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Freiheit und Recht!"

^U Of>* Wiesbaden. Freitag, 22. März <$50.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit tluSnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Adonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr aug, wärtS dnrw die Post bezogen mit vcrhältnißnräßigeni Aufschläge. Inserate werden bereitwillig aufgenomaren nnv sino bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung» stets von wirk- samem Erfolge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

Bestellungen derFreien Zeitung" auf das mit dem L April beginnende zweite Quartal beliebe man baldigst zu machen, hier in Wiesbaden in der H. W. R i tt er'schen Buch­handlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Die Expedition.

Sein oder Nichtsein.

Die Freiheit Europas ist zertreten, und der Des­potismus setzt den eisernen Fuß auf den blutenden Nacken der Menschheit. Wie ausgestorben trauert die innere Welt der Geister, sie gleicht einem Stoppelfeld, mit Leichen bedeckt, über welches der eisige Hauch vom Nordpol strömet. Und dennoch zittert die Despotie, wie der einsame Wanderer, den Gespensterfurcht quält, um Mitternacht im rauschenden Walde. Die Könige rüsten mit gewaltiger Anstrengung, und ängstlich fragt der ruhige Bürger,gegen wen's" Aber nirgends eine Antwort.

Nur die feilen Blätter plaudern wie liederliche Dirnen in halben Worten die Geheimniye ihrer Gön­ner aus. Da wird gelispelt von demGlühofen der Revolution", vomHeerde der Unruhen", demBrau­kessel der umwälzenden Ideen" rc., und aufmerksam gemacht, daß eher keine Ruhe für Europa zu hoffen, bis in Paris, dem Mittelpunkt aller revolutionären Bestrebungen, die alte Ordnung hergestellt, die Bewe­gung erstickt sei.

Jeder Despotismus ist konsequent und weitausje- hend. Die Ideen sind cs, welche die Körper bewegen, die Ideen müssen ausgerottet werden. Muß es den europäischen Despotismus nicht beschämen, wenn er nach Indien blickt, dort, wo demselben das Werk so vollständig gelungen. Der Indier kann die Verrich­tungen, welche seiner Kaste vorgeschriebcn feuil anderer Gedanke steigt nie in seiner Seele auf. Der Menschengeist ist dort vollständig ausgerottet, es leben im Menschen nur abgerissene Kräfte für gewiße Ver­richtungen. Dieses Ziel muß der Despotismus errei­chen, sonst ist er früher oder später verloren. Das hat er selbst erkannt, deßhalb sagt er laut und offen: Wir haben die Macht! Wer seinen Gegner nicht zernichtet, wenn er die Gewalt hat, ist ein Thor!"

Länger als dreißig Jahre aber hat sich die Des­potie vergebens bemüht, eine Gedankensperre im Westen zu bauen und im Laude jeden keimenden Gedanken vom Ungeheuer Censur abweisen zu lassen. Der Geist wirkt wie Magnetismus und Electricität, und die Luft, die sich einmal nicht abhalten läßt, leitet die Kraft und den zündenden Funken weiter. Jeder Cordon ist umsonst; also muß man die Erzeugung unmöglich ma­chen. Paris ist das Endziel der Wünsche des Des­potismus, Frankreich muß getheilt, Paris bewacht werden.

Einladend waren bisher die Umstände zu diejem letzten Gang mit der Freiheit. Ungarn und Italien liegen zernichtet, in Deutschland hält die Geistlosigkeit

Nassauischer Landtag.

(Schluß.)

A Wiesbaden, 20. März. (Fünfte Sitzung.) Jung II. berichtet über das Capital des Munsterial- budgets des Innern, Kreisämter betreffend. Es wer­den »»gefordert: 1) für Besoldungen 35,60« fl., 2) Canzleiaufwand und Inventar 4515 fl., 3) Diäten und Reisekosten 9750 fl., Polizeiaufwaud 9700 fl. In Tit. 1 werden 600 fl. für den zweiten Keeisamts- Sekretär in Hadamar gestrichen, da das Gesetz nur die Anstellung eines Sekretärs gestattet. In demselben Titel wird die Anforderung für die Polizei-Comnüssa- riate in Wiesbaden und Biebrich gestrichen, da die Creirung dieser Stellen auf dem Wege der Verordnung, wie es geschehennicht erfolgen könne, es daher der Regierung überlasten bleiben müsse, einen deßfallsigen Gesetzesvorschlag einzubringen. Die Ädrigen Titel die­ses Capitels werden vermintet.

