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SO* Wiesbaden. Sonntag, 10. Dkärz Z83O

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Niemand schneidet sich gerne selbst den Lebensfaden ab.

«° Wiesbaden, 9. März.

Wenn irgend eine Wahrheit in neuester Zeit un­widerlegbar festgestellt worden ist, so ist es die: daß die großen deutschen Cabinette durchaus iu d) t im Stande sind, dem deutschen Volke dre vielbesungene und bis jetzt noch nie errun- aenedeutsche Einheit" zu geben.

Daß die kleinen Staaten nichts zur Ernngung dieses Ziels beitragen können, versteht sich ganz von selbst: sie sind zu ohnmächtig, unselbstständig, sie sind in Wahrheit jetzt schon der Sache nach vollständig mediatisirt.

Was aber die Projekte der Cabinette der größeren deutschen Staaten anlangt, so sind zunächst die Ver­suche Preußens, einen Bundesstaat mit einer einheitli­chen Gewalt herzustellen, gänzlich als gescheitert zu be­trachten. Der Moment, in welchem dem preußischen Köiligshause die deutsche Kaiserkrone angeboten wurde, wird in keiner Weise wiederkehren, und der jetzige Ver­such, den so schnöde abgewiesenen Purpurmantel auf dem Wege der Verhandlungen zu erlangen, wird nur eben ein Versuch bleiben. ,

An dem Tage an welchem der Onkel im Namen des Neffen erklärt hatte:Niemals! Niemals! Niemals!" - werde das preußische Königshaus aus das Frankfurter Anerbieten eingehcn: an demselben Tage war es für dieses Haus für immer mmwgUch geworden, an die Spitze eines vereinigten Deutsch­lands zu treten. Noch Niemand hat, ohne die bittet» sten Erfahrungen machen zu müssen, der Selbstherr­lichkeit eines Volkes die Achtung versagt. Wir benei­den auch die Hoheuzollern durchaus nicht, um die Ge­schicke, welche sie unaufhaltsam und ohne Rettung über kurz oder lang treffen werden. Wer hofft noch et­was von dem Erfurter Stelldichein für die deutsche Einheit? Nur die unverbesserlichen Professoren und Doktrinärs, die in fabelhaftem Wahnsinn noch Ver­trauen haben werden, selbst wenn auch schon das Fall­beil des rothen Absolutismus drohend gezückt über ihren konstitutionellen Häupter schweben sollte, nur diese verächtlichen Feiglinge, die nicht damit zufrieden sind Deutschland verrathen und unglücklich gemacht zu ha­ben, die auch noch Schimpf, Spott und Hohn zu dem unsäglichen deutschen Jammer zufügen möchten. Nur- unter einer Bedingung wird man den wackern, braven Gothaern, den modernen Geusen, wie der traurige alte Sänger meint, eine kleine Weile die Tribune und daS Reden erlauben, unter der Bedingung, daß sie, die die deutsche Einheit verrathen haben, auch noch der Frei, heit Deutschlands den letzten Gnadenstoß geben. In­fame Preßgesetze, schimpfliche Pubbgesetze, Vernichtung der Zuständigkeit der Schwurgerichte bei politischen Verbrechen, das werden die Heldenthaten sein, welche

Das Mährchen vom Planskywalde.

(Fortsetzung und Schluß.)

Die alte Barka schlug mit ihrer Krücke an den Felsen daß eine dicke Schicht, wie morsches Gemäuer nieder- rvllte. Aus dem weißen Gesteine, das jetzt sichtbar wurde, sprangen nahe bei einander drei helle, silberne Quellen mit lieblichem Gemurmel hervor. Sie hüpften hinab ins -Thal, wo sie sich in einen schönen klaren Bach ver­einigten nnd mit Geplätscher, leuchtend im Mondcnlichte weiterliefen. Nani war es als hörte sie süße Kinder­stimmen aus dem Bach und aus den Quellen ihren Namen rufen.

Jetzt schieße in die erste Quelle, dann in die zweite dann in die dritte, wenn Du ewig frei und jung und schön bleibe» willst! Du brauchst auch nicht erst zu laden!" Nani legte an, aber ihr Hund Paris sprang Henkend an ihr hinauf und zerrte an ihrem Aermel, als vb er sie verhindern wollte an dem Ungeheuren, das sie zu begehen Willens war. Die Alte schlug ihm mit ihrer Krücke auf den Kopf, daß er zusammensank und sich ächzend zu den Füßen seiner Herrin krümmte. Schieß zu! rief sie, oder Dich wird der Zauber und Hohn der Menschen und Thiere verfolgen! Deine rothen Wangen werden fahl und blaß werden, Deine Augen werden verglühen wie Sumpflicht, Dein Haar wird grau

die tapfernGeusen" in Erfurt ans Tageslicht för­dern werden.

