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Freiheit nnd" Aeeht!"

Wiesbaden. Dienstag, 5* Warj

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wârtS durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen, Berbriitung derFreien Feltuna" samr», Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer. 0 g i von wlrr

Das Domizil der Wchnnngskammer.

Eines Mannes -Rede Ist keines Mannes Diebe,

Man muß sie hören alle Beede."

' 00 Wiesbaden. Die Nummer 45 dieser Zeitung brachte unter der Ueberschrift:Das Domizil der Rechnungskammer" einen Artikel, welcher zum Zweck hatte, die Nothwendigkeit der Verlegung der Rechnungskammer von Wiesbaden an einen andern Ort, aus politischen Gründen, darzuthun.

Mit Bezug auf einen früheren, das Domizil der Rechnungskammer ebenfalls berührenden, Artikel in Nro. 245 derFreien Zeitung" vom Jahr 1849 sei es uns erlaubt, diese Gründe zu prüfen, und zu zeigen, was an denselben ist.

Vor Allem pflichten wir vollkommen dem Satze bei, daß die Rechnungskammer, als oberster Control- Hof, eine durchaus unabhängige und selbstständige Stel­lung haben müsse. Wenn aber daraus gefolgert wird, daß sie deshalb nicht in Wiesbaden ihren Sitz haben dürfe, so können wir die Befürchtungen, welche zu einer solchen Schlußfolgerung Veranlassung gegeben haben, nicht theilen, müssen sie vielmehr als völlig grundlos bezeichnen. Denn die Unabhängigkeit und Selbststän­digkeit der Rechnungskammer wird allein bedingt durch das Gesetz, welches ihr Form und Leben gibt. Ist dieses Gesetz der Art, daß sie sich frei und rücksichts­los bewegen kann, so wird der Umstand, daß sie ihr Domizil in Wiesbaden hat, die gewissenhafte Lösung ihrer Aufgabe nicht beeinträchtigen. Oder glaubt man etwa (wenn es in einem auf Öffentlichkeit gebauten Staatsleben überhaupt erlaubt ist, von nn lautern Influenzen der rech- uungspflichtigen Behörden auf dieStaats- co ntrole zu reden), daß solche Einwirkungen nicht auch dann möglich wären, wenn die Rechnungskammer sich" an einem andern Ort befände? Kein Zweifel also an der Wahrheit unserer Behauptung: die Selbst­ständigkeit der Rechnungskammer ist allein bedingt durch das Gesetz. Was weiter den Ort der Wirksamkeit betrifft, so beruht die Nothwendigkeit, daß solcher Wies­baden sei, auf der täglichen Erfahrung, daß eine Controle über den Haushalt des Staates und der Korporationen nur dann einfach, rasch und am wenigsten kostspielig geübt werden kann, wenn es der Kammer möglich ist, jeden Augenblick die Registra­tur der übrigen Centralbehörden zu benutzen, und wenn andererseits diese wieder von der Registratur der Rech- nungskammer zu jeder Zeit, ohne den Weg der weit­schweifigen und zeitraubenden Dienstcorrcspondcn; ein­schlagen zu müssen, Gebrauch machen können. Es ge­schieht dies durch wechselseitige Mittheilung der Akten auf mündliches Erfordern, oder durch deren Einsicht an Ort und Stelle. Und nur auf Grund der Akten, nicht wie man irrthümlich glaubt auf mündliches Benehmen, findet die Re­

Die unfchnldige Syrene.

(Aus denGrcnzboten".)

(Fortsetzung.)

Miit gerunzelter Stirn stand der Oberst auf. Rathen Sie mir, was ist zu thun? flüsterte T. mit heiserer Stimme, die Hand des Offiziers fassend. Dieser zuckte die Achsel. Soll ich Ihrem Gewissen rathen? fragte er grausam. Es wird sich schon von selbst beruhigen, sobald die Furcht für Ihr Leben auf­gehört hat; ich kenne das. Von der Rache der Italiener- haben Sie freilich das Schlimmste zu besorgen. Gehen Sie nach Wien und leben Sie wohl!

Der klirrende Säbel des Fortgehenden hatte Beatrice geweckt. Sie flog auf die Schwelle des anstoßenden Gemachs und fragte hastig: Wer war der Soldat? Ein Offizier, ein alter Bekannter, er hat mich ge­warnt, antwortete T. stotternd. So?! rief sie gc- delmt. Zn den letzten verhängnißvollen Wochen war Beatrice vom Kinde zur Frau gereift; tiefer Ernst lag auf ihren sinnenden Brauen. Gegen T. zeigte sie offener ihre Gleichgiltigkeit. Carissima! hub dieser an; wir müssen fort aus diesem unglückseligen Lande, helfen können wir ihm nicht, und der schmerzliche Anblick seiner Leiden zehrt Dich auf. Komm, nach Deutschland, wenn sich das Schicksal wendet, kehren wir zurück. Habe ich

vision statt, und abermals nur auf aktenmäßige Darstellung beschließt das Collegium, keineswegs aber auf mündliche Referate.