F rese n i n s berichtet über Cap. 4 des Budgets dec Mimsterialabth. des Innern, Landwirthschaft und In­dustrie betreffend. Es werden angefordert für die Lane- wirthschaft: 1) Preise für Viehzucht 500 fl, 2) An­schuß zum landwirthschaftlichen Verein im Allgemeinen 2000 fl, 3) für Thierarzt Groll am landw. Institut 200 fl., 4) für Culturanlagen auf dem Westerwald 100 fl., 5) für Erleichterung der CousoUdatlou 150.) fl, 6) für das Lanvgestüt a. ständige Ausgaben 7211 fl^ b. zur Achchaffung von 3 Hengsten 3000 fl., 7, Un­terstützung des Vereins für Seidenbau 700 fl, 8) Um Z5^4llâHdeL__chemischen Laboratoriums 500 st - Fur Gewerbe, und zwar ij-nr Mwr-^ meinen 300 fl., 2) für den Gewerbeverein 4000 fl, 3) für die Unterstützung der Badeorte, und zwar Lan­genschwalbach 2000 fl., Ems 1030 fl., Wiesbaden 20,000 Gulden. Sodann werden hier noch 535 fL zur Reparatur am Beschälerstalle in Weilburg angefordert, anf Antrag der Commission aber nur 500 fl. verwilligt. Die übrigen Posten der beiden Titel Landwirthschaft und Industrie werden mit Aus­nahme der Anforderung für Anschaffung dreier Hengste, welche durch Zollmann in einer sehr gelehrten Rede bekämpft und in deren Folge abgelehnt wird, und des Postens zur Hebung der Bade-Industrie, welcher einem frühern Kammerbeschlusse gemäß dem Ausschuß für das Doinanialbudget hingewiesen wird, bewilligt.

In den Ausschuß zur Prüfung des Schmidt'scheu Antrages wegen Reorganisation der freiwilligen Ge­richtsbarkeit werden Hehner, Kürtel, Preiß, Raht und Wirth gewählt.

In den Ausschuß zur Regelung der Waldsteuer kommen Bertram, Jung L, Keim, Müller 11. Tripp.

der Gothaer und die Brutalität der Soldateska den ( Geist darnieder, und in Frankreich selbst hält Bornirt- | Heit, Selbstsucht und Pfanenlist den Volksgeist in Schach. 1 Wenn man dicsin rothen Freiheitsmördern zu Hülfe kommt, dann wird es ein Leichtes sein, auf ewig den Gelüsten der Freiheitein Ende zu machen." So mußte der Despotismus denken, und die Verräther Frankreichs 1 halfen treulich den Weg nach Frankreich ebnen, halfen zertreten die Rechte der Völker und berauschten sich im Bluttrank. Erst ward in Rom dem rothen Car­dinalsmantel und dem Henker wieder das Volk über­liefert; dann ward mit Wien und Petersburg und Berlin immer traulicher der heimliche Umgang.

Sein oder Nichtsein! dachte der Despotismus und zerschnitt langsam dem Volke alle Nerven der Kraft, um mit Sicherheit dem wehrlosen Gegner den Todes- * stoß versetzen zu können. Frankreich mußte vorange­hen, um seine gute Gesinnung zu zeigen. Frankreich fesselte den Unterricht und verfolgte die freie Presse und das Vercinsrecht. Bald sollte es heißen, weg mit dem Unterricht, weg mit der Presse, doch der gefesselte fränkische Simson reckt sich, die Netze krachen die Philister beben. Das Volk in Frankreich regt sich, ! Zittern durchläuft die europäische Korruption und die Herrschsucht. Jede Bewegung des Volksgeistes in Frankreich zuckt durch Europa. Wohl hat Frankreich . Europa verrathen , aber nicht das französische Volk, 1 sondern seine Verräther. Der Despotismus Europas hat sich verbunden, die Völ^r konnten bis jetzt kein ! ünßcrco Äamr^mlipseift^aver sie eint. Die lächerliche Wnth unserer Geusen gegen die französische Nation findet keinen Anklang.

Vergebens sind alle Anstrengungen, das abgestor­bene Gerippe früheren Lebens zu erhalten; der Keim der Verjüngung sproßt im Schooße der Zeit, eine neue Erde und ein neuer Himmel werden hervortreten 1 aus dem Schutte des Gewesenen. Aber die Geburt der Zukunft müssen die Feinde der Freiheit beschleu­nigen. Der Zug des Despotismus nach Paris wäre j die Reise nach Damaskus. Die Demokratie muß seine Beschleunigung hoffen, weil dann die Stunde der Er- ( lösung schlüge. Das frciheitödurstige, klarbewußte Volk' Frankreichs ist nicht daS vom Despotismus er­schlaffte von 1814. Wie der Muhamcdaner nach Der Flucht nach Mekka die Zeit rechnet, so würde für Eu­ropa eine neue Zeitrechnung mit dem Zug nach Paris i erstehen. Doch der muthige Trotz des Volks von ' Paris wirft die Bestürzung in die Cabinette, sie wer­den sich besinnen, besinnen bis die Furcht sie rath- los macht. Der Despotismus widerstrebt der Welt- ordnung, darum muß er sich selbst auflösen.

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Prozeß Görlitz.

VII.

