und in den Herzen ihrer Bewohner ein bleibendes Denkmal gesetzt hat.
Daneben sei es gestatte^, auch des Interesses des Landes und der Stadt durch Belastung der Steuer- rasse mit einer Pension von fl. 500 — und durch Schwächung "des hiesigen Pädagogs zu gedenken.
Wahrlich zu einer Zeit, in welcher 5 Steuersimpel für ein Jahr gefordert werden, sollte man wohl erwartens Paß den Steuerpflichtigen nicht noch neue überflüssige und vermeidliche Lasten aufgebürdet und neue Pensionen zu den seit dem vorigen Jahre geschaffenen hinzugefügt würden. Und, darf man fragen, enthält denn die Lehrkraft des Landes einen solchen Überfluß, daß man so leicht geneigt sein sollte, derselben einen anerkannt tüchtigen, in den besten Jahren stehenden Mann zu entziehen?
Wir wissen, wie Prorektor Rossel von seinen Schülern geliebt war und wie diese ihm nachweinten; sein Verlust trifft Land, Stadt und Schule.
Noch ist bei uns das Schicksal der Lehrer dem Ermessen der Verwaltungsbehörden preißgegeben, ohne daß gegen einen Beschluß, welcher geradezu die Existenz des Einzelnen vernichten kann, nur eine Recursinstanz gegeben ist. — Die Abgeordneten des Volkes, welche längst eine zu erlassende Dienstpragmatik als ein Bedürfniß erkannt haben, werden es daher nicht außer ihrer Pflicht erachten, auch bei Veranlassung eines einzelnen Falles die sorgfältigste Prüfung eintreten zu lassen, ob die Quicscirung gerechtfertigt fei oder nicht, und ob dadurch nicht wichtige Rechte des Einzelnen wie der Gesamintheit verletzt wurden.
Dies ist es, worum wir bitten: Die hohe Versammlung wolle unter Einsicht der Acten und etwa nöthiger Vervollständigung der Verhandlungen prüfen, ob ein genügender Grund zur Quiescirung des Prorektor Dr. Rossel vorliege, und nachdem Sie sich, wie wir nicht bezweifeln, von dem Gegentheil überzeugthaben wird, alles was an ihr ist thun, um die baldige Wiederanstellung des Prorektor Rossel herbeizuführen.
Dillenburg, den 13. März 1850.
fFolgen die Unterschriften.^
△ Wiesbaden, 20. März. In der heutigen Sitzung der Ständekammer wurde bei dem Blidjet des Herzoglichen Hauses die Civilliste mit 19 gegen 17 Stimmen auf 250,000 fl. festgesetzt.
Mainz, 19. März. Gestern fanden in unserer Stadt die Wahlen zum Festungsparlamente statt. — Was vorauszusehen und vorausgesagt worden war, traf ein: in einer Stadt von über 4000 Wähler fanden sich ein--161 Wähler!! Die Thatsache spricht für sich selbst; wir halten es nicht für nöthig, Bemerkungen daran zu knüpfen. Wo das Volk auf so eklatante Weise seinen Willen kundgibt, kann die Presse schweigen. (Mainz. Ztg.
Frankfurt, 19. März. Während die „lithogr. Korr." aus Berlin bestimmt versichert, daß Hannover fortfahren werde in einer abwehrenden Stellung zu verharren, behaupten gleichzeitig zwei in der Nummer der „Allg. Ztg." vom 17. März enthaltene Schreiben, das eine aus Stuttgart vom 14., das andere aus Hannover vom 12. März datirt, daß der förmliche Beitritt Hannovers zur Münchener Uebereinkunft in den nächsten Tagen erfolgen werde. Der letzterwähnte Artikel führt überdies eine Denkschrift der sächsischen Regierung an, worin dieselbe die Bedenken Hannovers gegen diesen Beitritt zu widerlegen sticht. Nach diesen Korrespondenzen wird Oesterreich .nur auf Grundlage jener Uebereinkunft mit Preußen unterhandeln, widrigenfalls den „preußischen Sonder- bund" als „mit der Bundesakte und dem Föderativbande ganz unverträglich" nie und nimmermehr anerkennen. (N.D.Z.)
Freiburg, 11. März. Die Hauptzengen gegen den dahier standrechtlich erschossenen Soldaten Gebhard
Kromer waren Oberfeldwebel Lang und Unteroffizier Vogel. Der eine hat sich erschossen, der andere ist an einem schleichenden Fieber gestorben. — Die (Überwachung der Presse und der Polizeidruck sind hier fabelhaft unter dem Regiment des Don Urta de Sara- chaga und seines Taufkindes, des Juden Benzinger, und deS Polizeiassessors Schneider.
