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________________________________________________________âeiheit Recht!"

â »7. Wiesbaden. Sonntag, 24. Februar ISöO

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B. Die Parteien.

Wiesbaden, .23. Februar. Wenn man das Ge­schrei hört, welches die heutigen sogenannten Constitu- tionellen über die Demokraten erheben, und wenn das­selbe gerade von denen ausgeht, die sich bisher in einen liberalen Mantel zu hüllen wußten, so möchte ein ober- flächlicher Beobachter leicht glauben, die Demokratie sei von gestern und unterscheide sich nicht von andern Parteien, in ihrer Berechtigung und in ihrem End­zweck. Wir theilen daher zur Beurtheilung der heu­tigen sogenannten Constitutionellen uuv der Demokra­ten nachstehend eine Erörterung mit aus der Bibel der Constitutionellen, aus dem von Rotteck und Welcker heransgegebenen Staatslerikou:

Den Maßstab für die richtige Beurtheilung der Parteien gewinnen wir durch die Antwort auf die Frage: was ist unmittelbar der Zweck der Partei, kämpfe, was will zunächst jede Partei sich erringen? Gewiß nichts anders, als die Möglichkeit, den Staat ihren Begriffen und Wünschen gemäß zu organifiren. Undwenn diese Möglichkeit erkämpt ist, welcher Grund­satz, welches Prinzip, welcher leitende Gedanke bedingt diese Organisation? Einfach nichts anderes, als das Interesse. Jede Partei will den Staat in ihrem In­teresse orgauisiren, jede Partei, zur Herrschaft gelangt, gibt der Gesellschaft eine Form, die ihrem Interesse am entsprechendsten ist. Die Interessen sind es, die verschiedenen Interessen, um welche sich alle Partei­kämpfe drehen, welche den Mittelpunkt für alle Re­gungen und Bewegungen auf dem Gebiete des Staats bilden. Die Natur dieser Interessen bedingt auch die Natur der Parteien, gibt ihnen ihren Inhalt, ihr Prin­zip stempelt sie zu Dem, was sie sind, bedingt ihre charakteristischen Merkmale, unterscheidet sie von ein­ander.

Es gibt zwei Arten von Interessen, Sonderinte­ressen und allgemeine Menschheitsinteressen. Jenes sind Rechte, Privilegien, dieses das Recht. Wesentli­ches Merkmal der Privilegien ist die Benachtheiligung der Gesammtheit zu Gunsten Einzelner. Wesentliches Merkmal des Rechts: die Achtung der Rechte, der Be­dürfnisse jedes Einzelnen.

Es gibt, entsprechend diesen zwei Arten von Inte­ressen, zwei Arten von Parteien, Vertreter der Privile­gien, Vertreter der Menschheitsinteressen.

Dem Inhalte nach sind die Parteien der ersteren Art einander gleich, sie haben ein gemeinschaftliches Prinzip, dieselben Zwecke und Interessen; der Form nach spalten sie sich in drei Hauptklassen, deren Unter­schied durch die Mittel bedingt ist, welcher jede ein­zelne zur Realisirung ihrer Zwecke sich bedient. Da die Privilegien nichts Anderes darstellen, als eine Be­vorzugung Einzelner auf Kosten der Gesammtheit, eine Unterordnung der allgemeinen Interessen unter die Son- dcrintereffen, eine Herabwürdigung der Gesammtheit

Leben und Abenteuer des John Davys

Bon Alexander Duma».

(Fortsetzung.)

Zwei Stunden darauf hatte Fatinitza meinen Brief und Abends erhielt ich die Antwort. Es war eine jener hübschen gelben Blumen, deren Namen ich vergessen habe, die auf unsern Wiesen so häufig wachsen, dann eine Passions­blume und eine Ranunkel.

Fatinitza antwortete damit, daß sie sich sehne, mich zu sehen, daß sie aber ein großes Licbeslciv ahne.

Die Schwierigkeit, Sie zu sehen, war leicht zu über­winden; Constantin und Fortunato beobachteten uns nicht; wir konnten also Abends ungestört in dem Garten zusammcnkommcn; ich brauchte nur eine Strickleiter über die Mauer zu werfen, die drüben befestiget wurde. Ich schrieb dies Fatinitza und bat sie, mir, wenn sie ein­willige, eine Sonnenrose zu geben.

Ich kaufte Stricke und als Seemann wurde mir cs leicht, eine Strickleiter zusammen zu knüpfen. Die Nacht kam und ich wartete auf die Sonnenrose; aber ich er­hielt diesen Abend nichts.

Am nächsten Tage unternahm Constantin und For­tunato einen kleinen Ausflug zur See. Ich meldete dies der Gliebten und erwartete nun um so sicherer ans günstige Antwort.

ES schlug endlich neun Uhr und der Strauß erschien,

zum Mittel und Werkzeug für Einzelne, so gehören die Parteien der Privilegien einer dieser Classen an, je nach der Art und Weise, wodurch sie die Gesammt­heit für ihre Zwecke ausbeuten, als Mittel benutzen, in ihrem Interesse thätig sein lassen.

