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nach Rinteln, Müller in gleicher Eigenschaft nach Hanau versetzt; zwei neue Oberappellationsräthe, Ben­der und Bickel, waren schon vorher, eingeschoben; Münsch er wurde jetzt ins Oberappellationsgericht ge­setzt, alle drei ohne Beachtung der Vorschläge des Obepappellationsgerichts, was schon in Beziehung auf die beiden Erstgenannten in der MändeversaM einen - heftigen Sturm , und im ganzen Lande große Erbitterung gegen den Minister und Mißtrauen gegen den Staatsgerichtshof erregte. Wohl waren .diese Männer von unzweifelhafter juristischer Befähigung, Münscher sogar wohl der bedeutendste Mann des Ge­richtshofs, und gewiß durchaus ehrliche und ehrenhafte Charactere; a ber' bei ihrer notorischen streng konservativen Gesinnung war jede po,li- tlfche Principien frage durch ihre Berufung {chon {m Voraus entschieden. Je unabhängiger ferner das Staatsdienergesetz die Staatsdiener in vieler Hinsicht von ministerieller Willkür gestellt hatte, desto sorgfältiger wurden die vom Gesetz noch übrig gelaße­nen Abhängigkeltsverhältnisse ausgebeutet.Aus höhe- ren Staatsrücksichten" oder wieder beschränkte Unterthanenverstand" sich ausdrückt aus politischer Verfolgungssncht wurden die Staatsdiener wie Schach­brettfiguren hm- und hcrgerückt und der Staatskasse eine Menge unnöthiger Ausgaben bereitet. Rament-, lich suchte man Richter für mißliebige Entscheidungen durch solche Strafversetzungen zu züchtigen und dadurch indirekten Einfluß auf die Urtheilssprüche desunab­hängigen" Richterstandes zu erlangen. Ebenso fand Haffenpflug allerhand kleinliche veratorische Maßregeln gegen Personen und in Preßangelegenheiten nicht unter feiner Würde. So verbot er den Obergerichten, für ihre Bibliotheken das Rotteck-Welcker'sche Staatslerikon und Pfeiffer'sGeschichte der landständischen Ver- fassung in Kurhessen" anzuschassen, wie er denn über- chaupt gegen Pfeiffer inib dessen weiland beherrschenden Einfluß nu O. A. Gericht leidenschaftlich eingenommen war. So versetzte er den jungen Haynau, einen Reffen des österreichischen Generals, dessen Mutter Wittwe war, nach Fulda, weil er am Geburtstag des Kurprinzen im Theater mit einer schwarzen Cravatte erschienen war. Dagegen zog er für schweres Geld den durch seine kirchliche und politische Orthodoxie empfohlenen Huber nach Marburg, einen durch Sta­dium und Reisen vielseitig gebildeten und in den abendländischen Sprachen gründlich gelehrten Mann, der aber als Docent in Marburg eben so, wie nach­mals in Berlin, vollständig Fiasco machte. Endlich darf nicht unerwähnt bleiben , daß Hassenpflug, beim Aussterben der landgräflich Rotcnburgrschen Nebenlinie, die s/g. Notenburger ^uart als zum Hausvermögen des Kurhauses gehörig, zur fürstlichen Einnahme an­statt zur Staatskasse zog, dem Staat nur die onera überließ, und der fürsts Kasse circa 40,000 Thlr. Mehreinnahme zuwendete. Dadurch warf er einen großen Stein des Anstoßes zwischen Fürst und Volk, den erst das Märzministerium hinweggeräumt hat.

Dessenungeachtet hatte sich sein schroffes Verhältniß zur Ständeversammlung zuletzt etwas gemildert, das zeigte sich 1837 in einem Vertrauensvotum der Stände in Betreff der Verwendung der für die Strafanstalten bestimmten Gelder, wofür er der Versammlung aus­drücklich dankte. Während sich aber der Horizont nach der einen Seite hin aufzuheitern begann verfinsterte er sich nach der entgegengesetzten. Der Kurprinz schien des Ministers, dessen Energie nicht nur dem Lande, sondern auch dem Fürsten fühhbar wurde, nachgerade müde zu werden. Er schien dem unermüdlichen Ver­theidiger der Regentenrechte, der sich vielleicht für un­entbehrlich halten mochte, zeigen zu wollen, daß man ihn entbehren könne» weil man ihm seine Maßre­geln abgelernt hatte. Genug, Hassenpflug, vom Für­sten wiederholt gekränkt, namentlich durch die unge­bührliche Zumuthung, daß er, der vielbeschäftigte Mi­nister, einer Auktion der ausrangirten Pferde zu Wil­

