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Freie Zeitung

Freiheit und Recht!"

Wiesbaden. Samstag, 23. Februar

1850»

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fL 45 kr., aus­wärts durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung« stets von wirk- samem Erfolge. Die Znserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Zur Verständigung in der Naffauischen Eisenbahnfrage.

VMK. Bon der Lahn, 17. Februar. Sie haben unsern jüngsten Artikel vom 2. d. M. nunmehr ge­bracht; es liegt uns ein seitdem erschienener Doppel­artikel (in Nro. 30-31 derFr. Ztg.") wieder zur Beantwortung vor, den wir Punkt für Punkt wider­legen könnten, wir wollen aber lieber noch einmal z u r Verständigung reden, denn den Lesern dieser Blät­ter, die doch schwerlich Alle ein bedeutendes Interesse an der Eisenbahnfrage haben, möchte die Geduld aus­gehen *). Wir wollen daher unsere Vorschläge noch­mals formuliren und neu begründen, und ehe wir den Kampf wieder ausnehmen, abwarten, was unsere Geg­ner zu denselben sagen.

Wir wollen einmal ganz von dem Stand­punkt der Letztere»! ausgehen. Sie legen das Haupt­gewicht auf die Verbindung zwischen Frankfurt und Cöln (deren Wichtigkeit auch wir nie verkannt haben) und suchen eine mittelrheinische Eisenbahn. Die ge­suchte Verbindung würde über Gießen und Coblenz hergestellt sein und zwar mit nur 45 Stunden Um­weg gegen die Route über Wiesbaden und Deuz, wie wir nachgewiesen haben; eine mittelrheinische Eisen­bahn aber würde naturgemäß den Rhein entlang füh­ren. Nun ist der Bau einer Bahn von Coblenz nach Cöln (Bonn) gesichert, darüber aus Gründen a priori zu streiten ist überflüssig, die nächsten Tage werden die Gewißheit bringen. Daß alsdann an eine Paral­lelbahn über den Westerwald nicht mehr zu denken ist, ist klar; auch darüber werden wir kein Wort mehr verlieren. Es bleibt also nur die Fortsetzung von Coblenz nach Frankfurt zu besprechen. Daß diese auf dem linken Rheinufer nicht wohl auszuführen »st, das kann uns Nassauern nur erwünscht sein. Auf dem rechten Ufer hätte sie etwas weniger Schwierigkeiten, brächte aber ebenfalls für Nassau wenig Gewinn, und wenn in diesen Tagen das Projekt einer Rheingauer Eisenbahn wieder aufgetaucht ist, so ist das eben ein

*) In einer Anmerkung möge unS ein Wort der persönlichen Abwehr gegen unfern Gegner gestattet fein. Der Stvl unserer Aufsätze hat bemfelben mißfallen, er findet darin Späße und Eapriolen". Das Erstere ist Geschmacksache, über das Zweite Folgendes: Eisenbahnfragen find an sich trocken, sollen sie nicht von Vielen überschlagen werden, so muß man sich entweder in allgemeineren Redeweisen be­wegen , oder^muß eine harmlose Würze hinzuthun. Wir haben Letzteres versucht. Hätte das dazu gedientdas Publikum zu amüfiren" so wâr's uns ganz lieb; wir setzen unS nicht aufs hohe Roß und machen keine Ansprüche darauf die Leser nur zu belehren. Ob wir das Publi­kumauf unsere Kosten" amüfirt?. Darüber verbietet die Bescheidenheit das Urtheil. Aber jedenfalls haben wir h a r mlo s' geschrieben, weder mitEinfalt" noch mitVer­rath",Krähwinkelei" und dergl. um uns geworfen; auf diese Schreibart einzugehen, wird Hr.sD Corr. unS nicht verführen."

LebenLund Abenteuer des Zohn Davys

.VondAlexander Dumas.

(Fortsetzung.)

" ^Am nächsten Tage verging die Stunde, in welcher er ^jch abzuholen pflegte, ohne daß ich ihn sah. Ich erkundigte mich nach ihm; er war schon früh ausge- gangen, um mit dem Vater Christo Panayotis die Vor­bereitungen zur Hochzeit zu ordnen. Ich glaubte also, Fatlniya diesen Tag nicht zu sehen, und war betrübt, als Fortunato kam, um mich zu seiner Schwester zu begleiten.

Dieser Besuch war nur eine Gelegenheit, mir Dank zu sagen. Fatiuitza war gesund. Der Spazierritt war ihr gut bekommen. Sic war in der Grotte gewesen; ich sah, sie hatte das Buch zurückgebracht, das ich dort gefunden und in das ich eine Blume gelegt hatte.

