zu versichern, daß die königliche Negierung keinerlei Maßregeln in Vorschlag gebracht oder in Aussicht gestellt hat, welche in bet Störung des europäischen Friedens an irgend einem Punkte Veranlassung geben könnten."
Berlin, 7. März. (K. Z.) Wie-ich Ihnen aus bester Quelle berichten kann, wurde gestern zu Charlottenburg in einem Minifterrathe auf Antrag des Hrm v. Schleinitz die Abberufung des preussischen Gesandten aus Hannover beschlossen und ist dieselbe heute erfolgt. Preußen läßt dort nur einen Geschäftsträger. Die kleineren Staaten werden muthmaßlich mit Abbruch ihres gesandtschaftlicheu Verkehrs folgen.
München, 5. März. Die kaum verhallten Gerüchte über Vertagung der Kammern tauchen neuerdings auf. Man will wissen, daß die Wahlen für den süddeutschen Reichstag noch in diesem Monat angeordnet werden, und daß nach Beendigung derselben der Reichstag sogleich einberufen und sodann die Vertagung des Landtags bis Ende Oktober stattfinden soll. Als Versammlungsort zum Reichstag wird Nürnberg bezeichnet, im Falle Preußen isolirt bleiben sollte. Diese Gerüchte dürften, wie ich glaube, nicht ganz unbegründet sein, weshalb ich auch keinen An stand nehme, sie Ihnen mitzutheilen. (A.Abdz.)
Dresden, 4. März. Der Handarbeiter Kappler von hier, der Schlostergeselle Baumgarten von hier und der Kellner Schreiber aus Halle sind wegen Theilnahme am Maiaufstande zum Tode verurteilt.
(Dresd. I.)
Wien, 2. März. Der aus dem Ministerium tretende Graf Gyulai wird als Banus von Croa- tien nach Ungarn gehen, indeß Baron Jellachich nicht mehr in seine Heimath zurückkehrt, sondern das Kommando eines Armeekorps in Italien übernimmt, indeß nach einer andern Version der Graf Vratislaw nicht mehr auf seinen hiesigen Posten zurückkehren würde, und Feldzeugmeister Jellachich den Befehl über das erste Armeekorps mit dem Sitz in Wien erhalten soll, wo ihn so mancherlei Zauber gefesselt 'hält. Das wäre also das Ende jenes romantischen Nationalaufschwunges der Südslaven, daß ein Magyar die Zügel des Regiment zu Agram in die Hand bekäme und der wortreiche Schönredner, der 25,000 Wittwen in der Militärgränze gemacht, seinem Vaterlande, uneingedenk seiner Schwüre, den Rücken kehrt.
S ch w e i z.
Aus der Schweiz, 1. März. Der Bundesrath und seine Parthei scheint viel Gewicht auf die ablehnende Antwort zu legen, welche die französische Regierung den Kabinetten von Wien und Berlin gegeben haben soll. Die halbamtlichen Blätter des Bundesraths schöpfen wieder etwas Luft und denken, der Kelch werde wohl vorüber gehen. Man muß es im Vertrauen und in der Gutmüthigkeit weit gebracht haben, wenn man auf neubonapartische Politik auch nur einen Tag bauen will Die Antwort der französischen Regierung. ein Vergehen gegen die Schweiz sei unzeitgemäß, da dieselbe sicher ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen erfüllen werde, ist offenbar zweideutig und hinterhältig; das ungeborne kaiserliche Kabinet will sich nicht binden, cs will sich alle Möglichkeiten offen erhalten. Mit dem Ausdrucke „völkerrechtliche Verpflichtungen" im Munde, jagt die „demokratische" Republik Frankreich (freilich nur ihr augenblicklicher Retter) die Flüchtlinge fort; mit demselben Ausdrucke bombardirte sie die Schwesterrepublik Rom, mit demselben Ausdrucke kann sie auch noch über die alte Schweizer-Republik herfallen und die „Ruhe und Ordnung" oktroyiren helfen. Sagte nicht die französische Regierung zu den Römern: Seid doch vernünftig, wir wollen eure Republik umstürzen, damit eure Freiheit gerettet werde; wenn die Oesterreicher komme» bringen sie euch ein
ganz anderes, als unser liberales Standrecht! Eben so wird die französische Regierung vielleicht nächstens zu den Schweizern sprechen: wir sind genöthigt, einzurücken und euch Hand in Hand mit den Oesterreichern und Preußen zur Vernunft zu bringen, damit diese nicht allzu mächtig werden, damit wir eure Freiheit gegen sie in Schutz nehmen können. Möge der Bundesrath eben so wenig den Redensarten der französischen Regierung, als dem Schweigen der österreichischen und preußischen trauen. (Nat.-Ztg.)