Wende man nicht ein, daß durch vollständige Rechnungsstellung unb Beurkundung der Gebrauch der Akten der Centralbehörden zur Rechnungsprüfung rc. überflüssig werde: die Vorschriften für ordnungsmäßige Aufstellung und Beurkundung der Rechnungen bestehen, und werden bei jeder Gelegenheit eingescharft, trotzdem aber ist es nicht möglich, von Allen und in allen Fal­len stets vollkommene Arbeiten zu erlangen; diese lei­den vielmehr, mit seltenen Ausnahmen, mehr oder we­niger immer an Mängeln, und dies hat seinen Grund in der Unvollkommenheit des Menschen und aller mensch­lichen Institute. 1

Soll nun der bisherige kurze Weg, einen Theil jener Mängel zu beseitigen und überhaupt eine gute Rechnungscontrole zu üben, verlassen und der weite Weg über Frankfurt nach Usingen eingeschlagen wer­dend Die Rechnungscontrole würde auf dem wei­tern Wege gerade nicht unmöglich sein, allein Vcr- Mehrung des Personals und der Kosten, vielfache Versch l eifungcn mit täglichen Hemmungen des Geschäftsganges vei den oberen Verwaltungsbehörden wären voraus­sichtlich die unvermeidlichen Folgen davon.

Es läßt sich aber erwarten, daß die Regierung und die Stände, wenn der Gegenstand wiederholt auf die Tagesordnung kommen sollte, lediglich das Interesse des Staats, nicht das eines ein­zelnen Orts «.welches auch in anderer Weise billige Berücksichtigung finden kanuP das vorwaltende Motiv ihrer. Entscheidung sein lassen werden.

Wenn es sich darum handelt, daß der Geschäfts­gang einer Staatsbehörde vereinfacht und abgekürzt werde, um dem Lande Kosten zu ersparen, so kann es nicht darauf ankommen, ov LSiesi>«eE-<s»Lvr Usingen dabei Vortheil oder Nachtheil hat, ebenso we­nig , ob sich das Personal der Rechnungskammer in pecuniärer Hinsicht in Usingen besser steht, als in Wiesbaden. Das sind Interessen Einzelner, die alle Zeit dem Gesammtinteresse des Staats nachstehen müssen. Könnte und dürfte von einer Berücksichtigung derselben aber die Rede sein, so würden, außer Usin­gen, andere in Folge der Zeitverhältnissc noch weit mehr herabgekommene Städtchen des Herzogthums ebenso nnd vielleicht noch gegründetere Ansprüche auf Ersatz der Verluste zu machen haben, und was das Personal der Rechnungskammer betrifft, so erscheint der Anspruch eines sehr zahlreichen, gering besoldeten Theils desselben (dessen Dienst als ein äußerst mühsa­mer und anstrengender bezeichnet werden muß), in Wiesbaden belassen zu werden, in der That beachtens- werth, denn diese Stadt bietet dem Subalterndiener, der eine zahlreiche Familie zu ernähren und Kinder zu erziehen hat, in ihren mannichfäUigen Gewerben, Handels-, Etablissements- und anderen Anstalten die

Dich je so geliebt, fragte sie mit bebender Stimme, daß ich um Deinetwillen die Heimath verlassen sollte? Wärst Du ein Mann, so brauchtest Du nicht zu fliehen, Du wärst gefallen. Und sie wandte ihr Haupt von ihm ab. In diesem Augenblick pochte es an der Thüre und ein­trat ein blutjunger Lieutenant mit blauen Augen und blondem Haar, der eine theilnchmende Bewegung in seinem Antlitz nicht verbergen konnte, als er Beatrice mit ehrfurchtsvoller Verbeugung ein Billet überreichte. Vom Marchese M. sagte er mit leiser Stimme und ent­fernte sich. Mit zitternder Hand brach sie es auf. T. wurde blaß wie die Kalkwand hinter ihm, als er den Namen hörte. Das Briefchen enthielt nur einige Zeilen:

Sprene,

Durch die Gitterstäbe meiner Zelle sah ich Dich heute über die Pizza wandeln, nur so erfuhr ich Deine An­wesenheit. Ich sage Dir Lebewohl. Die geheimsten Schritte unserer Genossen sind verrathen , verrathen üurch Dich und Deinen Mann. Ihn treffe der Finch, der Kain traf. Ich verzeihe Dir um Deiner süßen Augen willen, an die ich noch im Tode denken werde. Möge Dir auch das Vaterland verzeihen können! Mache seinen Versuch, mich zu sprechen, es wird zu spät sein. Der Beichtvater kommt, adio! --

Das Papier zitterte in ihrer Hand wie ein Espen- blatt im Winde ; wie ihr Auge bis zu den letzten Worten geflogen war, sank sie mit einem Schrei bewußtlos zu-

Hülfsmittel, seine Kinder mit geringen Kosten etwas lernen zu lassen und darin eine Entschädigung für das Unzureichende der Besoldung zu erhalten, in weit reicherem Maße dar, als es eine andere Stadt vermag.