Sie dankte mir auch für das siciliauisebe Liedchen und nach einigen Bitten sang sie es. Ihre Stimme war ein sehr umfänglicher Sporan und um singen zu können, hatte sie den unteren Theil ihres Schleiers Zurückschlagen müssen, so daß ich ihre Kirschlippen und ihre schönen perlcnweißcn Zähne sehen konnte.

Eine der Tauben hatte sich unterdes; auf ihre Knie, die andere auf eine Aebscl gesetzt. Die letztere pickte neckend und zog aus ihrem Busen eine verwelkte Blume hervor, die ich recht wohl kannte.

Projekt und wird ein solches bleiben, da es bekannt­lich unter ungleich günstigeren Conjunkturen und un­ter der Aegide eines der bedeutendsten Bankhäuser schon einmal vorgenommen und gescheitert ist; es wird viel­mehr unser gemeinsames Interesse sein, die Bahn von Coblenz nach Frankfurt durch Nassau zu führen, also entweder über Gießen oder über Wiesbaden. Daß letztere Linie 3-4 Stunden kürzer sein würde, ist nicht von Belang, besonders, wenn man dabei erwägt, daß die Bahn von Frankfurt nach Gießen bereits fertig i st. Aber^ wir wollen die Interessen des Landes c o n- zentriren und schlagen darum für die Frankfurt- Cölner Bahn die Linie ijber Wiesbaden, Limburg und Coblenz vor. Wenn wir über diese uns verständigt hätten, so fehlte noch das Stück von Limburg bis Gies­sen, welches sehr wenig Terrainschwierigkeiten bietet. Der Bau dieser Strecke zur Verbindnng mit der Main- Weserbahn wird sich dann von selbst verstehen, beson­ders da die von Gießen nach Wetzlar schon durch das Projekt einer Dill-Siegener Bahn (in weiterem Conner Ostfriesisch-Frankfurter, einer der wichtigsten deutschen Linien!) gedeckt ist.

Man theile also das das Projekt einer Wiesbaden- Deuzer Bahn in seine natürlichen zwei Stücke, gebe die ganz unhaltbare Idee einer Bahn über den Westerwald endlich auf und vereinige sich mit uns in dem Entwürfe einer Lahn- und einer Wiesbaden-Limburger Bahn. Für den Westerwald und seine Kohlen aber baue man ein paar Pferdebahnen, Locomotivbahnen sind da entbehrlich, und für das Geld mit dem man eine Wegstunde von diesen baut, kann man 6 St. von jenen Herstellen.

Wir wiederholen es, wir haben uns hier auf den Standpunkt unserer Gegner gestellt. Wir reden nicht davon, daß eine Lahubahn für sich bestehen kann, aber wohl eine Wiesbaden-Limburger ohne Fortsetzung; nicht davon, daß diese Wiesbaden-Limburger Bahn selbst mit Einmündung in die Lahnbahn sich nicht gut rentiern wird, weil die Main-Weserbahn concurrirt; nicht davon daß der gerade Weg von Limburg nach Frankfurt (und den sucht Hr. besonders) nicht über Wiesbaden geht; es liegt uns am Frieden und an der Ver­ständigung. Warum durch Streiten Zeit verlieren, die wir besser benutzen können? Es thut aus vielfachen Gründen Noth, noch im Laufe biefeé Frühlings, spätestens Svmmcrs, Hand ans Werk zu legen. Unsere bisherigen Gegner mögen uns auf diese Friedensvor- schlâge unumwunden antworten, wir sind der Ueberzeug­ung, daß sie, soweit es irgend möglich, die Interessen aller Theile berücksichtigen. Bis dahin Waffenstill­stand. __________

Deutschland.

Aus dem Amte Weilburg, ^Nit welcher Liebe die Langenbacher an ihrem wackern Seelsorger hängen, hat sich gestern wieder an den Tag gelegt. Gestern Morgen um 9 Uhr erhielten sie die frohe Kunde, daß

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Ich war nahe daran, einen Freudenruf auszustoßen. Fatiuitza ließ rasch die Spitze ihres Schleiers fallen, denn es verbreitete sich eine so höbe Rothe über ihr Gesicht, daß ich sie trotz dem Schleier bemerkte. Ste­phan» und Fortunato, die nichts wußten, bemerkten auch jetzt nichts. Fatiuitza aber, gleich' als wolle sie mich dafür strafen, daß ich sie belauscht, stand auf und sagte mir Lebewohl. Judeß sie bereitete bald dies barte Wort denn sie drchete sich im Fortgehen um und sagte:

Das heißt auf Wiedersehen, denn der Vater hat mir gesagt, Sie würden der Hochzeit meiner Schwester beiwohnen."