Die erste Classe vertritt diejenige Partei, welche unmittelbar die Staatsgewalt benutzt, um die Ge­sammtheit zu zwingen, in ihrem Interesse thätig zu sein, zu arbeiten, zu produciren, einen Theil ihrer Pro­dukte an die Inhaber der Saatsgewalt unter irgend welchen Formen und Vorwänden abzngebeu. Diese Partei repräsentirt den politischen Absolutismus. Der politische Absolutismus vindicirt dem Vertreter dieser Partei das Recht, den Staat so zu organisiren, d. h. die Art und Weise der Anwendung der Staatsgewalt so zu formuliren, daß dadurch das Privatinteresse des Eigenthümers dieser Gewalt und derjenigen, die er in sein Interesse hineinzieht, die er, um sie als Werkzeuge zu benutzen, zu seinen Mitschuldigen macht, über die Interessen der Gesammtheit gestellt wird.

Die zweite Classe vertritt diejenige Partei, welche das religiöse Gefühl der Menschen benutzt, um diese in einem Zustande zu erhalten, in welchem sie geneigt sind, im Interesse dieser Art von Privilegienbesitzern zu arbeiten zu produciren, ihnen einen Theil der Früchte ihrer Arbeit abzutreten. Es sind dies die Priester, die Vertreter der Kirche, so wie diese im Gegensatze zu den Laien im Verlaufe der Zeit entwickelt nnv na­mentlich durch Gregor VII. und die Jnnocenze ausge­bildet wurde.

Die dritte Classe vertritt endlich diejenige Partei, welche die Anstalten der Production und- des Verkehrs benutzt, um die Gesammtheit in ihrem Dienste arbei­ten zu lassen, sie zur Abtretung eines Theils der Früchte ihrer Arbeit zu nöthigen. Es sind dies die Vertreter des Capitals, die sogenannten Bourgeois.

Gemeinsames Merkmal dieser Parteien ist somit die Vertretung von Interessen, die den Interessen der Gesammtheit entgegengesetzt sind, Benutzung der Ge­sammtheit als Mittel für außer ihr liegende Zwecke. Sie unterscheiden sich nur durch die Mittel, welche sie zur Erreichung ihrer Zwecke anwenden. Die Vertreter des politischen Absolutismus zwingen unmittelbar durch die verschiedenartig sich auf stufenden Mittel der Ge­walt. Die Vertreter derKirche" erreichen ihre Zwecke durch eine eigenthümliche Bearbeitung des menschlichen Gemüths, und die Vertreter des Capitals benutzen das allgemeine Verkehrsmittel, das Geld, ^nn die Nichtbe- sitzenden ihrem Interesse dienen zu lassen. Diese Par­teien sind sämmtlich conservativer Natur, d. h. sie su­chen mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß der ihren Interessen entsprechende Zustand des Bestehenden, den sie entweder vorgefunden oder geschaffen haben, auf­recht erhalten werde, sie suchen daher um jeden Preis zu verhindern, daß die Gesammtheit, das Volk, in eine Lage komme, in welcher es die Privilegien vernichtet und der Gesellschaft eine, dem Interesse der Gesammt­

nicht blos eine Sonnenrose, sondern auch eine blaue Iris und Aconit. Fatinitza vertrauere sich mir ganz an. Ich warf daS Ende meiner Strickleiter über die Mauer und fühlte bald, daß sie befestiget wurde. Dann eilte ich mit der Gewandtheit eines Seemanns hinauf und sprang von oben in den Garten hinunter.

Fatinitza schrie laut auf, aber schon lag ich zu ihren Füßen, umfaßte ihre Knie, drückte ihre Hände an mein Herz, legte meinen Kopf an ihren Busen und schluchzte laut. Meine Freude war so groß, daß sic sich wie ein Schmerz äußerte. Fatinitza sah mich mit jenem glück­lichen Engelslächeln an, daS uns den Himmel öffnet, oder mit dem Blicke deS WeibcS, daS unS fein Herz giebt.

Mein Gott, welch' eine Nacht! Blumen, Duft, Nachtigallentöne, der Himmel Griechenlands und inmitten zwei junge gleich reine Herzen, die zum erstenmale liebten. Oh, in solchen Augenblicken gibt cs keine Zeit mehr.

Die Sterne erbleichten , der Tag brach an und wie Romeo wollte ich die Morgenröthe nicht erkennen. Doch wir mußten unS trennen; ich bedeckte die Hände Fa- liniyaS mit Küssen. Wir wiederholten einander in einer Minute, waS wir uns die ganze Nacht gesagt hatten; dann trennten wir unS mit dem Versprechen, uns in der nächsten Nacht wieder zu sehen.