Republik Frankreich.
Paris, 3. März. (Nat.-Ztg,'s Gestern Abend spät, es mochte elf Uhr sein, nachdem sie einer Wahlversammlung in der Nähe des Bastillenplatzes beigewohnt und die warmen und die herzlichen Begrüßungen des Volkes erwiedert hatten, begaben sich mehrere Mitglieder der Montagne an die Todtensäule, die von den heillosen Händen der Polizei vor wenigen Tagen war besudelt worden. Ein ergreifendes Schauspiel bot sich ihnen dar. Sie wollten einen Akt der Pietät begehen, still und ohne Zeugen, denn Vorsicht ist jetzt das höchste Gesetz. Als sie aber an dem Fuß der Säule anlangten, fanden sie dieselbe noch von einer großen Masse Menschen aus allen Ständen, vorzugsweise jedoch aus dem Arbeiterstande umgeben. Um eilf Uhr, Gott sei Dank, sind die meisten Werkstätten geschlossen. Die Kränze, die täglich und stündlich sich mehren, liegen nicht mehr unregelmäßig auf den Steinplatten, sie hängen nicht mehr ungeordnet und durcheinander an den Eisenstäben; es hat sich aus dem Chaos der frommen Gaben ein Kunstwerk gebildet, das nur aus den Händen des größten aller Dichter und Künstler, des Volkes, hervorgehen konnte, und das durch seine Sinnigkeit die Aufuzerksamkeit und die Rührung auch der kühlsten Herzen erregen muß. Um die Kreislinie der eisernen Gittereinfagung, in ihrer ganzen, sehr beträchtlichen Ausdehnung schlingt sich eine fortlaufende, ununterbrochene Guirlande von Todtenkränzen, die in Zwischenräumen aufsteigt und an die Blumengewinde erinnert, die man an dem Fußgestelle großer Mausoleen gewahrt. Diese Zwischenräume sind regelmäßig abgemessen und bilden eine Art Trophäe mit Fahnen, Wimpeln und Blumensträußen. An diesen Stellen sind die Kränze von größerem Umfange befestigt, mit Inschriften, Versen, Jn- vokationen und Grüßen an die Todten geziert. Mehrere dieser Kränze, mit dreifachen Bändern des feinsten Stoffes durchflochten, find wahre Meisterwerke; an anderen sieht man Medaillons von Werth befestigt, und das ganze Rundfeld ist von wehenden Fahnen überfluthet. Nichts ist ergreifender als die gedampfte Stimmung, die um dieses Tvdkenmal herrscht. Weiber und junge Männer aus dem Volke sind gleich bereit, dem Beschauer erklärend und deutend an die Hand zu gehen. Dieser schöne Strauß, mit Abzeichen aller Farben geschmückt, ist von dieser Korporation, jener kolossale Kranz von einer andern; diese Standarte von der Vorstadt St. Antoine; dieses Medaillon mit der reichen Einfassung hat eine schwarze Dame gestern weinend aufgehängt und,sich schnell davon entfernt. Auf morgen erwarten wir die Dames de la Halle, die einen riesenmäßigen Strauß und Kränze bringen wollen u. s. w. Und mitten durch die Menge schreitet lautlos die Schildwache; ihre Haltung beweist, daß sie gemessenen Befehl hat, alle Aeußerungen des Volkssinnes still und ehrend hingehen zu lassen. Späte Weisheit, verspätet fürwahr! Das Grab hat sich erweitert und umfaßt heute nicht mehr blos die Freiheitskämpfer eines Tages, sondern mit ihnen die die; aktion, welche jene um ihre friedliche Ruhestätte beneidet hatte.
Zu spät! Dieser Ruf paßt auf alle Dinge,in diesem Augenblicke; auch auf das neue Dekret im „Moniteur", durch welches Louis Napoleon eine eigene Kommission niedersetzt, um die Ansprüche und Rechte
der alten Diener des Kaiserreichs nutz. der Republik ; (der Republik — des Anstandes halber) zu untersuchen.
