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Hebung der Fideicvmmissc u. s. w. 3. Umgestaltung der Fsrstverwaltung in einem mit de» übrigen Staats- gesetzeu namentlich Gemeinde- nnd Kreisorduung über­einstimmenden Sinne; alsbald mit der Abgeordneten- Versammlung varzunehmen bereit ist, nur für diesen Fall können wir die Genehmigung des Gesetzesentwur­fes befürworten, anderenfalls aber müssen wir für Nichtgenehmigung sprechen, indem wir hierin ein nicht zu umgehendes Mittel zur Herstellung eines geordneten Zustandes der Gesetzgebung erblicken. W i m p f. Jung I." B r a u u beantragt Vertagung, bis das Budget des Herzog!. Hauses festgesetzt und eine Rückäußerung des Staatsministeriums erfolgt sei, welchen Antrag die Kammer gegen 11 St. verwirft. Wintzingerode ging auf die von Wimpf und Jung gemachten Pro- positionen nicht ein, beharrt vielmehr im Wesentlichen bei den in der Beantwortung der Interpellation nie- dergelegten Ansichten. Naht sagt, daß die Gründe, welche früher für ihn bestanden hätten, diesem Mini­sterium keine Steuern zu verwilligen, noch in erhöhtem Grade fortbeständen; dasselbe sei seit dem so voreiligen Anschluß an das Drcikönigsbündmß und der dadurch mitbewirkten Untergrabung der Neiehsverfaßung un­verrückt auf der von ihm betretenen Bahn wcitcrge- schritten; es habe durch Eingehen neuer Bündniyc, durch Bersetzung der Grundrechte, Nichterledigung der Verfassnngsfraae u. s. W. das Nechtsbewußtsein im Volke erschüttert, und nicht gethan, was Ehre und Treue geboten. Wintzingerode glaubt auf solche Angriffe nicht antworten zu müssen, die überlaut er der Beurtheilung Aller in und außer dem Saale; nur soviel wolle er erwähnen, daß das Nechtsbewußtsein im Volk nicht erschüttert werde, wenn die alten Ge­setze beibehalten, sondern dann, wenn jeden Augenblick neue gemacht würden. W t in p f behauptet, das Nechw- bewußtsein werde dann untergraben, wenn den Grund­rechten, die als gültig anerkannt seien, die Partikulargesetz­gebung in allen Punkten widerspreche.

Snell: Man habe früher gerathen,noch die Blüm­chen zu pflücken, die am Wege stünden", jetzt aber wolle man auch die nicht einmal mehr, es sei deßhalb völlig Winter cingetreten. Die Grundrechte stünden allenthalben mit den Landesgesetzen im Widerspruch; es sei wegen Durchführung der Grundrechte dringende Eile geboten. Der Redner weist hin auf die Ver­schleppung der Schul- und Kirchenorganisation, wo­durch in der Kirche unsägliche Verwirrung entstanden, und die Lehrer in eine viel traurigere, abhängigere Lage versetzt sein, als vor der Märzrevolution; grade dic' unter ihnen, welche im Vorgefühl einer bessern Zukunft ihre Freude zu laut ausgesprochen, müssen jetzt am meisten büßen; daher das Einreißen der Dc- moralisation. Aus diesen und vielen andern Ursachen entstünden Mißbehagen, Verwirrung und Erbitterung, die doch auch jene Derrn, welche vom Alten möaUM- ------ ptfiir^uum' jvvuu fr/ aky grpaprncp scheuen müßen. Er könne deßhalb keine Steuern verwilligen.

v. Wintzingerode will nicht das Vertrauen des Redners durch Worte, sondern durch Thaten erwerben. Die Kirchenverfassung gehöre nicht hierher, da die Ordnung derselben in der Hand der Kirche liege. Was die Schulangelegenheit betreffe, so sei mit allgemeinen Redensarten nichts geholfen, dctaillirtc Thatsachen seien nicht angegeben, die kämen erwünscht, und würden wo möglich Abhülfe finden. Fresenius: Wenn man tadeln wolle, müsse manu den Weg des Besscrmachens angeben, Raht habe aber versäumt, zu sagen, was er gethan haben würde, falls er Minister gewesen^; ob er vielleicht als Gegner des Dreikönigsbündnipes ein Freund des Vierköuigsbünduisscs sei. Auf die von Snell erwähnte Erbitterung bemerkt der Redner, daß dieselbe nicht bestünde, wenn sie nicht cingeimpft sei. Auch er sei mit der Beantwortung der Interpellation nicht zufrieden gestellt, aber er finde es begreiflich, daß das Ministerium bei der Ueberhaufuug durch Verwal- lungsgcgenstände bei nicht zahlreichen Arbeitskräften

