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KW Zeitung

________ - _______________ Recht!"

.M ßS* Wiesbaden. Donnerstag, 21. März -

DieFreie Zeitung« erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt v ierteljâhria hier in S8i->al,^->n < , wärtS dnrid die ^ bezogen mit verhältnrßmâßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreituna der dreienVPit ,L' " samem Erfolge. -âir Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer. " »Sreien Zeitung" stets von wirk-

^^S^ Bestellungen derFreien Zeitung" auf das mit dem l April beginnende zweite Quartal beliebe man baldigst zu machen, hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter'schen Buch­handlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Die Expedition.

SäMrarzgeLbe Aussichten.

* Wiesbaden, 20. März.

Daß die meisten der deutschen Dynasten, welche durch Anschluß an das Büiidiiiß vom 26. Mai unter den Schutz des preußischen Adlers sich gestellt, ihre an­fängliche llebereiluug und ihre geringe politische Fern- sicht, die ihnen ein Wiederaufleben der österreichischen Macht als unmöglich darstellte, von ganzem Herzen bereuen, ist eine unleugbare, durch entschiedene That­sachen befestigte Wahrheit. Die kleineren und größe­ren Fürsten wollen nun einmal keine preußischen Pairs und nicht mediatisirt werden, und sie gaben im Stillen gewiß alle dem König Wilhelm recht, als er erklärte: er wolle sich nie einem Hohenzollern unterwerfen."

Sachsen und Hannover haben sich bereits offen des Berliner Protektorats entledigt: ersteres hat sogar vor aller Welt bei der Münchener Uebereiukuuft vom 27. Februar mitgewirkt, und letzteres wird dieser Neber- einkunft beitreten, sollte auch der König Ernst August durch diesen neuen Beitritt gezwungen werden, das Ministerium des von ihm liebgewounenen, zugleich aber gegen die kargen und unfruchtbaren Vorschläge vom 27. Februar eingenommenen Bürgermeisters von Os­nabrück Preis zu geben!

Der Churfürst von Hessen hat das Ministerium Eberhard W i p p e r in a n n entlassen, weiler nicht me­diatisirt sein will", und dem Hessenfluch das Porte­feuille übergeben, weil dieser im Sinne der Parthei der Kreuzspinne, das Prinzip der Legitimität, in größ­ter Reinheit zu wahren verspricht.

Aus einem neulich veröffentlichten Aktenstücke, wel­ches von dem ehemaligen Reichsminister Detmold herrührt, ist ersichtlich, daß die Regierung von Hessen- Darmstadt in sehr schlauer Weise ihren Beitritt zum Bündniß vom 2G Mai an bestimmte geheime Bc. dingungen geknüpft hat.

Haben die Regierungen der andern kleinern Staa­ten, welche dem Dreikönigsbündnisse zugctreten, in bc- rechnender Voraussicht ihrer Beitrittserklärung ebenfalls solchegeheime El au sein" beigefügt?

Hat, um auf ein ganz spezielles Gebiet überzu­gehen, etwa auch Herr von Wintzingerode sich geheime Bedingungen Vorbehalten?

Wir wissen cs nicht, halten jedoch dafür, daß eS ausnehmend im Interesse des Herrn von Wintzinge­rode liegen würde, wenn er solche geheime Vorbehalte sich gesichert, welche ihm ein leichtes Lösen des Ban­des, womit er das nassauische Staatswäglein an den preußischen Staatswagen fesselte, möglich machten.

Wir vernehmen, in den höchsten Regionen hier zu

Lande soll man ebenfalls allen Geschmack an den Mc- diatisirungen Preußens verloren haben, und nichts heißer, als ein Scheitern der Erfurter Projekte wün­schen. In diesen Regionen, in welchen zu keiner Zeit die Sympathien für Oesterreich erloschen waren, soll man namentlich in neuester Zeit wieder innig ein enges Anschlicßen an Oesterreich , das so lange der Vor- > kämpfer für das Legitimatsprinzip in Europa gewesen ; ist, und welches, wenigstens der Ländergier Preußens ' gegenüber, die Souveränität der Fürsten der kleinen 1 Staaten zu gewährleisten verspricht herbeisehneu. i

Wenn diese höchsten Wünsche und Verlangen wahr > sind und wir haben sehr starke Gründe sie für i wahr zu halten so wird in kurzer Frist entweder , Herr von Wintzingerode, nach der echten Manier eines deutschen" Staatsdiencrs, der sich in der ersten Reihe für einen Diener des Landesherrn hält, sich eben so sehr für die Münchener Dierprojekte Pfordtcns, wie bislang für die Schnapspläne Manteuffels begeistern und am Ruder bleiben, oder, wie der Cassel'sche Wintzingerode, der mit dem Ministerium Eberhard siel, aus dem Vordergrund der nassauischen Geschichte zu- rücktreten, d. h. sein Ministerium uiedcrlegen.

