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Freiheit und Recht!"

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Wiesbaden. Donnerstag, 28. Februar

1850»

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Warum es keinen monarchischen Bundes staat gibt?

Z Vom Lande. Unter den Irrthümern über die Bestrebungen der Volkspartei ist vorzüglich auch der, daß sie,vom französischen Weine berauscht", wie Herr Laube sich ausdrückt, nur darauf ausgehe, aus Deutsch­land einen Staat nach jetzt vorliegendem franzö­sischem Zuschnitt, d. h. eine neue Form ?cs absoluten, verknöcherten, starren Centralstaats, ohne Freiheit und ohne Beweglichkeit, zu machen.

Nichts ist thörichter, als dies.

Die Volkspartei will wahrhaft einen Bundssstaat. Was ist aber ein Bundesstaat?

Ein Bundesstaat ist ein solcher, in welchem, wie der E.inzelne Herr ist in seinem Hause und die Gemeinde in ihren Gemeind eangel egen hei - ten, so die Einzelstaaten volle L-elbststanbigkcit üben in Bezug auf ihre Angelegenheiten, und nur die Gesammtangelegenheiten, welche alle Einzelstaaten als Einen großen Körper verbinden, den obersten Bundcsstaatsgcwaltcn gehören. Es sind verschiedene Geschäftskreise, welche sich wie concentrische Kreise um­schließen. Sie alle sind selbstständig in ihren Ge­bieten, die Einzelstaaten in und neben der Bundes- staatsgcwalt, getrennt in Gesetzung und Verwaltung, diese wie jene mit besondern Beamten. Das Gebiet des Bundesstaats selbst ist in Bezug auf seine obersten gemeinsamen Angelegenheiten, wie dasjenige eines Ein­heitsstaates. Die Einzclstaaten dagegen stehen als gleichberechtigte Theile des großen Ganzen neben­einander, welches sich so wahrhaft lebenskräftig zu- sammengliedert.

Wir sind auf das Tiefste davon durchdrungen, daß nur ein Bundesstaat, in welchen sich so alle deutschen Stämme als Einzelstaaten zusammenfügen, der Natur des deutschen Volkes entspricht, ebenso aber auch, daß ein solcher nach dem Grundsätze der Selbstregierung auferbauter Bundesstaat in der Thateinc höhere Staats form darstellt, als der Einheitsstaat eines großen Volkes, und es ließe sich überraschend Nachweisen, wie die neuere Geschichte fast aller europäischen Länder ein Suchen nach dieser Staatsform ist, von welcher sie entweder eine zu große oder zu geringe Selbstständigkeit ihrer Mitglieder scheidet. Für uns Deutsche insbesondere sind diese Betrachtungen so richtig, daß sie, mögen sie vielleicht auch trocken erscheinen, nicht zu oft wiederholt werden können. , . w

Ist aber ein solcher Bundesstaat mit einer M 0 - narchie für den Gesammtstaat ausführbar?

Nun und nimmermehr!

Denn entweder hat der an die Spitze gestellte Fürst eine Haus macht, oder er hat keine. Im letzten Falle "ist er ein armerJohann Ohneland, welchen die Fürsten der Einzelstaaten wie des Auslandes bald unbe­

Die unschuldige Syreue.

(An§ denGrenzbotcn".)

In der Sennhütte auf der Alm deS Schafsbcrgcs saßen wir, unser Sieben, in später Mitternacht, ringS um den Hcerd. Die Weinflaschen waren versiegt, in unserem Geplauder war eine Pause eingetrelen, und die träumerische Stille, deren Genuß noch erhöht wurde durch die vom Hcerd ausstrahlende Halbdunkelbeleuchtung, un­terbrach Nichts als daS leise Rcgcnklopscn auf dein Dach, das laute Athmen des Führers und der Sennerin, die schlummernd in der Ecke kauerten, oder dann und wann, wenn cie Kühe sich im Schlaf rührten, ein hastiges, lcbneU wieder verstummendes Glockengetön aus dem an­stoßenden Stalle. Endlich wurde mein Freund, der weit­gereiste Don Isidor Amabile, daran erinnert, daß die Reihe des Erzählens an ihm sei: er räusperte sich nicht lange, sondern hub gleich folgendermaßen an.

Im Jahre 184* war ich auf der Heimkehr aus dem südlichen Italien bis nach Florenz zurückgelangt; die ge- (eiligen Kreise, in denen ich mich dort früher zu bewegen pflegte waren zerstoben; Den hatte der Tod, Jenen der Sturm der politischen Ereignisse fortgeweht. Mir würd' es einsam und unheimlich in der reizenden Stadt; selbst die unsterbliche Schönheit der florentinischen Kunstdcnk-

achtet lassen werden. Dasselbe gilt, wenn er nur geringe Hausmacht hat, mächtigen Fürsten der Einzelstaaten gegen­über; was wollte auch der Landgraf von Homburg ge­gen den König von Preußen? Im ersten Falle aber, wenn der Fürst eines mächtigen Einzelstaates an die Spitze gestellt ist, muß dieser nothwendig in der Kürze alle minder mächtigen erdrücken.