helmshöhe persönlich beiwohnen sollte, forderte seinen Abschied, erhielt aber vom Kurprinzen nur Urlaub. Als der gereizte Fürst auch diesen Urlaub in der Nacht vor dem zur Abreise bestimmten Tage ohne Angabe von Gründen zurückzog, riß selbst einem Hassenpflug der Geduldsfaden. Er wollte sich nichtchikanireu" lassen und reiste ohne Urlaub nach Norderney ab. Um einen Ec lat zu vermeiden, sah sich der Fürst ge­nöthigt, ihm die förmliche Entlassung nachzusenden.

Durch Vermittlung des Herrn von Buttlar, wel­cher, seitdem er einer einflußreichen Dame den Hof nicht machen wollte, der fürstlichen Ungnade gewichen und seit Ende des Jahres 1836 in Sigmaringen als Hofmarschall, Adjutant und Kommandeur des Hoheu- zoller'schen Bataillons angcstellt war, wurde Haffen­pflug 1837 ebendaselbst als Geh. Rath angestellt. Nach zwei Jahren wurde er auf Verwendung des Kronprinzen von Preußen, dessen Aufmerksamkeit durch den seit einer gemeinschaftlichen Badecur mit Hassen- pflug befreundeten Baron v. Arnim auf ihn gelenkt worden sein soll, ass Civilgouverneur in Luxemburg angcstellt, wo er vergebliche Anstrengungen machte, das deutsche Element gegen das französische zu schützen. Er blieb den Luxemburgern, die Luxemburger ihm fortwährend fremd. Im Jahr 1841, nachdem der Kronprinz zur Regierung gelangt war, wurde er Mit­glied des Obertribunals in Berlin, später Präsident des Oberappellationsgerichts in Greifswald Dies ist der Mann, welcher jetzt nach Hessen zurückberufen ward, um den durch die Märzstürme erschütterten kon­stitutionellen Absolutismus wieder herzustellen. (NOZ.)

Deutsch!«« K.

n Wiesbaden, 5. März. Gestern wurde von dem demokratischen Vereine dahier die Feier zur Erinnerung an den 4. März in denVier Jahreszeiten" festlich vollzogen.

Die Demokraten feierten diesen Tag der nassaui­schen Revolution nicht als einen solchen, der ihnen große Errungenschaften" zugeführt; öh nein! sondern als einen, der da bekundet habe, wie stark und un­überwindlich des Volkes Wille sei, wenn er sich zur That aufraffe; als einen, der da gezeigt, was von dem Gottesgnadeuthum zu halten, und daß im Volke selbst die Souveränität ruhe; als einen, der mit einem Ruck alle Netze und Flechten der Diplomatie vernich­tet und ju Schanden gemacht.

Die Demokraten erinnerten sich insbesondere an die großen Fehler, die das Volk am 4. März 1848 begangen habe, und erklärten, daß diese Fehler wohl gemerkt und abgelegt werden sollten.

Dießmal gedachten die Demokraten allein des nas­sauischen Nevolutionstags; die Conftitutionellen, die voriges Jahr noch viel Lärm an diesem Tage mach­ten, die konstitutionellen Absolutisten enthielten sich dicßmal jeder öffentlichen Kundgebung.

Wir sind ein Wenig weiter als heute vor einem Jahre!

>V. Von der Elbe, Anfangs März. Es sind noch einige Tage, so treten unsere Landstände wieder zusam­men. Was wird wohl ihre wichtigste Arbeit für die­ses Mal sein? Vor Allem die SteucrbewiUigung, wahrscheinlich auch Wahl der Abgeordneten fürs Staa­tenhaus und dann vielleicht noch Regulirung der Forst- und Medizinalordnung. Wie man sagt, werben sie alsdann Ende März wieder vertagt werden, ohne daß auch dieses Mal wieder an eines der nothwendigsten und sehnlichst erwarteten Gesetze nur gedacht werden wird.