Jabetteln" werden dieseGeusen" (Bettler zu deutsch) um ein klein stück Einheit, und die Bis­mark, und die Kleist, die Arnim, die Eichhorn, und alle die andern Junker von reinem Blute, und alle die übrigen Augenverdrehenden preußischen Mucker- werden ihnen höhnisch den Strick für die deutsche Ein­heit, den Strick für die deutsche Freiheit überreichen. Preußen will nicht die deutsche Einheit herbelführen, selbst wenn es auch könnte, und es kann nicht, selbst wenn es wollte-

Stellenweise und zeitweise mögen die Machthaber an dem schönen Traum der deutschen Einheit recht viel Vergnügen gehabt haben: in der Regel und in der Hauptsache waren sie nicht im Stande den Alp des Legitimitätsprinzips kraftvoll abzuschütteln: und Manteuffels grandiose Begeisterung wird einsam ver­rauchen müssen.

Wie die schwarzwcißcn .Projekte gescheitert, wie der alte, durch Sachsens und Hannovers Rücktritt gesprengte Dreikönigöbund, jämmerlich zu Grund gegangen, so werden auch die blau-weißen Münchener Elnheitö- Pläne, bald, sehr bald, als blauer Dunst sich ver- flüchten. Das neue Drcikönigsbündniß hat auch hauptsächlich nur den Zweck die Bande des alten zu zerreißen: positive Vorschläge liegen aber gar nicht in der Absicht des von Rußland geliebkosten v. der Pfordten.

Sonnenklar ist dieß Eine: Die Erreichung einer wirklichen deutschen Einheit kann nie und mmmer, ohne die empfindlichste Beeinträchtigung der Gewalt und des Einflusses aller deutschen Dynastien bewerk­stelligt werden.

Unleugbar ist das Andre: Eine Ausnahme von der Regel ist es, wenn Js'naud gerne und freiwillig auf durch Jahrhunderte hin mit Liebe genossene Vor­züge verzichtet. In dem Gesagten liegt der Grund warum die Kabinette der größern Staaten keine Ein­heit zu Stande bringen wollen und keine zu Stande bringen können: Niemand schneidet sich gern selbst den Lebe ns faden ab.

Oestreich verhält sich jetzt kluger Weise ganz passiv in Bezug auf die deutsche Frage. Es wird ruhig ab­warten, bis alle Projektenmacher Fiasko gemacht ha­ben, und dann vor die deutsche Nation treten und sa­gen:der beste Freund ist der, der auch ein Kluger ist, d. h. der nicht mehr verspricht, als er auch zu halten vermag."

Darauf wird man, nach dem kläglichen Bankerott der deutschen Freiheit, den alten Bundestag als das einzig Mögliche wieder entführen, oder das arme deutsche Land, dem verrathenen Polen gleich, unter hoher obrig­keitlicher Bewilligung Rußlands zertheilen.

Was dann das deutsche Volk thun wird, es wird sich zeigen. Hoffentlich wird es, wenn es für die Einheit und Freiheit handeln wird, handeln, ohne den

und todt wie Flachs und Dein stolzer Leib wird zusam- menbrechen wie ein morscher Baum. Der Schuß befreit Dich von der Liebe des Jägers und von allen Qualen des Mutterseins!

Der Schuß ging los, ein Schrei, wie der Todes- , schrei eines Kindes durchdrang die Nacht und der Quell, der eben wie Silber leuchtete und so lieblich murmelte, ! quoll roth wie das Blut aus einer Wunde und klang sb hohl und dumpf wie das Lalle» eines Sterbenden. Noch einmal sprang der Hund Paris auf und umsprang mit Geheul seine Herrin. Aber Nani wie bewußtlos schoß noch zweimal. Jedesmal erscholl der Sterbeschrei und alle drei Quellen flossen jetzt roth wie Blut aus dem Felsen. Fort war das liebliche Murmeln, tonlos dumpf flossen die Quellen und der Bach dahin. Jetzt ist Dein Leib gefeit! sprach die Alte. Jeder Keim des Lebens und der Liebe ist in Dir getödtet, jetzt geh' hin !

Als Nani heim kam beim Morgengrauen, lag ihr Vater, der alte Förster, im Sterben. Weh mir! rief er ihr entgegen, wo bist Du so lange geblieben in dieser bösen Nacht? Mir war's als ob ein dreifacher Schuß durch mein Herz dränge das hast Du mir gethan! Alle meine Wunden brachen auf!

Als Nani der Leiche ihres Vaters zur Kirche und zum Kirchhofe folgte, da ging der junge Jäger vom an­dern Revier neben ihr.1 Weh Dir, Nani! lispelte er

Nath und die Beihülfe der lügnerischen, verrätherischen Diplomatie, handeln, ohne die feigen Gutachten der thatenarmen deutschen Professoren.