nicht auch noch Gesetze'Vorschläge habe einreichen kön­nen. Rau: Obgleich er nicht der Partei angehöre, von welcher die Interpellation ausgegangen, so sei er gleichwohl auch nicht befriedigt durch die Bcantwor- tung, entschuldige aber die Säumniß durch die Arbeits­überhäufung und die Wichtigkeit der zu behandelnden Gegenstände. Was die in der Antwort enthaltene Hin­weisung auf die Kirchenverträge vom Jahr 1830 be­treffe, "so sei das ein gewaltiger Anachronismus; der Kirche gebühre eine ganz andere Stellung, als die, welche ihr die frühere Bureaukratie angewiesen habe, und die jetzige vielleicht anweisen werde. Die Kirche werde zwar den Weg der Revolution nicht betreten, sie werde mit Geduld und Ausdauer den Sieg erwar­ten, den Wahrheit und Gerechtigkeit doch endlich er­ringen müssten. Schulreform wünsche er auch, aber nicht wie Snell; die Aufregung unter den Lehrern sei nur eine künstliche, und bekanntlich drücke das Kreuz am härtesten das man sich selbst anferlege. Snell entgegnete auf die Antwort des Ministers, daß das Ministerium allerdings in der Kirchenreform hätte voranschreiten müssen, da die Kirche ein integrirender Bestandtheil des Staates sei; hätte die Kirche oder einzelne Kirchcmnitglieder.selbstständig auftreten wol­len, so würden sie revolutionär geworden sein. Die bisherigen Schritte hätten die Befürchtung allenthalben rege gemacht, daß es dem Ministerium nicht Ernst sei mit der Reform; man verschleppe sie auf jede mög­liche Weise-, um es hinterher beim Alten zu lassen. Naht antwortet auf die Frage von Fresenius, daß er wenigstens mißt den Weg des jetzigen Ministeriums kingeschlagen, und das Volk nicht zur Sache gemacht haben würde, die man nach Belieben verschenken und verschachern könne.

Leisler: Auch er habe sich, wie gewiß Jeder im Saale, nur mit schwerem Herzen von der Neichsver- fassung losgesagt und dem Anschluß an das Dreikö- nigsbündniß zugestimmt, es sei aber der einzig prak­tische, weil mögliche Weg gewesen, den man damals habe betreten können; man habe dadurch den kargen Nachlaß einer reichen Hoffnung zu retten versucht. Er gebe zu, daß die Regierung in den Fragen der allgemeinen Gesetzgebung nicht habe anders verfahren können, um so eher habe er aber von demselben eine große Thätigkeit in der partikularen Gesetzgebung er, wartet, und sei deßhalb gleichfalls nicht durch die Be­antwortung der Interpellation befriedigt. Das an- gcfordertc Eine Steuersimpel werde er verwilligen, dagegen erkläre er jetzt schon, daß er gegen die Ver- willigung der beiden andern stimmen werde, wenn das Ministerium nicht ganz entschieden den Weg des Fort­schritts in der Gesetzgebung einschlage. V. Eck will als Berichterstatter auf das Specialvotum Wimps's und Jung i. noch einmal cingehen, weil er glaube. - ^rmir-en^^nssmw der gemäßigten Majo- rität der Opposition sei, und die absolute Steuer- verweigerung nur vereinzelt dastehe. Er wolle einmal annehmen, daß durch die Beantwortung der Interpel­lation Mißtrauen entstanden sei, er frage aber, ob die­ses Mißtrauen gerechtfertigt sei, indem an der Kammer bestimmte Anträge auf Vorlage der in dem Special- votum enthaltenen Gesetze nicht gestellt seien; er gebe zu bedenken, ob durch eine Steuerverweigerung eine Beschleunigung in der Gesetzgebung zu erzielen sei, weder durch Auflösung der Kammer, noch durch Nück- tritt des Ministeriums werde das erreicht. Die In­terpellation verlange eine solche Masse von Gesetzen, daß die Vorlage eine Unmöglichkeit sei. Braun er­klärt es für ein unbegreifliches Mißverständniß, wenn unterstellt werde, daß die Interpellation die Vorlage aller Gesetze auf Einen Schlag verlange. Die Un­möglichkeit der Vorlage der Gesetze erkenne er nicht an, da das Ministerium, wie früher auch hier, die Gesetze anderer Staaten habe benutzen können. Eine specielle Aufforderung der Kammer zur Erlassung der meisten Gesetze sei durchaus nicht erforderlich, da sie

