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Sigmaringen, 7. März. Die Abtretung unseres Fürstenthums an Preußen ist nun geschehen, und es sind die Urkunden darüber, wie wir hören, schon ge­genseitig ausgewechselt.

Zweibrücken, 6. März. Die Anklagckammer des Appellationsgerichts hat vor einigen Tagen in der be­kannten Untersuchung verschiedene Urteile erlassen. Neun Angeschuldigte wurden vor das Zuchtpolizeige­richt zur jAburtheilung verwiesen, dagegen 7 wegen nicht hinreichender Beweise und 27 auf Grund des Amnestiegesetzes entlassen. Ende dieses Monats wird die Anklagekammer die letzten Urtheile über die als­dann geschloffene Untersuchung erlassen worauf die Aburtheilung vor dem Kreisgerichte sofort stattfinden soll.

Karlsruhe, 9. März. In der Sitzung der 2ten Kammer verliest Staatsrath von Marschall ein höch­stes Reskript, wonach von den drei zur Präsidenten­stelle vorgeschlagenen Candidaten der Abg. StaatSrath B e k k als Präsident bestätigt wurde.

Wien, 5. März. Die Aufrührer in Bosnien sind wieder auseinander gegangen.

Wien, 6. März. (Fr.J.) Gestern war der Mi­nisterrath versammelt, um über die Angelegenheit der Militärgränze einen definitiven Beschluß zu fassen. Dieser Conferenz wohnte der Banus von Croatien bei. Man ist auf das Resultat um so mehr gespannt, als die betreffenden Verhandlungen und Debatten schon eine geraume Zeit gedauert haben, und die Bevölke­rung der Gränze mit Sehnsucht der Entscheidung ihres Schicksals entgegensieht.

Wien, 6. März. Folgende Punkte sollen in An­gelegenheiten des Schulwesens im Unterrichtsministe­rium bereits definitiv beschlossen sein: die Schullehrer werden in drei Klassen nach ihrem Standorte in Städten, Märkten und Dörfern eingetheilt. In jedem Bezirke soll ein Schnlrath ausgestellt werden. Der Schullehrerdienst wird vom Kirchendienst getrennt; die Besoldungen der Schullehrer richten sich nach den obi­gen drei. Classen.

Ludwig Hauk, ehemals Redakteur derConstitu­tion", später Oberst-Lieutenant im Stabe des Insur­genten »Generals Bem, ist am 19. Februar, 8 Uhr Morgens, in Arad kriegsrechtlich hingerichtet worden.

Kassel, 8. März. Von Hassenpflug zu glauben, er fürchte oder wünsche einen Krawall, ist nach meiner Ansicht nicht richtig. Seine Genossen mögen solche Ansichten haben oder gehabt haben, namentlich der Kriegsminister, dem das Vorbild seines edlen Onkels vorschwebt; Haffenpflug sicht weiter. Dieser schlaue Jesuit weiß nur zu wohl, daß Kurhessen bereits so gut wie mediatisirt ist, das ganze Land hat bereits das drückende Gefühl, daß unsere Schicksale sich nicht mehr innerhalb unserer Grenzen erfüllen, sondern in Berlin, in Berlin allein. Wir sind bereits gänzlich zur preußischen Provinz herabgesunken, ohne alle eigene, selbstständige Thatkraft, sonst wäre Haffenpflug längst über die Höhe gepflogen. Das Alles weiß und fühlt Haffenpflug so gut wie wir. (Horn.)

Türkei.

DemWanderer" wird aus Konstantinopel ge­schrieben: Der commandirende General der russischen Armee in der Moldau uud Walachei, Hr. v. Lüders, hat von dem Kriegsminister Befehl erhalten, diese Provinzen unverzüglich zu räumen und daselbst blos die 15. Infanteriedivision, die 9. reitende Artillerie­brigade und zwei Uhlanenregimenter zurückzulassen. Zugleich wurde dem General Lüders eingeschärft, die­sem Befehle die größtmöglichste Publicität zu geben, was auch sogleich vollzogen wurde. Doch brachte der­selbe Courier unabhängig von diesem Befehle auch noch einen zweiten, an dieselbe Adresse mit der­selben Unterschrift, worin dem General Lüders aufge­tragen wurde, einen Rapport an das Kriegsministerium

auszufertl'gen, des Inhalts, daß die Strenge der Jah­reszeit und die ungangbaren Wege den Abmarsch der Truppen vor dem Frühjahre unmöglich machen, und daß General Lüders sich nach Ausfertigung dieses Rapportes sofort mit der Approvisionirung seiner Ar­mee bis zum Monate Mai befassen solle.

