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„Freihett und Neeht!'<
J^ AA^ Wiesbaden. Mittwoch, 6. März 48KO
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Hassenpflu g
BreSlau, 28. Febr. H a s s e n p f l u g ist wieder kur- hessischer Minister! Von der Bank der Angeklagten hinweg ist er auf die Ministerbank versetzt, von der Gefahr des Cokarden-Verlustes bedroht, ist er mit dem Prädikat „EercUenz" beehrt worden.
Aber nicht in diesem, allerdings staunenswerthen Umschwung des Schicksals ist das Interesse begründet, womit das Publikum die Rehabilitirung Hasscupflugs vernommen hat.
Hassenpflug — „der Hessen Fluch" — ist ein Prinzip: der Sturz des Ministeriums Eberhard nicht- andres, als ein Staatsstreich-
Die Zurückberufung HaffenpflugS nach Hessen ist ein Beweis mehr für die Ansicht, daß die jüngste Bewegung auf ihren Al^gangspunkt zurückgeschnellt werden soll.
Um daher die rechte Bedeutung der Berufung Hassenpflugs zu veranschaulichen, braucht man nur auf die Vergangenheit zurückzuweisen und zu zeigen, was Haffenpflug für Hessen war.
Haffenpflug, geboren im Jahr 1797, war der einzige Sohn des Negierungsdirektors Haffenpflug zu Kassel, Zögling dos Lyzeum Fridericianum, welches er als Minister aufhob, erzürnt über den Eigensinn deS Stadtraths, der auf das fundationsmäßige Präsentalionsrecht nicht verzichten wollte, Schüler deS tiefgelehrten, im dankbaren Andenken Vieler fortlebenden Professors Cäsar. In westphälischer Zeit besuchte er zugleich mit dem nachmaligen Staatsrath Koch die Klosterschule zu Ihlefeld. _ _ .
Er ftukirte auf der Universität Göttingen zur Zeit der Freiheitskriege, machte dieselben, ebenso wie Kdch, als 17jähriger freiwilliger Jäger mit, setzte nachher seine Studien fort, soll ein eifriger Mitbegründer der Burschenschaft gewesen sein, dem Wartbnrgsfcst beige- wohnt haben, und nahm aus dieser Zeit frischer jugendlicher Begeisterung die unbefangene Würdigung deS im Ganzen edlen burschenschaftlichen Strebens und Treibens mit in seine staatsmännische Laufbahn hinüber, weßhalb die sogenannten demagogischen Untersuchungen, die anderwärts so viele hoffnungsvolle Jünglinge unglücklich machten, in Kurhessen einen sehr glimpflichen Verlauf nahmen. Nach seiner Rückkunft von der Universität wurde er Mitglied der „Deutschen Gesellschaft" zu Kassel, welcher auch die Gebrüder Grimm •), v. Nadowitz, Bildhauer Henschel u. A. angehörten. Hier wurde der Grund zu seinen germanistischen Studien gelegt und seine schon vorhandene Hinneigung zur historischen Schule in der Jurispru-
♦) Als Assessor verheirathete er sich mit der einzigen sehr geistreichen Schwester der Gebrüder Grimm, welche im Jahr 1832 starb ; 1837 verbeiralhcte er sich zum zweiten Mal mit einem Frl. Agnes v. Münchhausen, Tochter des kürzlich verstör- beiten OberlandforstmeisterS v. M.
denz jedenfalls befestigt. Er wurde demnächst Regie- rungSasseffor in Cassel, im Jahr 182t Assessor beim OberappellationSgericht mit dem Titel OdergerichtS« rath (was später die Verfaffungsurkunde untersagte), 1831 wirklicher Oberappellationsrath, und bewahrte sich als ein sehr tüchtiger Richter, was selbst seine Gegner anerkennen.
