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Wiesbaden. Samstag, 2. März

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Heraus mit derschwarzen Kommission!"

» Wiesbaden, 1. März.

DieNass. Allg. Ztg." theilt in Nro. 51finstere Gerüchte über die Gestaltung der deutschen Verhält- Nisse" mit. Der betreffende Correspondent scheint mit dem bekannten diplomatischen Agenten Klindworth in einer genauen und beneidenswerthen Verbindung zu stehen, und dieser Agent soll dann nicht allein 8 Tage vor dem Eintritt der Katastrophe den Stur; des Mi­nisteriums Eberhard in Kassel vorhergesagt, sondern auch bereits den baldigen Fall des Ministeriums Jaup angekündigt haben.

Soweit können uns diesefinstern Gerüchte über die Gestaltung der deutschen Verhältnisse" auch nicht im Mindesten überraschen. Denn wiewol wir keines­wegs dem Herrn Klindworth, der, wie man sagt, mit einflußreichen Diplomaten aus der Schule Metter- mch's sehr lebhaften Verkehr unterhält, die Eigenschaft eines guten Leichenricchers bestreiten mögen, so müssen wir ihm doch hier die Ausschließlichkeit des Verdienstes dieser erfüllten Prophezeihungen durchaus in Abrede stellen, nachdem wir Demokraten schon seit lange und wiederholt behauptet haben: man werde die konstitu­tionellen Minister, sobald man einmal der Demokratie Herr geworden, gleich dummen Jungen, die ein schlech­tes Pensum kläglich genug hergesagt, mit Schimpf und Hohn nach Hause schicken; und man werde die sog. Märzminister, sobald man wieder glaube, sich offen zu der Allianz mit Rußland bekennen zu dürfen, gleich den ausgepreßten Citronen zu dem nutzlosen Kehricht werfen. Wie kann man sich auch darüber wundern wollen, daß das Fürstenthum eben so sehr seine Rathgeber ausMännern" zu nehmen strebt, wie sol­ches das Volk immer klarer und bewußter zu thun beginnt? Unsere Zeit ist eine schwere, eiserne, die die Phrasenmacher verabscheuen muß, und die konstitutio­nellenBasen" sollten dies endlich einmal begreifen und ihr gefahrloses Heldenthum für die friedlichen und ruhigen Perioden, in denen die ehernen Würfel nicht rollen, aufsparen.

Neu ist uns aber allerdings die weitere Nachricht, welche sich Herr *t*, der achtbare Vertraute des Hrn. Klindworth, von letzterem mittheilen läßt.End­lich, heißt es, wollte derselbe (Klindworth) bestimmte Kunde haben von nahe bevorstehenden Maßregeln Sei­tens der Bundes-Czntral gewalt zur Unterdrückung je­der demokratischen Regung in allen Theilen des Bun­desgebietes, und namentlich in den kleinern Ländern, sowie von einem ebenfalls seiner Ausführung sehr nahen Projekte einer Central-Untersuchungs- Commission zur Wiederaufnahme aller bedeutenden Un­tersuchungen wegen politischer Verbrechen, auch wenn bereits freisprechende Erkenntnisse von Geschwornen vorlägen."

Zu dieser Ankündigung der schwarzen Commission

stellt Hr. *t* in der Weise des Tartüffe folgende kläg­liche Betrachtungen an:

So wenig wir nun auch dagegen zu erinnern fänden, wenn die Aburtheilung politischer Verbrechen den Geschwornen, die ihre absolute Unfähigkeit hierzu in allen deutschen Ländern sattsam dargethan haben, entzogen, und einem für ganz Deutschland zu bestellen­den Gerichtshof übertragen würde, dessen Orga­nisation gleichmäßig Garantiern gegen r e ch t s in ö r d e r i s ch e E i n f l ü s s e v 0 n U n t e n wie von Oben dar böte; so wenig wird irgend ein be­sonnener Vaterlandsfreund der Einsetzung einer solchen schwarzen Kommmission das Wort reden oder zugeben wollen, daß solche durch alle, wenn auch noch so große Thorheiten und Schandthaten der Rothen irgend­wie gerechtfertigt sey.

Sollte sich indessen unglücklicher Weise auch diese Voraussagung erfüllen, dann wären wir, wenn auch zu unserm eignen tiefsten Bedauern früher als wir es selbst je als möglich dachten, in der Lage unserer einheimischen Demokratie ihr neuliches freches Wort: Ihr selbst habt es so gewollt! auf die schlagendste Weise zurückgeben zu können!"

Zuerst einige Worte an den Heuchler *t*, der uns beibringen will, er werde sich nicht freuen, wenn die schwarze Commission ins Leben trete.

Sagt an, was bleibt euch Herrn, die ihr stets be­gehrt, daß im Widerspruch mit dem klaren und kennt­lichen Willen der Mehrheit regiert werde, anderes übrig, als der weitere Wunsch einer schwarzen Commis­sion, die ohne Zweifel ein Regieren zu Gunsten einer kleinen, kleinen Anzahl zu ermöglichen suchen würde?