Nach Artikel 3 und 7 des Einführungsgesetzes der Grundrechte soll die Einrichtung des Schulwesens nach den §§. 23 , 26 , 27 der Grundrechte ungesäumt auf verfassungsmäßigem Wege festgesetzt werden, wäh­rend die 8 8- 22 , 24 , 25 , 28 sofort ins Leben treten ! sollen. Leider ist für diese Bestimmungen des Einfüh­

rungsgesetzes bis dahin noch nicht vielmehr geschehen, als daß in die Zusammenstellung des nassauischen Staatsrechts §. 24 der Satz gesetzt wurde:Die Ein­richtung des Schulwesens nach den Grundsätzen der §§. 20, 23, 24 wird durch die künftige Gesetzgebung geordnet." Wann wird aber diesesKünftig"'erschei­nen ? Zwar hat die Regierung voriges Jahr eine Commission berufen, welche einen Entwurf der Schul- orgamsation fertigen sollte, allein man hat seit dieser Zeit noch nichts Offizielles von dem Entwurf vernom­men, obschon derselbe wahrscheinlich bald seinen ein­jährigen Geburtstag feiern muß. Und doch sandte man den Entwurf eines Jagd-, Gemeinde-, Armen-, Zehnt- ablösungs- und Einkommensteuergesetzes, sowie den Ent­wurf einer Kirchenordnung u. s. w. balsbald nach ihrem Erscheinen unter das Volk, damit dieses seine Ansichten darüber zu erkennen gebe. Man vertheilt theure Commissionsberichte über Johannisberg rc. an alle Gemeinden; warum wird nur noch immer Nichts von dem Entwurf des Schulgesetzes veröffentlicht sein? Allerdings hat das zu früh entschlafene Schulblatt den Entwurf in seinen Spalten mitgetheilt, allein gar viele Lehrer lasen dasselbe nicht aus Furcht, andern fehlten bei der karg zugcmesseneu Besoldung die Mittel es zu halten, auch ist es ja sehr leicht möglich, daß sich die höhere Behörde bewogen fand, einzelne Artikel abzu- ändern.

War es aber nothwendig, daß sich die Verwal­tungsbehörden über das Kapital - und Einkommen­steuergesetz , daß sich die Gerichte über das Schwurge­setz, besonders die Diätenfrage äußerten, so ist es doch gewiß nicht zu viel verlangt, wenn der Lehrerstand das Schulgesetz zur Berathung begehrt.

Es wäre daher gewiß sehr zu wünschen, daß die höhere Behörde alsbald den Entwurf der Schulorga- uisation veröffentlichte. Oder sollte vielleicht auch dieses Mal wieder Nichts für die Schule geschehen, als wie die Verwilligung von einigen tausend Gulden zur Belohnung für die Guten ? Sollten die Lehrer ihre schönsten Hoffnungen auch dieses Mal wieder zu Grabe tragen müssen, wie sie schon so oft gethan haben, und gehorsame Diener ihrer gnädigen Herren bleiben ? Sollte auch dieses Mal nicht" den Gemeinden das ihnen gebührende Recht an der Schule eingeräumt werden und die Grundrechte, die doch in Nassau Gesetzeskraft haben, bloß auf dem Papier eristiren?

Nun, wir wollen sehen.

Siegen, 26. Februar. Ein hiesiger Lithograph hatte seit langer Zeit eine Fabrik von Darlehnsscheinen und eine weitverzweigte Kundschaft zu deren Verbrei­tung.^ Diese Scheine sind mit so großer Sächkenntniß angefertigt und so täuschend ähnlich den ächten, daß die scharfe Spürnase eines Dunker dazu erforderlich ist, die falschen Herauszusinden. Dieses Polizistentalent ist angekoinmen und hat eine Kiste mit 66 Pfund fal­scher Darlehnsscheine mitgebracht. Wir haben den Ver­such mit der Waage gemacht und gefunden, daß 5900 Thaler Darlehnsscheine zu fünf Thaler ein Pfund wie­gen. Fünf Thalerscheine hat der Künstler angefertigt, wie die aufgehobenen Werkzeuge bewiesen haben. Seine Stempel sind von ausgezeichneter Feinheit und Schärfe. Mit Recht läßt sich annehmen, daß nur ein geringfü­giger Theil von den ausgegebenen Darlehnsscheinen aufgefunden ist und es ist gewiß nicht übertrieben, wenn man annimmt, daß noch mehrere Millionen im Um­lauf sind. Wie ausgedehnt dieses Geschäft war, läßt sich schon daraus folgern, daß bereits sieben und neun­zig Personen in die Untersuchung verwickelt sind, welche wissentlich die falschen Darlehnsscheine verbreitet haben sollen. Die meisten dieser Geschäftsfreunde unseres Darlehnskünstlers sind in der Rheinprovinz. Unver­kennbar steht der Handelswelt eine schlimme Krisis be­vor mit der Musterkartc deutschen Papiergeldes. Der Staat nimmt falsche Scheine nicht an und erstattet nicht den Verlust, den der unschuldige Besitzer leidet Es wird also die Handlungswelt die Schlappe treffen'