Mag man auch mit Dahlmann den Begriff Bundesstaat für noch so dehnbar halten, so bildet doch der Begriff Gleichberechtigung der Einzel­staaten immer einen wesentlichen Theil desselben. Ist aber die Gleichberechtigung in dem Erfolge etwas mehr als ein leerer Schall in einem Bundesstaat, in welchem Einzclstaaten von so ungleicher Größe, wie Nassau nnd Preußen, nebeneinanderstehcn, wenn noch dazu der Fürst des ohnehin so übermächtigen Landes an der Spitze der Leitung der Gesammtangelegenheitn ist? Ist es unter Menschen überhaupt wohlgethan, dieselbe Behörde zugleich für das Sonderinteresse und das Gesammtmtercsse zu bestellen, die ihrer Natur nach nothwendig in Widerstreit mit einander gerathen müssen? Wie ist es endlich mit der Ver­nunft zu vereinigen, daß der Theil zugleich über dem Ganzen stehe? Einen logischen Unsinn verträgt aber die Geschichte nicht. Eine Unterordnung eines Gleich­berechtigten unter den andern heißt Untergang des einen in dem andern, sei es Fürst oder Land, Me- diatisirung in Bezug auf Jenen, Einverlei­bung in Bezug auf dieses. Auch diese mögen ihr Gutes haben; nur rede man dann nicht mehr von Bundesstaat.

Ist es nöthig, Beispiele dafür anzuführen? Unsere ganze dermalige Lage ist ein solcher Beweis. Sachsen, Baiern, Hannover, Fürst und Land, widerstreben der Unterordnung unter Preußen. Wie ist eck auch mög­lich, daß ein König sich dem andern unterordne? In demselben Augenblick hat er aufgehört, als solcher zu eristiren. Was sie pflichtschuldigst gesollt hätten der ganzen Nation gegenüber, das vermag nur der Zwang ihres Gleichen gegenüber. Die kleinen Fürstcn- thümer aber je nun, sie haben, in dem klaren Be­wußtsein oder doch im sichern Vorgefühle, daß ihre Tage in jedem Falle gezählt sind, es vorgezogen, in den Armen der Monarchie lieber zu sterben, als in denjenigen der Volksgewalt. Ein monarchischer Bundesstaat ist nicht zu Stande gekommen und wird nie zu Stande kommen. Die Einverleibung al­lein ist es, worum es sich dermalen handelt, und der Name Bundesstaat ist nur das Aushängeschild für die --- gutmüthigen Leute.

Ein weiteres Beispiel liefert die ganze deutsche Kaisergcschichte des Mittelalters, die einzige Verfassung, welche jemals einige Ähnlichkeit hatte mit einem mo­narchischen Bundesstaate. Alle Kaiser waren darauf aus, ihre Hauömacht zu vergrößern, um mit dieser zu regieren. Nur ausgezeichneten Persönlichkeiten, wie dem Grafen Rudolph von Habsburg, gelang es, auch

male, in deren Anschaun ich so oft Ruh und Seligkeit gefunden, verfehlte diesmal meine Sehnsucht zu wecken; ich wollte spornstreichs weiter. Da rief mein alter Cice­rone, Mateo, die Rechte feierlich aufs Herz legend: Signor kennen meine Ergebenheit nnd werden meinen Rath nicht in den Wind schlagen. Sic werden heute nicht abreifen, Signor, Sie dürfen, Sie können nicht: ES sind schwere Zeiten, Signor, der FreiheitSmorgen Italias führt kein Gold im Munde für uns arme Cicc- ronen, die Mylords gehen, die Tedeschi laufen fort, wir Urenkel des großen Cicero, können unsre Wissenschaft den Steinen predigen, welche dafür kein Brod geben. Aber das ist cs nicht, was mich bestimmt, denn - - hier richtete er sich hoch auf, rollte pathetisch die Augen und hob die Rechte heroisch in die Höhe wir rufen trotz­dem den ganzen Tag: eviva la liberta! Ich weiß, Du bist ein wackerer Patriot, Matco, ich weiß. Was gibts nun? Signor wollen mir also glauben, daß nicht der Eigennutz aus mir spricht, sondern rein die Sorge für Ihrer Exellenz Belehrung und Unterhaltung. Nach dieser langen Vorrede fuhr er mit gedämpfter Stimme und geheimnißvoller Miene fort: Signor kennen alle Wunderwerke des Pinsels unb des Meißels, welche unser schönes Firenze schmücken, den Pallast Pilti und die Sreinschöpfnngen des Meisters Angelo, aber das höchste Wunder von Firenze kennen Sie noch nicht! . . Ist der Ruhm Beatrice's Ihnen schon zu Ohren gekom­men? Nein, Mateo. Wo hängt sie und wer hat

ohne solche Einfluß zu gewinnen. Und auch er, um für die Erblichkeit eine Hauömacht zu gründen, was that er? Er gründete die Regel: Andere mögen er­obern, du, heirathe, glückliches Oesterreich! Und seine Lande wuchsen und wuchsen, und heute haben wir: Oesterreich und Preußen, und kein Deutsch­land!

