Einzelbild herunterladen
 
  

Paris, 7. März. (Mz.Z.) Die parlamkntarischtn Diskussionen der National-Versammlung sind weit leb- : bafter in den Gängen und dem Konferenzsaale als in dem eigentlichen Sitzungssaale ; dort sind die Bänke leer, die Repräsentanten zerstreut, die Redner ohne Zu­hörer. Verlaßt man aber den Sitzungssaal, dann findet man lebhafte Gruppen und hitzige Debatten. Den Hauptgegenstand bildet das Gesetz über die Maires. Dupiu, der Präsident, ist sehr entrüstet über die Wahl der Kommission, und hat zu verstehen ge­geben, daß die Regierung, würde sie zur Rettung der Gesellschaft nicht von der Versammlung unterstützt, diese Unterstützung zu entbehren wißen würde." Die Kommission ist übrigens ernsthaft damit beschäftigt^ zu verhüte», daß unter der Majorität eine Spaltung ein- trete. Sie will daher die Untersuchung in die Länge ziehen, damit die Leidenschaften ruhiger werden. Man hat die bezüglichen Dokumente vom Ministerium ver­langt, welches eine Unmasse Berichte von Präfekten und Staatsanwälten übersendet hat. Die Durchsicht erfordert Zeit, und an ein Resultat in den nächsten Tagen ist nicht zu denken. Da nun das Gesetz wegen der Dringlichkeit der Umstände eingebracht wurde, so ist dies von keiner guten Vorbedeutung, da die Kom­mission dann wahrscheinlich auf Vertagung des Ge­setzes antragen wird. Der Slaatsrath beschäftigt sich ohnedem mit dem organischen Gesetze der Departements- und Gemeindeverfassung. Man drängt ihn ein wenig , zur Eile und das Gesetz Ferdinand Barrots ist gewe­sen. So werden auch die Anstände vermieden, welche bei der am 1!. März beginnenden dritten Lesung des s Unterrichtsgesetzes zu befürchten waren.

Eugene Bareste, Redakteur en chef und Gerant der Republik, ist heute wegen Preßvergehens vom Ge- . schwornkWerichte zu zwei Jahren Gefängniß und einer starken Geldbuße verurtheilt worden.

DasKind des Volkes" soll der Name eines neuen Blattes sein, das an die Stelle der mit Untergang bedrohten Voir du Peuple treten und durch folgende Organisation den Geldstrafen zu widerstehen im Stande sein soll. Das Blatt wird 100,000 Aktionäre haben, die jeder nur 1 Franc zahlen, die aber auch die jedes­maligen Geldstrafen unter sich vertheilen, so daß die­selben dem Blatte nicht beschwerlich werden. Die Verwaltung des Blattes soll bewährten socialistischen Schriftstellern und Bergvertretern anverhrâut .werden. Die Idee kann, wenn das Pslk sie ernstlich auffaßt, eine fruchtbringende werden und vermag das Blatt gegen alle gerichtlichen Verfolgungen zu sichern.

Paris/8. März. Das Gesetz über die Bürger­meister, daS von den Legitimisten im Verein mit der Linken bekämpft, von den Orleanisten und Bonapar- ; Osten dagegen eifrigst verfochten wird, hat einen tiefen - Riß in die Majorität der National-Versammlung ge- i bracht , der alle Tage unheilbar zu werden scheint. DieGazette dc France", Organ der so genannten jungen Rechten, fordert in Folge des bedentenden Sie­ges , den die Legitimisten bei der Ernennung der Com­missions-Mitglieder für das Gesetz über die Bürger­meister unter dem Beistand der Linken erfochten haben, i ihre Partei auf, sich definitiv von der Majorität zu