Wâr' nicht der holde Vogelsang

In Büschen tief und in den Gipfeln

Und nicht der träumerische Gang

Der Lüfte ob den grünen Wipfeln ;

Wâr' nicht das Aug' des frommen Reh'S,

DaS dich begrüßt auf dunkler Halde,

Du könntest Dich des trüben Weh's

Entschlagen nicht in diesem Walde.

Denn auch der Quell der traulich spricht

Allüberall mit frohem Munde,

Hier rauscht er dumpf hervor und bricht

Wie dunkles Blut aus einer Wuude.

Und wären nicht die Blumen auch,

Die ihn gebeugten Haupts umstehen,

Wie Jungfrau'», die mit nassem Aug'

Auf einen Kranken niederseh'n:

Dir wâr' zu Muth im BlanSkywald,

Als hätten selbst die Einsamkeiten

Die milde, heilsame Gewalt

Längst eingebüßt für alle Zeiten.

So traurig und düster und noch viel trauriger und düstrer, als es das Lieb sagen kann, war es

vor noch nicht langer Zeit im Blanskywalde, jener un­geheuren, waldbewachsenen Strecke, die sich viele Meilen weit hinzieht, über Berge und Thäler mitten durch das schöne grüne Böhmen. Damals gab es viele Stellen, die von der mordenden Axt noch nicht gelichtet waren. i Die uralten Bäume starben wie Menschen, vom Zufall ' in einem mitternächtigen Wetter gebrochen, vom Blitze ' zersplittert, oder vom Alter unterwühlt. Sie stürzten, ! und tausend Blumen und wilde Kräuter wucherten aus ihren Leibern hervor, bis auch sie von den nachfalleuden Blättern des Herbstes begraben wurden. Auf den Felsen­kanten, die sich hier und da aus dem Dunkel des Wal­des erheben, wohnten zu jener Zeit noch die Adler und riesigen Geier, und zur Winterszeit durchheulten ihn ganze Heerden von Wölfen, die sich aus den Gebirgen hierher verirrten. Die Hirsche und Rehe, die dazumal noch nicht blos in umfriedeten Wäldern wohnten, weideten auf den Wiesen, die den düstern Wald wie glückliche Inseln in der Wildniß oft genug durchschnitten. Die schweigende Einsamkeit wurde noch nicht von so vielen Dörfern wie heutzutage gestört; nur einzelne Köhlerhütten, die nach vollbrachter Arbeit im Herbste wieder abge­brochen oder dem langsamen Verfall preisgegcbeu wurden, Eisenhämmer und die Wohnungen der Jäger beherbergte der endlose Wald. In einer dieser Jägerwvhnungen die am Eingänge einer Waldstrecke am Fuße eines Hügels lag und sich durch das sechszchnendige Hirschge­weih auf ihrem Dache schon von fern als solche ankün­

digte, wohnte damals ein alter, zerfetzter Veteran. Wie er einst auf die heidnischen Türken Jagd gemacht und die christlichen Grenzen Oesterreichs unter dem edlen Prinzen Eugen beschützte, so wollte er hier Bären und Wölfe bekriegen und das Revier seines Herrn und Kaisers vvr dem Heidcuvolke der Raubschützen bewahren. Aber es ging nicht lange so. Oft mitten in der Wildniß brach eine Wunde auf, die vor Jahren ein damastener Degen oder das gefeite Blei irgend eines Ungläubigen geschlagen hatte, oder überfiel ihn, schrecklicher als Bären und Wölfe, .das Zipperlein, das er sich aus den kalten und dumpfen Nächten Hungaria's mit heimgebracht hatte. Jetzt lag er zu Hause, in dem hohem und großgeblümten Lehnstuhle mit verbundenen Armen und Beinen und schrie und fluchte bei jeder Bewegung auf die Türken, auf die Heiden, betrachtete wehmüthig seine Büchsen, die thaten­los an den Wänden hingen, oder sang, wenn er guten Muthes war, mit zitternder Stimme sein:

Prinz Eugen der edle Ritter, Wollt' bem Kaiser wieder kriegen Stadt und Festung Belgerad.

(Fortsetzung folgt.)