Die Jahresfeier der Februar-Revolution im Schovße der republikanischen Ver­brüderungen.

Die Regierung wollte das Fest des Jahrstages der Republik in eine einfache Todtenfeier umstempeln, ge­rade, wie Herr Thiers, der von den Trauertagen des Februar sprach Das Volk hat dieser Vorschrift die wahre Deutung gegeben. Auf dem Bastillenplatz, wo die Denksäule die Ueberreste der Julikampfer von 1840 und der Gefallenen des Februarkampfes von t848 im brüderlichen Todesschlafe umfängt, wäre der Raum, so mächtig weit er ist, nicht groß genug ge­wesen, um alle Besucher zu fassen, wären sie alle zu­gleich gekommen. Und welcher Fang für die Häscher des Hrn. Carlier, die nach einem Vorwanhe spähten. Aber das Volk, die Arbeiter, die Jugend der Schulen, die Wittwen, Töchter und Schwestern der Streiter der Republik erschienen einzeln, in kleinen Gruppen, ge­trennt und in passenden Zwischenräumen; Jever legte stumm seinen Todtenkranz auf die Stufen des Monu­ments nieder und entfernte sich wieder. Gegen zwei Uhr war aus dem Gestelle, an den Säulenspitzen der eisernen Einfassung kein Fleck mehr, um neue Kränze zu empfangen. Ihr wolltet einen Tag der Trauer? es sei, wir trauern heute um unsere Todten nnd über Eure Verblendung. Auf später die Jubelfeier der Republik: das Volk stirbt nicht!

Hck MMagne, in der Unmöglichkeit eines öffent­lichen &ülfgnW?!rr-üur

zu einem brüderlichen Feste vereinigt. Die Versamm­lung war zahlreich, feierlich, herzlich. Die Wände der Säle zeigten, statt allen Schmuckes, die Bildnisse der Todten, der Gefangenen, der Verbannten des Bundes. Wo die Bildnisse nicht zu haben waren, genügte eine bloße Nameusinschrift; die Bilder der Vermißten waren in aller Herzen.

Die Bedienung hatten die vereinigten Köche über­nommen , wie es überhaupt unter den Demokraten immer mehr Sitte wird, sich von den Associationen beschaffen zu lassen. Die Trinksprüche galten den Tagen von 1789, 1792, 1830 und 1848; den so- ciaien Verbesserungen, ohne welche die Revolution eine taube Frucht bliebe; den Associationen ; Ledru Rollin mit seinen Leidensgenoffen in der Verbannung, wie im Kerker; der republikanischen Ausdauer und Be­harrlichkeit; den Völkern unsern Brüdern, der allge­meinen Befreiung!

Alle diese Toaste trugen das Gepräge einer ergrei-

sammen. Als sie erwachte, war das Gemach leer, Kain entflohen. Sie glaubte ein Jahrhundert vcrschlummert zu haben, nur wie eine dunkle Erinnerung eines bösen Traumes schwebte ihr vor. Da gewahrte sie am Boden das Blatt mit den theuren Schriftzügen und brach in krampfhaftes Schluchzen ans. Plötzlich aber trocknete sie ihre Thränen ; sie hatte in ihrem Herzen einen Ent­schluß gefaßt, nahm Hut nnd Schleier, trat hinaus, ging über die Piazza, ohne nach dem Kerkergitter zu suchen, bis sie in einer dunklen Gasse vor einem mit Soldaten besetzten Palaste hielt, und fragte den dienst­habenden Offizier nach dem Commandanten und Feld­herrn. Derselbe junge Lieutenant, der ihr die letzten Worte des Sterbenden gebracht, geleitete sie in den ersten Stock hinauf und meldete sie an. Im Vorzimmer durchsuchte man sic nach verborgenen Waffen sie ließ cs ruhig geschehen. Becherklang und fröhliche Ausrufungen tönten heraus, und als sich ihr d-e Flügelthüre öffnete, fiel ihr zuerst eine hohe Gestalt mit langem Halse, stark gerathetem Antlitz, stechenden Augen und einem ungeheuren wie Widdergehörn gewundenem Schnurrbart auf. Sie errieth den Feldherrn und ging gerade auf ihn zu. Neu­gieriges Flüstern lief durch den Saal, als sie eintrat, aber Todenstille entstand, als sie, den Schleier zurnck- schlagend, sich mit der Linken am Tische festhielt und, zum Feldherrn aufblickend, mit langsamer und bebender Stimme sagte: Ich will - sterben ! Die Krieg r sahen einander verwundert an. Ich will sterben ! wic-