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C Die Bedeutung der Nedemtoristen in Limburg.
O du, der du vom HöllenaaS, So wunderschön geschrieben, Und bei dem Äarioch Laia^as Die Kochkunst lang getrieben, Pater Martin, großer Koch, Lehr mich die Höllentüche doch Nach Würde jetzt beschreiben.
So sang in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Er-Jesult Bl um au er und das Publikum ergötzte sich an seinem trefflichen Humor, mit welchem er die Phantastereien eines Martin v. Ko ch e m, welche man dem Volke als göttliche Offenbarungen in die Hand gegeben, dem verdienten Spotte preisgab. Der Wahnglaube ist die Zwingburg des Despotismus, und die Furcht ist der Cerberus, das heißt, der Höl- lenhund, welcher die Zwingburg bewacht. Sobald man aber es wagt, mit offenen Augen zu sehen, er- Dennt man, daß jene Schreckensgestalten blos gemalt sind, und lacht der Täuschung. Auf dieser Stufe stand das vorige Jahrhundert, als die angesehensten Bischöfe Deutschlands sich in Emsüber die Befreiung Deutschlands von der römischen Curie beriethen, als ein geistreicher und menschenfreundlicher Kaiser die Klöster aushob und den Mönchsspuk bannte.
Die besten Geister unseres Jahrhunderts haben sich bemüht, die letzten Schlacken des Mittelalters bei dem Volke zu entfernen, es schwanden die Heren und Gespenster, es ward Licht im Leben des Volkes. Doch da erhob sich der böse Geist der Reaktion und streute neues Unkraut, und der gutmüthige Deutsche sah es und lachte; denn er meinte, der böse Samen könne keine Wurzel mehr fassen. Aber er ging auf und faßte Wurzel, und schon breitet der Giftbaum seine Aeste über das Leben, und unter seinem Schatten gedeihet die Thorheit, das Laster und die Knechtschaft.
Und schon wagt man es, das ganze Schattenspiel mittelalterlicher Phantasien als den Inhalt der Religion darzustellen. Aus Baiern, dem Lande des Je- suitismuö und der Lola Montez, läßt der Bischof von Limburg Mönche kommen, um unserem Volke zu predigen. Entweder bringen diese eine andere Lehre, als der Clerus in Nassau bisher gelehrt, oder es fehlt der nassauischen katholischen Geistlichkeit an Bildung und Talent, die Lehre ihrer Kirche vorzutragcn, und deßhalb läßt der eifrige „Oberhirt" fähige Männer aus der Fremde kommen, die Schuld des Clerus zu tilgen und den gesunkenen Glauben neu zu beleben.
Noch hat sich kein Geistlicher gegen die Maßregel erklärt; entweder müssen also Alle mit der Maßregel einverstanden sein, oder Alle fürchten, gemaßregelt zu werden. Dann aber träfe sie der Vorwurf des Propheten, der die Priester stumme Hunde nannte, die nicht reden, wenn es die Pflicht gebietet.
Von jenen Predigten im Dome zu Limburg aber haben wir Manches von Ohrenzeugen vernommen, was als Zeichen der Zeit der Beachtung verdient.
Bekanntlich wurde das Volk in Abtheilungen nach dem Geschlechte, und ob verheirathet oder ledig, zur Predigt gelassen, weil man dem weiblichen Geschlechte Dinge sagen wollte, die kein Mann hören sollte, Dinge, welche das weibliche Gefühl verletzen, es entwürdigen. Der Mann sollte nicht Zeuge dieser Entwürdigung sein. In den Predigten der Männer war man etwas vorsichtiger. Man bemühte sich blos, die Männer zu überzeugen, daß der Mensch nichts tauge.
Man schilderte den Menschen als ein erbärmliches Sündengefäß, das aller Laster voll und ohne Kraft zum Guten sei, wie jener mittelalterliche Vers sagt:
„Ich bin ein rechtes SimdenaaS, teilt wahrer Süudènkiibcl,
Der die Sünde in sich fraß, Wie der Rest die Zwiebel.
Und nach der Schilderung wurden die Höllenqualen, die ganze höllische Kochkunst des Pater Martin, lebhaft gemalt und dann das Mittel, der ganzen Operation zu entrinnen, gezeigt, nämlich die Generatberichte. Wirklichdas trefflichste Mittel! Erst überzeugt man den Menschen, daß er weder Würde noch Tugend besitzen oder erstreben könne, daß er ein nichtswürdiges Geschöpf sei, und nun lehrt man ihn einen Weg, der verdienten Strafe zu entgehen. Nichts wird einem „Geschöpf ohne Würde" zu schmutzig sein, kriechend, wie ein Hund um den Knochen, bettelt er um Gnade, wie jenes Lied fortfâhrt:
„Herr Jesu, nimm" mich Hund beim Ohr, Wirf mir ben Guadeuknochcu vor,
Uud führ' mich Sündeulümmel :
In deinen Guadcuhimmcl.