Wer im letzteren Falle die Mission Hasscnpslngs für Nassau durchführen wird: wir werden es sehen und wir wollen den Namen, welcher uns für diesen letzten Fall bereits genannt wurde, vor der Hand noch verschweigen, da wir gewohnt sind in den Nachrichten aber uaffaulsrpc jörvpduucip. ^<>,1^ rin benachbartes Frankfurter Blatt, welchem Demokra-' ten, Eonstitutionellc und Absolutisten aus Nassau Cor- respoudenzcn zuseuden, und welchem alle Correspon- denzen von allen Farben recht sind,--zu Werke zu gehen.

Die kermaligc Majorität unserer Kammer, welche, wie eins ihrertalentvollsten" Mitglieder kürzlich meinte, stets eine praktische und keine Gefühlspolitik verfolgt, diese Majorität, welche Gott mit viel Einsicht, viel Geduld und viel Verwegenheit reichlich gesegnet hat, wird, wir zweifeln nicht daran, für Schwarz-Gelb nicht minder, wie für Schwarz - Weiß schwärmen.

Diese Leute der Mehrheit der Kammer, und die gen Erfurt Geschickten meinen eben, sie seien nur da­zu da, um die Wünsche des Herzogs zu erfüllen, und sie werden sie erfüllen, sollten auch die heutigen den gestrigen geradezu widersprechen.

Nassauischer Laildtag.

(Schluß.)

/X Wiesbaden, 18. März. (Vierte S i tz u n g.)

Fortsetzung der Sitzung Nachmitttags 5 Uhr.

Wenkenbach, Born , Unzicker und Gergens fehlem Die Wahl eines neuen Mitgliedes zum Erfurter Staa- tcuhaus fällt auf Ministerialrath Werren mit 20 St. unter den bekannten 22; Schenk und Hehncr von Dillenburg hatten je 1 St. (Kürtel enthielt sich der Wahl.) Der Ausschußbericht über die Steueranforderung (v. Eck und Blum) lautet auf Bewilligung der Steuer, die nach der neuesten Entschließung des Ministeriums nicht am 15. Marz, sondern am 5. April erhoben werden soll. W t in p f und Jung (Born ist abwesend) geben als Ausschußmitglieder folgendes Separatvotum:

Die unterzeichneten Mitglieder Ihres Ausschusses verkennen nicht, daß das Bedürfniß der demnächstigen Erhebung eines Steuerfimplums vorliegt; auch sind dieselben weit entfernt, durch Hemmung der Staatsein­nahmen den Staatshaushalt deSorgainfiren zu wollen. Wenn wir Bedenken tragen, dem vorgelegten Steuer- gesetze unsere Zustimmung zu geben, und uns in die­sem Sinne der hohen Versammlung gegenüber ausspre­chen , so leitet uns hierbei lediglich die Absicht, das H Staatsministerium durch das von uns vorzuschla­gende Verfahren von dem Wege gänzlicher Unt^tup kcit in legislativer Hinsicht abzubinngcn und zu endli­cher Einführung der durch das Grundgesetz gebotenen Institutionen und Erfüllung der gemachten Zusagen zu veranlassen. Wir haben aus der heute Morgen erfolg­ten Beantwortung der Interpellation des Äbg. Braun uud-Eeueg^u zu^ unserem großen Bedauern erfahren, Erlassung der fragt 'chenGc setze theils überhaupt nicht als nothwendig anerkannt, theils aber auf eine nnbe- stimmte Zeit verschiebt und hinsichtlich der Vorarbei­ten entweder gar keine oder eine nur sehr zögernde Thätigkeit gezeigt hat. Hierdurch wird der gesetzlose Zustand, der bedauerliche Zwiespalt zwischen den'Be­stimmungen der Grundrechte, einerseits, und den äl­teren Particulargesetzen und der LandeSvcrwaltung, an­dererseits, stets verlängert, das Vertrauen gestört und das Rechtsbewußtsein erschüttert. Nur für den Fall, daß das H. Staatsministerium gesonnen wäre, diesen Weg, welchen wir für einen verderblichen halten, zu verlassen, wenn cs insbesondere die dringlichsten GesetzgebungSarbeiten, wohin wir namentlich rechnen: 1, die Ausführung der Unabhängigkeit des Richterstan- des und Erlassung einer Dienstpragmatik, ohne welche der Vollzug der Gesetze nicht gesichert, und die richter­lichen und die übrigen Beamten der Willkühr politi­scher Verfolgungssucht preißgegcben sind, 2. die Vol­lendung der Befreiung des Grundeigenthums von den noch vorhandenen Rechten des Feudalunwesens, na­mentlich Ablösung des Erbleih- und Bannnerus, Auf-

Prozeß Görlitz.

VI.