Wir hören wieder von Erhaltung. und Achtung der Republik sprechen, von Leuten, die vor 8 Tagen noch den Spott auf den Lippen trugen; und sonderbar, ; ich sehe Menschen mit dem Olivenzweige in der Hand, die gestern noch mit offenen Armen die Kosacken em- pfangen wollten. „Hoffentlich werden sich alle Schwierigkeiten hinfichtluh der Schweiz auf diplomatiichem Wege beilegen lassen." Hoffentlich?!
„Ihr seid nicht mehr frech und herausfordernd," sagt das Volk ganz ruhig. „Geht, Ihr habt Angst."
Paris, 6. März. Das Resultat der gestrigen Berathung über das Bürgermeister-Gesetz in den Abtheilungen der National-Versaminluug erregt nicht geringe Sensation. Der Ausschuß, der zur Prüfung dieses von der Regierung eifrig gewünschten Gesetzes erwählt worden ist, enthält 10 Mitglieder, die dagegen sind, worunter 8 Legitimisten und 2 Repräsentanten der Opposition, und nur 5, die dafür sind. Die Gesammtzahl der Stimmen, die bei der Wahl des Ausschusses abgegeben worden sind, beträgt 492, wovon 262 sich in einem dem Gesetze feindlichen, und 230 in einem dem Gesetze günstigen Sinne ausgesprochen haben. Die Debatten in den Abtheilungen vor der Wahl der Commssare waren äußerst lebhaft. Die Legitimisten, wie wir im voraus angekündigt, sprachen und votirten hernach auch in demselben Sinne wie der Berg. Die meisten Redner dieser beiden Parteien betrachteten das Gesetz als eine neue Steigerung der ohnehin schon sehr lästigen Centralisation der Verwaltung. Sie sahen ferner eine Verletzung des Artikels 78 der Verfassung, der impliciter Wesse die Ernennung der Bürgermeister durch die Gemeinden zu wollen scheint, und eine Confiscation der Gemeiude- freiheiten, die großes Mißvergnügen unter den Bevölkerungen Hervorrufen könnte, in der vorgeschlagenen Maßregel. Mehrere Redner glaubten wieder bei dieser Gelegenheit die Tendenz des Ministeriums, Spaltungen in der Majorität hervor zu bringen, bezeichnen zu müssen. Von den Mitgliedern des Berges, deren Sprache im AUgemcincu sehr mäßig war, erklärten mehrere unvcrholen ihre Ansicht, daß das vorgeschlagene Gesetz nur die Vervollständigung des großen Rc- aktionsfystems sei, das sich schon bei den Gesetzen gegen das Vereinsrecht, gegen die Preßfreiheit und gegen die Elementarlehrer gezeigt habe.
Die Mitglieder des constitutionelley Cirkels ober ber so genannten Mittel - Partei, und namentlich La- morciere, sprachen sich ebenfalls gegen das Gesetz aus, wobei fie fich im Allgemeinen auf die Bemerkung beschränkten, daß nichts die Dringlichkeit desselben rechtfertige, und daß man ohne alle Gefahr die Vorlegung des dem 'staatsrathe unterbreiteten Entwurfes über die Gemeinde- und Departemental-Organisation hätte abwarteu können. Die orleanistische und imperialistische Fraetion ber gemäßigten Partei erklärte sich zwar auch für die Decentralisation in einem gewissen Maße, und namentlich für die Freiheit der Gemeinden in Bezug auf örtliche Angelegenheiten; allein sie betrachteten das Gefetz als eine zur Erhaltung der Ordnung und Handhabung der allgemeinen Polizei im Lande unter den gegenwärtigen Umständen nothwen- ; dige Maßregel. Thiers machte sich durch die Unbe- ' dingtheit und Entschiedenheit, womit er das Gesetz . vertheidigte, bemerklich. „Mein ganzes Leben lang," rief er aus, „habe ich diese Ansicht gehabt und wenn ■ ich früher auch eine andere Ansicht gehabt hätte, so würde ich dennoch unter den gegenwärtigen Umständen das Gesetz votiren."