■ Er hatte schon längst zur kurprinzlichen Partei gehört. Dieser Umstand und seine ausgezeichnete Ge- schäftstüchtigkeit neben seiner stark coikfcrvativen Rich- tiuig blieben an hoher Stelle nicht unbemerkt und erwarben ihm bald das besondere Vertrauen des Kurprinz-Mitregenten. Schon nach einigen Monaten, noch unter Wiederhold und Eggena, wurde er Mitglied des Gesammlstaatsministeriums, zunächst ohne Portefeuille, aber schon im Juni 1832 Vorstand des Ministeriums des Innern an Eggena's Stelle. Bald darauf wurde er zugleich mit dem Justizministerium beauftragt, dann im Jahre 1833 wirklicher Vorstand des Justizministeriums. Im Februar 1834 gab er das Justizministerium an Herrn von Motz, dieser aber das Finanzmi- nisterium an den Ministerialdirektor Meisterin» ab, der sich durch das Versprechen, bei den Ständen eine Appa- nage für die Grasin Schau,nburg durchzusetzen, beim Kurprinzen sehr empfohlen hatte. Jedoch wurde er schon im Oktober 1834 entlassen. Motz wurde wieder Finanzminister und Hassen Pflug wirklicher Justiz- minister mit Beibehaltung des Ministeriums des Innern. Er reorganisirte das Schulwesen, insbesondere die Gymnasien, nach preußischem Muster, berief einige tüchtige Philologen aus dem Ausland, sorgte für Heranbildung junger einheimischer Philologen an der Lan- desuniversität, und hob die Ku: hessischen Gymnasien in kurzer Zeit so, daß sie mit den besten Gelehrten- schulen des übrigen Deutschlands wetteifern konnten. Er trat in umfassender Wesse als Reformator auf dem Gebiet der Gerechtigkeitspflege auf und sorgte überhaupt für das Zustandekommen vieler bedeutenden Gesetze. Dahin gehört das Bürgergarde-, Ablösungs«, Rekrutirungs-, und Staatsanwaltsgesetz. So anerken- nenswerth HaffenpflugS organisatorische Thätigkeit aber auch war; ebenso verabscheuenswerth seine politische. Haffenpflug und seine zum Theil recht geistlosen Nachtreter verfolgten eine so ultramontane Tendenz, cutti- virten ein so unsittliches System des Scheinconstitutio- nalismuS, daß der Gegenschlag nicht ausbleibcn konnte, und der Erfolg sie mit unerbittlicher Strenge gerichtet hat. Die Mittel nun, durch welche Haffenpflug seinen Hauptzweck, Stärkung der monarchischen Gewalt, zu erreichen suchte, warm vornehmlich folgende: Zunächst suchte er das Ansehen der Ständeversammlung zu schwächen. Wer sich bittend oder beschwerend an sie wendete, durfte sicher darauf rechnen, daß er sein Ziel nun um so weniger erreichte. Ueberhaupt verbreitete sich im Volk bald die niederschlagende Ansicht, daß man es von Oben herab systematisch darauf anlege, dem Lande die Verfassung und Ständeversammlung, als
e,n kostbares, unnützes Möbel zu verleiden. Wenige Wochen nach seinem Eintritt inS Ministerium, den 26. Juli 1832, löSte er Hessens „langes Parla- ment" auf, weil dasselbe sich „Eingriffe in die Regie- rungsrechte" erlaubt habe. Den 18. März 1833 er» folgte eine abermalige Auflösung der erst seit dem Ende Februar wieder zusammengetretenen Stândeversamm- lung, wegen der Legitimationsfrage des UliversitätS- keputirten Jordan, begleitet von einem öffentlichen Rechtfertigungsgrund, und Haffenpflug setzte bekannt- lich seinen Willen unwiderstehlich durch. Er verweigerte den liberalen StaatSvlenern „aus höheren StaatS- rücksichten" den Urlaub und beraubte die Ständeversammlung dadurch der gefürchteten und doch im In- teresse der Staatsregierung selbst so unentbehrlichen Ja- telllgenz. Andere Opponenten in der Deputirtenkam« mer suchte er varch Furcht oder Hoffnung zu entwaff- nen oder für sich zu gewinnen. In der Wahl der Mittel verfuhr er nicht allzu bedenklich. Der verstör- bene Prof. Endemann könn« , der noch lebende Me- tropolitan H. kann es bezeugen. Bei solcher praktischen Hinneigung zu dem Grundsatz, daß der Zweck d»e Mittel heilige, hielt man bald auch seinen sogenannten Mysticismus für Frömmelei, und erblickte in der Begünstigung der Orthodoxie in Kirchen und Schulen weiter nichts, als ein Mittel zur Erreichung gewisser politischer Zwecke — obwohl man ihm durch diese Annahme gewiß Unrecht gethan hat. Dem Haupt- schildhalter der Verfassung, Jordan, wollte schon Hassenpflug gern an den Kragen, und machte deshalb imt dem Untersuchungsrichter Walther eine Reise nach Belgien, wo ihm über Jordans Treiben hochwichtige Enthüllungen in Aussicht gestellt waren. Er kehrte aber als völlig Düpirter zurück und gab, um nicht ausge- lacht zu werden vor, er habe die belgischen Eisenbahnen besichtigen wollen — natürlich in Begleitung des Herrn Walther, als Techniker.
Wie Hassenpflug das Ansehen und den Einfluß der Stände heradvrückte, so erlaubte er sich auch manche offenbare Willkürlichkeit in der Auslegung der Verfassung und der verabschiedeten Gesetze. Daher erfuhr er Seitens der Ständeversammlung wiederholte An- kagen, in welche selbst die gemäßigsteu und rechtskundigsten Mitglieder, z. B. der jetzige Justizminister H.rr von Baumbach, mit einstimmten. Dennoch mürbe er vom Ober-Appellations-Gericht als StaatsgerichtShof wiederholt freigesprochen, daS erste Mal — wie man sagt — nur mit der Mehrheit einer einzigen Stimme. Diese mißliche Entscheidung soll ihm als Fingerzeig gegolten haben, daß er das OberappellationSgericht theils „purificiren," theils mit Männern von „zuverlässiger" politischer Gesinnung neu besetzen müsse. Daher wurde v. Baumbach •) alS Obergerichtsdirector
*) Rach einer andern Lesart soll Herr v. Baumbach hauptsächlich deshalb »ersitzt worden sein, weil er den ihm ohne sein Nach suchen übersandten Kammerherrnschlüssel jurücksckickie, indem er denselben mit seiner Richterstellung nicht verträglich fand
Die unschuldige Syrene.
