erledigt sein werde, seine Aufmerksamkeit nach Spanien hinwenden werde, um Rechenschaft für die dem britti« schen Gesandten Sir Henry Bulwer seiner Zeit zuge- fügte Behandlung, welche zur Suspendirung der di» plomatischen Beziehungen zwischen England und Spanien Anlaß gegeben, zu verlangen und noch anderweitige Reklamationen zu stellen. Dieser Besorgniß glaubt man den Rückgang der spanischen Fonds an der Madrider Börse zuschreiben zu sollen.
Republik Frankreich
Paris, 10. März. (Mz. Ztg.) Die Brochüre des Herrn Vaucorbeil über die Revision der Verfas- sung , in rvelcher die Nationalversammlung. in imperialistischem ÄÜnie verhöhnt und die ganze französische Nation als der Fußschemel des Präsidenten der Republik dargestellt wurde, ist heute auf Befehl des Generalprokurators mit Beschlag belegt worden. Sonderbarerweise ist gar kein Grund der Beschlagnahme, wie sonst üblich, angegeben.
Die Patrie enthält Folgendes: Wir erfahren, daß das Mittelmeer-Geschwader, welches in Toulon erwartet wurde, Gegenbefehl erhalten hat, demzufolge cs sich gegen Neapel wendet, woselbst Admiral Per« ccval-Deschenes die Lösung der Differenz zwischen England und Griechenland abwarten wird.
L'Evcnement versichert, daß mehreren Kompagnien der republikanischen Garde, welche gestern gestimmt haben, die Liste der Union électorale mit der Drohung Unmittelbarer Entlassung im Weigerungsfälle aufgenöthigt worden sei.
Die Gazette de France bemerkt: „Die bis jetzt bekannten Boten der^Armee sind den^Kandidaten der Rothen günstig. Das ist eine Thatsache, die wir unglücklicher Weise genöthigt sind, den optimistischen Versicherungen mehrerer Journale^ entgegen- zustellen.
Die legitimistischen Journale benehmen sich den Wahlen gegenüber auf eine sehr auffallende Weise. L'Opim'on publique ignorirt sie, als ob gar keine Wahlen stattfänden. Sie beschäftigt sich nicht einmal vom historischen Standpunkte aus mit denselben, und hat sogar die Kandidaten der Union electorale in ihren kleinen Pariser Notizen nicht genannt. Die Gazette de France behandelt die Sache ebenso^verächtlich. Blos die Union hat die royalistische Kandidatenliste, jedoch mit überschwenglichen Vorbehalten und Protestationen gegen die Orleanisten und Bonapartisten ausgenommen.
Der Siecke versichert, daß ein großer^Theil der legitimistischen Wähler sich des^ Stimmens enthalten werde.
Die Presse beginnt heute ihr Blatt mit der Bemerkung: Der Triumph der Liste der Opposition scheint sicher zu sein; die Folge dieses Trinmp.wsI ist die Veränderung der Politik, welche seit dem 20. Dez. befolgt wurde. Die Veränderung dieser Politik ist ein Ausweg, der in einer Sackgasse .eröffnet wird.
Die Majorität sämmtlicher Voten der Armee die heute von denßBlättern mitgetheilt werden, ist abermals für die sozialistischen Kandidaten.
Der Napoleon' äußert sich heute auf folgende Weise über das Pamphlet des Herrn Vaucorbeil: „Einige Journale schreiben eine Broschüre des Herrn Vaucor-
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, beil dem Einflüsse der Regierung zu. Jedermann steht ; es frei, seine Ansichten über die Fehler der Konstitu- , tion und die Gefahren der Situation auszusprechen. I Was die Regierung betrifft, so hat sic nur eine^Pflicht, die Gesetze zu vollziehen.
Der Corsaire will wissen, daß die unter Vaucor- beil's Namen erschienene Broschüre von einem der Redakteure des Napoleon herrühre.
Paris, 10. März. In der heutigen Nummer des „Napoleon" liest man: „Die französische Regierung hat aus Preußen die beruhigendsten Mittheilungen erhalten. Die Differenzen, welche man einen Augenblick in Betreff der Schweiz besorgen zu müssen geglaubt hatte, sind ausgeglichen. Einerseits macht die Schwei; mit großer Entschiedenheit die Polizei bei sich, und andererseits zeigt Preußen durch seine Mäßigung und seinen guten Sinn, welche Rücksichtnahme es den Bemerkungen widmet, die unsere Regierung ihm machen zu sollen geglaubt hat."