durch die Grundrechte bedingt seien; übrigens sei diese Aufforderung in einzelnen Fällen, namentlich in allen im Specialvotum enthaltenen, an unzähligen Stellen der Kammerverhandlungen vorhanden und die bündig­sten Zusagen des Ministeriums ertheilt. Die Diskus­sion wird hierauf geschlossen und zur Abstimmung ge­schritten. Für Verwilligung des Steuergesetzes stim­men: Fresenius, Müller I., Heydenreich, v. Gödecke, Schürg, Rau, Zollmann, Bertram, Großmann, Leis­ler, v. Eck, Remy, Blum, Schlemmer, Heyl, Preiß, Kürtel, Schmidt, Tripp, Bellinger, Keim, Wirth. Dagegen stimmten: Jung II., Kalt, Braun, Jung I., Habel, Raht, Snell, Haupt, Hehner, Lang, Müller II., Justi, Creutz, Wehrfritz, Wimpf. (Die übrigen Mit­glieder der Linken waren abwesend.)

DerrtfâlsnK.

A Dillenburg. Von hier ist, von vielen bwfigen Bürgern unterzeichnet, nachfolgende Petiion cm die Kammer der Abgeordneten abgegangen.

Hohe Versammlung! <

Unser Mitbürger Prorektor Dr. Rossel von hier ist vor Kurzem zur schmerâcn Ueberraschuqg des weitaus größten TheiM der hiesigen Einwoher plötzlich durch eine VerwaltungsmaßreMl seiner Stelle enthoben und mit der Hälfte sHeö Gehalts in den Quiescentenstand versetzt worden.

Unser Erstaunen hierüber mußte um so größer sein, da derselbe so eben erst aus den gegen ihn anhängig gemachten Untersuchungen siegreich hervorgegangen war, indem in der einen wegen angeblicher Schmähung der Staatsbehörden durch eine die Anerkennung der Reichs- verfassung vom 28. März 1^49 bezweckende Eingabe nach langen Verhandlungen vor dem hiesigen Crimi- nalgericht das Verfahren auf Verfügung des Herzogl. Staats-Ministeriums eingestellt wurde, in der andern Sache wegen angeblich verbotenen Collectirens aber ein freisprechendes Urtheil des Gerichts erging.

Hohe Versammlung! Niemand bezweifelt, daß daS Mißfallen, welchem Prorektor Noffel, nachdem ein ge­richtlicher Anlaß nicht mehr vorhanden war, im Dis- ciplinarwege zum Opfer fallen mußte, lediglich in politischen Rücksichten seine Quelle hat. Fragen wir aber weiter, welcher Art waren die politischen Rücksichten und was hat Herr Pror. Rossel (da doch die Gesinnung nicht strafbar sein kann) Uebeles ge­than: so kann^die Antwort nur die sein: Er hat an der Reichsverfaffung vom 28. März 1849 treu ge­halten und er hat an der Ausübung unbestrittener staatsbürgerlicher Rechte, wie Vereins- unv Petitions- ~ recht, mit tausend Andern in gesetzlicher Weise Theil genommen.

ascmritnnwnnnc^^ fest hielt, welche

in verhängnißvoller Zeit von den Vertretern des gan­zen deutschen Volks als dessen gesetzlichem Organ ge­schaffen, von der Staatsregierung unseres Landes als Gesetz verkündet und welcher von dieser hohen Ver­sammlung selbst in vielen feierlichen Beschlüssen die vollste Hingebung gelobt wurde, wer darf cs wagen, deshalb einen Stein auf ihn zu werfen D Der größte Theil des deutschen Volkes, wir alle sind seine Mitschuldigen.

In Betreff der Ausübung politischer Rechte mag ihm vielleicht von namenlosen Verfassern schmähsüch­tiger Zeitungscorrespondenzen oder von politischen Gegiicrn Ungebührliches zur Last gelegt worden. Wir müssen ihm jedoch das laute Zeugniß geben und legen dasselbe hier nieder, daß er stets mit Mäßigung und strenger gesetzlicher Haltung durch Unterricht und Belehrung nur zum wahren Nntzen der Stadt gewirkt hat.

Wir find ihm die Anerkennung, welche ihm hof­fentlich nicht zum Nachtheil gereichen wird, schuldig, daß er sich um die Stadt wohl verdient gemacht

teil aufrichtigen Schmerz des Grafen, ter nicht erkünstelt gewesen; er habe an jenem Abend Aeußerungen vernom­men, deren Sinn gewesen sei, daß die Gräfin keines natürlichen Todes gestorben sei, er selbst sei geneigt ge­wesen, au einen Zufall zu glauben; diesen Eindruck habe er mit sich genommen. Die bemerkten Kohlen kamen dem Zeugen älmlich denen aus Kohlenmeilern vor.