Griechenland.

Bei der jetzigen Blokade der griechischen Häfen und der Fortnahme der griechischen Schiffe von Sei­ten Englands mögen folgende statistifche Nachrichten über die griechische Handelsmarine interessant sein. Dieselbe zählt circa 4000 Fahrzeuge mit einer Trag­fähigkeit von mehr als 200,000 Tons. Hierbei sind nicht mitgerechnet die unter russischer Flagge fahrenden, unter deren Schutz sich zur Zeit des Unabhängigkeits­krieges viele Schiffe flüchteten; jetzt fahren unter der­selben noch circa 100 Schiffe. Von der obengenann­ten Zahl sind 337 von mehr als 100 und unter 200 Tons, 200 zwischen 200 uud 300 Tons, 41 über 300 Tons, die übrigen sind Küstenfahrer. Nach offizieller Zählung waren im Jahr 1846 21,500 Seeleute auf den griechischen Schiften beschäftigt. Man schätzt jedoch ihre wirkliche Anzahl auf 40,000. Die Insel Syra ist der größte Schiffsbauplatz Griechenlands. Es wer­den daselbst nicht blos für die griechische Marine, son­dern auch für die Türkei, Aegypten, Triest und fast alle Häfen des Mittelmeeres Schiffe erbaut. Jährlich laufen daselbst an 300 Schiffe im Werthe von 11 Millionen Francs vom Stapel. Das Baumaterial ist Fichtenholz.

Großbritannien.

London, 7. März. Es hat sich hier die Nach­richtverbreitet, Sir John Franklin und alle seine Gefährten seien wohlbehalten aufgefunden worden. Sie beruht auf folgendem, von einem Herrn Samuel Peck an die Lords der Admiralität gerichtetem Briefe:

Liverpool, 6. März 1850.

An die Lords der Admiralität, London.

Mylords! Ich beeile mich, Ihnen die Nachrichten »nitzutheilen, welche ich über Sir John Franklin und seine Erpeditivu erhalten habe. Wahrscheinlich bin ich der Erste, durch den Sie dieselben empfangen. Ich hoffe, sie werden sich als richtig erweisen, da ich die Ehrenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit des Uebersenders jener Nachrichten vollkommen verbürgen kann. Fol­gendes ist ein wörtlicher Auszug seines von San Francisco, (Kalifornien, 30. Dezember 1849 datirten Briefes:

Gestern war ein Herr an Bord unseres Schiffes, der eben aus Kamschatka angelangt war und die Nach­richt von der Auffindung Sir John Franklin's und aller seiner Gefährten überbrachte; sie befinden sich sämmtlich wohl uiw sind durch die nordwestliche Durch­fahrt gekommen.

Unterzeichnet Charles Peck."

Dieser Brief meines Sohnes ist an Bord des eng­lischen SchiffesBlakeley" von Liverpool geschrieben. Ich hoffe, Mylords, daß ich der Erste bin, der diese Nachricht von der vermißten Expedition überbringt. Ob die Mittheilungen des von meinem Sohne er­wähnten Herren gegründet sind oder nicht, muß sich bald zeigen. Unterzeichnet Samuel Peck.

So erfreillich eine Bestätigung dieser Kunde auch sein würde, viel läßt sich auf obiges Schreiben nicht bauen. Hr. Charles Peck mag ein sehr ehrenwerther und zuverlässiger Mann sein; leider wissen wir aber durchaus nichts über die Glaubwürdigkeit des erwähn­ten Ankömmlings aus Kamschatka, erfahren auch nicht einmal, auf was sich jene Kenntniß von der Entdeckung Sir John Franklin's gründet, ob auf eigene Anschau- ung, auf zuverlässige Berichte oder nur auf ein unbe­stimmtes Gerücht. (K. Z.)

