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gen Männer, welcher Redakteur eines Journals war, stirbt zur Stunde an der Schwindsucht in einem Ker­ker der Vicaria. Dieser Unglückliche wurde während des ganzen Winters der Marter ausgesetzt, welche man hierdie anserwähktc" nennt. Er verbarg nichts, was ihn persönlich betraf, aber weil er mit Indigna­tion jede Aufforderung zurückwies , über Andere zu sprechen, so wurde er während 7 Monaten bei Wasser und Brod erhalten und zwar von letzterem acht Unzen täglich. Allein, in einem Grabe, 30 Fuß unter der Erde, ohne Licht, ohne Feuer, ohne Stroh, um darauf zu schlafen, wurde er oft in den streng, len Winter- nächten durch 2 3 Eimer eisiges Waffer erweckt, welches man über ihn schüttete.

Seine Mutter, über 80 Jahre alt, machte sich ans den Abbruzzen auf, als sie von den Leiden des Unglück­lichen Kenntniß erhielt, und kam über die Berge durch den Schnee und unerhörte Mühseligkeiten hier an. Sie eilte sofort zum Gefängniß und flehte auf den Knieen um die Erlaubniß, ihren Sohu sehen zu dür­fen. Aber die Thore öffneten sich^ nicht vor ihren Ge­beten. Man sagte ihr, sie muffe sich mit der Bitte an das Ministerium des Innern wenden. Sie that es sofort und wartete, wie einer, der das Leben oder den Tod erwartet, Tag und Nacht um das Gefäng­niß ihres Sohnes herumirrend. Nach drei Tagen kam die Antwort; sie lautete also:Madame, Ihre Ge­genwart in der Hauptstadt gefährdet die öffentliche Ordnung und Ruhe. Man gestattet Ihnen vierund- zwanzig Stunden Frist zur Abreise. Wenn Sie nicht gehorchen, wird man Sie von Station zu Station durch Gensdarmen begleiten lassen. Neapel, den 7. Januar 1850." Von dem Gefangenen kein Wort.

Beim Lesen dieser schrecklichen Zeilen wurde die Unglückliche vom Starrkrampf befallen; sie sprach kein Wort und blieb unbeweglich, die Lippen konvul­sivisch zusammengepreßt. Man verzweifelt an ihrem Leben. Ein Verwandter, welcher sie begleitet hatte, ging zum Polizeikommissär, um Aufschub der Abreise zu erbitten. Vergebens! Jede Verlängerung, jede Gnade wurde unerbittlich abgeschlagen; er mußte ab­reisen , die mit dem Tode ringende Unglückliche mit sich nehmend. Ganz Neapel kennt dieses traurige Ereigniß."

Was fehlt uns im 19. Jahrhundert, in der Blü­thezeit der europäischen Civilisation, noch, um die fluchbeladenen Tage der römischen Kaiserherrschast,^wo der Wahnsinn regierte, sich wiederholen zu sehen? Sehr wenig oder gar nichts!

Rom, 21. Februar. (Westd. Z.) Für die Rück­kehr des Pabstes ist jetzt alle Hoffnung geschwunden. Ich bin überzeugt, daß dieselbe auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Auch nach Terracina wird er nicht gehen, da der Grund, weshalb er diesen Schritt näher nach Rom machen wollte, war, den Abschluß der An­leihe eher zu ermöglichen. Das Zustandekommen der Anleihe ist aber bis dahin au einem andern Hmder- niffe gescheitert. Rothschild hat auch durch seinen

letzten Bevollmächtigten Micart als. erste Bedingung verlangt , daß ihm für sein Darlehen die geistlichen j Güter' verhypotecirt würden und Pius IX. will und darf dies nicht; er will blos die Staatsgüter ver- ! pfänden. Die Cardinale desh. Kollegiums" haben ; Schuld, daß die Sachen so stehen, sie haben sich der j geforderten Hypothek widersetzt.