Stuttgart, 18. März. Die würtembergische Lan desversammlung hat in ihrer heutigen Sitzung den Abg. S. Schott für legitimirt erklärt und hierauf die Frage, ob die Thronrede durch eine Adresse zu beantworten sei, mit allen gegen eine Stimme verneint, indem sie auf den Antrag von Probst motivirte Tagesordnung beschloß.
Erfurt, 19.. März. > Morgen früh eröffnet der Vorsitzende des Verwaltungsraths den Reichstag durch Verlesung der Eröffnungs-Botschaft und Verkündigung der Vorlagen. Beide Häuser constituiren sich demnächst in ihren Sitzungslokalen. (Fr. I.)
Berlin, 17. März. Die Verfolgungssucht der Gegner der Demokratie begnügt sich bereits nicht mehr die Vorkämpfer des Volkes in den Parlamenten des Jahres 1848 und 1849 vor Gericht zu ziehen; es soll jetzt auch der Freiheit und Unabhängigkeit der Vertheidigung eine Schranke gezogen werden, und man beginnt damit, Rechtsanwälte wegen ihrer, behufs der Vertheidigung vor Gericht gethanen Aeußerungen zur Rechenschaft zu ziehen. Gegen den Advokaten Volkmar, Defensor im Steuerverweigerungsprozesse, soll eine Disciplinaruntersuchung eingeleitet werden, weil er das Recht des passiven Widerstands gerechtfertigt hat. Das würde bereits ein Verfahren im Geiste des projektirten neuen Preßgesetzes sein, wo es als strafbare Handlung bezeichnet wird, wenn Jemand „Handlungen, welche in den Gesetzen als Verbrechen bezeichnet sind, durch öffentliche Rechtfertigung als erlaubt darstellt." Aus ähnlichem Grunde soll dem Advokat Dorn ein militärisches Ehrengericht bevorstehen, weil er bei Gelegenheit der Defension im Steuerverweigerungsprozesse geäußert, daß die Natio- nalkokaxde entwürdigt werden würde, wenn sie stets den geachtetsten Männern des Volks aberkannt werde.
• — Heute, am Vorabende des Jahrestages des 18. März, erscheint seitens des Polizeipräsidenten v. Hinkeldey ein Verbot des Besuchs des Friedrichshains am morgenden Tage und den folgenden, motivirt durch die im vorigen Jahre stattgefundenen Conflikte zwischen dem Volke und den Constablern. Der Unwille ist um so größer unter der Volkspartei, weil sie entschieden dafür gewirkt, daß jede Demonstration unterbleibe. Allein Hr. v. Hinkeldey will seine Macht fühlen lassen und wirkt dadurch nur provozirend für morgen. DaS Verbot veranlaßte heute schon Viele, nach dem Friedrichshain zu pilgern. In der Frühe und im Laufe des Vormittags wurden die Gräber mit frischen Kränzen und Blumen geschmückt, am Mittag jedoch der Zutritt zu den Grabern abgesperrt und eine Ehaine von Constablern rings um den Friedrichshain aufgestellt. Den am Nachmittag hinaus Pilgernden war nur gestattet, in der Enfernung von den Gräbern auf der Chaussee vorbeizugehen. Patrouillen von Constablern durchzogen die den Thoren zunächst liegenden Straßen. Größere Conflikte sind bis jetzt nicht vorgekommen. (F. I.)
Berlin, 18. März. Die heutige Nummer der „National-Zeitung" trägt Zeichen der Trauer, einen Kranz mit der Jnterschrift: „18. März 1848" und einen schwarzen Rand. An der Spitze des Blattes sicht eine Betrachtung: „Heute und vor zwei Jahren" überschrieben, worin das damalige Streben des Volkes erwähnt und die Nichterfüllung aller Verheißungen beklagt wird. Am Schlüsse heißt es: „Die Märzver- Hcißungen sind unerfüllt geblieben — die Märzbewegung dauert noch fort." Dasselbe Blatt enthalt auch eine Ansprache an die Volkspartei, von Berends,
Paalzow, Meyen und Dr. J. Waldeck unterzeichnet, worin ermahnt wird, von dem Friedrichshain fern zu bleiben und keiner Provokation Gehör zu geben.