London, 8. März. Wiederum ist die parlamen- tarische Reform gestern im Unterhause Gegenstand einer langen Debatte gewesen. Diesmal handelte es sich um diegeheime Abstimmung" bei den Wahlen,

eine ^rage, die, wie es scheint, in jeder Session we­nigstens einen Abend herhalten muß. Herr Henry Berkeley stellte den Antrag, die Wahl auf dem Wege der Ballotage an die Stelle der gegenwärtig üblichen Wahlart zu setzen. Das Ergebniß der Diskussion war daß der Antrag mit 176 gegen 121 Stimmen, also mit einer Majorität von 55 Stimmen verworfen wurde. Die Ankündigung dieses Zahlcnverhältnisscs ward von den Freunden der geheimen Abstimmung mit Aeußerungen deS Beifalls ausgenommen.

Italien.

Nach einein Briefe aus Rom vom 1. Mär; be- käuft sich das mit Beschlag belegte Vermögen der po­litischen Flüchtlinge aus den» Kirchenstaat auf 800,000 Scudi (4,000,000 Frs). - Am 24. Februar befan­den sich die spanischen Truppen, welche Befehl zum Abmarsch aus Terracina erhalten hatten, noch im- mer in jener Stadt. DerGazetta di Bologna" zufolge haben die Oesterreicher in den Legationen wäh­rend der ersten 10 Tage des Februars 96 Verhaftun­gen vorgenommen und ungefähr 100 Haussuchungen angestellt. In Piemont ist die Rede von Errich­tung zweier Feldlager, in welchen die Soldaten ju dein Felddienste eingeübt werden sollen; im Nothfalle würden dieselben in Observations-Lager umaewandelt werden. (K. Z.)

Rom, 28. Febr. Laut demOffervatore romano" wurde den 26. Februar ein Maurer, Lorenzo Casca- pero, auf der Piazza del Popolo erschossen, weil man seit dem^Verbot Baraguay's einen Stockdegen bei ihin gefunden.

In Pesaro sind der Conte Hondedei Germani, Präsident der hiesigen Munizipal-Verwaltungskommis- sion, und ein gewisser Tamburini, bei der Gemeinde- Verwaltung angestellt, verhaftet worden. Beide hatten vor ungefähr einem Monat den Maurermeister Ma­mano Molaroni kommen und durch ihn die Thüre eines Zimmers, in welchem^sie Waffen versteckt hatten, zumauern lassen. Bei Dehnung der Thüre wurden 200, größtentheils geladene Feuergewehre, 80 Dolche und 5 Trommeln vorgefunden.

Triest, Auch von derMailänder Zeitung", die früher die Thatsache in Abrede gestellt hatte, wird jetzt zugestanderck daß die österreichische Regierung verschie­dene Personen, welche die Regierung verhöhnende Car- nevalsvvrftellungen gegeben hatten, in's Militär ein­gereiht, Andere verhaftet habe. Oestreich macht aus seinen Femden Soldaten; was will es mit ihnen am Tage der Revolution machen?

Turin. Die ultra-reaktionäre 'Partei wird nach­gerade müde, von den gemäßigten Reaktionären nach Art des Ministers d'Azeglio regiert zu werden. Siccardi hat einen Gesetzentwurf zur Wicderverleihung der Kommunalrechte an die Geistlichkeit eingebracht. Das Ministerium wird in der DiskussionZmber diesen Vorschlag unterliegen.

Livorno, 2.^Februar. Die Festung Porteferrario wird österreichische Garnison erhalten. Die Oester­reicher befestigen das Fort Portamurata zu Livorno von der Landseite. Ein Bataillon Kaiser!. Kavallerie ist am 22. zu Livorno angekommen. (Wcsto.Z.)

Republik Frankreich

Paris, 7. März. Hr. Sain de Bois-le-Comte, der neu ernannte Gesandte Frankreichs bei der Regie­rung der Verein. Staaten, ist von Paris nach Ame­rika abgercist. Die Ernennung des Herrn Bois-le- Comte datirt vom letzten Septernber her. Er blieb jedoch in Frankreich in Folge der Spannung, welche damals in den diplomatischen Beziehungen mit dem Cabinette von Washington eingetreten war. Da jene Differenzen nunmehr beigelegt sind, so begibt er sich nach Washington, um seine Funktionen daselbst anzu­treten.

durch sie wird sich's entscheiden, ob wir oder die Wühler im Kreisrath die Oberhand haben werde». (Auf seine Uhr sehend.) ES ist aber noch eine volle Stunde zu früh.

Ruhig: Herr Berg wird noch zn wühlen haben.