Sollen wir uns denn immer im Kreise drehen, und die Geschichte des Mittelalters noch einmal durch­machen ?

Wenn es aber nun feststeht:

1) daß ein monarchischer Bundesstaat un­möglich ist,

2) daß Deutschland ein Bundesstaat werden muß, wenn es nicht untergehen soll:

Was folgt daraus?

Die Folgerung dieser einfachen Wahrheit wird Jeder sich selbst, wird die Geschichte ziehen!

Deutschland.

O Dillenburg, am Jahrestag der Februar- Revolution. (Bankett.) Gewiß ist nur an wenig Orten unseres Landes der endliche Ausgang des Idsteiner Hochverraths-Pr^zcsscs mit größerer Spannung erwartet worden als gerade hier, wo der Geist der reinen Demo­kratie schon lange und gerade unter dem Kern der Bürger s cb a f t seinen Sitz aufgeschlagen hat. So hatte denn zu dem in Rede stehenden Feldzug der Demokratie unsere Stadt ihr ansehnliches Kontingent ins Feld ge­stellt : sie hatte in der Person unseres Abgeordneten, des Herrn Präsidenten Rahl den Hauptaltentäter ge­liefert ; unser Bürgermeister und drei Gemeindcrâthe waren als Zeugen vörgcladcn, und der Vorsitzende unse­res dcmokr. Vereines Herr Braun, hatte einen Haupt­theil der Vertheidigung zu führen. Tag für Tag liefen Depeschen von den Zeugen in Wiesbaden ein, die den Fortgang der Verhandlungen barstelltcn und Jubel er­füllte die Stadt, als einer derselben, der den andern vvrausgceilt war, am 16. d. Morgens dahier eintraf und die Kunde der Freisprechung aller Angeklagten mitbrachte. Alsbald schmückten sich die Häuser der Volksfreunde mit deutschen Fahnen und es wurde, nach- dem andern Tags auch ter siegreiche Vertheidiger und die übrigen Zeugen eingetroffen waren, beschlossen, zur Feier dieses neuesten und bis jetzt großartigsten Sieges der nassauischen Demokratie eine politische Fest­feier zu veranstalten. Der Rathhaus-Saal wurde zu dem Ende ausersehen, mit Fahnen verziert, eine Tribüne errichtet, ein Musikcorps bestellt und für Wirthschaft ge­sorgt, und so konnte denn am Mitwoch den 20. d., an­statt der gewöhnlichen demokrat. Wochenversammlung, ein Fest daselbst statt finden, wie es die Stadt wohl noch nicht gesehen haben mag.

Ohne daß irgend eine Einladung ergangen war, er­schienen viele Leute von auswärts und die Bürgerschaft

sic gemalt? Sie hängt an keiner Palast- oderKirchen- mauer und sie ist nicht gemalt, sondern geboren von Engeln im Himmel, aufgesäugt mit Blumendüften und unterrichtet von Nachtigallen. Em Wunder ist's, wie ein solches Geschöpf lebendig auf Erden wandeln kann, ohne daß die Erde in ein Paradies verwandelt ist! Hier führte der enthusiastische Graukopf seine Finger­spitzen an den Mund und warf mit andachtsvollen Blicken Kußhändchen zum Himmcl.

Signora Beatrice weilte erst seit zwei Monaten in Florenz, wurde aber von Vielen angebetet, welche nie daS Glück gehabt, ihr Antlitz oder ihr Bildniß mit Augen zu sehen. In der schattigen Arnostraßc pflegten NachtS dichte Menschengruppcu festgebanNt zu sieben und dem Gesang einer nicht sehr starken, aber unsagbar süßen Stimme zu lauschen, die aus einem Fenster im zweiten Stock herm'cderquvll. Feierliche Stille herrschte dann unter den Horchern, zufällig Vorübergehende wurden ersucht, leise aufzutreten, und sie bemühte» sich, die Aus- brüche ihres Enthusiasmus znrückzuhaltcn, weil ein Bra- vornf oder ein Klatschen die Sängerin auf lange Zeit zum Schweigen brachte. In jenem melodischen Zimmer in der Arnostraße versammelte sich die Blüthe der ein« heimischen und der Fremdenwelt zu traulichen Zirkeln, daS HauS stand vorzugsweise Künstlern und Patrioten offen. Signor T^'^ ", Bcatriccns Gemahl, ein gelehr­ter und wohlhabender Doltvre aus Venedig, machte auf