Ja, auf diese Weise läßt sich das gepriesene Mittelalter herbeiführen: allgemeine Entsittlichung, Laster, Roheit, Barbarei, Galgen auf allen Höhen und kriechende Ehrfurcht vor den Schatzmeistern des Himmels, Veit Priestern. Wer »vertue Verr^r^^-s «q...^... bedingt wird durch die sittliche Würde und Bildung des Weibes, so wird auch die EnHsutiichiuig des Menschengeschlechtes durch die Entsittlichung des Weibes bedingt. Jede große Erhebung in der Geschichte wird getragen durch eine edle Begeisterung des Weibes. Des.Mannes Thatkraft muß sich erwärmen an der heiligen Glut göttlicher Gefühle, welche aus der sittlichen Würde des Weibes facht und schon dem Kinde das heilige Feuer einhaucht, aus welcher sich die Thaten der Zukunft entfalten.
Auch unsere Zeit gibt Zeugniß von dieser heiligen Mission des Weibes in dem Gange der menschlichen Entwicklung. Ueberall, wo der Drang nach Freiheit erwacht ist, zeichnen sich die Frauen und Jungfrauen durch ihre Begeisterung für die Sache der Menschheit aus, überall entzündet und erhöht ihre Begeisterung die heilige Glut der Männer.
Wo das Weib entehrt ist, da ist die Menschheit versunken in das Joch der Sklaverei. Des Despoten erste That ist daher die Entehrung des Weibes, und der erste Schritt zur Cultur ist die Achtung vor dem Weibe. Wo der Despotismus vollendet ist, da ist das
Weib eine Sklavin, ein Werkzeug der Lust wer K.,.-- »er. Deßhalb kann sich die Menschheit in Asien nhUt erheben, deßhalb befreite der göttliche Lehrer von zareth das Weib von seinen Sklavenketten, deßhalb sang der große Dichter:
„Ehret die Frauen, sie stechten und weben himmlische Rosen iu's irdische Leben l"
Der „heilige Vater" in Gaeta aber nennt die edlen Damen von Rom Dirnen. Wenn aber diese Dirnen sind, so sind Dirnen die besseren Damen.
Zur Dirne also, und wäre es auch blos die Dirne emes bestimmten Mannes, zur Dirne muß das Weib ktmedrigt werden dann, aber auch nur dann erst ist der Sieg des Despotismus vollendet. Das ist das Geheimmß der Despotie, das ist der Grund, warum die finstrte Pfaffcnmacht hauptsächlich das weibliche G^chiecht zu umgarnen sucht. Hieraus erklären sich die schamlosen Vorträge im Dome zu L mbnrg an die Frauen.
Die Achtung vor den gebildeten Lesern, vorzüglich vor den gebildeten Leserinnen, verbiete: uns jene Sätze anzufuhreil. Die Predigt der frommen christlichen Mouche .unterscheidet sich von den Vor:lägenocs heidnischen Dichters Ovid, (welcher dieselbe Sache in einem Buche von der Kunst, zu lieben, vortrug,) wie die von der Cultur beschränkte Begierde zu dem rohen Ausbruch der thierischen Leidenschaft; versteckt, wo der Mönch plump hervortritt. Aber Ovio wurde wegen dieses Werkes vom heidnischen Kaiser Augustus aus Rom verbaust, und nach 18 hundert Jahren -kommen Mönche, welche den Ovid wohl stuoiâ haben uiid in wahrer Sprache wiedergeben, um den Frauen Dinge vorzutragen, welche die Cultur unseren Geistlichen verbietet, mitzutheilen.
Uno welche Begriffe müssen solche Religionslâec ^eme^^ent w ^oe^'^welche dem
Weibe Rathschläge ertheile», den Mann zu fesseln, seine Treue, seine Liebe zu erhalten, — und als Mittel, als einziges Mittel, die Bereitwilligkeit zur Stillung der Begierde angeben L Welche Würde müssen Männer haben, welche vor Frauen eine Sprache fü. ren, die das weibliche Gemüth stets und überall beleidigt, die der Gemahl gegenüber der Gattin als verletzend betrachten würde, — die nur Dirnen opue Schum- röthe hören können? Dazu kam noch die abeudtpeuer- lichste Vorstellung von der Größe der Begierde, eine Vorstellung, welche sich nur bei unnatürlichem Leben entwickeln kann.
Wer den Menschen, wer das begeisterungsfahige Weib, nicht anders als mit der rohen Materie zu gewinnen glaubt, ist verderbt, ist ganz Fleisch. Auch die Begierde ist göttlicher Natur, führt zur Vollendung, wenn sie von einem Ideale regiert wird. Aber nehmt dem Menschen die Ideale, so habt ihr ihn zum Thiere entwürdigt, das Medium wird zum ganzen Zwecke. Die ganze schöne Welt der Ideale aber entsproßt dem Keime der Liebe, der Mönch sucht die Liebe in der Begierde zu ersticken, damit keine edle Begeisterung die
Prozeß Görlitz.
V.
