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in so schroffen Formen austreten, achten und lieb ge­winnen muß, der naturgemäß aus dem Herzen heraus sich entwickelt, und einen grellen Gegensatz bildet mit der nach dem Tode der Bischöfe Brand und Bausch künstlich eingkimpften Frömmelei, eine würdige Ge­nossin der Heuchelei, des Fluchs für Staat, Familie und Gesellschaft. So war denn auch hier die Aufre­gung größer als die Bekehrung, und eine große Zahl der in Menge den in wohlerwogener Berechnung des Zweckes und mit nicht zu verkennendem Geiste ver­faßten Predigten ^strömenden Zuhörer mehr durch die Neugierde und den Reiz der Neuheit zusammenge­führt, als den Drang der Wahrheit und die Erkennt­niß des Sunvenpfuhls, in welchem sie bisher herum» gekrochen, bis die Retter aus Altötting kamen, um sie heraus und ans Land der Erlösung zu ziehen. Der wungfrauenbund hat unter der gebildeten Zuhörerklaffe Jenigsiens nicht den Anklang gefunden, wie z. B^. in Limburg, wo in ihrem Bekehrungseifer die sog. Casino­damen durch eine Deputation bei dem dasigen Stadt- pfarrer in allein Ernste anfragen ließen, ob sie, ohne sich' mit einer Todsünde zu belasten, den Fastnachtsball besuchen dürften. Zu Montabaur wenigstens soll in diesem Augenblicke eine Liste in Cirkulation gesetzt sein, in welche sich alle diejenigen einzeichnen, die, mit der Berufsthätigkeit der dasigen Geistlichen zufrieden, nur bei diesen zu beichten und communiciren Willens sind. Daß es zu Würges mit dem bloss» Hören und Beten nicht abging, war vorauszusehen, denn auch bezahlt mußte werden, und zwar tüchtig, so daß die zu, dem Re­ferenten und wohl auch vielen Zuhörern unbekannten, Zwecken veranstaltete Collckte einen Ertrag von über 1500 fl. gehabt hat. Auch die alten Stückchen aus dem Beichtstühle wurden wieder aufgetischt und hie und da einem Bestohlenen oder Betrogenen kleine Beträge von 12 fr.c. zurückerstatM.

Dem mag nun sein wie ihm wolle, es ist endlich an der Zeit, daß die öffentliche Meinung sich gegen das Treiben dieser geheiligten Wühler empöre. Man braucht ihre Wirksamkeit und deren Folgen nicht tiefer zu studiren, um sie zu würdigen. Es liegen Thatsa­chen genug vor, welche demjenigen der sehen will, die Äugen öffnen müsse»; wie sie in oer sog. Weiberpre­digt auf der Kanzel die geheimsten Geheimnisse der Ehe, unter dem Deckmantel des Tadels, der erröthen- den Menge mit einer erstaunlichen Sicherheit auskra­men, daß man der alten Frau unwiukührllch gedenken muß, die nach Schluß derselben meinte,der hätte ja gesprochen, wie wenn er schon 5mal Wittwer gewesen wäre"; wie der Vater seine Tochter in dem Beicht­stühle nach Sünden muß fragen lassen, deren Ramen sie nicht einmal kennt, Sünden, tue nur abgeschwächte Wollust erfinden und unbefugte Neugierde erfragen konnte, die in den menschlichen Gesetzbüchern, ähnlich dem spartanischen Gesetzgeber, welcher den Vatermord unbestraft ließ, weil er ihn für unmöglich hielt, uner­wähnt geblieben und nur in dem Beichtspiegel der Diözese Limburg einer weitläuftigern Ausführung ge­würdigt worden sind wo' solche Thatsachen reden, da wird man den Unwillen eben so gerecht finden, als das Erstaunen natürlich. Daß dieser Unfug von Lim­burg aus den gehörigen Nachdruck erhält, versteht sich von selbst und man wird den nicht gefügigen Geist­lichen, so weit es nicht schon geschehen ist, durch dis- ciplinarische Maßregeln schon zu zwingen wissen, auf dem ihnen angebahnten Wege fortznschreiten, man wird es ihnen zur Pflicht machen, den kirchlichen Unfrieden fortzusäen, den letzten Funken des ohnehin schon so sehr zerrütteten Bewußtseins seiner Menschenwürde und Selbstachtung dem Volke aus der Brust zu reißen, die Rechtsbegriffe zu verwirren, die Achtung vor feder- weltlichen Gewalt zu untergraben und mit den seligen Zeiten der Geißelfahrten, Kirchenbußen, Ketzerbrände und Religionskriege, die Zustande mittelalterlicher Roh­heit, Pfaffenherrschaft und der aufgelösten Staatsor­ganismen heraufbeschwören. So will es die Mission

Ludwig: Elisabeth, Elisabeth, fomm doch (sie kommt) sei stolz, freue Dich, Du bist fast einstimmig zur Kreisläthin erwählt worden!