(Aus den „Grenzboten".)
(Schluß.)
Wir führen keinen Krieg mit Weibern , sagte der Commandant. — Aber mit Kindern und gebrechlichen Greisen, fuhr sie mit gehobener Stimme fort. War mein Guiseppe nicht ein Knabe, mit jungem Flaum auf den Lippen? Könnt ich nicht eben so gut fechten wie er? Und wenn ich lebe, so schwöre ich bei der heiligen Jungfrau, daß ich Gift gegen Euch mischen werde. Müßt Ihr mich nun nicht erschießen lassen? — Führt sie aus dem Hause, sagte der Feldherr mürrisch. — Nicht so Ihr Seelen von Holz! rief sie und eilte nach dem offenen Balkonfenster, um sich hinabzustürzen. Zwei Offiziere sprangen ihr nach und. hielten sie bei beiden Händen fest. Eine Komödiantin! spottete einer der jüngeren Offiziere. Ich ließe die Hexe wenigstens „karbatschen^' *). Da trat Der alte Oberst vor, den wir heute bei Signor T. sahen, und schlug dem rohen Söldner mit der stählernen Säbelscheide ins Gesicht, daß er blutend an die Wand taumelte ; Genugthuung morgen! hinzuietzend. Dann nahm er die Unglückliche in seine Arme, mit deu Worten: Die Verlassene wollet meiner Obhut anvertrauen. Wie ein Kind
•) peitscht«.
trug er sie die Treppe hinab und nach seinem Quartier.
Helle Thränen flösse,» dabei dem grauen Tapfern über sein strenges Gesicht herab. Beatrice fd)lug erstaunt die Augen zu ihm auf und lispelte: Du hast ein Menschen- gesicht! und verbarg ihr Haupt an seinem Busen. — ,
DaS Versprechen, sie nach Venedig zu bringen, be- ruhigte sie und schien ihr neue Lebenslust einzustößen; ' aber sie schlug vor keinem Menschen das Auge auf und ; regte vor keinem die Lippen, als vor dem Oberst, in dessen Anordnungen sie sich gehorsam fügte. Als ging es zur Befreiung der Lagunenstadt, folgte sie unter der Obhut der Makelenderinnen, dem belagernden Heere, bei welchem ihr Beschützer war, vor Venedig. Manchen Abe»d, wenn das blutige Fe»»erwerk des Krieges Land und Meer feenhaft erleuchtete, entfloh sie der Wachsamkeit ihrer Hüterinnen und setzte sich an den Strand, mitten in den Sprühregen der venetianischen Geschosse; Schildwachen und verlorene Posten pflegten dann, in den Pausen deS Geschützdonners, einem wunderbaren Gesänge zu lauschen, der sie die Nähe der Gefal)r vergessen machte. Unter den Kroaten verbreitete sich die Sage von einer Wila, welche Krankheiten inS Lager herabsinge. Am Abend nach dem Eingang der Oestreicher führte sie den greisen Oberst in ihre frühere Wohnung, die noch leer stand; Dach und Balkon waren zerschossen. Sie zeigte ihm die Säle und Familienporträts; daS ihres Mannes kehrte sie um, mit dem Gesichte gegen die Mauer. Als jedoch der Halbnwud über San Marko hinschwamm,
schlich sie auf den Zehen durch daS Zimmer, wo der Oberst schlief, küßte seine Hand und trat, ftd) bekreuzend auf den Balkon. Die Fluch rauschte auf — die unschuldige Syrene hatte ihr unterjochtes Vaterland und die Welt in aller Stille verlassen. — T. schloß sich einem Gefangenentransport an, der nach Wien !ging. Dort erst erholte er sich von feiner Todesangst und gewann feine vornehme Haltuirg wieder. Er- hat neulich eine zweideutige Mission »ach dem Ausland erhalten.
D»S Mahrchen vom PlsnSkywalde.
Aus dem neuesten Werke von Moritz Hartmann: Der Krieg um den Wald auf welche« wir durch die Mittheilung dieser Spisot« die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken wollen.
3m Böhmerwald der Blanskywaid
Ist wie die allste Lage düster — Wenn hie und da ein Blättlein schallt, Da« gibt ein schauerlich Geflüster.
Wie Särge armer Leute liegt
6 i n todter Frühling auf dem andern. Da. Blâitleln. da« im Winde fliegt. Scheint »u» zu seinem Grab zu «ander«.