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rnbc nm Christophstage eröffnet werd. J^ncs; der Kirche begaben sich die Abgeordneten in das Stän- dehaus, wo sofort der König, der nicht in der Kirche gewesen war, von Musik und Kanonendonner begleitet und von den Ministern, dem Alterspräsidenten und einer aus etwa der Hälfte der Versammlung bestehen­den Deputation eingeholt, erschien. Die nengewählten Abgeordneten schworen den Landtagseid und reichten zum Throne gehend dem Könige die rechte Hand, wo­rauf der König vor dem Throne stehend die Thronrede las. Meine Herren Abgeordneten, begann er, die Lage der Dinge veranlaßt mich ganz offen mit Ihnen zu reden. Cr klagte hierauf die Wuth der Parteien an, daß sie seit März 1848 das Vaterland zerrissen habe, nannte die Einheit Deutschlands ein Traum­bild, die Erhaltung der Stammeseigenthümlichkeiten eine Nothwendigkeit, ging zudem (preußischen) Bünd- niß vom 26. Mai über, dessen Verderblichkeit und innere Schwäche er in den stärksten Ausdrücken bezeich­nete, und kündigte sodann an, daß Oesterreich der bairisch - würtembergisch - sächsischen Aufstel­lung seine Zustimmung gegeben habe. Bezüglich der innern Verhältnisse erklärte ermit gewohntem Freimuth", daß er nur dasMögliche" bewilligen werde, daß es etwas Höheres, selbst über dem Ver- ragsrcchte Stehendes gebe, nämlich die Erhaltung der Gesellschaft, welche durch die wühlerische Verwechslung des Grundeigenthums als Princips mit der Person des Besitzers bedroht sei, und daß er deßhalb an dem von seinen Ministern eingebrachten Verfassungsentwurf mit Census festhalten, im ;Uebrigen die Anarchie, wenn sie ihr Haupt erhöbe, niederschlagen werde. Dieß der wesentliche Inhalt der Thronrede.

Der Alterspräsident der Landesversammlung, Dr. Albert Schott d. ä., erwiderte hierauf wenige Worte des Dankes und der Versicherung, daß die Abgeord­neten , getreu dem so eben beschworenen Eide, ihre Pflicht zur Ehre und zum Wohl des Vaterlandes erfüllen werden. Die Handlung schloß in tiefem Schweigen. Der König verließ, die besternten Uni­formen in der Zuhörerabtheilung zur Rechten grüßend, mit Gefolge, Ministern und Deputation den Saal. Der Alterspräsident kündigte sodann nach Zurückkunft der Deputation auf morgen Vormittag 9 Uhr eine Sitzung behufs der Präsidentenwahlen an und die Versammlung ging auseinander. (Beob.)

Berlin, 12. März. Die heute wirklich stattge- habte Disputation des nunmehrigen Doktor G r o d d e ck war eine Summe von Scenen, wie sie in der Ber­liner-Universität gewiß noch nie da waren und schwer­lich bei akademischen Feierlichkeiten oft vorkommen. Vor 11 Uhr war das Personal, Dekan, Doktorand, Opponenten und Freunde in dem gewöhnlichen Audi- torium versammelt; allein in den Fluren und Gängen rief die gedrängte Menge (es war fast die ganze ©tu* dentcnschaft):Nach der Aula!" und der Dekan gab nach. In der Aula war nun Herr G. von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen Gegenstand von Angriffen. Die Scheinangriffe der drei formellen Opponenten waren natürlich schnell beseitigt, aber nun traten fünf Oppo­nenten auf, darunter die Professoren Krüger und A. Dernary, und deckten die Blößen der Dissertation nach Form und Inhalt schonungslos auf. Hr. G. zeigte Gegenwart des Geistes, herausfordernde Kühnheit und sogar Fertigkeit im Verstehen und Sprechen der latei­nischen Sprache; aber was wollte das sagen einem Opponenten gegenüber, der mit Schärfe, Witz, Geist, Kühnheit und Sprachgewandtheit seinen Mann faßte? Endloser Beifall folgte der Strafrede mit der Bernary sein Opfer entließ, und der Dekan, welcher 4 Stunden lang passiven Widerstand geleistet, konnte endlich zum Schlußakte übergehen, nachdem der Doktorand den letzten Opponenten gewissermaßen um Gnade gebeten, indem er über Ermüdung klagte. Freilich wird dieser Akt sonst den Kandidaten nicht so sauer gemacht.