Welcher Frevel ist den Treulosen, die Hand an das heiligste Institut des Volkes, die freie, unabhän­gige Rechtspflege, zu legen sich erfrechen, die das eben erst gepflanzte Institut der Schwurgerichte auf jede er­denkliche Weise herabzuseßen, zu schmähen, in den Koth zu ziehen wagen, nicht zugänglich?

Was soll man solchen Menschen nicht zutrauen, die in einem Satze die größten Verleumdungen gegen die demokratische Partei Vorbringen, indem sie von den unbewiesenenThorheiten und Schandthaten" der Rothen reden, und sodann selbst, indem sie sich in heuchlerischer Weise zu denbesonnenen Vaterlandsfreunden" zählen, die große Schandthat begehen, daß siedie absolute Unfähigkeit der Geschwornen zu der Aburtheilung po­litischer Verbrechen" mit unverschämter Stirne behaup­ten und damit gegen die ehrlichen und unbescholtenen Biedermänner, welche nach dem Willen des Volks und in Folge der ihnen gezollten Achtung zu Gericht saßen, ohne allen Grund die unerhörtesten Beschuldi­gungen schleudern?

Unsere Feinde wollen der Demokraten Verdam­mung: das ist ihnen die Hauptsache, und wenn sie ehrlich und offen wären, so würden sie gestehen, daß es sie in der That blutswenig berührt, ob die Demo­kraten durch eine schwarze Commission oder einen so­

genannten Staatsgerichtshof, der gewiß von Oben nicht im Mindesten influenzirt werden wird, ins Zuchthaus oder auf das Schaffst geschickt werden.

Meli-diesen Menschen, welche jetzt so schamlos ge­gen die Schwurgerichte eifern, nachdem sie dieselben in der Märzrevolution selbst verlangt, wollen wir ohne Rücksicht die Maske derHeuchelei vom Antlitz ziehen. Diese Menschen haben nur zwischen zweierlei die Wahl: entweder sind sie Narren ohne alle und jede politische Voraussicht, die nicht wissen, was sie wollen, die lieber Rüben schälen und Salat pflanzen sollten, anstatt Po­litik zu treiben, weil sie mit ungeheurem Kraftauf­wand an Gründen und mit großer Begeisterung vor zwei Jahren eine Sache verlangten, welche sie nun mit gleicher Energie verdammen; oder aber böswillige Heuchler, die eben immer nach der jeweiligen Art der Gewalt" ihr politisches Verhalten einrichten. Sie mögen selbst wählen!

Was nun aber die Glaubwürdigkeit der Klind- worth'schen Nachricht über dieschwarze Commission" selbst anlangt, so halten wir allerdings die Reaktion eines sehr weit gehenden Blödsinns vollständig für fähig. Wir haben täglich die Beweise dafür. Das Gerücht aber, daß man selbst bereits abgeurtheilte An­geklagte wieder vor Gericht ziehen werde, verstößt zu- W2 fi'lbst gegen die barbarischen Rechtsbegriffe der Russen und Mongolen, als daß einem solchen irgend Jemand, außer dem bekannten belletristischen Staats­mann Nassau's Glauben schenken sollte.

Die Einsetzung einer Commission, ähnlich der schwar­zen Spinne, welche einst in Mainz ihr verruchtes Netz über unser armes Deutschland auswarf, liegt dagegen durchaus nicht außerhalb der Grenzen des Möglichen. In Berln will man den Staatsgerichtshof, in Frank­furt vielleicht die Centraluntersuchungs - Commission : d. h. in Berlin handelt man, wie so oft, heuchlerisch, gleisnerisch, verdeckt; in Frankfurt offen und unverholen.

Sollte sich aber die schwarze Commission wirklich wieder esabliren, so fällt damit nicht unserfreches" (weil wahres!) Wort:Ihr selbst habt es so gewollt!" auf uns selbst zurück, sondern auf Euch nur noch mehr, mit verdoppelter Gewalt!

Je verblendeter, rachgieriger Ihr verfahrt, desto rascher grabt Ihr euch selbst die Grube! Je mehr Ihr, Helden der Reaktion, die Völker unter des Wahn­sinns Scepter beugt, desto mehr helft Ihr uns! Alles was Ihr unternehmt zu Eurer Rettung, voll­führt Ihr zur Errettung des gemißhandelten Volkes und die scheinbar sicherste Zufluchtsstätte wird Euch den sichersten Untergang bereiten. O ihr armen Creatu- ren! Ihr glaubt, umstarrt von Euren Bajonetten, geschützt durch die schwarze Commission, umgeben von dem Pfassenthum, das Nacht aussäen möchte über der Völker Geister, und gestützt auf den Geldbeutel des Juden, der da der Könige König ist, mit Erfolg einen Kampf mit der Wahrheit bestehen zu können? O geht! geht! Ihr seid traurige Gesellen!

Die unschuldige Syrene.

s(Aus denGrenzboten".)