Wien, 15. März. In dem Nachlasse des kriegs- rechtlich Hingerichteten Wiener Nationalgarde -Ober- kommandanten Messen Hauser befinden sich mehrere Manuskripte: ein Drama, ein Roman in 5 Bänden und eine Geschichte des Alterthums in 10 Bänden, welche demnächst öffentlich versteigert werden sollen.— Der Ministerrath hat beschloßen, daß jene Judengemeinden und Familien in Ungarn, welche sich an der Revolution nicht betheiligten, von der Straf-Contribu- tion verschont bleiben und denselben die etwa schon erlegten Theilbeiträge rückgezahlt werden sollen. — Einem Gerüchte zufolge soll man im Cabinet die Absicht haben, Ungarn, durch Aufnahme eines Ministers ohne Portefeuille, eine gewisse Garantie für die besondere Wahrung leinen Interessen zu geben Mau nennt den Grafen Moritz Almäschy als den präsumtiven Minister der ungarischen Angelegenheiten. — In Agram erhielt der Dr. med. Moritz Sachs das Agramer Bürgerrecht. Da derselbe Jsraelite ist, so wurde hiermit in Croa- tien der Anfang der Judenemanzipation gemacht und dem Grundsätze der Religionsfreiheit die gebührende Geltung verschafft. Unlängst wurden im Zalader Co- mitate sämmtliche Bauern in dem Dorfe Menenye, Mann für Mann, auf die Bank gelegt und durchgeprügelt, weil sie die Entrichtung des rückständigen Weinzehntcns bis zum Einrücken der Militär-Crekution verweigerten. Auch Geldstrafen mußten sie zahlen, und jenes Urtheil wurde nicht auf Befehl des Militärs, sondern auf Ordre der Herrn Oberstuhlrichter ausgeübt. — Der Hafen zu Cattaro soll zur beständigen Station einer russischen Flotte bestimmt sein, damit Rußland zu jeder Zeit im Mittelmeere auftreten könne. (F. I.)
Italien.
Rom, 8. März. (Westd.Z.) Was die Retour des Papstes betrifft, so wird solche, wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, gleich nach Ostern erfolgen. Zwei kleine Dampfschiffe, die einzigen, die die Regierung besitzt, sind bereits nach Portici zur Abholung der Effekten der Cardinäle und der Archive des heiligen Collegii abgegangen. Der Papst selbst aber wird zu Land reisen. In Terracina wird er einige Tage verweilen. Man richtet dort schon den päpstlichen Pallast zu seiner Aufnahme her, der von den spanischen Offizieren in ein Estaminet umgewandelt war. Die Hauptfrage wäre nun noch die, von welchen Truppen wird sich der Papst, zu uns zurückgekehrt, bewachen lassen. Die Franzosen ziehen, Ein Regiment auf das Andere, ab; die Oesterreicher häufen sich in Spoletto und Rieti in Mayen an. ^Die Neapolitaner weichen nicht aus dem Canton Frosisone, wo sie Jagd auf die Straßenräuber machen, worunter man jeden Bauern zu verstehen hat. Die Spanier find alle fort.
Es ist also unbestreitbar feststehend, daß die Oester- reicher kommen werden. Zunächst bringt General As- Pre zwei Regimenter unter dem Vorwande Mit, sie müßten der Wiederaufrichtung des österreichischen Wappens vor dem venezianischen Palaste beiwohnen. Die 15,000, dann noch in Spoletto zurückblcibenden halten sich bereit, nach der Rückkehr des Papstes auf den ersten Wink auf Rom zu marschieren. Die Werbungen für eine päpstliche Miliz werden in Frankreich und Spanien betrieben; dieselben sollen aber zur Bildung des Maltheserordens dienen. Die näheren Bedingungen davon sind noch nicht bekannt.
Rom. Trotz der wüthenden Strenge der Polizeiist es gelungen, der nachfolgenden Proklamation eine allgemeine Verbreitung zu verschaffen:
„Kommt er oder kommt er nicht? Er mag es machen, wie er will, uns ist cs gleichgült-g. Das weltliche Reich deS Papstthumes ist hin.' Was ist daran gelegen, ob Pius IX. in Rom oder in Neapel
Unwohlscyns erst eine halbe Stunde die frische Luft genieße, ehe er mit ihr plaudern könne.