Elisabeth: Wahrhastig? Das ist ja föftiid', 1 Gott sei Dank, daß ich mineu Rathstitel wieder habe. Ich werde Diese schöne That dem lieben Volke nie ver­gessen ! (Geht ab.)

Boden that (eintretend): Nun was hab ich Euch qcpigt: es ist noch nicht Nacht und Ihr seid wieder Räthe.

Ludwig undEduard: Tausend Dank, bester Freund, für Ihre aufopfernde Güte. (Sie reichen ihm mit Wein gefüllte Gläser.)

Bodenthal: Ich sagt es ja immer, das Volk ist so^ fd'iimm nicht, man muß es nur zu behandeln wissen. (Ein Glas ergreifend.)

Eduard: Nur vereinte Kräfte führen zum Ziele, s in allen G. bieten muß eine Theilung der Arbeit einge- ! führt werden. Die Wähler lockern den Boden auf, bc- i arbeiten das Feld und wir wir mitten de Früchte. So hat alles in der Welt seine Bestimmung. Es leben f die Wühler!

Ludwig (zu Karl, der bisher mißmuthig auf und ab ging): Was ist nun bei allen Deinen Wühlereien I)erausgekvmmen? Deine Abseyung und unsere Krns- rathswurde.

(Fortsetzung folgt.)

von Altötting. Mag man diese Befürchtung etwas pessimistisch finden, aber sie ist die Cönsequenz vom Prinzip.

Aber es hieße auch in diesen Tagen der nach Frei­heit ringenden Vernunft das Schlimmste voraussetze», wollte man fürchten, daß diejenigen, die berufen sind zu reden, beständig schwiegen, daß kein Gemeinderath oder Bürgerausschuß den Muth hätte, seine moralische Anktorität in die Wagschale zu werfen, um im Interesse der Eintracht und richtiger Würdigung des Zeitgeistes jene Friedenstörer fern zu halten. Zwar wird auch bei dieser Frage, wie allerwärts, der Philister sich vor­drängen. Der Gedanke an die Wecke, die er bei dem durch die auswärtigen Zuhörer vermehrten Verkehr- mehr verkauft, die Schoppen, die er mehr verzapft, wird das Bewußtsein, der Menschheit zu dienen, nie- derdonnern, und wird der Eigennutz mit der so oft gerühmten Frömmigkeit dieser Menscheicklasse Hand in Hand gehen.

Doch' die Zeit schreitet rasch voran, und die Ge­schicke der Zukunft werden sich erfüllen und auch die Worte Borgia's ihre vollständige Berechtigung fin­den : wie L ä in in e r haben sie s i ch e i n g e s ch l i> chen, wie Wölfe regieren sie, und wie Hunde wird man sie vertreiben.

Als schließliche Ergötzlichkeit und Beitrag zur mo­dernen Culturgeschichte noch die Anekdote vom ver­irrten Mitbruder, wie sie allerwärts erzählt wird: Ein Caplan aus der Nähe von Würges hatte sich nämlich mit mehreren Amtsbrüdern in dem dasigen Pfarrhause eingefunden und nach vollbrachter Arbeit in Gesellschaft der Legorianer sich zum Mittagessen ge­setzt. Am Schlüsse desselben machte er den unverfäng­lichen Vorschlag, bei dem schönen Wetter den Kaffee im Garten zu trinken, ein Vorschlag, gegen welchen Niemand etwas einzuwenden hatte; nur die Herren aus Altötting hatten sich plötzlich entfernt. Als man sie bald nachher vermißte und aufsuchte, wurden sie in ihren Zimmern auf den Knieen liegend gefunden, lieber den Zweck dieser Scene gefragt, gaben sie im Jahre des Heils 1850 die denkwürdige Antwort: sie hätten für ihren verirrten Mitbruder aus W. gebetet, der, kaum vom Mittagessen aufgestanden, schon an einen zweiten weltlichen Genuß den Kaffee dächte. Sapienti sat.