Bodenthal: Ich möchte rasch die weiteren Kam­merbeschlüsse vernehmen. Darf ich bitten Herr Sachte.

Sachte: (liest.)Der Adel ist abgeschafft, alle Adelszeichnungen sind aufgehoben."

Bodenthal: Sehr radikal, bei Gott!

Elisabeth: Der hochmüthigen Baronin Freuden­horst gönn' ich das von ganzem Herzen. O wie will ich triumphiren, wenn sie mir, der Frau Hvfräthin, zum ersten mal als ordinäre Frau gegenübersteht.

Sachte: Triumphiren Sie nicht zu frühe, meine Theure, (liest weiter:)Alle Titel, die nicht zur Be­zeichnung eines Amtes dienen, sind von heute an abge- schaffl." Dazu gehört natürlich vor allen Dingen der Hofrathstitel !

Elisabeth: Wie? ich keine Râthin mehr? (Sie fällt in Ohnmacht.)

Ruhig: Um Gotteswitten, der Schreck überwältigt sie. (Beispringend.)

(Fortsetzung folgt.)

Heulerportraits.

v.

Unser Mann war von seiner Kindheit an ein Lieb­ling deS Teufels. Und weil er Alles that , waS dem Vater der Sünde angenehm ist, hatte derselbe sein Wohl­gefallen an ihm, nahm ihn unter seinen Schutz und ver­sprach ihin seinen Beistand, wenn er seine Gebote stets befolge. Und er folgte seinem Meister und dieser beschenkte ihn mit Erdengütern und verschaffte ihm Ansehen durch seinen Mammon. Aber er vergaß dem Kaiser zu geben, waS des Kaisers ist, weßhalb er der Ver­untreuung angeklagt ward. In dieser Bcdrängniß ver­lieh ihm der Fürst der Lüge seinen Beistand und ver­blendete die Augen der Richter so, daß sie keine Schuld an ihm erkannten; und weil sie ihn fälschlich angeklagt glaubten, sagten sie:Du bist treu gewesen über Weniges, siehe, Du sollst über Vieles gesetzt werden!" Und sie machten ihn zum Gebieter über nicht wenige seiner Mit­bürger, so* ihm nun Unterthan sein mußten. Nun hatte er die Wünsche seines Herzens erreicht, übte viel Unge­rechtigkeit im Geiste Belzebubs, und so ihm Einer ent­gegensprach, der wurde hart gezüchtiget. Sv lebte er im Unrecht und gedachte nicht des TageS der Vergeltung der da kam, wie der Dieb in der Nacht. Denn das Licht Gottes brach durch die Dunkelheit, so daß alle bösen Geister scheu sich flüchteten, worunter auch der Beschützer

unseres Mannes:. Das Volk stand auf, erleuchtet vom Lichte deS Herrn und gestärkt durch seine Kraft, verjagte die ungerechten Verwalter und nahm auch unserem Manne sein Amt. Nun kam für ihn die Zeit des Heulens und Zähneklapperns, und er fürchtete sehr diejenigen, so er vormals gekränkt und beleidigt hatte. Aber daS Volk verzieh seinen Bedrückern zum sieben mal sieben- zigsten Male, und unser Mann ward wieder aller Angst ledig und verlor das Z ä h n e k l a p p c r ». Aber mit dem Heulen blieb er von dieser Zeit an behaftet und so heult er Hinfort alles Gute an, weil solches seinem Herzen ein Greuel ist. Aber viele aus dem Volke konnten das göttliche Licht nicht ertragen und verschlossen ihm ihre Augen. Da bekam der Fürst der Finsterniß wieder Gewalt und ernannte seinen Jünger zu seinem Apostel und gab ihm Auftrag 311 predigen die Finsterniß. Und unser Mann stieß in die Posaune , so man nennt ein Posthorn und sammelte um sich ein Häuflein Licht- scheuer, denen er täglich seine Botschaft predigt. Aber sein Häuflein mehret sich nicht, und nicht kann er wieder gelangen zur alten Macht, sondern muß jetzt gehorchen, einem Manne, der vormals i h in unterthänig gewesen. Darum heult er den ganzen Tag und wird fortheulen, bis wieder für ihn erscheint der Tag des Zähneklapperns, der da kommen wird, wenn der Herr des Lichtes wieder die lichtscheuen Augen stärket, damit sie fortan den neuen Tag deS neuen Bundes ertragen können.