Ermattet von meinem Glücke warf ich mich auf meinen Divan; um wo möglich von der reizenden Wirk­lichkeit zu träumen. Den nächsten Tag verbrachte ich fast

heit entsprechende, Form gibt; diese Parteien sind un­bedingt conservativ, d. h. sie suchen das Bestehende zu erhalten, auch wenn es noch so widersinnig, corrupt und unnatürlich, dem Interesse der Gesammtheit wider­sprechend wäre; für sie ist nicht die Vernünftigkeit, die Zweckdienlichkeit, das Wesen, der Kern maßgebend für Vie Erhaltung des Bestehenden, sondern die That­sache allein, daß etwas besteht, daß es geworden ist, also die leere Form, die Aeußerlichkeit, Jnhaltlosigkeit, d. h. sieermäßigen, wie Rohmer sagt, die Prin­zipien durch die Geschichte und das Recht", sie machen den Cultus der Form, des formellen, des positiven Rechts zum höchsten Zweck.

Diesen Parteien, den Vertretern der Privilegien gegenüber, steht die Partei, welche die allgemeinen In­teressen vertritt. Es ist dies die demokratische Partei, denn weil sie jedem Einzelnen sein Recht wahren will, sucht sie die Gesammtheit dieser Einzelnen, das Volk, in die Lage zu bringen, die Form des Staats seinen, d. h. den Volksinteressen, den Internen der Gesammt­heit, anzupassen. Wie die Parteien der Privilegien wesentlich conservativer Natur sind, so charakterisirt sich vie deinokratische Partei als eine reformatorische, eine schöpferische. Jenen geht die Produktivität, die Bil­dungsfähigfeit ab, ihre Interessen bewegen sich in fer­tigen, abgeschlossenen Formen, ihre Thätigkeit beschränkt sich somit auf vie Erhaltung dieser Formen, als ihrer Lebensbedingungen. Diese, die demokratische Partei, repräsentirt die organische Entwickelung vom Alten zum Neuen, vom Unbrauchbar-Gewordenen zum Besseren, denn ihre Interessen sind die der Menschheit, die Menschheit aber befindet sich einem ewigen Verjüngungs­prozeß, ver Abstreifung absolut gewordener Formen.

Die Parteien der Privilegien sind stabil, ihre Be­wegung ist nur eine scheinbare, mechanische, ewig in demselben Kreise sich beschränkende, der die einmal be- stehenven Formen umfaßt. Die demokratische Partei ist fortschreitend, von Innen heraus sich entwickelnd, organisch sich ausbildenv, Lebendig. Jene vertheidigen offenbare Gebrechen des öffentlichen Lebens, auch wenn sie dem allgemeinen Interesse nachtheilig, wenn sie nur den Privilegien förderlich sind. Diese kennt als höch­sten Zweck nur das Wohl aller Einzelnen, und was Diesem entgegensteht, vas vernichtet sie, und wäre es 1 durch tausendjährigen Bestand, durch den dicksten Rost der Jahrhunderte sanktionirt, positiv gemacht; was dagegen mit jenem höchsten Zweck sich verträgt, das respektirt auch die demokratische Partei, sie ist also eben­falls conservativ, aber nicht unbedingt, sondern kri- tisirend, erwägend, prüfend, sie conservirt nur das Gute, das Wahre, das dem allgemeinen Zwecke Dienliche, : aber nicht das Schlechte, das Falsche, das Unbrauch­bare, sie conservirt mit einem Wort nicht weil Etwas besteht, sondern weil cs vernünftig und gut ist, sie be­trachtet nicht blos die Form, sondern das Wesen, den Kern, den Inhalt."

So das Staatölerikon. Wir fordern jeden ehr -

ganz mit Schreiben, bis endlich die Dämmerung kam, die Sterne von neuem erschienen und ich mich wieder zu den Füßen FatiniyaS sah.

In der vorigen Nacht hatte jedes von uns von sich gesprochen, in dieser sprach jedes von dem andern. Ich erzählte ihr, wie meine Liebe entstanden, und sie gestand mir, wie sie mich habe lieben lernen durch die Erzählung ihres Vaters und Bruders von mir. Es war unS, als kennten wir einander schon seit einer Ewigkeit und alS hätten wir einander geliebt seit wir die Angen aufge- schlagen.

Am nächsten Tage kamen Constantin und Fortunato zurück; ich wollte ihnen an den Strand entgegen gehen, aber ich hatte den Muth nicht. Später sagte mir Con­stantin , daß er in vierzehn Tagen seine Heimath ver­lasse und einen neuen Kreuzzug unternehme; auch fragte er mich, ob ich die Gelegenheit benutzen wolle, um nach Smyrna zu kommen und mein Versprechen zu erfüllen, das ich Apostvli gegeben habe.

Offenbar sah es Constantin nicht gern, daß ich während seiner Abwesenheit auf der Insel bleibe, und seine wenigen Worrs zertrümmerten mit einem Schlage mein stolzes Gebäude von Glück.

(Fortsetzung folgt.)