— Der Ausschuß in Betreff des Gesuchs des Staatsprokurators um Gestattung einer gerichtlichen Anklage gegen Hrn. Michel (von Bourges) hat, wie die Journale heute anzeigen, sich dahin ausgesprochen, daß kein Grund vorliege, diesem Gesuch zu entsprechen.
Paris, 11. März, 11 Uhr Abends. Gestern Abend zogen etwa 200 Soldaten nach der Juli-Säule, um dort Kränze nieder zu legen.
In der heutigen Sitzung der National-Versammlung wurden die ersten 16 Artikel des Unterrichts- Gesetzes angenommen. Der Kriegsminister verlangt einen Ergänzungs-Credit von 2‘^ Million Franken fürZdie Expedition des Mittelmeers.
Einem Gerücht zufolge wird die National - Versammlung Ende Mai vertagt werden. (K.Z.)
Italien.
Aus angeblich guter Quelle wird gemeldet, die an der Südgränze Toscana's stehende österreichische Brigade Kolowrat habe den Befehl erhalten, sich marschfertig zu halten. Als ihren Bestimmungsort nennt man Rom. — In der Sitzung der für t'n er Deputirtenkamm er vom 5. fanden Interpellationen über die angebliche Absicht Oesterreichs, sich des Lago Maggiore gänzlich zu bemächtigen, Statt. Der Deputirte Simonetta, von welchem dieselben ausgingen, stützte sich besonders darauf, daß Oesterreich die Erbauung eines Dampfers angeordnet habe und alle strategisch wichtigen Punkte besichtigt worden seien. Der Ministerpräsident erwiederte , daß an der sardinischen Gränze keine gefahrdrohenden Rüstungen von Seiten Oesterreichs gemacht würden, daß jedoch Piemont, falls Oesterreich ein Dampfschiff auf dem Lago Maggiore bauen lassen wolle, dies nicht verhindern könne. Das Ministerium würde untersuchen, ob es nöthig sei, vor Ende 1850 irgendwie Vorkehrungen zu treffen. „Jedenfalls", bemerkt der Minister am Ende seiner Rede, „wird das Schicksal Sardiniens nicht von einer Schlacht auf dem Verbano abhängen." Brofferio macht darauf aufmerksam, daß es nicht nöthig sei, bis Ende 1850 zu warten, um gegen Oesterreich Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, und drückt die Hoffnung aus, daß man einige Truppenabtheilungen nach jener Gegend senden würde. Nachdem der Kriegs- Minister sich gegen diesen Vorschlag ausgesprochen hatte, da es nicht gut sei die Truppen im ganzen Lande zu
zerstreuen, gab er noch einige Erklärungen übtr die Veränderungen und Verbesserungen, die er in den einzelnen Corps der Armee vorgenommen habe, worauf die Sitzung geschlossen wurde. — In derselben Sitzung wurde das neue Gesetz in Betreff der Postreform mit 83 Stimmen gegen 59 angenommen.
Griechenland.
Eine Correspondenz der „Estafette" aus Athen vom 24. Februar enthält Folgendes: „Man glaubte hier nach den förmlichen Versprechungen, welche Lord Palmerston Herrn Drouyn de Lhuys gegeben hatte, Admiral Parker werde unverzüglich den Befehl erhalten, alle Zwangs-Maßregeln einzustellen, die Blokade aufznhebcn und alle gekaperten Schiffe zurückzugeben. Nichts dergleichen ist jedoch geschehen. Die Sachen sind vielmehr nicht nur im Status quo geblieben, sondern die Zwangs-Massregeln werden sogar mit noch größerer Strenge gehandhabt. Um der Ungewißheit, welche sich nach einigen Tagen des Wartens der Gemüther bemächtigt hatte, ein Ende zu machen, schrieb Hr. Thonveuel einen Brief an Hrn. Londos, den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, in welchem er ihm die Annahme der Vermittelung Frankreichs meldete und das Hrn. Drouyn de Lhuys von Lord Palmerston gegebene Versprechen, alle Zwangs-Maßregeln sogleich einzustellen. „Der darauf bezügliche Befehl" ; — fügte er hinzu — „und die Ausführung desselben kann nur durch Umstände, die von dem Willen Lord Palmerston's durchaus unabhängig sind, verzögert worden sein." Am folgenden Tage bemerkte Hr. Thou- venel in einem Schreiben an den englischen Botschafter, Hrn. Wyse, daß es ihm angemessen und billig scheine, bei der Gewißheit, die der Admiral Parker von der Annahme der französischen Vermittelung haben müsse, die Zwangs-Maßregeln einzustellen, statt sie zu verschärfen. Hierauf erwiederte der englische Gesandte, Lord Palmerston habe allerdings einen Privatbrief in Betreff dieser Vermittelung geschrieben, da derselbe jedoch nicht offiziell sei, so müsse der Admiral bis zum Empfang neuer Befehle bei Anwendung der Zwangs-Maßregeln verharren." (K. Z.)
