanze ein erquickendes Heilkraut. Eine gute That soll man niemals unerwähnt lassen, damit fie zur Nachahmung ermuntere. Diese Pflicht erkennend, kann ich nicht umhin, der aufmerksamen Wohlthätigkeit einer edeln Frau St. Goarshausens zu erwähnen. Ihr Bemühen, der Armen Noth zu lindern, verläßt die Grenzen des Städtchens; sie sucht in dem nahen Dorfe P. die Hülfsbcdürftigen; sie kleidet, sättigt, erzieht und läßt erziehen und findet in diesen Handlungen, sowie in dem dankbaren Blicke der Dürftigen ein beseligenderes Gefühl, als in der Darstellung alberner, nntz- lo|c Kosten verursachender Theaterstückchen. Ihrem liebevollen Bemühen wünsche ich von Herzen den glücklichsten Erfolg!
Berlin, 21. März. Unsere Stadt hat im Augenblick an Interesse verloren. Die Augen der Konstitutionellen richten sich nach Erfurt, dem neuen Bethlehem, wo der Messias der deutschen Einheit geboren werden soll. Aber wir sind ungläubiges Heidenpack, und sehen ^bis jetzt nichts, als einige bunte Seifenblasen, mit deren Schaum die hiesigen Klatschblätter ihre Zeitungen füllen. Schade darum, wir hören nun nicht mehr das Gebell, daß die schwarz-weißen Kläffer uni