trennen und mit dem Berge einen Part auf dem Bo­den derFreiheit und des Rational-Rechts" abzuschlie- ßen, in der Ueberzeugung , daß die dadurch herbeige- führte Krisis dem Princip der Legitimität zuletzt den Sieg verschaffen würde. Diö Sprache derGazette de France" verdient als ein bemerkenswcrthes Symptom der möglichen Combinationen, die über die Zukunft Frankreichs entscheiden, wörtlich angeführt zu werden; Dank unseren Freunden der Rechten (für ihr Votum bei der Ernennung des Ausschusses für das Bürger­meisters-Gesetz). Dank aber auch wir sind glück­lich dies auszusprechen den Männern der Linken, denn sie haben bei dieser Gelegenheit die Freiheit und zwar die wahre Freiheit vertheidigt. Möchten wir auf dem Boden dieses einzigen großen Princips, das in Abwesenheit des andern alle Freunde des Vaterlan­des vereinigen muß, uns nie wieder trennen! Man hat bei den Probe-Abstimmungen der Wahl-Union ge­sehen, welche zähen VocurtheUe, welchen beharrlichen und eigensinnigen Haß gegen uns noch immer jene Partei hegt, der die parlamentarische Direction der Rechten seit 1848 so viele Opfer gebracht hat. (An­spielung gegen die Versöhnungs-Politik Berryer'S.) Diesem Benehmen gegenüber, das Die öffentliche Bil­ligkeit schon gerichtet hat, verdient das der Linken, wir stehen nicht an, eS zu behaupten, ausgezeichnet zu werden. Der Berg hat fast in allen Abtheilungen den Candidaten der Rechten den Platz eingeräumt und ihnen ihre Stimme gegeben, obschon diese wenigstens eben so zahlreich waren, als Die unserigen. Die Linke hat ohne Zweifel begriffen, daß eine Sache der Frei­heit in unseren Händen nicht zu Grunde gehen kann: Die Linke hat Recht."

Das Hauptorgan Der Orleanisten-Parthei ist voll Entrüstung über Die Plane DerGazette De France" und beschuldigt dieselbe, den Bürgerkrieg und oen Uii= tergang Frankreichs in Choas nicht zu scheuen, um möglicher Weise ihre Prinzipien durchzusetzen. Ein weiterer Grund des Zwiespaltes zwischen Orleanisten und Legitimisten ist der Ausfall der pariser Probcwah- len, der hin und wieder der Parteilichkeit der Wahl- Union bei der Ausstellung der Probekanoidaten und anderen minder klaren Manövern zugegyneben wird. Ein einflußreicher Legitimist soll geäußert haben:Wir werden votiren, allein wir werden uns nicht wieder zum besten haben laffen."

Paris, 8. März, Abends. (K. Z.) An der heu­tigen Börse war das Gerücht von Einfluß, die Pa­riser Garnison habe für Die sozialistischen Candidaten gestimmt. Auch waren wieder Gerüchte von einem Staatsstreiche in Umlauf.

Paris, 8. März. DerNational" veröffentlicht heute Angaben über das Ergebniß einer vorläufigen Abstimmung in verschiedenen Regimentern über die Kandidatenlisten der verschiedenen Parteien. Die Zahl der abgegebenen Stimmen würde nach dieser Ausstel­lung nur sehr unbedeutend sein; die socialistische Canvidatenliste hätte jedoch die Majorität erhalten. Da die ministeriellen Journale jene angeblichen Erfolge der socialistischen Partei noch ganz uner­

wähnt und ohne Widerlegung gelassen haben, so veran­laßte dies heute an der Börse einige Mißstimmung. In Folge davon waren die französische Renten fort­während angeboten. Der Umsatz war indeß sehr be­schränkt. Die Hauptspekülanten beobachten für den Augenblick noch eine vorsichtige Haltung; sie wollen, bevor sie sich in neue Operationen entlassen, das defi­nitive Ergebniß der Ersatzwahlen abwarten. Man glaubt, daß die Wahlen von Paris schon nächsten Dienstag Nachmittags bekannt sein werden.

Spanien.

Madrid, 26. Februar. Gestern war das Tribu­nal mit politischen Notabilitäten aller Nüancen über­füllt, weil Die Sache des famosen Don Georg Mar- tiuenz untersucht werden sollte, weil er den General Narvaez herausznfordern gewagt. Die ganze Angele­genheit hatte einen lächerlichen Anstrich. Der Ange­klagte war eingekerkert worden , ehe das Duell statt­gefunden und nun beschuldigte man ihn gar der Ver­letzung eines Artikels des Criminalgesetzbuches. Er ward wegen mangelnder Beweise frei gelassen, hernach aber kraft königlichen Dekrets von Neuem eingesperrt. Pacheco, der gewandeste Advokat Spaniens, erhielt auf Kosten Narvaez und seiner Kollegen den Girichts- Hof in fortwährendem Gelächter. Die Sache ward vertagt.