Darmstadt, 19. März, Nachmittags 3 Uhr. Der erste der heute im Prozeß Görlitz vernommenen Jengen ist der hiesige Metzgermeister Guntrum, der in jener Nacht gleichfalls in das Haus, aber nur bis an das bereits geöffnete Vorzimmer Der Gräfin kam. Er fand den Grafen von der Furchtbarkeit des Ereignisses betäubt und deponirt, daß derselbe diese Katastrophe der Gewohn­heit seiner Gemahlin, sich cinzuschließen, zugeschrieben habe, der nachher vernommene Lederhändler Heil weiß im Wesentlichen nur das anszusagen, daß, wie es ihm geschienen, dem Grafen das Unglück sehr zu Herzen ge­gangen sei. Der Präsident läßt die Köchin Haubach vortreten; die so leise spricht, daß nur ein kleiner Theil des Publikums sie versteht. Sie gibt an, sie sei während der ersten neun Monate des Jahres 1847 im Hause gewesen. Am Nachmittag des 13. Juni habe die Gräfin wie immer auS freien Stücken ihr erlaubt, daß sie aus­gehen könne, und zwar bis um 9 Uhr Abends, die für immer bestimmte Zeit der Rückkunft. In der Bedicntcn- stube habe sie den Bedienten Schiller und Stauff Adieu gesagt, so daß auch Letzterer ihr Ausgehen erfahren habe und dabei habe annehmen müssen, daß sie erst gegen 9 Uhr Abends zurückkehrcu werde. Gegen 3 Uhr Nach­mittags sei sie nachdem sie oben noch die Gräfin, der

sie etwas besorgt, in ihrer Garderobe gesehen, und ihr die Schlüssel abgeliefert, ausgegangen und erst um 9 Uhr i sei sie wieder nach Hause gekommen. Zeugin legt ihre i Wahrnehmungen von dieser Zeit an Dar, zum größten Theil solche, Die wir schon aus den Aussagen früher i vernommener Zeugen kennen. In einer scheinbar wichtigen i Beziehung weicht indessen Zeugin von andern Zengen ab; i sie will Den Stuhl, den Diese hinter der Leiche liegend gefunden haben wollen , st e h e n 0 gesehen haben. Der Zeuge Weyel, Der ersteres wahrgcnommen haben 'will, wird vorgerufen, und bleibt mit Entschiedenheit bei seiner Angabe, während die Zeugin standhaft bei ihrer Aussage beharrt. Sonst wird Zeugin noch über einzelne Momente vernommen, um bestimmte Verhält­nisse ins Licht zu setzen: Mittagsmahl Der Gräfin, wenn der Graf nicht zu Hause speist, dessen Abendsuppe, die .Streichhölzchen, das Verhältniß zu Stauff (ein freund­liches) rc. Zeugin will gesehen haben, daß Stauff an jenem Abend Wasser getragen habe, worauf er ihr nicht weiter zu Gesicht gekommen sei; später habe sie denselben nicht weiter beobachtet. Sie will nichts davon wissen, wie er sich benommen, wenn in seiner Gegenwart von Dem räthselhaften Tod der Gräfin geredet worden sei. Eine Aeußerung der Zeugin veranlaßt die Vorforderung des Kammerdieners Schiller, welcher bezeugt, daß am Tage nach diesem Tod Stauff in Gegenwart von Meh­reren aus einem Gebetbuch vorgèlcscu habe. Zum Nach­denken forderte auf die bcachtenswerthe Frage eines Ge­

schwornen, ob Stauff nach jener Kathastrophe sich einen Hund gehalten? eine Frage, die bejahrt wird. (Wollte er, um nicht allein zu sein, einen Gesellschafter?) Die Ehefrau Des Kammerdieners Schiller wird vorgerufcn. Ihre Aussagen sind in mehreren Beziehungen wichtig. Der Präsident schließt die Sitzung, um den Nachmittag in der Vernehmung der Zcugm fortzufahrcu. Ich werde in meinem Bericht über Diese Nachmittagssitzung bei Dieser Vernehmung verweilen und hebe für jetzt nur eineu Moment hervor. Es heißt in dem Anklageakt von Stauff: Nach dem Löschen des Feuers fand ihn die Ehefrau Schiller in seinem Zimmer im Zustand großer Schwäche, so daß er mit ihr nach Hause ging, bas ihm Ange- botenc verschmähte, sich dort zu Bette legte und so schwitzte, Daß die Ucberzüge gewechselt werden mußten." Zeugin beurkundet dieses Schwitzen, das so heftig ge­wesen sei, daß die a-olhe Farbe des Hosenträgers Stauffs (der sich mit seinen Kleidern zu Belte legte) sich dun Bettüberzug mitgetheit habe. Auf die Frage des M^- dicinalbirektors Graff, ob das Roth wirklich Farbe ge­wesen, erwiederte Zeugin mit einem bestimmten Ja! Co­wie der Prozeß Görlitz überhaupt an den Prozeß gegen Fonk und Hamacher in Köln erinnert, so denkt der Be­obachter bei dieser von der Zeugin oorgefubrLn Erschei­nung, welche in jenem früheren Pi oz ß die Blicke fesselt . Fonks Pfitschuldigcr, Hamacher, ein Küfer, der bekannt­lich seine Mitschuld an der Ermordung Des Cönen ein» gestand, fügte nach Schilderung des Vorgangs hinzu,