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1784 und 1850.
£. • Wiesbaden, 26. März.
Wir haben in No. 62 gezeigt, daß das Projekt eines norddeutschen KaiserthmnS durchaus kein neues sei, und daß Herr von Manteuffel nur das Verdienst habe, den längst vergessenen „Constitutiousentwurf des norddeutschen Reichsbundes" vom Jahre 1806, der vom Grafen Haugwitz herrührt, wieder aus dem Akten- schrank hervorgeholt und als das Erfurter Projekt unserer Tage aufgewârmt zu haben.
Heute werden wir beweisen, daß auch die Uebereinkunst der Könige von Baiern, Sachsen und Wür- temberg vom 27. Februar d. J. in etwas anderen Formen und jedenfalls mit einer offeneren Darlegung des Zweckes in der deutschen Geschichte schon einmal da gewesen sei
Vor den siegreichen Kämpfe» Friedrichs des Großen in Schlesien, Sachicn und Böhmen war der Einfluß der österreichischen Macht in Deutschland ein all- mächtiger, unbestrittener und ungeteilter. Nach dem Frieden zu Hubertsburg vom Fahre 1763, welcher dem preußischen Königshaus den Besitz Schlesiens garan- tirte, begann Preußen erfolgreich mit Oesterreich um die Hegemonie in Deutzchla d zu streiten. Anfangs mußte das zur Großmacht gewordene Preußen jedoch sich noch darauf beschränken, den gewaltigen Einfluß Oesterreichs lediglich zu brechen, ohne düh es daran hätte denken können, den Oesterreich entzogenen Einfluß in deutschen Angclegcnhctteu sich ,e!b,t auzu- tianen. So setzte sich denn der alte Fritz, nachdem er mit seinem guten Schwert dem alten Kaiserhause bedeutende Zugeständnisse abgerungen hatte, als das Hauptziel seiner d>ploma tijchen Aufgabe: das W0rt Oestcrrei chs bet den dcutschen Furste n- höfen bedeutungslos zu machen, um so zu verhindern , daß Oesterreichs Macht auf Kosten der tlci- neren deutschen Staaten, und zum Nachtheil des noch wenig beseitigten preußischen Staats, wachte. Um Oesterreich zu schwächen, trat demzufolge Friedrich der Große in dem sog. bayrischen Erbfolgestrtit des Jay- res 1778 für die Ansprüche des Herzogs Karl von Pfalz-Zweibrücken auf, und verhinderte dadurch, daß von dem Churfürst Karl Theodor an den Kaffer Joseph ganz Niederbaiern und noch einige andere bairische Gebietstheile abgetreten wurden.
Als aber der Kaiser Joseph den Entschluß faßte, dem Churfürst Karl Theodor für die sämmtlichen ba>e« rischen Lande seine niederländischen Besitzungen unter dem Namen eines Königreichs Burgund zu überlassen; und überhaupt nicht undeutlich zu verstehen gab, wie
das Endziel seiner Politik darauf hinauslaufe, die kleineren deutschen Staaten allmählig dem österreichischen Staate einzuverleiben, um so für den letztern den Schwerpunkt für immer nach Deutschland zu verlegen, glaubte Friedrich der Große diesen ländergierigen Bestrebungen Oesterreichs einen festen Damm entgegen setzen zu müssen, und stiftete deßhalb den deutschen Fürstendund, welcher dem Vorwartsdringen des östreichischen Einflusses ein gebieterisches Halt! zuschlea- bern sollte.