Malta, 20. Febr. (Westd. Z.) Weit entfernt, die Blokade der griechischen Häfen aufzuheben und die Wegnahme dergleichen Schiffe zu sichren, ist der Ad­miral Parker jetzt noch weiter gegangen. Durch ein 1 Dienstdampffchiff hat dieser OberbefcZohaber die Nach- ilcht hierher gesandt, daß er denFirebrand" abge- schickt habe, um auf den Inseln^ Sapicnza und Cervi eine englische Garnison auszuschiffen. Diese Operation I ist mit' leichter Mühe ausgeführt worden. Als der ; Firebrand" vor Cervi angekommen war, entsandte er , in einer Schaluppe zwanzig Seesolvaten, welche auf die , Spitze des Mastes die englische Flagge aufpfl mzten. Sie haben das Abziehen von zwölf Fischern, die nicht ; Ionier und daher nicht Unterthanen Britaniens waren, ; verlangt und prompte Gewähr gefunden. Ein Glei- i ches fand mit der Insel Sapienza statt. Obschon : diese beiden Punkte auf der Landkarte keine Bedeutung ' haben, so sind sie in strategischer Beziehung doch wich­tig: sie beherrschen den Hasen von Modou nichts allein, auch müssen durch ihren Bereich viele Schiffe pa^ siren. Der Golf von Salami wird tagtäglich be­völkerter von ausgebrachten griechischen Schiffen. Es sind deren dort bereits vierzig an der Zahl. Der englische Admiral beschäftigt die gefangene Bemannung der griechischen Schiffe auf eine eigenthümliche Weise: er laßt sie auf der Insel Salamine, von der er dem Anscheine nach eine englische Besitzung zu machen ge­denkt, einen hohen Damm aufwerfen. Demnach wäre also jetzt (durch die Besitznahme der zwei ge­dachten Inselchen) die Frage in ihre eigentliche Krisis eingetreten. Die Herren Thouvenel und Persiani, der französische und rusische Gesandte, sind dabei nicht gleichgültig geblieben. Wir erwarten mit Ungeduld, welche Erfolge die Sendung des französischen Schieds­mannes, Hr. Gros, haben werde. Derselbe war auch noch Ueberbringer von Vcrhaltungsbefehlen für den französischen Admiral Parceval Duchene , aber es ist nicht zu denken, welche Rolle die französische Flotte in dieser Angelegenheit spielen könnte. Das französische Geschwader hat in dem Canal von Meletin von hef­tigen Windstürmen viel gelitten. Es sind ihm mehre Matrosen über Bord geschleudert.

Türkei.

Konstantinopel, 13. Febr. An: 10. Febr. hielt eine Anzahl hiesiger Deutschen, meistens Oesterreicher, eine Versammlung, in welcher beschlossen wurde, eine deutsche Schule zu errichten, welche in der nächsten Woche eröffnet werden soll. Die Protestanten haben bis jetzt hier gar keine Schule, für die Katholiken be­stehende» hier mehrere Schulen, welche sämmtlich in

den Händen der Jesuiten sind und wo die Grundsätze eines Gregor VI., Jnnocenz XIL und Ignaz de Loyola in voller Kraft und Wirksamkeit sind. Der Caplan der österreichischen Gesandtschaft, Pater Gollop, und und der Kanzler derselben Gesandtschaft, Hr. v. Miha- novich, beide Slaven, faßten den Plan, eine Schule zum Besten der Slaven zu errichten und diese Schule als Opposition gegen die katholische Oberbehörde zu organisiern ; die Mitwirkung der Deutschen wollte man dadurch sichern, daß sowohl unter den Lehrern als Schülern Deutsche ausgenommen werden konnten (Sla­ven als Lehrer anzustellen ist einstweilen hier unthnn- lich). Die Versammlung vom 10. d. aber beschloß in überwiegender Mehrheit: 1) daß es eine deutsche Schule sein sollte; 2) daß der Religionsunterricht ganz wegfaUen sollte (wahrscheinlich, weil man in unsern Tagen Religion für etwas ganz Ueberflüssiges hält). Dagegen hat es bei der Opposition gegen die katholische Behörde sein Bewenden. Als Lehrer wur­den 10 12 Individuen aus aller Herren Länder gewählt und das Gan;e unter österreichischen Schutz gestellt. Den andern deutschen Gesandtschaften, welche dieses ganze Institut ignorirten, hat man es übel genommen, daß sie sich nicht dabei betheiligen mochten. (B.-H.)

