germekster des letzter» Ortes an der Spitze, unter Musik und Flintenschüssen nach Langenbach, ihre Glückwünschungen dein Freigesprochenen darzubringen. Heute Morgen, wo Herr Pfarrer Snell seinen Dienst wieder antrat, war die Kirche zum Erdrücken voll, und soeben am Abend war die Bürgerwehr von Weilmünster da, die ihn, trotz der regnerischen Witterung mit einem herrlichen Fackelzug, begleitet mit Büchsenknall und Hörnerschall, beehrte.
^ Von der Weil, 20. Februar. (Eine deino- kratische Kindtaufe.) Mit dem Wieverantritt seines Dienstes hat Pfarrer Snell nun auch die beiden während seiner Suspension gebornen Kinder getauft. Das eine, zu Langenbach selbst geboren, hatte das gewöhnliche Alter, welches für die Vornahme der Taufhandlung festgesetzt ist, noch nicht überschritten. Das andere dagegen, das Kind des Zinngießers Kohl zu Winden, welches vorgestern getauft wurde, ist bald ein halbes Jahr alt, „ein prächtig Proletarier- kind", das nun beinahe zur Taufe hätte laufen können. Dieselbe wurde nämlich nicht in Winden, sondern auf der Elcnsmühle, wo im Jahr 1848 die demokratischen Volksversammlungen gehalten wurden, vorge- nommen. Zwölf der angesehensten Demokraten und Demokratinnen der Umgegend, darunter Pfr. Snell selbst, dessen Namen der Knabe trägt, hoben denselben ans der Taufe, wobei sich der Täufling sehr verwundert umschaute, als ob er hätte fragen wollen, was das zu bedeuten habe. Die Bürger von Langenbach hatten dem Vater des Kindes als Anerkenntniß seiner Standhaftigkeit ein kleines Geschenk überreicht. Unter fröhlichen Liedern und Gesprächen über die hoffnungsreiche Zukunft der Demokratie wurde der Abend verbracht. — Wir aber berichten Ihnen diese Taufe als einen Beweis, wie sich die demokratischen Ideen als eine Weltmacht, als eine neue Religion immer tiefer in die Sitten und Gebräuche, wie in die Herzen der Menschen einsenken und befestigen. Des armen Mannes Kind, gleichsam schon in der Wiege zum Märtyrer der Demokratie geworden, wird der Gegenstand der Aufmerksamkeit und der Theilnahme einer ganzen Gegend, des armen Mannes Familie tritt als ebenbürtig in die Gesellschaft der reichen Leute ein und nimmt an ihrer Freude Theil: das Bewußtsein der Gleichheit macht sich mit einer Energie geltend , wie dies in der Weltgeschichte noch nicht gewesen ist! —
Köln, 21. Febr. (Westd.Z.) Unsern Lesern ist bekannt, daß Karl Schapper schon früher, als er Mitarbeiter an der N. Rh. Ztg. war, einmal Herrn Geiger unbequem war. Herr Geiger verfügte die Ausweisung Schappers, Hr. v. Wittgenstein gab aber der öffentlichen Meinung nach und nahm die Ukafe zurück. Als nach Unterdrückung der N. Rh. Ztg. Schapper in seine Hcimath Nassau zurückkehrte, wurde er alsbald wegen seines Besuchs der Idsteiner Versammlung verhaftet und endlich vor einigen Tagen freigesprochen. Er eilte nach Köln, wo während seiner neunmonatlichen Haft sein Weib und ein Kind gestorben und zwei andere kleine Kinder der Pflege anderer Menschen überlassen waren. Schappers Absicht war es nicht, Köln zu seinem Wohnsitz zu nehmen, er wollte nur das Grab seines Weibes sehen, den zerrütteten Hausstand ordnen und seine Kinder abholen; er vermied jedes öffentliche Auftreten, und hätte man nicht der Stimmung, in der Schapper Köln wieder betrat, Rechnung getragen, so hätte man cs fast tadeln mögen, daß er sich so sehr zurückzog. Den Schmerz, den Jeder achtet, zu verhöhnen, blieb Hrn. Geiger vorbehalten. Schapper war kaum 36 Stunden in Cöln, als sich auch schon ein Handlanger des Hrn. Geiger bei ihm einfand, und beliebter Kürze halber, ohne schriftlichen Befehl zu zeigen, mittheilte, Schapper habe sammt seinen Kindern bis zum 21. d. M. Köln zu verlaffen. — Schapper ist deutscher Ausländer und wir wollen deshalb mit Herrn Geiger nicht rechten, wenn er den Ausländer nicht im Königreiche Preußen duldet und
die Rücksichten, die ein^Wittgenstcin anerkannte, nicht gelten läßt. Aber die Frage steht uns frei: Hat Hr. Geiger anch keine Ahnung von Dem, was Schapper nach Köln trieb, keine Ahnung von Dem, was Gattentrauer was Vaterlebe heißt? Glaubt Hr. Geiger wirklich, es gereiche ihm zur Ehre, wenn er, das Unglück verspottend, sich in die Toga seiner polizeilichen Unfehlbarkeit hüllt? Wie wir hören, hat Schapper die Polizei nur um 10 Tage Aufenthaltsfrist gebeten und es wird Herrn v. Möllers Sache sein, zu entscheiden, ob er unter v. Wittgenstein, ob er mit Herrn Geiger auf gleicher Stufe stehen will.
