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„âeètzerL und Recht!"
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Wiesbaden. Dienstag, 26. Februar
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♦f* Pairie und Sozialismus.
Bürger Manteuffel hat bekanntlich zu seinem Organe die „Deutsche Reform." Diese läßt sich in einem ihrer jüngsten Leitartikel über die Nothwendigkeit der Pairie in Preußen also vernehmen: „Wir haben in unserm neulichen Artikel darauf hingewicsen, daß ein Widerspruch zwischen Staat und Gesellschaft, wie er schon seit Jahren sich entwickelt und in den Märztagen zum sichtbaren Ausbruch gelaugt ist, die Hauptschuld trägt an den politischen Wirren, und daß die Anbahnung einer Lösung dcffcl- beu als die dringendste Aufgabe der modernen Politik erscheint." Soweit wären wir mit Bürger Manteuffel vollständig einverstanden. Hören wir weiter : „Indem wir den Entwickelungsgang dieses Widerspruchs aufsuchen, glauben wir darin zugleich den Weg zur Heilung zu finden. Die Gesellschaft ist des Staates Inhalt, der Staat die einzig mögliche Form der Gesellschaft, in welcher sie dem Triebe und der Gefahr der Selbstzerstörung widerstehen kann. Nur in der Identität von Inhalt und Form (d. h. also von Gesellschaft und Staat!) ist wahres Leben; die Aufhebung dieser Identität beim Individuum, wie bei der Gesellschaft aber ist der Tod." Oder, um es unsern Lesern in einer andern Weise wiederzugeben: ein Volk befindet sich immer in einem krankhaften Zustande, wenn die Masse der Regierten ein anderes Interesse, andere Forderungen, andere Bedürfnisse hat, wie die Siegte; rung. Bürger Manteuffel belehrt uns nun weiter: „die verneinenden Kräfte der Gesellfchaft haben in neuester Zeit mehr als einmal schon die Hand angelegt, das schwacher gewordene Band des Staates zu zerreißen, und damit zugleich jedesmal auch die Existenz der Gesellschaft in Frage gestellt. — Im alten Staate, den man nach seinem Hauptmomente gern den Feudalstaat nennt, war die Identität von Inhalt und Form dadurch hergestellt und gesichert, daß die Organisation des Staates auf keinen andern Prinzipien beruhte, als auf welchen das gesellschaftliche Leben allezeit geruht hat und immer ruhen wird, nämlich auf den Prinzipien des P r i v a te i g c u- thums und der Familie.
So band der Fcudalstaat die Gesellschaft in Bezug auf G r u n d und Boden, das G r u n d e i - wen thu m durch das Lehnrecht und die Unveräußerlichkeit und Untheilbarkeit; die strenge Zunft des Mittelalters legte auf das Gewerbswesen, die Fabrikation und den Verkehr den entschiedensten Zwang. Mit einer größeren oder geringeren persönlichen oder politischen Gebundenheit wurde die Sicherheit der materiellen Existenz erkauft. Allein die g r 0 ß e M i ssi 0 n des Staates liegt darin, die politische Freiheit des Individuums zur Geltung zu bringen, ohne
Leben und Abenteuer des John Davys
Von Alexander D u in a S,
(Fortsetzung.)
Fatinitza verlassen? ES war mir nicht eingefallen, daß ich werde wieder von ihr scheiden müssen, und doch konnte ich nicht bei ihr bleiben, ohne Argwohn bei Con- ssantin und Fortunato zu erregen. Ich mußte Coustan- tiu folgen oder ihm alleS gestehen, Ecos verlogen, oder bleiben als Bräutigam FaliniyaS.
Ich schrieb an Fatiniya, daß ihr Vater und Bruder zurückgekommen wären und sie mich erst später erwarten könne. n ,
Ich stand noch auf der letzten Stufe der Leiter als Fatiniya meine Traurigkeit schon bemerkte.
„Mein Gott," fragte sie besorgt, „waS ist Dir Geliebter?" „ , .
Ich lächelte traurig und druckte sic an mein Herz.
„Sprich!" fuhr sie fort, „Du bringst mich um; sprich, sprich, waS ist geschehen?"
— „Dein Vater verläßt in vierzehn Tagen Ceos, meine Fatiniya."
„DaS weiß ich; er hat cS mir heute gesagt. Sieb, ich liebe Dich ,v, daß ich ihn fast ganz vergessen hatte... Mich nur kann dies traurig machen, nicht Dich. WaS liegt Dir daran, ob mein Vater geht oder bleibt. Er ist ja nicht Dein Vater."
an der materiellen Basis, seiner Existenz, an den ewigen Grundsätzen der Gesellschaft zu rütteln." (Wir wollen hierfür einstweilen die Formel: Freiheit und Brod! gebrauchen.) „Der Staat mußte also in seiner naturgemäßen Fortentwickelung das politische Unrecht, welches in der rein prtvatrechtlichen Natur der öffentlichen Zustände lag, aufheben, und mit der allmähligen Verwandlung unfreier Landesbewohner in freie Staatsbürger auch diejenige^ Bande lösen, welche die alte Gesellschaft gefesselt hielten" (d. h. also Lehnrecht, Fideikommisse, Zunftzwang u. dgl.)