Darmstadt, 15. März. Die Vernehmung des gewichtigen Zeugen F. Schiller füllte die heutigen Sitzungen aus. Zeuge ist ein blonder Mann von mittlerem Alter und glattem Aeußern, scheint anfänglich nicht sehr mittheilsam und drückt sich in einem eigenthümlichen halbgebildeten Bcdientcujargou aus. Er war seit dem Jahre 1834 als Kammcrdieuer im Dienst des Grafen. Seine ersten Mittheilungen beziehen sich aus die Gräfin: sie war sehr eifrig in häuslichen Geschäften, lebhaft gegen die Dienerschaft, streng, aber gerecht, oft heftig, wechselte häufig die weibliche Bedienung, sie lebte sehr mäßig, geistige Getränke hatte sie nie im Besitz, ihre Gesundheit war ungetrübt; sie pflegte nicht am Sekretär sondern an einem Schreibtisch im Kabinet zu schreiben. Mit dem Grafen lebte sie, kleine Zwistigkeiten abgerechnet, im guten Einvernehmen, ssie speisten Mittags um drei Uhr zusammen, Abends pflegte sie Thee zu trinken oder auch seinem Nachtessen beizuwohnen. Die Dienerschaft hatte den Tisch auswärts. Am 13. Juni hätte die Gräfin den Zeugen nach Tisch ausgeschickt, sie war im Bügelzimmer beschäftigt; als er zurückgekommen war, bat ihn sein Söhnchen, der Pathe des Grafen, mit ihm spazieren zu gehen, Stauss redete ihm auch zu und so aing er gegen 4 Uhr mit dem Jungen zu Fuß nach
dem eine Stunde weit entfernten Eberstadt. Unterwegs kam ihm zweimal „eine Anwandlung von Zurückgehen" an, als ob er dadurch ein Unglück verhüten könne, und nur die Bitte» des Jungen bewogen ihn zum Weiter- gehen. In Eberstadt trank Zeuge etwas über den Durst und.fuhr dann mit dem Bahnzug nach Darmstadt wo er % nach 8 Uhr ankam und den Grafen an der Eisenbahn sah. Er ging in seine dem Hotel Görlitz nahe liegende Wohnung zum Nachtessen, dann fand er bei Görlitz um %9 Uhr den Stauss allein im Be- dientenzimmer, ließ denselben gleichfalls zum Essen Weggehen und entfernte sich nach seinem baldigen Zurückkommen wieder nach Hause. In der Ièacht wurde er durch Stauss mit der Kunde: „es sei etwas passirt," geweckt, ging in das gräfliche Haus und fand den Graf, Schâmbs, die Zofe und den Sci losser vor der Glasthüre deren Scheiben er, nachdem der Schlosser nach einem andern Schlüssel gegangen war, einschlug, worauf dicker Rauch aus demselben drang. Zeuge wurde sofort durch den Grafen zu vi-. Stegmayer geschickt; bei seiner Rückkunft wurde die Gräfin schon ins Vvrz mmer getragen. Auf Stauffs Bitte ließ er Ecnjdben in seinem Hause im Gcsindebctt schlafen, wo derselbe „so schwitzte, daß die Bettüberzüge gewechselt werden mußten." Er selbst blieb die Nacht im Görlitz'scheu Hause, lieber die Leiche enthalten seine Angaben nichts Neues; ebenso bezüglich des Sekretärs, „dessen unter altem Eisen verkauftes, verschlossenes Klappen schloß sich
nicht wieder ausmitteln ließe." Die unter dem Sekretär gefundenen, gelöschten Kohlen hätten eine „kleine Bütte" angefüllt und nicht wohl von demselben und den verbrannten Dielen allein herrühren können, ll-ber die Brandspuren im Divan bestätigt er Uv G.hegte. Die Stifte der Sch muck suchen sammelte Zeuge und übergab sie dem Grafen.
Bei dem Begräbniß, der Ausgrabung der Leiche und dem Vergiftungsversuch war Zeuge nicht anwesend; die schon erwähnte Ermordung des Onkels der Gräfin ist ihm bekannt.
Seine weiteren Angaben beziehen sich auf Sia uff, mit dem er in gutem Einvernehmen gelebt hatte. S-auss wollte nach dem 13 Juni aus dem Dienst, er Liv viel Romane, auch die Zeitung über den Praslin'sche'u Mord und schrieb viel. Zeuge kannte Stausss Liebschaft mit der Christine Born ; dessen Vater hatte er zweimal im Haus gesehen. Einige Zeit vor dem Tod der Gräsii, habe Stanff Streichfeuerzeug gekauft wovon Zeuge 3—8 Schachteln in einen Ofen im Bedicntenzimmer legte und einige Tage nach Dem Tode Der Gräfin, deren nur noch zwei mit verkohlt ein P b vs phor vu = fand. Stauss konnte keine genügende Auskunft gchcn, Zeuge machte dem Grafen die Anzeige, und nun fanden sie Den Inhalt der letzterwähnten Schachteln in Den Aschenkasten gestreut. Stauss erklärte keine Aue-knuft hierüber geben zu können, als daß Schiller die Zünd-