Berlin, 13. März. Ein Gerücht, das wir weder zu verbürgen noch zu widerlegen vermögen, erzählt, Lord Palmerston habe in einer nach Kopenhagen ge­richteten und auch der diesseitigen Regierung mitge- theilten Note der dänischen Regierung angerathen, auf die versöhnlichen und acceptirten Vorschläge Preußens einzn, gehen.

Wien, 12. März. Die anhaltende Thätigkeit des Handelsministeriums bewährt sich nach allen Seiten hin. Halten wir auch das Projekt einer Zoll- cinignng mit Deutschland in der Form, wie es von Oesterreich nach Frankreich gesendet worden, für einen mehr politischen als kommerziellen Handstreich dessen Handcisbedeutung in dem Schleppgange der Unter­handlungen sich um so mehr verlieren wird, je weni­ger er die Unterschiede österreichischer und deutscher Be­dürfnisse klar berücksichtigt, so läßt sich eine ersprieß­liche Thätigkeit des bezeichneten Ministeriums für den Kaiserstaat doch nicht verkennen. So eben wieder soll es die seit geraumer Zeit lebhaft gepflogenen Ver­handlungen mit Sardinien zu einem Abschluß gebracht haben, welcher den österreichischen Handelsverhältnissen mit diesem Theil Italiens eine sehr vortheilhafte Ge­staltung gibt. Rollendet ist ferner der auf die Dauer von sieben Jahren festzusctzendc neue türkische Zoll­tarif, von dem man bis jetzt erfährt, daß er die Ein­fuhr-Artikel ziemlich stark belaste, also wahrscheinlich

den ersten Schritt zu dem Ucbcrzangc von der Prohi­bition zu einem hoch gegriffenen Schutzzollsystem bilden wird. Erfreuliche Verbesserungen stehen in den hiesi­gen Posteinrichtungen bevor. Die Portosätze sollen von 12 nnd 6 Kr. auf die Hälfte herabgesetzt, und ' I die aus allen Gegenden nach Oesterreich gesandten I Briefe von jedem Portozuschlag befreit werden, wenn ' ; hierfür Gegenseitigkeit zn erlangen ist. Aberes scheint bei alledem die gouvernementale Tendenz, die materiellen Interessen zu pflegen, die geistigen dagegen niederzu­halten, Grundsatz auch der neuen Regierung zu sein, nur scheinbar übersetzt ans dem Absolutistischen in das Konstitutionelle. Wie schwer die Ausnahmezustände auf der Entwickelung des Volkslebens lasten, das selbst einzelne wohlthätige Anordnungen nur als kaiserliche Geschenke hinnehmen muß, wie die Kriegsgerichte, die Zeitungsverbote, die polizeiliche Ucberwachung des ge­schriebenen wie des gesprochenen Wortes hier in Blüthe stehen, dafür sprechen zu zahlreiche Thatsachen, als daß sie der Wiederholung bedürften. Der österreichische Konstitutionalismus treibt mittlerweile eine so bedeu- deutende Zahl von Bewohnern des Staates aus dem Lande, daß die Regierung sich genöthigt sah, unter dem 8. d. M. in Venedig die bestehenden Verordnungen gegen die Auswanderung ohne Erlaubniß republiziren zu lassen. Ebenso nehmen die Bewerbungen um Pässe in das Auland in Pesth so auffallend zu, daß man dort die Genehmigung zum Auswandern großenteils ganz verweigert. (N.-Z.)

A n g a r n.