„Die politische Freiheit brachte indeß bisher nur ihre negative Seite zur Entwickelung. Sie löste zwar, aber sie reorganistrte nicht. So bildete sich ein öffentlicher Zustand, in welchem die Gesellschaft lediglich durch das Mittel der freien, ungehinderten Konkurrenz beherrscht wurde, und in der Form der hierauf beruhenden Bourgeoisie das Maß des Erwerbes oder des Geldes zum Maßstabe für die Theilnahme an der Herrschaft im Staate zu machen bestrebt war. — Die Bourgeoisie fand in der Bürokratie gewissermaßen eine Alliirte, indem die Koalition der Bourgeoisie mit der Büreaukratie (d. h. des Geldsacks mit der Schreibstube) hauptsächlich an der völligen Vernichtung der in der Gesellschaft noch vorhandenen Reste des älteren Feudalstaates gearbeitet hat. Wir dürfen nicht verkennen, daß die Entfesselung aller geistigen und materiellen Kräfte in der Gesellschaft, und die Herstellung der persönlichen und politischen Freiheit im Individuum ein unentbehrliches Mittel ist, um den Staat auf derjenigen Höhe zu halten, welche in der allgemeinen menschlichen Kultur einmal erreicht ist. Allein ein gesellschaftlicher Zustand, in welchem die Befriedigung physischer Bedürfnisse und die Erreichung materiellen Wohls alleinige Sorge des bessern Theils deS Volks wird, und aufhört, ein Mittel für höhere Zwecke zu sein, ist sittlich nicht zu halten, ohne zugleich die letzten Zwecke der Menschheit auf's Spiel zu setzen."
Hier halten wir inne; hier scheiden sich unsere und Bürger Manteuffels Wege. Hier sind wir am Ende des Vordersatzes angelangt, aus dem Bürger Manteuffel einen dem unsern gänzlich entgegengesetzten Schluß zieht. Halten wir noch einmal kurze Revüe über das Gesagte. Die Gesellschaft des durch Unveräußerlichkeit und Unteilbarkeit in der Familie zusammengehaltenen Grundeigcnthums, des in der Familie erblichen Meisterthums, die Gesellschaft der starren Familie und des starren Privateigenthums, die mittelalterigc feudale Gesellschaft hatte der Freiheit entsagt, um ihren Mitgliedern Brod zu geben. Die Gesetze des Staates entsprachen der Lage der Gesellschaft. Aber das „politische Unrecht", welches in der „Unfreiheit der Landesbewohner" lag, mußte nach einer Sühne ringen. Sie wurde ihm dadurch zu Theil, daß die Gesellschaft genöthigt wurde, nach Freiheit zu ringen, auf Kosten des sicheren physischen Unterhaltes ihrer Glieder. Der
— „Nein, Fatiniya, aber er nimmt mich mit sich. Er hat mir zu verstehen gegeben, ich möge mich bereit halten, Ccoö mit ihm zu verlassen. Ich kann nicht bleiben, ohne daß er .die Ursache zu ergründen sticht, welche mich zurückhält; und doch kann ich Dich auch nicht verlassen."
„Und wer hindert Dich, ihm alles zu sagen, Geliebter? Mein Vater betrachtet Dich schon als seinen Sohn.. Wir werden vereiniget werden und glücklich sein."
„Höre, Fatinitza," fuhr ich nach einer Pause fort, in welcher sie mich mit unbeschreiblicher Besorgnis; an sah; „höre mich und urtheile nicht schlimm von mir."
— „Sprich!"
„Wenn Deine Mutter noch lebte und Du wärest fern von ihr und Deinem Vater, würdest Du Dich ohne ihre Einwilligung verheirathen?"
— „Nein, nein!
„Nun, siehst Du, Fatiniya, ich bin fern von einem theuren Vater und einer lieben Mutter; ich habe ihnen schon Schmerz genug bereitet und in diesem Augenblicke werden sie es wissen, daß ich jede Hoffnung zertrümmerte, die sie auf mich scyten; weil in diesem Augenblicke ohne [ Zweifel ein Rechtösprnch mich zum Tode verurteilt und mir für immer die Pforten meines Vaterlandes vcr- ! schließt."