J. J. Vom Rhein, 18. Febr. Der Verfasser des Artikels in Nr. 40. dieses Blattes: „Q Vom Rhein," konnte oder wollte die Wahrheit nicht sagen. Mag es nun so oder so sein, die Mittheilung desselben sollte Jeden, der die Sache kennt, auffordern, zur Verhütung von Aergerniß dieselbe an das Licht zu ziehen. In Nachfolgendem soll dies geschehen.
Schreiber dieses ist mit ganzer Seele dafür, daß die Schule der Beaufsichtigung der Geistlichen enthoben werde, hat auch schon Erfahrungen gemacht, wie übel Schule und Lehrer bisher daran waren; deßhalb jedoch das Schulgesetz von 1817 ein „blindgebornes- zu nennen, während es seiner Zeit eines der besten war, wenn schon es sich jetzt überlebt hat; deßhalb jeden Geistlichen zu verdächtigen: das würde ihm im Traume nicht einfallen.
Das kritisirte Zirkulär in Betreff des Lesezirkels muß durch eine ungefärbte Brille — oder auch ohne dieselbe — betrachtet werden, weil alsdann die Gestalten nicht darin können gefunden werden.
Ist da wohl Gewissenhaftigkeit bei Allen, wo in einem Zirkel von ungefähr 20 Lesern innerhalb eines Jahres mehrere Bücher verloren gehen?
Daß es dem „geistlichen Aufseher" mit seiner Verfügung nicht um das Strafen zu thun war, geht wohl daraus hervor, baß viele der betreffenden Lehrer bei demselben um Herstellung der Ordnung im Lesezirkel baten; daß die Sache dann auf einer Konferenz zur Sprache kam und hier von den Lehrern selbst eine durchschnittlich größere Strafe bestimmt, daß endlich die Schul- inspektion mit dem Vollzug des Beschlusses beauftragt wurde, dem sie sich jetzt — nach 5^ Monaten — unterzog.
Sollte der Herr Correspoudent ein Lehrer sein; so möchte ich wissen, wo er während des Schreibens sein Gedächtniß hatte; so möchte ich einmal die Konduiten- liste scheu , die er über seine Amtsbrüder führt. Die Ausdrücke: „Fertige" und „Strebende," sind gewiß für diejenigen, welche Rununcranonen erhielten, empörender, als eine Strafe von 6— 30 fr. für einen Unordentlichen ist, über die man einmal herzlich lachen wird.
Der Lesezirkel ist kein zn verachtendes Institut; daß die Schuliuspekiion dem Lehrer feines Wohnorts die Sache in die Hand gegeben, ist nichts Neues; über die neu anzuschaffendcu Bücher berathen Schuliuspcktion und sämmtliche Lehrer.
Die Lehrer der gedachten Inspektion haben sich auch vor 1848 im Ganzen einer humanen Behandlung zu erfreuen gehabt; wie der jetzige „geistliche Schulauf- seher" sich inhuman gezeigt, dies zu beweisen stelle ich dem Herrn Korrespondenten als Ausgabe für seine nächste Arbeit, bitte aber das Publikum, bis zur Lösung derselben die zitirte Mittheilung auf sich beruhen zu lassen.
Mainz, 19. Februar. (Mz. Z.) Wilhelm Frainbach, Schreiner aus Alzei, soll in trunkenem Zustande auf der Kirchweihe zu Heppenheim im Loch geäußert haben: „Wäre jetzt der Großherzog in der Nähe, so würde er ihn erschießen, wenn er nur eine halbe Patrone hatte, alle Fürsten müßten gestürzt werden."
Deßhalb erschien er heute vor den Assisen wegen — Majestätsbeleidigung!! Herr Valckenberg, der die Staatsbehörde vertrat, wurde von dem Präsidenten ^r- Knyn kräftig unterstützt. Herr Knyn wird wohl auch zur Leitung der nächsten Assisen berufen werden.