W. Westerburg, 9. März. Zwei Jahre sind ver­flossen, seitdem die 'âften Nachrichten von der glücklich ausgefallenen Volkserhebung in unser stilles Thal dran­gen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit verbreitete sich damals die frohe Kunde von Mund zu Munde, und Alt und Jung und Groß und Klein sah mit freudiger Hoffnung der Zukunft entgegen. Der Knabe wünschte sich zum Jüngling heran, um die Freude des Tages ganz zu begreifen, und das freie und große Vaterland nbtpigcnwife gegen seifte Minde" vertheidigen zu kön­nen, und der Greis mit Silberhaare» wünschte sich noch einmal ins Jünglingsalter zurück, um die Ehre, ein Deutscher zu sein, noch lange zu genießen und noch manchmal den Segenbringeuden März mit seinem be­glückten Volke an sich vorüber gehen zu sehen. Zwei Jahre sind verflossen, da wirbelten hier Abends durch die Straßen die Trommeln und riefen die neu erstan­denen Vaterlandsvertheidiger zur Uebung in den Waf­fen; da sammelten sich beim hellen Mondenscheine un­ter der großen Linde die Glieder der Gemeinde und beriethen, was dem Ort in dieser -Zeit wohl gut und schädlich sei; dort zog am frühen Sonmagsmorge», wo sonst der gute Michel noch seinen Rausch verschlief, eine muntere Schaar Wehrmänner unter rauschender Musik mit ihrem neugeschaffenen Hauptmanne an der Spitze zur nächsten Wirthschaft, um ihm allda nach altdeutschem Gebrauche beim vollen Humpen die mili­tärische Weihe zu geben; da versammelte sich auf ho­hem Felsen die Jugend des jungen Städchens und ließ patriotische Vaterlandslieder durch die Thäler erschal­len; dort stand auf fernen Höhen ein beliebter Volks- mann und belehrte in begeisternden Reden das zahl.

Prozeß Görlitz.

1.

Darmstadt, 10 März. Heute Morgen begann die öffentliche Verhandlung des interessantesten Kri- m i n a l s a l l s den unsere neuen Schwurgerichte gesehen haben. Präsident ist der Oberappellaiioncrath Weiß; die Zahl der Assisenrichter ist durch Beigabe zweier Er- gänzungsrichter auf 7 erhöht. Als Staatsanwalt fungirt der Substitut Dr. Siebert, der neben seinem Play seinem Machbar, dem Ministerialrath Emmerling, eine impromfirte Ministerbauk cingeräumt hat. Die Ge­schwornen sind verschiedenartig ans Beamten (der Obmann ist ein Rechnungsrath) Gewcrbslcute» und Bauern zusammengesetzt und auch ihnen sind zwei Er- gânzungsgeschworiie bcigegebcn, deren Emer, ein.gehei­mer diplomatischer Sekretär zur Beurtheilung höchster gesellschaftlicher Verhältnisse von Nuyen sein kann. Vor den Geschwornen steht ein sehr nett gearbeitetes, zer­legbares Modell des Görliy'schen Häuscs, welches zur- gehörigen Beleuchtung der lokalen Beziehungen unent­behrlich erscheint. Vertheidiger ist für de» Hanptange- klagtc» Advokat Emmerling, für die beide» andern Advokat Metz. Im Angcklagtenraum siyt auf der vor­dersten Bank der Hauptangeklagte, Johann Stauf, auf der Hintern sitzt sein Vater und jüngerer Bruder (Letzterer imEhrenkleid" ohne Säbel) durch einen Gcnödarmtn getrennt. Ihren Gesichtern ist eine un­

reich um ihn versammelte aufmerksame Publikum; da stand der oberste Schuljunge vor seiner gewappneten Schaar und fommaubivteSturm" auf jenes alte Burgverließ, das »ach der Erzählung seiner Mutter in frühern Jahren seinen Urgroßvater gefangen hielt; hier belagerte an jedem Abende eine zahlreiche Menge das Postlokal, um zuerst die Beschlüsse und Proklamationen aus der Paulskirche zu vernehmen und auf jenen Hö­hen loderten nach dem Vorbilde der Schweiz, leider zu frühe, die Freudenfeuer empor.

So war es vor zwei Jähren in unsern Gauen; ab ach, wie ist schon heute Alles so anders geworden! Da ruft nicht mehr der Büchsenknall am Scheiben­stande und der Trommelwirbel vom Berge herab be­geisterte Kämpfer zusammen, ihr Muth ist erkaltet; kein Volksredner belehrt mehr die horchende Menge, denn leicht könnte er zu viel sprechen und ein Plätz­chen auf dem Sünderbänkchen finden; keine zahlreiche Versammlung beräth mehr am Abende das Wohl des Ortes, nein, jeder Bürger überlegt, wie er die dieß­jährigen fünf Steucrsimpel zahle; keine Vaterlands­und Kriegslieder erschallen mehr durch die Wälder, nur^Schlaf- und Wiegenlieder hört man zuweilen im einsamen Stübchen singen; die Zeitungsblätter ver­schwinden allgemach, denn der gute Michel hat imJn- telligenzblatt genug von Bankerott, Zwangsversteige­rungen und Auszugsanzeigen zu lesen, und Gerichts­vollzieher und Landjäger durchziehen statt der muntern Schuljugend gut gewappnet unsern friedlichen Gau.