Nach Briefen aus Smyrna vom 15. Februar hatte die französische Flotte den Befehl zur Rückkehr nach Toulon eruaUen. Sie nahm Vorräthe von Lebensmitteln und Kohlen für die bevorstehende Fahrt ein und sollte den 20. oder 21. Febr. nach An­kunft des aus Frankreich erwarteten Paketbootes unter Segel gehen.

Portugal.

Lissabon, 20. Febr. Ein hier erscheinendes Jour­nal sagt vom Grafen Thomar:Graf von Thomar, Sie sind ein gewissenloser Beamter, denn Sie sind arm an die Negierung gekommen und haben sich ein ungeheures Vermögen durch unerlaubte Mittel erwor­ben. Graf von Thomar! Sie sind ein Verräther, weil Sie die Sache des Volkes im Jahre 1840 ver­kauft haben; weil Sie Sich gegen die Constitution von 1842 empört, weil Sie den Thron und die Na­tion an den Rand des Verderbens gebracht und viel­leicht der Gefahr eines fremden Einfalls ausgesetzt haben. Graf von Thomar! Sie sind ein verächtlicher Despot, weil Sie die Ehre, die Gesetze und die Ver­fassung mit Füßen treten und nach Ihren Launen re­gieren. Graf von Thomar! Sie sind ein dummer Kopf, weil Ihre Geschicklichkeit sich auf Intriguen be­schränkt und Ihre Macht auf Gunst beruht. Graf von Thomar! Sie sind ein elender Hund, weil S(p Sich der Ehre einer Dame, einer Königin, als pou- tisches Mittel bedienen und dieselbe auf eine unver­schämte Weise Ihren Planen opfern."

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.

Bekanntmachungen.

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(159) 3in Verlag der A Herber'schen Buchdruckerei in Winkel ist erschienen und in der

H. W. Nitter'schen Buchhandlung in Wiesbaden zu haben.

Eingabe

an

Herzogl. Nassauische Landesregierung und Volkskammer

von der durch die Bevollmächtigten der beteiligten 69 Gemeinden gewählten Commission,

um Rückzahlung der Staatsschulden des früheren Kurstaats Mainz.

Entworfen von M. H e l s p e r, Kreisbezirksrach, aus Neudorf, im Rheingau.

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Wiesbaden im Februar 1850. È\ §7. ^ al hast auf dem Markt.

(15) Soeben ist wieder angenommen und durch die H. W. Ritter'sche Buch­handlung zu beziehen:

Ein Wsrt des Rechts

für alle

MsèchsveefassmtgÄ -Kämpfer,

an die deutschen Geschwornen von

Ludwig S i m 0 N von Trier.

Mag die Reichsgewalt zerfallen, das Vaterland mehr als je zerrissen sein, dennoch ist es eine gemeinsame deutsche Sache, daß nicht auch die Rechtsbegriffe untergehen." Ludw.ig Uhland. Broch. Preis 30 kr.

(166) Durch die H. W. Ritter'sche Buchhandlung in Wiesbaden ist zu beziehen: Geschichte der Colonisation Amerika's von der Entdeckung an bis auf unsere Zeit von Dr. Fr. Kottenka mp. 1. B. 4 fl. 20 kr.

Der Krieg um den Wald. Eine Historie von M o r i tz H a r t m a n n. 3 fl. 30 kr. (199) In dem von Nauendors- schen Landhause ist ein Ca»a- rienvogel entflohen, wer ihn zurückbringt erhält eine gute Belohnung.

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Donnerstag, den7. März. Die Musketiere der Königin, große Oper in 3 Akten. Musik von Halevy.

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