Der Justiz-Minister und der Minister des Innern i vertheidigten das Gesetz auf das lebhafteste. Den aus der Verfassung gezogenen Entwurf suchte der Ju- stizmunfter Rouher mit der Bemerkung zu beseitigen, daß die Verfassung die Ernennung der Bürgermeister ausdrücklich den Gesetzen überlasse und nichts consti-
zvgin von Praslin einen schrecklichen Blick in das innere Wesen der „guten Gesellschaft" eröffnet; Lie öffentliche Meinung war daher noch geneigter, hier ein ähnliches Verbrechen anzunehmen, als sie cs sonst durch das anerkannt gespannte Verhältniß des Grafen Görlitz zu seiner Frau, durch die demselben »achgeredeten Ansschweifungen, durch sein sonderbares Verhalten an jenem Schreckensabend und durch Gerücht von früheren Selbstmordversuchen der Gräfin gewesen sein möchte. Es regte sich also gleich ein Verdacht gegen den Grafen, der sogar in dem Bericht des inspizirenden Richters an das obere Gericht offiziell Platz fand. Dieses aber erklärte sich unter Widerlegung der Indizien dagegen; die Untersuchung wurde anfgegeben! die Leiche der Gräfin ohne innerliche Untersuchung (was bezüglich des Schädels und der Brustorgane sehr wichtig gewesen wäre), am 16. Juni begraben. Durch Aufstellung einer Reihe von Konjunkturen bemühte man sieb, eine Selbstverbrennung, die in einer Vorliebe der Gräfin für geistige Getränke und in einer Berührung ihres Kopfputzes mit einem Licht ihre Veranlassung haben sollte, als möglich erscheinen zu lassen.
Man ersieht aus diesen Andeutungen, daß im ersten und für die Entdeckung eines Verbrechens wichtigsten Stadium des Prozesses mit mehr Oberflächlichkeit gehandelt und mehr versäumt wurde, als sich nach dem späteren Verlauf, der diese Mängel in's hellste Licht
setzte, rechtfertigen läßt. Allein die öffentliche Meinung iff eine zu strenge und allseitig hörende Richterin, um sich mit einem frivolen Schein zu begnügen und cs ist bekannt genug, in welch' entschiedener Weise sich damals Stimmen über das unbefriedigende Resultat der gerichtlichen Bemühungen aussprachen.
Eine neuhinzukommende Thatsache eröffnete den zweiten Akt des Drama'S. Seit dem Mai 1846 war ein gewisser Stauf aus Obcrvhmen im Dienst der Gräfin Görlitz, der einzige von der Dienerschaft, für den die sonst sehr mißtrauische Frau Zutrauen hatte. Er blieb, ohne daß ein Verdacht auf ihn gefallen wäre, nach dem Tod der Gräfin als Bedienter im Hause.
Am 2. November 1847 aber wurde in der Küche des gräflichen Hauses, in der er sich zu thun gemacht hatte in einer Sauce Grünspan gefunden; die Vermuthung erhob sich, er habe den Grafen damit vergiften wollen, und nach erfolgter Anzeige ward Stauf auf Befehl deS Hvfgcrichtö in Untersuchungshaft wegen Mordversuchs gebracht. Bei Durchsuchung seiner Habseligkeiten fand man Schmucksachen der Gräfin, ebenso bei der späteren Verhaftung seines Vaters, der, sowie ein jüngerer Bruder des Angeklagten (letzterer wegen Beihülfe an dem Mordversuch), mit ihm vor den Assisen erscheinen wird. Seit jener Zeit befindet sich der 2ln= geklagte in Haft. Am 11. August wurde die Leiche
der Gräfin in Anwesenheit des Grafen, der sich dabei unbefangen benommen Haden soll, wieder ausgegraben, ohne daß die, wie man sagt, abermals oberflächliche Untersuchung ein besonderes Resultat geliefert hätte. Daß sich, nach ben erwähnten Entdeckungen der allgemeine Verdacht auf de» Bedienten wandte, ist wohl natürlich; eine andere Frage aber ist, ob sich dieser Verdacht auch als festbegründet in der öffentlichen Verhandlung Herausstellen wird. Daß Selbstverbrennung stattgefunden, behaupten von bcm ersten abweichende ärztliche und chemische Gutachten; daß Stauf nur Mitschuldiger, daß er unschuldig, daß die vorliegenden Indizien anders zu erklären, sind mögliche Fälle. Eingeständnisse hat er während der langen Untersuchungshaft keine gemacht, sondern stets seine Unschuld betheuert. Die Oeffentlichkeit wird richten.
Soweit der Vorbericht, der zum Verständniß der Hauptzüge der mit dem 11. März endlich beginnenden Verhandlung unentbehrlich ist.
(N. D. Z.)