So steht es jetzt! Und woher diese Veränderung? Unsere Heuler wollen uns belehren, der Sinn für das Politische sei deßhalb hier so sehr erstorben, weil sich die^Proletarier in ihren Hoffnungen:das Vermögen der Bürger zu theilen", getäuscht hätten. Aber ihr Guten, hier seid ihr gewaltig im Irrthum, denn un­sere armen und unglücklichen Brüder sind viel zu ver­nünftig und sittlich, um sich an dem Vermögen An­derer auf solche Weise bereichern zu wollen, obschon sie nicht das infame wucherische Treiben vieler unserer Edel» dem Gebot der Liebe entsprechend halten. Nein, es ist et­was ganz Anderes, was das Volk so sehr betrübt, daß es jetzt seinen März mit Trauer begeht. Seine ge­rechten Hoffnungen auf Erleichterungen sind nicht in Erfüllung gegangen: denn das vermehrte Militär, die erhöhten Besoldungen, die großen Diäten und andere unerwartet große Summen leeren (gute noch seine mühsam gefüllte Börse; seine im März so gefällig, ja oft brüderlich gewordenen Vorgesetzten werden wieder herrschsüchtig und sehen stolz aus ihrer Höhe auf das dumme^Volk herab; des Volkes edelste Männer sind unter Spitzkugeln gefallen, schmachten im Gefängnisse, oder suchten im fernen Westen ein anderes Vaterland ; sein freies, starkes, großes und einiges Germanien ist wieder ins Reich der Träume versetzt; seine eigenen Söhne haben gegen deutsche Brüder gekämpft, und seine heiligsten, vom Parlament berathenen, verkündig­ten und beschworucn Rechte sieht es, gleich altem Pa­pier, in eine Ecke legen, während es wieder seine Sä­ckel öffnen soll, damit unter Ringmauern und Kano­nen bie_ Zersplitterung Deutschlands festgestellt werde. Außer dem Allem schmerzt den Volksfreund aber auch noch bitter das verächtliche D nuntiatio iswesen, das in unsern Gauen blüht, wie es nicht schöner an den Ufern der Spree blühen kann.

Betheiligt sich aber auch das Volk augenscheinlich nicht mehr so viel am politischen Leben, so ist damit doch auch nicht gesagt, daß es ganz gleichgültig gegen alles Politische geworden sei. Stille Wasser gründen tief. Während die Demokratenfresser im Bunde mit der Bourgeoisie auf jedes freie Wort wie Geier auf Raub lauern, schlägt die Demokratie im Herze» des Volkes immer tiefere Wurzeln und die früher den guten Leuten vorgeschwatzte Lehre, alle Demokraten seien Lumpen, Betrüger, Gütervertheiler rc. rc. schwin­det täglich mehr und macht der Achtung gegen die Volkspartei überall Platz.

verkennbare Familienähnlichkeit ausgeprägt; der Hanpt- angt klagte ist ein wohlgekleideter Mensch von 26 Jahren und vortheilhaftem Aeußeren. Alle drei haben ein von der langen Haft wenig gedrücktes Aussehen, ihre Dal- tung ist fast die gleichgültiger Zuschauer und nur Un­schuld oder tiefes Raffinement kann den Johann Stauf bei Verlesung der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen und der die ihm zur Last gelegten Thatsachen begleiten­den Details ohne Erregung lassen. Hinter den Advo­katen befinden sich Extrapläye für die als Experten zugezrgenen Gießner Professoren Liebig und Bischoff und drei Mitglieder des Großh. Medizinalkollegs. Das Bureau ist vollgepropft mit Journalisten und Zen gen aus allen Klassen der Gesellschaft, von welchen ichtern jedoch der Graf Görlitz selbst getrennt ist. Es ist ihm ein eignes Zimmer cingeräumt, wo er unbe o b - achtet den Verhandlungen anwohiien kann. Auch ©arteriell und Zuhorerranm sind mit Menschen, theil­weise Fremden, vvllgcdrängt.

Die Verhandlung des heutigen Morgens führte nach Bildung des Schwurgerichts und der damit zusammen­hängenden Formalitäten zur Verlesung des Vcrwciinngs- urtheils und des Anklageaktes. Der Schluß des An- klagcacts lautet: Dcaizufolge werden angeklagt:

I. Joh. Staufs, 26 Jahre alt, geboren von Oberohmen , Landgericht Grünberg, Sohn des dortigen Ortsbürgcrs Heinrich Stauff, Kriegsreservist im großh. 2. Infanterieregiment , zuletzt als Bedienter in Darm-