Amtliche Nachrichten.
(Konzession zur Vermittlung des Transports von Auswandernden betreffend.)
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Georg Heinrich Gödecke zu Ems als Hauptagent des Koblenzer Hauptvereins für Auswanderung die Erlaubniß zum gewerbsmäßigen Betriebe der Vermittelung des Transports von Auswanderern unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1848 enthaltenen näheren Bestimmungen erhalten hat.
Wiesbaden, den 6. März 1850.
Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Abtheilung der Innern.
W i n tzingerod e.
vdt. Ler.
Verantwortlicher Redakteur: I Oppermann.
Bekanntmachungen.
Concessionirte Haupt-Agentur zur Beförderung von Auswanderer.
(129) Der Unterzeichnete befördert monatlich 3 bis 4mal Auswanderer nach den verschiedenen Häfen Amerikas über Havre, Antwerpen, Rotterdam und Bremen zu den möglichst billigsten Preißcn.
Wiesbaden ün Februar 1850. F<". €7. IVaiJum auf dem Markt.
(160) Im Verlag der Buchdruckerei von C. Köhler in Zürich ist erschienen und in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung in Wiesbaden zu haben:
Sympathiebüchlein
oder die enthülsten natürlichen Zauberkräfte
und Geheimnisse der Natur
Eine Sammlung von 338 erprobten sympathetischen Mitteln gegen viele Krankheiten und Uebel bei den Menschen und Thieren. Für Stadt- und Landbewohner.
Von einem alten Schäfer.
Preis: 3 0 k r.
Bei H. F. Grote in Arnsberg ist erschienen und in der H. W. Ritte r'schen
Buchhandlung in Wiesbaden zu haben:
Grundzüge
eines
deutschen Strafverfahrens.
Von
J. D. H. Temme,
Kdntgl. Preuß. Appellations-Gerichts-Director.
(158) Bei J. Ricker in Gießen ist erschienen und in der H. W. Ritter'schen
Buchhandlung in Wiesbaden zu haben:
Die
Ausgabe der Opposition
in unserer Zeit.
Von
Carl Hogt.
Zum Besten der deutschen Flüchtlinge.
Preis 36 kr.
(166) Durch die H. W. Ritter'sche Buchhandlung in Wiesbaden ist zu beziehen: Memoiren vom März 1848 bis Juli 1849. Beitrag zur Geschichte der Wiener Revolution von Dr. A. Füster. 2 Bände 4 fl. 48 fr.
Religion und Politik von Joh. Ronge.. 18 kr.
Lebensbilder aus der deutschen Nationalversammlung von L. Schatte 1. Lief. Preis für 1. — 3. Lief. 2 fl.
(227) Zwei GlaSerker find billig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bl.
(228) Der mir heute zugekommene anonyme Brief, mit blauer Tinte geschrieben, kann nur dann Berücksichtigung finden, wenn mir der Verfasser seinen Namen nennt, außerdem nicht. Wilh. Joost, Scribcnt.
(52) Es sind Kapitalien in jeder (Oröüe stets zu haben durch Friedrich Schauß in Wiesbaden, Marktplatz Nr. 12.
(216) Mehrere ausgediente Männer suchen Militäreinstände. Näheres bei Friedrich Schauß in Wiesbaden.
(229) Ein Frauenzimmer, welches sowohl in allen Handarbeiten, als in Elementar-Schul- kenntnißen Unterricht ertheilt hat und zuletzt als Kammerjungfer conditionirte, wünscht baldigst eine ähnliche Stelle. Nähere Auskunft ertheilt die Erped.
Theater zu Wiesbaden.
Donnerstag, den 14. März. Er muß auf'S Land, Lustspiel in 3 Auszügen, nach Bayard und Devally von W. Friedrich.
Druck und Verlag der E. Ritter'schen Buchdruckerei.