Amerika

St. Louis, 2. Jan. (N. D. Z.) Vor einigen Tagen ist Professor Ganter aus Landau, Advokat Schneider aus Edenkoben und der Reichstagsabge- ordnete in der Nationalversammlung zu Frankfurt, Dietsch aus Annaberg mit seiner Frau und einem Kinde hier angekommen, alle über Neworleans. Sje haben Die lange Reise in vollkommenem Wohlsein zu- rückgelegt. Ein großer Theil der neuen Einwanderer aus Deutschland schlägt denselben Weg ein und kommt hieher; Die Meisten mit der Absicht Landbauer zu werden; jedoch kommen ziemlich Alle bei näherer An­sicht von ihrem Vorhaben zurück. Nur Hecker ist seinem Eigensinn gefolgt und bearbeitet die angekauften Ländereien mit wahrer Leidenschaft. Seine Freunde fürchten, daß er es noch bereuen werde.

Mosbach-Biebrich, 10. März. Nachträglich sind für die Wasserbeschädigten am Nassauischen Rhciuufer bei dem Unterzeichneten eingegangen und an das H. Kreisamt in Rüdesheim befördert worden: von den Schulkindern zu Hilgenroth durch Hrn. Lehrer Lang 1 fl. 6 kr., von den Schulkindern zu Dotzheim durch Herrn Lehrer Eichelsheimer 2 fl., von Frau Ulrich in Biebrich 2 fl., Hrv Heinrich Zuckmeyer in Mosbach 30 kr., gefunden im H. Garten durch H. Schlitt 54 kr.

Dilthey,

Pfarrer zu Mosbach-Biebrich.

Verantwortlicher Redakteur: '3. Oppermann.

Gedorue, Proclamirte, Getraute und Gestorbene in der Stadt Wiesbaden.

Geboren: Am 26 Jan. dem Herzog!. Registrator Georg Heinrichs Friedrich Lehr ein Sohn, N Karl Friedrich Johann Gustav. Am 15. Febr. dem h. B. u. «tavtichaftr Johann Georg Scheuer eine Tochter, N. Johannette Katharine Marga-et he. Am 16. Febr. dem Schauspieler Andreas Müller, B. zu Mainz, ein Sohn, N. Friedrich Karl Adolf Georg. Am 21. Febr. dem Gastwirth Johann Heinrich Anton Behrens, B. zu Schlangenbad eineToch- rer, N. Adolfine Christine Sophie. "

Gestorben: Am 1. März Susanne Marie, des Wollwebers Philipp Konrad Muller, B. zu Michelbach, Tochter, alt 10 M. 20 T. Am 2. März Graf Karl Friedrich Christian Hein­rich August von Castell, Vorstand des Knegsdcpartemeutö des Staats-Ministeriums, Obrist and Flügeladjutant, alt 48 J. 2 M. 24 T. - Am 3. März Helene Wilhelmine, geb. Strack, des Herzog!. Sleuersekretârs Karl Heinrich Göbel Wittwe, alt 61 3. 7 M. Ain 3. März Christine Philippine Susanne, geb. Frieß, des Magisters Johann Wilhelm Eibach Wittwe, alt 73 I. 3 M. 16 T., Am 4. März Friederike Dick aus Biebrich, alt 56 3 Am 4. März der h. 8 u Metzgermeister Johann Peter Seiler, alt 81 I 4 M. 22 T. Am 7. März Johannette Sophie, des Y. B. u. Schloffcrmeisters Johann Philipp Georg Tochter, alt 10 M.

T.

Haupt-Agentur für Auswanderer.

(195) Der unterzeichnete Hauptagent befördert zu den billigsten Preiße» und auf eine reelle Weise Personen über Antwerpen nach Amerika.

Es werden auch von dem Unterzeichneten noch in allen Theilen des Herzogthums Agenten gesucht. Lustiragendc wollen sich bald gefälligst an mich wenden.

Nassau im März 1850. Friedrich Kramer.

(1. 5) Soeben ist wieder augekommen und durch die H. W. Ritter'sche Buch­handlung zu beziehen:

ViN Wort des EKechts

für alle

Reèchsv erfaffnngs - Kampfer , an die deutschen Geschwornen

von Ludwig Simon von Trier.

Mag die Reichsgewalt zerfallen, das Vaterland mehr als je zerrissen sein, dennoch ist es eine gemeinsame deutsche Sache, daß nicht auch die Rechtsbegriffe untergeben." Ludwig Uhland.