In einem Aufsätze vom 24. Oktober 1784 spricht sich Friedrich selbst ausführlich über den Zweck dieses Fürstenbunds folgendermaßen aus:
„Da dieses Bündniß nicht offensiv sein soll, so muß es in der einzigen Absicht geschlossen werden, die Rechte und Freiheiten der deutschen Fürsten, und zwar ohne Unterschied der Religion, unverletzt zu erhalten. Es versteht sich, daß Alles nur auf die Rechte und Privilegien ankommen wird, welche theils durch das alte Herkommen, theils durch die goldene Bulle festgesetzt sind. Ich darf nicht an die alte Fabel erinnern, worin es heißt, man könne einem Pferde die Haare leicht ausreißen, wenn man eins nach dem andern nähme; man sei es aber nicht im Stande, wenn man den ganzen Schweif auf einmal fasse. Das Bündniß, "welches ich Vorschläge, hat lediglich den Endzweck, einem «Jeden seine Besitzungen zu sichern, und zu verhindern, daß es einem ehrsüchtigen und unternehmenden Kaiser gelinge, die deutsche Konstitution dadurch umzustoßen, daß er sie Stück für Stück zerstört. Wenn man nicht bei Zeiten Maßregeln nimmt, so wird der Kaiser alle seine Neffen mit den sämmtlichen Bisthümern, Erz- bisthümern und Abteien in Deutschland versorgen; bald wird er sie dann sckularisiren und durch die Stimme seiner Neffen auf dem Reichstag sich für immer das Uebergewicht sichern. Das beträfe dann die katholischen geistlichen Fürsten, die wir, unserer Konstitution gemäß, in ihren Rechten beschützen müssen. Was nun die weltlichen Fürsten von beiden Confcisionen betrifft, so haben sie gleiches Interesse, ihren Landerbesitz zu behaupten; und dieses Bündniß hindert und beschränkt den Kaiser in allen den Ansprüchen, die er etwa auf ihre Staaten machen konnte, wie wir an dem, was in Baiern .vorgegangen ist, ganz neuerlich ein Beispiel davon gehabt haben. Nicht minder kommen der Regensburger Reichstag und die Wetzlarsche Justiz als wichtig in Anschlag. Wenn man nicht bei Zeiten gute Maßregeln nimmt, diese alten Einrichtungen in ihrer Kraft zu erhalten, so wird der Kaiser es benutzen, um in ganz Deutschland seinen Despotismus zu begründen.
— Dies sind, roh hingeworsen, die wichtigen Punkte, welche alle Fürsten zu diesem Bündnisse vereinigen
, müssen, weil sie einerlei Interesse haben, und weil, i wenn sie einige ihres Gleichen unterdrücken lassen, bie
1 Reihe ganz gewiß auch an sie kommen und ihnen
; ter nichts bleiben wird, als das Vorrecht von Poly- phem's Grotte: zuletzt verschlungen zu werden. Dee Vortheil dieses Bundes besteht darin, daß, wenn Lee Kaiser seine Macht mißbrauche» will, die vereinte Stimme aller deutschen Fürsten ihm Ehrfurcht und Mäßigung einflößen wird; oder daß er, wenn er derspeifftig ist, eine hinlänglich starke Partei sindet, die ihre Kräfte den (einigen entgegenstellen kann; die Al- lnrten nicht einmal in Anschlag gebracht, welche das deutsche Reich bewegen konnte, auf seine Seite zu treten. Das sind, glaube ich, Gedanken, die reiflich cr- 1 wegen zu werten verdienen Ich habe mich nur j bei den hauptsächlichsten Punkten anfzuhakten ; aber I M'M könnte noch mepr 'Spezielleres hinziifügen und ! dies noch mehr erläutern. Beides thue ich nicht, weil es mich zu weit führen würde; allein, waS in einem nur skizzirten Plane unbedeutend ist, wird, wenn man es mit Sachkenniniß behandelt, wichtig, und ich glaube baß Herr von Herzberg sehr geschickt dazu wäre', diese Ideen auszuführen, und t>en die letzte Sankt on zu geben."
Im Mai des Jahres 1843 glaubte Preußen d-'e Zeit sei gekommen, wo es aus der bloß negativen Haltung gegenüber der Hegemonie Oestreichs heraus treten und positiv die Oberherrschaft in Deutschlads sich anetgnen müsse. Dieselbe Politik, welche Kaiser Joseph 1784 verfolgte, wurde seit dem Mai 1819 öffentlich von vein^Cabinet Manteuffel-Brandenburg eingehalten; an die Stelle des Lânderdurst's Oestreichs von 1784, trat derjenige Preußens vom Jahre 1849.
Allein ebenso wie sich im Jahre 1784 die deutschen i Fürsten gegen den verschlingenden Polyphem , den „ehrgeitzigen" Kaiser, durch ein Bündniß zu schützen suchten, trachteten auch in unseren Tagen die noch segellosen, und bedeutenderen Dynasten Deutschlands gegen den „preußischen" Ehrgeiz in einem Bündniß sich Rettung zu schaffen.
Nach der heftigen Rede des Königs von Würtem- berg, in welcher er das Erfurter Projekt einen künstlichen Sonderbund nennt, der auf den politischen Selbstmord der Gesammtheit (der Dynastien!) berechnet sei, wird es nämlich selbst dem blödesten Auge einleuchtend sein, daß der Zweck der Uebemnfuiift vom 27. Febr. durchaus nicht darin besteht, dem deutschen Volke eine Verfassung zu geben, sondern nur dahin gerichtet ist: die deutschen Fürsten aus den Klaue n des preußischen Adlers zu befreien.
Wie das Erfurter Projekt Manteuffels eine neue Auflage des Unternehmens von Haugwitz aus dem
Der deutsche Scipio.