(Fortsetzung.)

Unter den Eintretenden war ein löwenmähniger Crociato mit einem riesigen Türkensäbel an der Seite. Die Gesellschaft war in solchem Freudenrausch, daß sie mich kaum bemerkte. Triumph! Sieg! Freudige Bot­schaft! Einen Becher Orvieto! riefen sie durch einander. Rosenfarbene Flugschriften, Briefe, Landkarten wurden auf dem Tisch ausgebreitet. Der Crociato ließ sich's nicht nehmen, auf seinen jungfräulichen Säbel gestützt und mit theatralicher Pantomimik die Wundermâhr zu verkünden. Du Romanzen vom Cid klingen nicht außer­ordentlicher als die damaligen Dichtungen Famas in den italienischen Städten, Daö östreichische Heer in einer Riesenschlacht am Gardasee aufgerieben, die eine Hälfte in die Fluth gesprengt, die andere in wilder Flucht zer­streut, erschlagen oder übergegangen, der greise Marschall mit zerspaltenem Haupt auf der Wahlstatt hingestreckt. Aus den Thürmen Mantua's die Tricolore, ganz Ober- italien frei! Ich entfernte mich, während des allgemeinen Jubels und bemerkte nur noch, daß Signor T-. seine Gäste der Reihe umarmte und Beatrice auf die Stirn küßte. Im Nachhansegehen begegnete ich schon bac­chantischen Fackelzügen. Eviva, eviva la morte di

Radexky! eviva la liberta! scholl es aus tausend Kehlen, dann rauschten Musik und Gejang in das Jauch­zen des Volkes! --

Zahllose Florentiner verwachten diese Nacht in seligen Träumen, mich dagegen überkam auf meinem Lager ein Traum seltsamer Art. Ich ging nach Signor T's Wohnung und stieg mit pochendem Herzen die breite, kühle Treppe hinan, denn ein Gesang, unheimlich süß wie der Klang gläserner Harmonikaglocken, nöthigte meinen zögernden Schritt unwiderstehlich weiter. Schauer rieselte mir durchs Herz bei jedem Ton, aber ich dachte, du hast Beatrice noch nicht singen gehört, und trat ins Gemach. Am offenen Fenster saß sie, der Sonnenschein vergoldete das üppige blonde Haar, welches, aufgelöst niedcrfallenb, mit langen Fluthen den untern Theil der Gestalt verhüllte. Ihr Antlitz war schöner als gewöhn- liw, aber Mitleid und Trauer malte sich in ihren Zügen, ihre Arme waren mit einer Perlenschnur auf den Rücken gebunden, helle Thränen quollen aus ihren Augen und sie schien, indem sie sang, von einer unerklärlichen Angst getrieben. Geblendet blieb ich eine halbe Secunde auf I der Schwelle stehen. Da gewahrte ich in der Mitte des 1 Gemachs eine Gruppe junger Männer rund um einen | Marmortisch sitzend, im magnetischen Schlummer, mit halbgeschloffenen Augen und verklärten Gesichtern , alle I sehnsüchtig der Sängerin zugewaudt. Allmälig verlor sich das selig verklärte Lächeln in ihren Zügen und wich bei einem nach dem andern einer todtcnähnlichcn Blässe.

Noch einen Schritt näher und ich erkannte mit Schrecken einige meiner besten Freunde; ich suchte sie wach zu rufen und konnte nicht. Endlich streckte ich mit krampf; Hafter Anstrengung meine Hand aus, um dem nächsten auf die Schulter zu klopfen, da traf mich ein stechender Blick aus dem Dunkel, fühlbar wie ein Bienenstachel; der Blick des Signor T., der im Schatten des Gemachs sich ruhig in seinem Lehnstuhl schaukelte und mich so höhnisch anstarrte, daß ich mit einem gebrochenen Schrei auS dem Schlaf fuhr.

Am Morgen flatterten festliche Trikoloren aus den Fenstern und von den Giebeln des schönen Florenz; die Balköne waren mit Feiertagsteppichcn und blumenge- füllten Urnen geschmückt und dreißig neu a »geworbene Crociati paradirten mit Musik unter dem Zuruf der Menge durch die Straßen, um in den heiligen Krieg zu ziehen und den geschlagenen Erbfeind vollends aufzurcweu. Der ; VolksenthusiaSmus stimmte mich melancholisch, von T's Wohnung hielt mich eine abergläubige Scheu zurück; als jedoch der Abend herankam, fand ich mich unwitlkührlich nach der Arnostraße hiugezogcn. Ich stieg mit Herzklopfen die breite, kühle Treppe hinan, aber kein Gesang tönte mir entgegen. Signor T. und Beatrice waren im Lauf des Tages nach dem Norden abgereist. Ich sollte sie nicht mehr Wiedersehen, aber ein entsetzlicher Verdacht erhob sich in meiner Seele gegen S.; ein Verdacht, der nicht aus jenem bösen Traum entsprang, sondern der vielmehr den Traum eingegeben hatte.