Von der ungarischen Grenze, 12. März.^ Mit welchem Schrecken der Ungar auf das beliebte System der Assentirung blickt, welchen Zwanges es bedarf, um dasselbe in so ausgedehntem Maße durchz.iführen, wie es beabsichtigt und gehandhabt wird, beweisen die vie­len Selbstverstümmelungen, welche im Lande vorkom­men, um der drohenden Assentirung zu entgehen. Der Ungar ist nicht feige, aber Freiheitssinn und ein edles, oft stolzes Selbstgefühl machen ihm den österreichischen Militärdienst zum Abscheu. Die nationale Abneigung wirkt hierbei am Lebhaftesten, doch nicht sie allein! Noch immer regiert der Stock im österreichischen Heere auf empörende Weise. Oesterreichische Zeitun­gen melden, der Prof. Wackernagel, welcher mit ei­nem ansehnlichen Gehalte an die Hochschule von Wien berufen war, und jetzt aus der Schweiz ablehnend geantwortet, habe hauptsächlich dadurch sich zu dieser Ablehnung bestimmen lassen, daß seine Braut im vo­rigen Sommer zu Mainz durch eine dort vollzogene, grausame Bestrafung eines österreichischen Soldaten, ! mittelst des Prügels, in ihrem sittlichen Gefühl auf das Tiefste entrüstet wurde. Man schafft jedoch da­rum diese Entwürdigung des menschlichen Wesens nicht etwa ab, sondern das Kriegsministerium verordnet, daß Alle, welche an ihrem Körper Verletzungen vor­nehmen, um sich dem Militärdienste zu entziehen zur Heilung auf ihre Kosten in die Militärspitäler abge­geben, nach ihrer Heilung den bürgerlichen Gese­tzen gemäß bestraft, sodann aber assentirt und zu jenen Dienstleistungen verwendet werden sollen, zu denen sie noch Tauglichkeit besitzen. Die verdammens- werthen Ursachen läßt man bestehen, die schmerzlichen Folgen bestraft man. Am 9. d. M. kam ein pro­testantischer Prediger in Preßburg an, um die Kinder Kossuths nach Pesth zu übersiedeln. Es sind ihrer drei von 9 Jahren bis zu noch nicht voll einem Jahre, zwei Söhne, welche nach dem Bekenntniß des Vaters protestantisch, und eine Tochter, welche nach dem Be­kenntniß der Mutter katholisch erzogen werden. Sie kommen unter die unmittelbare Pflege ihrer Großmut­ter Karoline Kossuth.

Mepubiik Frankreich.

Paris, 10. März. Wie doch diese Leute in ihren brutalen Mechanismus verrannt unb blind und taub sind!Ich möchte nur 24 Stunden Herr über Paris sein; augenblicklich ließ ich die ganze Nationalgarde entwaffnen, eher gibt's keine Ruhe, man darf ihr nie ' trauen!..." Das sind die Worte eines alten Schnurr- barts, und der " brave gütige vergißt nur eins: daß, I wenn das Volk -unzufrieden ist, und die Nationalgarde, i das heißt, vorzugsweise die Bourgeoisie unzufrieden ist, die Nation unmöglich zufrieden sein kann, und wer hat dann das Recht, seinen Willen als Gesetz zu sta- tuiren? Du lieber Himmel, am 27. Juli i830 be­stand gar keine Nationalgarde mehr und die Bürger- ; schaft hatte keine Gewehre im Besitz, wo sind die alten : Bourbonen!

Am 22. und 23. Februar 1848 dröhnte der Ar- ! tilleriepark von Vincennes auf der Straße nach Paris, und der Herzog von Montpensier befehligte die mör­derischen Vorbereitungen der Minen und Petarden: wo sind die jüngern Bourbonen? Das allerschwie­rigste ist heute, das Volk in die Lage zn bringen, daß man cs besiegen könne. Eine erleuchtende Einsicht ist plötzlich in seine Reihen gedrungen; kein Straßen­kampf mehr, der Wahlzettel, das allgemeine Stimm­recht und Ausdauer! Mit diesem Katechismus ist das Volk unüberwindlich, selbst wenn es sich zum Schutze seines Stimmrechts schlagen müßte, und die Reaktion stirbt an der Schwindsucht.

Paris, 15. März. Die amtliche Verkündigung des Ergebnisses der Wahlen des Meink-Departemdits ist heute von der Außentreppe des Stadthauses herab erfolgt. Nach derselben haben Carnot mit 137,797,

Vidal mit 128,439 und de Flotte mit 126,982 Stim- men den Sieg über ihre Mitbewerber Foy (125,643 Stimmen ),^Lahitte (125,478 St.) und Bonjean (124,347 St.) davon getragen. Die Gesammtzahl der eingeschriebenen Wähler betrug 358,509, wovm üch jedoch nur 260,198 bei der Abstimmung betheilig- ten, so daß demnach mehr als 99,000 ihr Wahlrecht meist ausübten. Die Proklamation ging in aller Ordnung und ohne die mindeste Ruhestörung vor Nch, was man wohl hauptsächlich den dringenden Ermahnungen des demkoratischen Eomite's und der demokratischen Blätter zuzuschreiben hat. Letztere rich­teten noch heute Morgen sämmtlich einen mit großen Lettern gedruckten Aufruf an das Volk, worin das­selbe ermahnt wurde, sich heute nicht auf den Stadt- Hausplatz zu gegeben, weil man sich nicht der Gefahr aussetzen müsse, einen friedlichen Sieg in einen bluti­gen Zusammenstoß umzuwandeln. Zugleich ward be­kannt gemacht, daß jedes republikanische Journal zwei seiner Redakteure auf den Stadthausplaß entsenden werde, um dort, statt des Volkes, der Verkündigung des Wahlresultats beizuwohnen.