Anwalt Becker vertheidigte den Angeklagten und die Geschwornen ivrachm nach kurzer Berathung das Nicht schuldig aus^ <
Wien, 17. Februar. Die von unS bereits früher gegebene Nachricht, daß ein österreichisches Armeekorps nach Nom marschiren • werde, bestätigt eine Wiener Korrespondenz der „Grazer Zeitung". Hiernach würde F.-Z.-M. d'Aspre den „ehrenvollen" Zug zu Ende d. M. antreten und in Rom das österreichische Wappen auf dem Konsulatsgebäude aufpflanzen, während Papst Pius gleichzeitig seinen Einzug in die heilige Stadt hielte.— Die Entschädigung der durch die Oktober- ereignisse beschädigten Einwohner Wiens soll nun definitiv genehmigt sein. Die Summe dazu ist auf 650,000 fl. festgesetzt. Die Schäden, welche sich nur auf 500 fl. belaufen, sollen ganz, jene bis auf 2000 fl. mit 70 pEt. und jene bis auf 5000 fl. mit 40 pEt. vergütet werden. Der noch erübrigende Rest von circa 200,000 fl. soll jenen Hausbesitzern zu Gute kommen, welche bisher nicht im Stande waren, ihre dcmolirten Gebäude wieder aufzuführen. — Der nächstens in der Gemeinde zur Berathung kommende Entwurf eines Grundstatuts für die Israeliten in Wien bestimmt, daß diese keine politische Gemeinde bilden, sondern nur als Religionsgenossenschaft sich konstituiren sollen mit selbstständiger Leitung ihrer religiösen und Schulange- legenheiten. Mitglied der Genossenschaft kann jeder Israelit sein, der dem Gemeindeverband von Wien angehört. (Nat.-Z.)
Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten. Es ist in Der letzten Zeit oft von einer Note Lord Pal- m e r st o »'s an Dänemark in Bezug auf die Schleswig- Holstein'sche Frage Die Rede gewesen. Das englische „Daily news" will jetzt über den Inhalt derselben näher unterrichtet sein. Dänemark wird darin zuerst wegen der Ausflüchte, die cs der Verlängerung des Waffenstillstandes vom 10. Juli entgcgengestcllt, zurechtgewiesen. In Bezug auf die Vorschläge Dänemarks für den dcfi. mtiven Frieden, heißt es darin, daß diese von der Art sind, daß sic von den Herzogthümern nicht angenommen werden können. Seine Lordschaft räth daher Dänemark ernstlich, jenen unversöhnlichen Geist abzulegen, den eS bisher gezeigt hat, zu erwägen, was den Herzogthümern mit Recht gebührt, und jene vernünftigen Konzessionen zu machen, welche absolut nothwendig sind, um eine Erneuerung des Krieges zu verhindern, mit einem Worte, die Verhandlungen durch die Errichtung des Friedens auf einer gerechten und dauerhaften Grundlage zu einem schnellen und glücklichen Abschluß zu bringen.
Wenn es aufrichtig hierzu mitwirkte, würde es sich die Freundschaft Großbritanniens und den Beifall der civilisirten Welt erwerben. Wenn dagegen die dänische Regierung bei dem unverständigen, ausweichenden und eigensinnigen Verfahren, das sie bisher befolgt und das die Interessen und die Würde Groß- brftaniens gleich sehr beeinträchtige, beharre, dann würde seine Lordschaft der Regierung Ihrer Magestät empfehlen müssen, die Vermittelung Großbritanniens zurückzuziehen und den Abschluß des Friedens zwischen Dänemark und Deutschland der allgemeinen Zustimmung der europäischen Mächte zu übertragen.
Berlin, 18 Febr. (ND.ZJ Nach der Versicherung polnischer Blätter, z. B. des „Dziennik Sohki" hat sowohl Fürst Nadzivill als Vermittler, wie später Manteuffel selbst, den polnischen Abgeordneten geradezu gesagt, man würde von der Zerstückelung des Groß- Herzogthums nur dann abstehen, wenn die Pairskammer, der Licblingswuusch des Königs durchginge. Um Diesen Preis enthielten sich die Polen der Abstimmung und dadurch erhielt das Ministerium seine Majorität von etwa einem Dutzend Stimmen. —
Berlin» 21. Febr. Die zweite Kammer hat den außerordentlichen Kredit yon 18 Millionen Thaler einstimmig bewilligt.' (§. 3 )
führten die Mädchen und mein Goldfaden gab mir ein Recht zu dem Arme Fatiniyas. Ich fühlte ihn auf dem meinigen ruhen. Wer könnte wissen, was wir einander sagten? Kein einziges Wort von unserer Liebe und doch nichts als Liebesworte. Es liegt etwas Jungfräuliches und Gcheimnißvolles in der Ergießung zweier junger Herzen, die zum erstenmale lieben. Wir sprachen vom Himmel, von den Sternen, von der Nacht und als wir an dem Hanse Constantins ankamen, wußten wir, ich, daß ich der glücklichste Mann, und sie, daß sie das geliebteste Mädchen sei.