Staat kam diesem Bestreben bald zuvor, bald hinkte er nach, je nachdem mehr die Elemente der modernen Bourgeoisie, oder des alten Feudalismus darin die Oberhand hatten. Als Hauptursachen dieser veränderten Gesellschaftslage aber bezeichnen wir das Entstehen von Handel und Gewerbe, und damit die aufkeimende Macht des dein starren Grundeigenthum feindlichen beweglichen Kapitals; und die Vernichtung der katholi- schen Glaubenseinheit, des eisernen Dogma's, durch die flüssige, bewegliche, freie Vernunft des Individuums und die dadurch hervorgerufene Glaubensfreiheit. Auf diese Weise bekam allmählig, in Folge der größeren politischen und persönlichen Freiheit, das Prinzip der freien Konkurrenz, des uneingeschränkten Wetteifers aller, geistigen wie materiellen Kräfte, in der Gesellschaft die Oberhand, — obgleich eS noch weit von einem vollständigen Siege entfernt ist! Daß die Bourgeoisie, d. h. die in der Gesellschaft der freien Konkurrenz zur Herrschaft berufene Klasse, noch nicht zur Herrschaft gelangt ist, daS beweist eben, daß andere Gewalten, d. h. hier der Feudalismus, dort die Demokratie, ihr die Herrschaft streitig machen. Allein — sagt Bürger Manteuffel, und wir geben ihm ganz Recht — eine Gesellschaft, die auf dem Grundsätze der gewöhnlichen sinnlichen Selbstsucht, des materiellen Erwerbs beruht, ist sittlich nicht zu halten und muß untergehen. Denn „die große Mission des Staates — als Mittel zum Zweck der Gesellschaft — liegt darin, die politische Freiheit deS Individuums zur Geltung zu bringen, ohne an der materiellen Basis, seiner Eristenz zu rütteln." Als die „ewigen Grundsätze der Gesellschaft" werden dann Privateigenthum und Familie bezeichnet, und auch hierin erklären wir uns mit Bürger Manteuffel einverstanden: nur wollen wir eine andere Auffassung Beider, die sie nicht dem allgemeinen Interesse feindlich entgegenstellt, eineAuf- f a s s u n g, v e r möge d c r e n s t c n t cht dem E t n e 11 ausschließlich möglich, dem Andern unzugänglich sind!
Wie aber versöhnt nun Bürger Manteuffel, als Inhaber der Staatsgewalt in Preußen , die Regierung mit dem Volke, den Staat mit der Gesellschaft, die Freiheit mit dem Brode? Wie setzt er der „negativen" Seite der pvliliuhen Freiheit, nämlich der freien Konkurrenz, dem materiellen Erwerb , der Geldsucht eine positive Seite, ein die Gesellschaft vor dem sittlichen Bankerott rettendes Prinzip gegenüber?
Er gibt der Gesellschaft — Die Pairie! Er sagl's mit dürren Worten: „Wenn aber der Staat eingrcifen will in dieses ungebundene und lose Treiben und Ringen rivalisircuber Kräfte, dann ist es für ihn selbst nothwendig, zuvor eine Kraft zu gewinnen, welche, abgesehen von dem allgemeinen Interesse, welches Sille an der Lösung jenes Widerspruchs haben, durch ihre ganze Natur ganz besonders darauf hingcwiesen ist, den Gewalten cutgegenzutrcte», welche aus dem unvermittelt
— „Warum verurteilt man Dich zum Tode? Weil Du auf eine Beleidigung mit einer Ausforderung ant» worteteft? Wärest Du nicht der Schande verfallen, wenn Du anders gehandelt hättest?"
„Unsere Gesetze sind nun einmal so, Fatiniya. Wenn ich England wieder betrete, ist mein Tod gewiß."
— „Ach, dann kehre nie dahin zurück!" rief Fatiniya; indem sie ihre Arme um mich schlang. „Bedarfst Du jenes abscheulichen Landes? Hast Du nicht die ganze Welt und in der Welt diese arme Insel, die zwar Deinem England nicht gleich kommt, ich weiß eS wohl, wo Du aber so geliebt wirst, wie in keinem anderen Lande?"
„Gott ist mein Zeuge, meine Fatiniya, daß nicht mein Vaterland mir am Herzen liegt. Mein Vaterland ist der Ort, wo Du lebst und wo Du mir sagst, Du liebest mich. Ein Felsen mitten im Ozeane und Deine Liebe, — mehr verlange ich nicht, — sobald meine Eltern mir schreiben: sei gesegnet, Du und Deine Braut!"
— „Nun, kannst Du ihnen nicht schreiben? Sage meinem Vater, was Du mir gesagt hast und er wird geduldig auf den Segen warten, den Du verlangst."
„Eben das möchte ich ihm nicht sagen, Fatinitza. Wie Du eben sagtest, mein Vaterland hat nicht bloS seltsame Gesetze, sondern auch schreckliche Vorurtheile. Ich bin der Letzte einer alten und adeligen Familie..