Kaum war er draußen und Unteroffizier und Schild- wache hatten den Rücken gewandt, so glaubte er das verabredete Zeichen, zu sehen; er öffnete die nur verriegelte Gartenthüre, stürmte die Treppe hinab, riegelte die Thüre deS gewölbten Ganges auf, eilte durch den Gang, den Graben und die Treppe hinauf zum Pavillon, und sah — keine Leiter! Seine Kurzsichtigkeit hatte ihn daS Zeichen falsch verstehen lassen! — Unvcrwcilt stürmte er zurück, und oben trat ihm die Schildwache mit gefälltem Gewehre entgegen. Lachend erzählte er der Schildmache, der Sturm habe ihm den Hut hinab in den Graben geblasen , und frug sie noch spottend, ob sie geglaubt habe, er wolle durchgehen. Treuherzig erzählte ihm noch die Schildwache, wie sie erschrocken sei, und geglaubt habe, er wolle durchgehen, „so etwas müssen Sie nicht wieder thun!" Rösler lachte mit ihr darüber und sagte, da müßte Einer Flügel haben.
Inzwischen hatten sowohl seine Frau als der Aufseher sein Verschwinden und Widerkommen bemerkt; der Aufseher 'war sehr unruhig nud argwöhnisch ; die Frau lispelte ihm ins Ohr: „Su mußt mich falsch verstanden haben; erst wenn er das Schnupftuch herauszieht." Der Aufseher befahl der Frau ziemlich barsch, wieder hincin- zugehen, während der begleitende Unteroffizier noch gutmüthig sagte, er würde nicht so streng gewesen sein. Rösler machte ein Paar Gänge mit dem Unteroffizier
und seinen Mitgefangenen, sah diesmal besser durch sein Fernrohr das Schnupftuch herausziehen, und stellte sich spruirgfertig; aber die Schildwache wich eine Viertelstunde lang nicht von seiner Seite. Wieder erschien die junge Frau an der Thüre; er rief ihr zu, sie möge ihm nur noch fünf Minuten gönnen, dann komme er herein; sic antwortete: „Ja, aber komme bald! ich muß um ein Uhr wieder fort." Inzwischen hatte Rösler die Schildwache genug ermüdet, indem er die Gegend mit seinem Fernrohr betrachtete; er richtete dasselbe noch einmal auf die Fenster der Aufseherwohnung und sah, wie seine Frau mit dem Kinde des Aufsehers spielte, und den argwöhnischen Mann vom Fenster wegdrängte. In dem Augenblicke kehrte die Schildwache den Rücken und begann wieder ihren Gang abwärts.
Der Unteroffizier war mit Rau wohl 30 Schritte entfernt. Sogleich stürmte er von Neuem in den Graben hinab, durch den gewölbten Gang durch und hinauf zum Pavillon; da lag die Leiter. Rösler schwang sich über die Mauer, aber die Leiter war einige Fuß zu kurz, er konnte sie nicht mit den Füßen erreichen. Die Männer jedoch , die unten standen, riefen ihm Beruhigung zu, und hoben sofort die Leiter mit ihren Armen so hoch, daß er sie gewinnen, und beginnen konnte, herabzustcigen. Abermals ein Hinderniß! Beim langsamen Herablassen faßte die Leiter einen Zipfel von seinem Schlafpelze und ihn an die Mauer. In dieser Minute zwischen Leben und Tod muß er, während die Leiter unten noch gar
nicht den Boden berührt hat, oben, an die Wand gestemmt, sie von der Mauer wegdrängèn, und so sich frei machen.
Nun geht es im Trabe, etwa 69 Schritt im äußern Graben fort, um die zweite Bastion herum, wo die zweite Leiter stand; die erstere warfen die Begleiter um, die andere zogen sie noch noch kaltblütig mit hinaus aus dem Graben und verbargen sie in den Weingärten. Und nun ging es den steilen Berg durch die Weingärten hinab, gerutscht, gesprungen, gerannt, gestürzt. Als sie auf die erste Fahrstraße kamen, wo die Chaise halten sollte, war wieder diese nicht'da, sie war fehl gefahren; derjenige, der bestimmt war, für ihre richtige Bewegung zu sorgen, hatte zwar zeitig den Irrthum bemerkt, allein beim eiligen Umdrehen auf dem steilen Bcrgw.gc war sie umgefallen, und so. daß der Darinsiyende lange nicht herausgebracht werden konnte, dann hatte es fast übermenschliche Anstrengungen gekostet, sie aufzurichten, ein Strang war gebrochen. —
(Fortsetzung folgt.)