DeutsehlOuH.

2 Wiesbaden, 9. März. Wenn Herr Wirth ge. stern, nachdem er abermals zum Vorsitzenden gewählt worden war, gesagt hat:er danke für das seinen schwachen Kräften fortwährend geschenkte Vertrauen", so darf er nur nicht glauben, wir würben diese Rede­wendung nicht etwa ganz wörtlich und mit vollem Ernst aufnehmen. Wir halten wirklich das Präsidium des Herrn Wirth für gar kein vorzügliches. Ruhe, Umsicht, Schnellkraft der Auffassung und unermüdliche Theilnahme, Eigenschaften, welche einem guten Präsi­denten nicht fehlen dürfen, scheinen uns bei Herrn Wirth in keinem besonders großen Maße vorhanden zu sein. Eine Versammlung, in der berathen und be­schlossen wird, sollte aber stets die Wahl des Präsi­diums als eine sehr wichtige Sache betrachten. Je nachdem der Präsident befähigt ist oder nicht wird der Haltung der Versammlung iw Ganzen und im Ein­zelnen ein sehr verschiebenartiger Charakter mitgetheilt. Ein geschicktes Präsidium wird den Debatten den Stem­pel der Würde und Gemessenheit aufzuprägen wissen; ein Präsidium, das sich aufschwache Kräfte" stützt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach oft Verhandlungen ohne Takt, Vorgänge ohne Würde iin Gefolge haben. Wenn sich die regierungsfreundliche Majorität auch nicht dazu entschließen kaun, aus der Linken einen Präsidenten zu wählen, so sollte sie doch wenigstens in ihren Reihen die Männer aufsuchen, die offenbar mehr Talent zum Präsidiren haben als oic Herren Wirth und v. Eck.

Idstein. Daß der Geist der Demokratie in unserm Städtchen seit den Marztagen 1848 trotz der so scheinbar vorschreitenden Reaktion noch nicht im Geringsten gewichen ist, sondern vielmehr an Verbrei­tung täglich gewinnt, das zeigte die am verflossenen Montag Abend zur Erinnerungsfeier an den 4. März 1848 anberaumte Versammlung. Zahlreich hatten sich die Mitglieder des Vereins zur Wahrung der Volks­rechte, sowie des Fraueilvereins, in dem dazu bestimm­ten, einfach geschmückten Lokal eingefunden und Trotz dem gegen Abend eingetretenen Regenwetter waren auch Fremde erschienen. Die Versammlung begann um 8 Uhr. Vorträge politischen Inhalts, Gesang und Harmoniemusik wechselten miteinander. Um 1 Uhr schloß der Präsident, mit einem dreimaligkn Hoch! auf die Demokratie, die Versammlung. Der Grundsatz, den gewiß Jeder in seinem Herzen erneuerte, war der: Auszuharren im Kampfe für die gute Sache, mag einstens der Lorbeerkranz des Sieges, oder die unverwelkliche Krone der Märtyrer daS-einstige LooS

ihr ins Ohr, siehst Du nicht, daß die Steine vor Dir sich aufthun wie Wunden und alle bluten, und daß daS Gras hinter Dir verdorrt? Rur ich sehe es, weil ich Dich liebe. Weh Dir, Nani! Ich gehe in den Krieg gegen die Ungläubigen und will für den heiligen Glauben kämpfen, um für Dich zu büßen!

Als sie an die Kirche kam, schlug die schwarze Thür vor ihr von selbst zu, die heiligen Bildern zwischen den Säulen kehrten sich um mit den Gesichtern zur Wand, und als sie der Pfarrer mit geweihtem Wasser besprengte, da fielen die Tropfen an ihr ab, wie Blutstropfen.

Und als der neue Förster kam und sie die Wohnung verlassen mußte, bat sie ihn, daß er ihr erlaube, im Walde zu wohnen. Und sie zog ihre Jägerkleider aus, legte ein hartes Gewand an und ging in den Wald zu den drei blutigen Quellen und baute sich dort eine Hütte von MooS und allem Holze und wohnte daselbst. All­täglich, des Morgens früh und des Abends spät, betete sie vor den Quellen und bat sie um Verzeihung, daß sie sie, die Ungebornen, getobter hatte. Denn sie wußte sehr wohl, daß cs ihre Kinder waren, die sie einst hätte gebären sollen. Und in jeder heiligen Nackt u»d an jedem Ostermorgen und immer wenn ein Jahr um war nach jener bösen Nackt, hörte sie die drei Quellen weinen gleich drei Kindern. Oft auch sah sie über den drei Quellen drei Licktlein schweben. Da pflegte sie sich hin­zuwerfen aufs G stein und zu beten und zu weinen, oder