Nach demAbend-Moniteur" kennt man jetzt das Ergebniß von 28 Wahlen, wovon 17 auf socialistische und 11 auf konservative Candidaten gefallen sind. Etwas Amtliches ist bis jetzt über das Resultat der Wahlen in den Departements noch nicht veröffentlicht worden.

Von allen Seiten wird jetzt versichert, daß ein wenigstens theilweiser Wechsel des Ministeriums fest beschloßen ist. In der Nationalversammlung war fast von nichts Anderem die Vede.

Italien.

ImStatuts" liest man die Nachricht, daß in diesem Augenblick in Paris ein Corps Freiwilliger für den Papst geworben wird. Dasselbe wird unter dem Befehl des Generals Saint - Amant stehen, der von der französischen Negierung die Erlaubniß erhalten hat, in fremde Dienste zu treten.

Turin, den 9. März. Die innere Lage Nom's schildert ein Brief aus dieser Stadt im Flo­rentiner Statuts folgendermaßen:Man kann sagen, daß eine blinde Fatalität die Restauration nach einem Abgrund hintreibt. Bis jetzt hat sie sich nur mit der Ausweisung und Absetzung derjenigen Personen be­schäftigt, die das geistliche Regiment nicht lieben. Wenn sie so fortfährt, so wird sie die halbe Bevölkerung dec Stadt zu Grunde richten. Die Zahl der Personen, die freiwillig Nom verlassen haben, beträgt 11,000; ausgewiesen hat man 9000, 45000 sind mit Gari­baldi abgezogen und 6 8000 haben mit fremden Pässen Rom verlassen. Man kann also die Zahl der Personen, die Rom weniger hat, auf 30,000 angeben und doch ist die Regierung weiter davon entfernt als je, sich ohne die Hülfe einer fremden Macht auf eine kräftige Art konstituiren zu können.

Erklärung.

Weilmünster, den 14. März. In einem der letzten Blätter der Nay. A. Z. befindet sich einWeil- burg den 5. März." datirter, die hiesige Feier des 4. März betreffender Artikel, welcher, obgleich ohne allen Zweifel dahier fabricirt, von Unwahrheiten und Ent­stellungen strotzt. Wir antworten auf dieses Lügen­werk im folgenden aus dem alleinigen Grunde, weil es das erste ist, womit man die Ehre unseres Ortes vor der Oeffentlichkeit zu beschmutzen gesucht hat.

Es-ist erlogen, daß am 4. März eine bewaffnete Volksversammlung dahier Statt gefunden; es ist er­logen, daß Pfarrer Göllner oder irgend Jemand an diesem Tage eine gute oder schlechte Rede gehalten; es ist erlogen, daß man die Republlck hat hochleben lassen; es ist erlogen, daß einige Flinttnstoüsse ausge­nommen, andere Gesetz- oder Polizciwidrig.'esten, wor- gefâllcu II. [.. w. u. s. w.

Wir waren indessen nicht in der geringsten Ver­legenheit, den Ursprung des sauberen Schriftstückes zu erfahren, da es in unserer Gemeinde glücklicher Weise keine Drei Leute gibt, welche unverschämt genug sind,-sich zu Denuncianten und Lngenschmiedeir herab zu würdigen.

Zur Beglaubigung: der Gemeinderath.

Matthias V o n H a u s e n. P hilipp K n r z. H e i n- rich Söhngen. Christian Werner. Peter Wagner. Peter Weil. Weil, Bürgermeister.

F r u ch t p r e i s e.

Diez, 15. März. lr. Preis.

Rother Waizcii.....10 fl. 20 kr.

Weißer Warzen......10 fl. 1 fr.

Korn .........6 ff. 30 fr.

Gerste ........5 A. 15 kr.

Hafer ........3 ft. 40 fr.

Erbsen.......- 9 fl. fr.

2t. Preis.

11 fl. - fr, 10 st. 40 fr.

7 fl. 14 fr 5 fl. 50 ft. fl. kr.

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppkruan».