„âeiheiL und Recht!"
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Wiesbaden. Mittwoch, 27. Februar
1650.
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*t* Pairie und Sozialismus.
II.
(Schluß.)
' Die erblicke Pairie ist eine Waffe auS der Rüstkammer des Mittelalters, die weder Glanz, noch Schärfe mehr hat. Das Mittelalter aber ist eine gefährliche Arznei für die kranke Gegenwart.
Bürger Manteuffel ist ein politischer Restaurateur. Von Verachtung erfüllt über die geldschacherude Bourgeoisie, klammert er sich an die Vergangenheit an, um der maßlosen Erwerb- und Gewinnsucht unserer Zeit ein sittliches Gegen'geMckt zu geben, um der Bourgeoisie einerseits, der Demokratie andrerseits entgegen zu treten.
Bürger Manteuffel hat eine Ahnung von der Herau- brcchcnden sozialen Krise, er erkennt das Dasein einer Parthei, welcke dem Staate des Mittelalters, wie dem Staate der-Bourgeoisie den Krieg erklärt hat, er sieht die eiternden Pestbeulen auf der Oberfläche des sozialen Körpers, — und die Pestbeulen treibt er zurück, die Kluft zwischen Staat und Gesellschaft füllt er aus — durch die Pairie.
Das Volk verlangt Brod, d H. Arbeit, um frei zu sein, und die Bourgeoisie verlangt Freiheit d. H. Freiheit für sich, für das Kapital, seine Anlegung, seine Vermehrung durch die Ausbeutung der Arbeit, um Brod zu haben: Bürger Manteuffel'"vermittelt diesen Widerspruch — durck die Pairie.
Die feudale Gesellschaft war unfrei, um Brod zu haben, die Gesellschaft der freien Konkurrenz leidet Mangel an Brod, um frei zu sein: wie schafft nun Bürger Manteuffel eine Gesellschaft, die frei ist und Brod zugleich hat, wie schafft er den physisch — und sittlich — freien, d. h. den vollkommenen Menschen, durch welche Synthese verbindet er das Brod der feu- Mcn Gesellschaft mit der Freiheit der Gesellschaft des unbeschränkten Welteifers? durch die Pairie.
In der That: die Herren erblichen Pairs mögen Uebcrfluß an Freiheit, wie an Brod haben: der übrigen Gesellschaft bleibt dann das Zusehen.
Bürger Manteuffel wollte offenbar der Gesellschaft ihren Gott sichtbar varstcllen, damit diese daun in der Anschauung desselben ihr höchstes Glück empfinde!
Wir aber rufen euch Rückschrittsmäuner im preus- fifchcn Lande zu: heraus aus euern Schlupfwinkeln, ihr übcrfirnißtcn Todtengräber, ihr Mörder der Zukunft, heraus, daß wir euch dem Volke als das zeigen, was ihr seid, als romantische Trompetenbläser, als Lenker des Staatswagens mit rückwärts gewandtem Gesichte, als Leute, reif für's Narrenhaus, wenn sie nicht schon daö- Verbrechen der gemeuchelten Freiheit auf dem Gc- wissen hätten!
Was wollt ihr mit eurer Pairie? Einen Körper in der Gesetzgebung, geschaffen zum Widerstände gegen jede Regung des Zeitgeistes, der ihr nicht entgehen könnt, einen Körper, der einen Theil eurer eignen Schuld auf
Leben und Abenteuer deS John Davys
Von Alexander Dumas.
(Fortsetzung und Schluß.)
Ungekämmt und ohne Anstoß gelangte ich zu dem ; Gute meiner Eltern. Die Gefühle, welche mich durch- wogten, als ich das alte Daus erbliche, in dem ick das Licht der Welt erblickt und so harmlos meine Kinderjahre verlebt hatte, brauche ich wohl nicht zu schildern.
Schüchtern und zaghaft öffnete ich die Pforte und eilte sodann stürmend in die Gemächer, welche meine Mutter zu bewohnen pflegte.
Ich öffnete die Thüre und fiel zu den Füßen meiner guten Mutter nieder, welche einen Freudenschrei aus- fÜeg, als sie mich erblickte und dann ohnmächtig zur Erde' fiel. Als sie sich wieder erholt hatte, machte sie mir sogleich eine für mich furchtbare Nachricht bekannt. Mein theurer Vater war vor einem Monate gestorben.
- Ich will den Schmerz nicht auSzumaleu versuchen welcher mich überwältigte, nicht die Vorwürfe, den besten Vater durch meinen Leichtsinn in den letzten Tagen seines Lebens so betrübt zu haben. Doch die Pflicht drängte mich rasch zu handeln, um nicht noch größere Schuld auf mein Haupt zu laden : ich eröffnete meiner guten Mutter den Zweck meiner letzten Reise, enthüllte ihr
sich nähme, einen Mithelfer eurer Versündigungen gegen die von euch in der Wiege erstickten Generationen!
Schaut der Zukunft in's Angesicht, und tretet zurück dann und erblaßt vor jener erhabenen Idee, die sich Sozialismus nennt!
Dem Sozialismus gehört die Zukunft, nicht euch! Dem Sozialismus, der ein freies und gerecktes Eigenthum, eine neue Familie, die Familie der Neigung und der Liebe, eine neue Gesellschaft, die Gesellschaft der Brüderlichkeit und der gleichen Berechtigung, einen neuen Staat, der nur der wahre Ausdruck des Willens der Gesellschaft ist!
Das Volk ist unser und wir sind dem Vockke: cs versteht uns wenn wir ihm die Parole geben :
hie Knechtschaft — hie Freiheit!
hie Elend — hie Brod !
hie Pairie — hie Sozialismus! hie Manteuffel — hie wir!
Auch ein Wort zur Verständigung in d er nassauischen Mfenbahnfrage.
Motto: Zwei Fliegen mit einer Klappe.
□ Wiesbaden, 23. Februar. Mein lieber Herr VMK Korrespondent, Sie sind der Sache schon um Vieles näher gekommen und wir hoffen, daß Sie sich bald ganz bekehren werden. Sie schlagen ein Mittelding vor, was wir freilich schon längst kennen, für das wir uns aber nicht erklärt haben, weil es weder warm noch kalt, weder Fisch noch Fleisch ist, das eben etwas Halbes ist und den Fehler aller Halbheit hat. Sie haben des lieben Friedens wegen die Hälfte Ihrer Lahnbahn vor der Hand Preis gegeben, wahrlich ein großes Opfer!, Sie wollen tummle .on Kod.enz nach Frankfurt nicht mehr über Gießen fahren (nur ein kleiner Umweg von 16 Stunden) sondern von Koblenz über Limburg nach Wiesbaden. Der Fortsetzung unserer Eisenbahn aber von Limburg über den Westerwald nach Deutz soll deshalb unterbleiben, weil, sagen Sie, der Eisenbahnbau von Bonn bis Koblenz gesichert sei, darüber aus Gründen a priori zu streiten sei überflüssig, die nächsten Tage würden Gewißheit bringen; an eine Parallelbahn über den Westerwald sei daher nicht zu denken.
Nun müssen wir aber dem Herrn VAllDCorrespon- denten die Nachricht mittheilen, daß allerdings jene Gewißheit bereits zur „Gewißheit" geworden ist,^ nämlich, daß die preußische Negierung die Concession zu einer Eisenbahn auf der linken Rheinseite verweigert hat, und zwar aus denselben Gründen, weshalb sie es schon früher gethan. Am 16. d. M. fand daher eine Versammlung der Gesellschaft in Köln statt, und das Unternehmen wurde aufgegeben.
So viel wissen wissen wir nun: Wird eine Bahn
meine Liebe zu Fatiuiya; sagte ihr Alles, ohne irgend einen Rückhalt und bat sie um ihren Segen.
Die Gute erhörte alle meine Bitten. Wir beschlossen ich solle unverzüglich nach Leos zurückeileu, mich daselbst trauen lassen und dann mit ihr nach Palermo reifen, in welcher Stadt meine Mutter uns empfangest würde. In Palermo wollten wir Alle dann für immer unsern Wohnsitz aufschlagen.
Wiederum vertraute ich mich den Launen der türkischen See an. DaS erste beste Schiff, welches nach Smyrna bestimmt war, bestieg ich.
Das Schiff war alt und schlecht. Als wir in Malta augckommcu waren, mußte daS baufällige Gebäude einer gründlichen Ausbesserung unterworfen werden, n-clche einen ganzen Monat in Anspruch nahm. Wer beschreibt meine Ungeduld?
Endlich verließen wir daS Eiland, und endlich nach einer langen und gefährlichen Fahrt erblickte ich die Insel Ecos, an welcher daS Schiff hart vorbeifuhr.
Ich ließ mich in einem Boote an daS Ufer der Ju- scl rudern und eilte pfeilgeschwind in die weithin strahlende Wohnung Constantius. AlS ick) das HauS betrat fiel mir sogleich eine allenthalben herrschende unheimlich Stille sehr unangenehm auf; ich sah keine Diener, lltic- maud eilte zu meinem Empfange herbei. Ich trat in daS mir unvergeßliche Gemach, in welchem ich Fatiniya zum erstenmale erblickt hatte. Da saß in Traucrklcidcr
entlang dem rechten Rheinnfer gebaut, so werden die Herren Weilburger niemals eine Lahnbahn befommeit, das ganze Lahnprojekt fällt in die Brüche; wird hingegen die Westerwäldcr Tauuusbahn ausgeführt, so wird es nicht ausbleibeu, daß über kurz oder lang auch im Lahnthal Seitenbahnen errichtet werden. Unser Herr Vialli Korrespondent wird sich daher endlich bequemen mühen, der bestrittenen Westerwälder Bahn endlich Gerechtigkeit widerfahren zu laßen, um so mehr, als es ohnehin für den Transport der Braunkohlen eine eigne Bahn vorzuschlagen die Geneigtheit hatte, und daher zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.
Verehrtester Herr VMK Korrespondent, Sie wollen schon im Frühjahr, spätestens im Sommer, bauen? Wir auch, mein Lieber, schaffen Sie nur Geld herbei!
Deutschland.
M. Vom Lande. (Ueber den Kirchenzwang der Lehrer.) Der eigentliche und wahre Vorzug des Menschen allen Geschöpfen dieser Grbe gegenüber besteht in dem freien Willen. Beschränkungen des freien Willens können von uns selbst ausgchen, wenn wir nämlich die Sinnlichkeit und die Leidenschaften Herr über das beyere „Ich" werden lassen; oder sie können von Anderen ausgehen, wenn man gezwungen wird, gegen das eigene bessere Erkennen zu handeln.
Letzterer^Fall ist gleichsam eine Gewalt am Geiste und es müßen demnach die bösen Folgen derselben auch nur Jenen zugeschrieben werden, von welchen der Zwang ausgeübt wird. Freilich lehrt die Erfahrung, daß alle WiUensbändiger früher oder später ihr eignes Werk an dem Geknechteten selbst verdammen; nicht in feindlicher Absicht gegen sich, sondern aus Wuth gegen das Opfer ihrer Despotie, weil da keine Eorötorffr wuchsen, wo Holzäpfel gepfropft wurden.
Eine der Freiheit beraubte Mcnschenklasse sind die Lehrer; man denke nur an den fürchterlichen Kirchenzwang, welchem alle Glieder dieses Standes und namentlich die katholischer Konfession, unterworfen sind. Nicht blos zweimal, an Sonntagen, nein auch an jedem Werktage Morgens und zu gewissen Zeiten Abends, wird von diesen der Besuch des öffentlichen Gottesdienstes gefordert. Versäumt ein Lehrer, dieser Vorschrift genau nachzukommen, so macht man ihn zum Stichblatt jeglicher Verdächtigungen. Jene lieblosen Verleumder erkennen aber nicht, daß Zwang demora- lisirt, während Freiheit zu sittlicher Größe erzieht. Um letztere Behauptung, welcke zwar längst erwiesen und anerkannt ist, auch durch vorliegenden Fall zu rechtfertigen, diene kurz Folgendes:
Wenn der Drang des Herzens den Menschen zum I Gotteshause ruft, so werden die erhabenen Lehren deS I Evangeliums, die gemeinsame Andacht aller zu glei- I chem Zwecke Versammelten, überhaupt sämmtliche got-
gehüllt, — Crephana, welche bei meinem Anblicke bewußtlos zur Erde niekerficl.
Ich richtete sie auf, und nachdem meine Bemühungen sie wieder ins Leben zurückgcrufcn hatten, sagte sic mir:
warum bist Du vier Tage zu spät gekommen; jetzt ist alles verloren." Eine furchtbare Ahnung ergriff mich; ich drang in sie, ick beschwor sie, mir sofort Alles zu : enthüllen. Von ihren Thränen fast überwältigt, erhob sie sich und schritt auf einen Schrank zu, den sie öffnete und auS welchem sie ein zusammengefalteneS Papier nahm, daS sie mir übereichte.
Hastig entfaltete ich es: es waren die theuren Schriftzüge der geliebten Fatiuitza; ich nahm alle Kraft zusammen — ich las:
Ack komm, komm zurück, mein Geliebter! Komm zurück , Du hast nur noch drei Tage. — Während ich schreibe; steht Stephana am Fenster und sieht auf das Meer hinaus. Unser Kind schläft. — Morgen ist her dritte Tag; uns ist nur noch eine Nacht gegeben; diese Nach! werden wir im Gebete verbringen, Stephana und ich; sie hat den Priester, der sie traucte, vermocht, ein wundert hakiges Bild der heiligen Jungfrau in mein Zimmer zu bringen. Wir knien vor diesem und ich werde ihr die Füße durch unser armes Kind küssen lassen. — Heilige Jungfrau, sei mir.gnädig. Stern ter Liebe, fei mir gnädig. Schmerzensmutter, sei mir gnädig! — Alle Hoffnung verloren? — Der Tag, mein Geliebter, der Tag bricht an, schön, lächelnd, als ob Du