Am nächsten Tage war alles dies verschwunden, wie ein Traum, denn wir hatten weder Gelegenheit noch Mittel einander zu sehen.
Es vergingen zwei bis drei Tage an denen ich nur von Erinnerungen lebte ; dann aber fühlte ich im Herzen mehr Schmerz als Freude. Eines Tages flatterte endlich die Taube an mein Fenster; und nun war ein Bote gefunden. Ich schrieb auf ein Blättchen Papier:
„Ich liebe Sie und sterbe, wenn ich Sie nicht widersehe/ Diesen Abend zwischen acht und neun Uhr werde ich um den Garten herumgehen und an der Ecke nach Morgen zu sitzen bleiben. Im Namen des Himmels eine Antwort, nur ein Wort, ein Zeichen, das mir beweist, Sie haben Mitleiden mit mir."
Dieses Briefchen band ich unter dem Flügel der Taube an, die sogleich wieder nach dem Fenster ihrer
Gebieterin flog. Das Herz klopfte mir wie einem Kinde.
Ich wagte nicht an dem Tische mit Constantin und Fortunato zu essen; eine Stimme im Innern flüsterte mir zu, ich handele Unrecht und verleye Die heilige Gast- : freundschaft. Der Abend kam. Ich ging eine Stunde j früher aus, als ich geschrieben hatte. Endlich schlug es neun Uhr und mit Dem letzten Glockeuschlage fiel ein Strauß zu meinen Füßen nieder. Fatiniya hatte errathen, daß ich schon am bestimmten Platze sein werde. Ich griff schnell nach dem Strauße; es war keine Antwort, aber doch ein Zeichen. Plötzlich fiel mir ein, daß im Oriente Die Blumen eine Sprache haben und ein Strauß bisweilen so gut ist, als ein Brief. Der Strauß Fatinitzas bestand aljs Primeln und weißen Nelken; aber ach! ich wußte nicht, was sie bedeuteten.
Ich küßte sie hundertmal nuD legte sie auf mein Herz, auch erinnerte ich mich eines armen Mädchens, dem ich oft eine kleine Gabe gereicht hatte; sie kannte die Sprache der Blumen gewiß auch. Den nächsten Tag suchte ich sie auf und sie sagte mir, daß die Primeln Hoffnung, die weißen Nelken Treue bedeuteten.
Dann schrieb ich wieder und die Taube beförderte mein Briefchen; mit dem Schlage neun Uhr Abends fiel ein anderes Sträußchen über die Gartenmauer. Die Blumen, die sie diesmal gewählt hatte, bedeuteten: Fa- tinitza fühle wohl Liebe, aber sie fürchte auch.
Sobald ich in mein Zimmer gekommen war, schrieb ich: „Dank, tauscndmal Dank, Angebeteter Engel für Deine Liebe; aber warum auch Furcht? Fürchtest Du, ich liebte Dich nicht so, wie Du es verdienst? Fürchtest Du, meine Liebe werde nicht von langer Dauer sein? Meine Liebe ist mein Leben, sie schlägt mit meinem Blute sie vermischt sich mit allen meinen Gedanken und wenn mein Herz nicht mehr schlagen, mein Verstand erloschen sein wird, lebt gewiß doch meine Liebe noch, denn meine Liebe ist meine Seele und ich fühle cs erst, daß ich eine Seele habe, seit ich Dich gesehen."
„Fürchte also nichts mehr meine liebe Fatinitza, sei unbesorgt, mein Engel; laß mich Dich sehen, nur eine Stunde, nur einen Augenblick, nur eine Secunde , und wenn — wenn ich Dir mit dem Munde, mit den Augen mit allen meinen Fähigkeiten sage: ich liebe Dich meine Fatinitza, ich liebe Dich mehr als mein Leben, mehr als meine Seele, mehr als meinen Gott, — wenn Du dann noch fürchtest, nun dann entsage ich Dir, verlasse Ceos und wandere in ein anderes Land, nicht um zu vergessen, daß ich Dich gesehen habe, sondern um zu sterben, weil ich Dich nicht mehr sehen kann."
(Fortsetzung folgt.)