(O.- P.- A. Z.)

(Fortsetzung folgt.)

Mösler's jüngste Schicksale.

(Fortsetzung.)

Rösler gewann einen Soldaten in der Festung, wel­cher zwei Bauernburswe aus einem benachbarten Dorfe und die nöthigen Leitern durch dieselben zu stellen ver­sprach Auf den 20., 21. oder 22. war der Tag der Ausführung festgesetzt; ein Wagen hielt an allen drei Tagen unweit des Dorfes Asperg in Sicht der Festung; Waffen und alles Nöthige hatte Rösler geschickt in einem Schlafpelz verborgen, in welchem er gewöhnlich spazieren ging: Seine Frau kam hinauf, um ihn zu besuchen und zu melden,daß es geschehen müssa" ; aber eine gewisse Acngstüchkeil und Eilfertigkeit in ihrem Wesen mochte

Verdacht ermt haben; kurz, als Rösler seinen Spazier­gang mit dem llnterofft^ev antrat, zog dieser das Sei­tengewehr und ersuchte ihn, sich nicht von seiner Seite zu entfernen. Bald darauf erschien aber auch ein ent­schlossener und gewandter Freund, der das Unlcrnehmen von Außen zu leiten übernommen hatte, und gab das : Zeichen, cs sei heute unmöglich. Der Soldat und die beiden Helfershelfer hatten ihr Draufgeld genommen, einen Versuch gemacht, die junge grau um das Ganze der v rabredeton Belohnung zu betrügen und hatten sonst nichts gethan, auch nie etwas thun wollen. Schon Nachmittags konnte Rösler durch einen höchst sinnreichen Einfall seiner Frau in Kenntniß gesetzt werden. Obiges ist übrigens die einzige Bestechung, welche innerhalb der Festung angewandt worden ist, und die, wie gezeigt, zu nichts geführt hat. Aber weder die junge Frau, noch der cutschlvssenc Freund verloren den Much. Schon am andern Tage waren drei kräftige und gewandte Män­ner anderswoher gewonnen, die aber nicht für Gold, sondern ans llobörzeugung mitwirkten.

In einer furchtbar stürmischen Nacht wurden zwei Leitern % Stunden weit vom Asperg entwendet, auf den Berg getragen und in den Graben geschafft; der entsetzliche Sturm hielt alle Schildwachen in ihren Häus­chen und »lachte Alles unhörbar; aber das Mondlicht gestattete doch den Männern, die die Leitern trugen, zu rokognoscircn und sogar zur Probe die Treunungsmauer selbst zu crsteigcu; dann verbargen sie die Lcitcr dicht

unter der hohen Trcnnnngsmauer, wo sie von oben Nie­mand sehen konnte. Auch das Wetter am Morgen war günstig, d. h. stürmisch mit etwas regnerisch, so daß keine überflüssigen Spaziergänger innen und außen zu besorgen waren. Rösser war die letzten Tage mit auch den Morgen des 22. wieder so unwohl gewesen, daß er fast keine Speise zu sich nehmen konnte.

Um 3/4 auf 11 Uhr wurde ihm der Besuch seiner Fr,an gemeldet; er machte seine Waffen zurecht und steckte sie zur Hand und ging ganz wie gewöhnlich in die Stube des Aufsehers, um den Besuch zu empfangen. Sic konnte ihm nur rasch ins Ohr flüstern, daß Alles bereit sei und daß er den gefährlichen Gang sofort an- treten solle, sobald der Freund draußen das Schnupftuch herausziehe. Vergeblich drang er in die hochherzige Fran, wieder fortzugchen, weil man sie zuerst in Ver­dacht haben mit verhaften würde. Standhaft erklärte sie, sic könne hier oben noch nützlich sein; mit in der That war es auch nur ihre Anwesenheit und ihr öfteres Erscheinen an Thür und Fenster, welches den begleiten­den Unteroffizier von jedem Argwohn abbrachte, warum wohl Rösler nicht mit ihm mit seinem Mitgefangenen auf- und abspazicrtc, sondern sich stets in der Nähe des Hauses und der Bastion aufhielt. Die muthige Frau erklärte Rösler noch,cs ist besser, ich sitze, als Du." Rösler täuschte indeß den Argwohn des Gefangenwär- tcrö, indem er hinausgiug mit seine Frau laut bat, sie , möge ihm nicht übel nehmen, wenn er wegen seines