(Forlscyung und Schluß.)
Und bald erscholl der Kriegsruf rings durch die Gauen und stolz aus den Namen Les Führers, einten sich die Völker unter Nan dv's Fahnen und schwuren, daß eher sich die Fluthen des Majnstroms rückwärts wälzen, als römische Adler auf dem Altkönig, dem uralten Sitze ihrer Könige, wegen sollten.
Die Schwerter der Atlemancn blitzten das ganze Maingestade entlang, und Mainz sah bald zum zweiten Male deutsche Schaaren über den Rhein strom schreiten. In mancher blutigen Schlackt krönte dort Sieg die gereckte Sache, und die Söldlinge des Volkes der sieben osiigel bebten vor der Rache der Germanen.
Da brachte man eines Tages aus einem eroberten Römcrkastclle eine gefangene Jungfrau, die wunderschön von Gesicht und Wuchs, ein wahres Bild von Holdseligkeit war. Majestätisch , obgluch kummervoll, schritt sie durch die Reihen der bärtigen Krieger, die dem liebreizenden Mädchen ihre Ehrfurcht nicht versagen konnten, als wäre sie ein überirdisches Wesen, oder Freia selber, Lie altdeutsche Göttin der Liebe.
Hut) rcchtS und links hört man im Volksgedränge flüstern: ,Dem Fürsten Ran do gebührt diese jHuldin als Beute; oder soll das Römervolk allein das Reckt haben, geraubte Frauen zu lieben?'
Vor dem Feldherrnzelt aber stand Ran do, wie ein Gott des Sieges, und übersah schweigend das Thal der Schlackt, wo Tyr, der Gott des Krieges, noch volle Ernte hielt.
Mit gesenktem Blicke nahte ihm die Schöne, und Perlenchräncn rollten über ihre blühenden Wangen, als die Krieger sie ihm übergaben und sprachen: .Nimm, 0 Fürst, diese ist Dein Eigenthum l^
Des Mädchens Sckönheit bezauberte mächtig den jungen Helden, und wie einst Scipio, wünschte auch er sic zu besitzen.
Sanft bittend aber sprach die Jungfrau: „Gib mich 0 Prinz, gib mich dem Jüngling wieder, den man verwundet von dem Wahlplaye landeinwärts trug, daß ich ihn pflege, bis er gesunde und dem Adler wieder folgen kann, benn er ist mein Geliebter! Gib mich ihm wieder und bezeuge es durch diese That, daß Großmuth gegen Frauen bin Allemanen eigen ist!"
Rand 0’ s Herz glühte immer leidenschaftlicher bei dem Anblick der Holden Gestalt und ein Kampf mit sich selbst begann bei ihren Worten in seinem Innern. —
Aber er ermannte sich und überwand sich selbst, und aus dem Sturme seiner wilden Leidenschaft trat, gleich der aus dem Schaume der aufgeregten Willen anftanckenten Göttin der Schönheit, die herrlichste That seines Lebens hervor.
.Junglrau, sprach er, Du sollst Dem zurückgegeben sein, dem Deine Thränen fließen!"
Mit Erröthcn und Erblassen neigt sich die Glückliche züchtig vor bem Helden und will seine Hand erfassen, um sie mit Zähren des Dankes zu benetzen; er aber wehrt ihr diesen Erguß des Herzens und febrt sich mit feuchtem Auge ab, die letzten Wallungen ftines innern Kampfes zu erdrücken.
Wie verfeinert} standen die Krieger da und sahen bald Rando, bald die Jungfrau an. Er aber war jetzt ein größerer Sieger, als jüngst, da er die Schlacht gewann.
„Wer schlägt den Löwen? Wer schlâht den Riesen?
Wer überww.det jenen und diesen?
Das thut jener, ker sich selber bezwinget!"
Das Römcrheer vernahm die Kunde von dieser The t mit Bewunderung. Von Munde zu Munde ging sie nnd erwarb dem Helden ungetbeilce Huldigung. D-e Harfner aber saunen auf Lieder, u ib weit und breit am Rhein und Main hörte man Rando als deutschen Scipio preisen und verherrlichen.
— In einem Ai tikel gibt das .Pesii Naplo" eine statistische Uebersicht ter Einwohner des eigentlichen lin garns. Das Resultat des mit vieler Genauigkeit ec febriebeueu Artikels ist folgendes: 5,400,000 Magnarcn' 800.000 Deutsche, 2 670 000 Slawen, 550,000 Rumänen , 250,000 Juden, 30,000 Zigeuner; zusammen 9,700,000 Einwohner.