Darmstadt, 28. März. Abends 8 Uhr. Die in der Vormittagssitzung der Assisen zuletzt vernommenen drei Zeugen und die Zeugen deren Aussagen, daS Pub­likum in der RachmittagSsitzung vernahm, hatten unter sich daS gemein, daß sie alle an jenem Abend des 13. Juni 1847 sich in dem Görlitz'schen Hause znsammcn- fauden und mehr oder weniger die einzelnen Thatsachen bekunden konnten, von welchem sich das Aufynden der Leiche der Gräfin umgeben fand. Zeuge Schmied Wetzel drang zuerst in daS durch Sprengung der Thüre geöff­nete Wohngcmach; hinter ihm der Graf, der auSrief: Hier liegt die Unglückliche!" Zeuge zog die Leiche an den Binen in das Vorzimmer, nachdem er vergeblich versucht hatte, sie hinauszutragen. Aufgefordert, Näheres anzugeben, zeigte er noch, wie und in welcher Entfer­nung von der Leiche der Stuhl umgeworfen sich befun­den. Die Professoren v. Liebig und Bischoff tragen durch Fragen zur genaueren Angabe und sonstigen Er­mittlungen bei. Staatsanwalt und Vertheidiger wirken in ihrem verschiedenen Interesse dazu mit. Das Modell des Hauses leistet seine Dienste. In daS anstoßende Kabinet drang Zeuge nicht, weil eS mit Rauch ange- füllt war, und er sich zurückgezogen benahm, um im Fall einer Etwendung Verdacht von sich fern zu halten.

Den Stauff sah er nicht. Nach seiner Meinung befragt, sprach sich Zeuge, als ein mit Feuer umgehender und dessen Wirkung kennender Handwerker, dahin auS, daß die Verbrennung des Körpers der Gräfin nicht durch den Brand Sekretär (Caunitz), der nicht so heftig habe wirken können, verursacht worden sei. Buchdrucker Kichlcr, von der Ehefrau deS Kammerdieners des Grafen durch den Zuruf herbeigezogen :die Gräfin sei erstickt", be- thciligte sich an der gewaltsamen Eröffnung der Thür zum Wohnzimmcr durch Schläge mit einem Beil, dessen Bart durch die gemachte Oeffnung in daS Wvhngemach fiel ohne den Stuhl zu treffe», der nachher umgeworfen hinter der Leiche gefunden ward. Die Lage der Leiche nahm Zeuge nicht wahr. Den Giafen fand er sehr er­griffen und aufrichtigen Schmerz in den Zügen. Wegen der Furchtbarkeit des daS Gemach füllenden Geruchs verließ er eS bald. Zeuge Corpvral Stroh vom Dra- goncrregiment, ein kräftiger junger Mann, erzählt, wie er den einen Flügel der Thür des Wohngemachs auf­gesprengt habe, worauf Wetzel zuerst eingedrungen sei; die Leiche der Gräfin habe er erst erblickt, nachdem sie in das Vorzimmer gezogen worden sei. Zeuge schiebt die Angabe, er sei berauscht gewesen, mit Unwillen zu­rück und bemerkt, der Graf habe ihm den Werth des durch den Brand verletzten Spencers (Militärjacke) mit zehn Gulden ersetzt. Zeuge Jahres drang nicht in das Wohnzimmer ein und bezeugt nur die Heftigkeit deS Schmerzes des Grafen; den Stauff habe er nicht gest heu,

während er bezeugen könne, daß er den Grafen nach 6 Uhr vom Hofe habe abfahren sehen, daß er ihn auch später nach 7% Uhr und gegen 8 Uhr wahrgenvmmeu habe. Kaminfeger Wenzel hat ebenfalls den Slauff nicht erblickt; er schildert den Brand des CauniyeS und erzählt daß er am folgenden Tage die sämmtlichen Schornsteiie gefegt habe, wobei er, der Dunkelheit wegen, nichts Auffallendes bemerkt habe. Tapezier Berbenich schildert ebenfalls den Brand des CaunitzeS, den er habe aus­räumen helfen, durch Demvnstriren an einem dastehen­den ähnlichen Möbel und geht dann in viele Einzelheiten ein: Beschreibung des in den Divan eingebrannten Lochs; Beschaffenheit des Spiegels im Wohngcmach, 14 Fuß von jenem brennenden Möbel entfernt, dessen Rahmen er noch heiß gefunden :e. Befragt, gibt Zeuge an, daß die Gräfinsehr eigen in jeder Beziehung" gewesen sei und sich auch gern eingcschlossen habe, etwa vierzehn Tage nach dem Tode derselben sei Slauff zur Ausrichtung ciiics Auftrags einmal zu ihm gekommen; dieses Eecigniß habe ihn, Zeugen, zu der Frage veranlaßt, wie die Gräfin wohl umgckominen sei? worauf Stauff nur geantwortet habe: er wisse eS nicht; übrigens habe er an demselben nichts Auffallendes wahrgenvmmeu. Ein anderer Zeuge Kaufmann Ababanel, sah jenen Stuhl in anderer Rich­tung liegen, als andere Zeugen angaben, fügte aber hin­zu, er könne sich irren. Der letzte Zeuge, Kammerherr Ricdtscl, Freiherr v. Eisenbach, bezeugt, im Einklang mit den übrigen Zeugen, viele Wahrnehmungen, auch