Broch. Preis 30 kr.

(218) Holzappel, den 26. Februar. In unserm Städtchen fanden seither jährlich vier Krämer- märkte statt, welche sich aber einer sehr geringen Theilnahme zu erfreuen hatten und immer schlech­ter besucht wurden, sodaß für die hiesigen Geschäftsleute sowohl, als auch für manche Auswärtige Krämer nur ein äußerst geringer Gewinn erzielt wurde. Die Empprbringung und Hebung der hie­sigen Jahrmärkte war deßhalb eine angelegentliche Sorge des Gemeinderaths dahier, welcher auch die nöthigen Schritte bei h. Kreisamt Liniburg that, und namentlich daraus antrug, einen Viey- und Krämer m ark t auf den 25. d. M. für Holzappel ausschreiben zu lassen. Dies geschah nicht nur, (siehe Kreisblatt Nro. 7 vom 17. d. M.) sondern eS wurden auch die hiesigen Viehbesitzer aufgefordert, sich zu betheiligen, welche sich gerne bereit erklärten. v

Jeder, welcher sich für Förderung unseres Geschäfts- und Handelsverkehrs interesstrte, war auf / den Erfolg gespannt. Derselbe fiel über alles Erwarten günstig aus, trotzdem, daß au demselben Tag in Montabaur und Wallmerod Märkte stattfanden. Durch das herrliche Frühlingswetter be­günstigt, wurde nicht nur allerlei Rindvieh aus der Nähe und Ferne, sondern auch Schweine und sogar Pferde auf unsern schönen Marktplatz geführt und für das erste Mal über die stattgehabteil Viehverkäufe 21 Protokolle niedergeschrieben.

Ein deutlicher Beweis, wie durch allseitige Betheiligung ein solches Verkehrsniittel in's Leben gerufen und als Haudelseedürfniß dauernd gefichert werden kann. Holzappel ist ohnehin durch seine ungünstige Lage von den näher gelegenen Handelsstädten und Straßen abgeschnitten, besonders war dies im Nachwinter, wegen des Felseneinsturzes am Hollericher Stich der Fall, wo fast alle Passage zwischen hier und Nassau gänzlich gehemmt war. Um so erwünschter und erfreulicher wäre es daher für den hiesigen Geschäftsverkehr, welcher ungemein gesunken und darniederliegt, wenn für die projectirte und bereits angekangene Straße zwischen Diez, Holzappel unv Nassau eine namhaf­tere Summe von unsern einberufenen Landtagsabgeordneten bewilligt und die räsche Ausführung beantragt würde.

(217) Die auf heute, Montag den 11. d. M. von mir angekündigte Vorstellung in der höheren Magie, kann erst am Mittwoch den 13. d. M. stattfinden, weil mir die Ehre wurde an obigem Tage eine Vorstellung vor seiner Hoheit dem Herzog im Schlosse geben zu dürfen. Professor Bits.

Gastwirthschaft - Empfehlung.

(220) Meinen geehrten Freunden mache ich hiermit die ergebene Anzeige, daß ich mein Gast- und Badhaus zum Landsberg neu re- staurirt und dessen ganze Leitung meinem Söhne Adolf übertragen habe.

Prompte Bedienung, sowie gute Speisen und Getränke zu jeder Zeit werden es bestens empfehlen.

Wiesbaden, den I. März 1850.

Bernhard Staer, Hof-Goldsticker.

(207) Es wird ein Eiusteher gesucht vou Pe­ter Maurer in Oberroth bei Idstein. Vier geneigt ist, einen Einstand' zu machen, wolle sich sogleich an denselben weichen.

Ruhrer Steinkohlen.

(221) Dom 11. bis 16 März lasse ich Ofen- iind Schmiedekohlen von vorzüglicher Qualität in Biebrich ausladen.

Wiesbaden, den 11. März 1850.

Kiiather Klein.

(219) Zwer ganz neue nußbaumene Glasschränke, welche sich auch zu Bücher­schränken eignen, find billig zu verkaufen. Wo? sagt die Erped. d. Bl.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag, den 12. März. Der Templer und die Jüdin, große romantische Oper in 3 Akten. Nach Walter Scott's RomanJvanhoe", frei bearbeitet von W. A. Wohl brück. Musik von H. Marschner.

Druck und Verlag der C. Rittev'schcn Buchdruckerei.