Diese nächsten acht Tage waren endlos lang, aber doch angenehm, wenigstens hoffnungsreich. Ich beschäf­tigte mich damit, ein Portrait FatiuiyaS zu entwerfen, und es gelang mir, dies ähnlich zu machen. Ich hatte sie in dem Augenblicke gezeichnet* als sie die Guzla spielte, wobei man ihre Augen durch den Schleier und den untern Theil des Gesichtes ohne Schleier sah.

Endlich kam der neunte Tag, der Tag der Hochzeit und an ihm sah ich sie zum erstenmale mit unverhülltem Gesichte. Sie ließ die Blicke rasch über alle Anwesen­den hinschweifen , als sie eintrat und auf mir eine kurze Zeit ruhen; ach, kein Wort hätte mir sagen können was dieser Blick mir sagte. In jeder Hand hielt sie Goldfaden von verschiedener Größe, von denen aber immer zwei und zwei gleich waren. Die in der rechten Hand reichte sie den Männern, die in der linken den Mädchen

derselbe von dem Schwurgerichte zu Wiesbaden wegen des Idsteiner Landescongresscs freigesprochen und so­eben bei seiner Heimreise auf der Elensmüstle ange« kommen sei. Das erregte Jubel im ganzen Dorfe. Alt und Jung zog Feierkleider an nnd eilte dem edlen Kämpfer für Freiheit und Recht frohlockend entgegen. Fast Niemand blieb zu Hause. Zwei Leiterwagen, jeder mit vier Pferden bespannt, der eine crtra für Herrn Pfarrer Snell und den Kirchenvorstand, der an­dere für Greise und Kinder, denen das Gehen beschwer­lich siel' bestimmt, eilten dann ebenfalls dem Kommen­den entgegen. Auf der Elensmühle, wo sich auch die Gemeinde Winden eingefunden hatte, begrüßte ihn sein Kirchspiel durch eine angemessene Anrede, welche mit einem donnerndenHoch" endete.

Herr Pfarrer Snell war sichtbarlich gerührt; er sprach in wenigen Worten über diesen ihn ehrenden Empfang seinen Dank aus und in Aster Augen stan­den die hellen Thränen. Der Gemeinderäth von Grä­venwiesbach, wo Herr Snell übernachtete, hatte den­selben bis zur Elensmühle begleitet, und außerdem strömten noch viele Menschen aus den benachbarten Orten hinzu, den Zug nach Langenbach initzumachen und ihre Freude über die Freisprechung des als Hoch« verräther Angeklagten zu bezeugen. Da Etliche, na- mentlich einige Bürgermeister aus dein Amte Usingen von Ferne gekommen waren, wurde noch ein dritter Wagen angespannt und dann der Zug wieder nach Langenbach in Bewegung gesetzt. Voran ging die er- wachseue Jugend und machte dein Herzen in frohen Gesängen Lnft.

So wurde unter fortwährendem Freudenschießen und bem Geläute aller Glocken in Langenbach einge­zogen. Von der Kirche an bis zum Pfarrhause war der Weg, der durch eine sinnig erbaute Ehrenpforte führte, mit grünen Zweigen bestreut. Herr Pfarrer Snell sprach aus dem Fenster seiner Wohnung noch einmal seinen Dank aus und von Seiten seiner Ge- meinde schallte es abermals: Unser Herr Pfarrer lebe hoch! hoch! hoch!

Da Herr Pfarrer Snell von seiner. Reise und den Strapazen in Wiesbaden sehr angegriffen war, wollte ihn nun an diefem Tage Niemand mehr in seiner Ruhe stören; aber dw Gemeinde war noch zu aufgeregt, als daß sie sogleich wieder still nach Hause hätte gehen können. Sie feierte daher diesen Festtag unter Anlei­tung des Herrn Bürgermeisters in fröhlichen Kreisen bei einem Glas Apfelwein bis zum Abende. Wenn Herr Schultz in Wiesbaden dieses Alles mit ange­sehen hätte, so würde er sicherlich gesprochen haben: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, solche Liebe und Treue habe ich selbst bei mir in Israel noch nicht er­fahren."

Aber nicht bloß das Kirchspiel Langenbach, sondern die ganze Umgegend gerietst durch dieses Ereigniß in Bewegung. Gestern Abend zogen die Gemeinden Hein­zenberg und^Gemünden, Amts Usingen, mit dem Bür-

n»d Frauen. Jedes zog einen; die beiden Fäden sollten während des Hochzeitosestes einen jungen Mann und ein Mädchen verbiirben; nach der Ceremonie ward der Faden der Dame zurückgegeben; hatte diese während dieser Zeit eine Theilnahme für ihren Partner empfunden, so machte sie aus beiden Fäden eine Schleife und legte diese vor dem Bilde der Jungfrau nieder, damit diese im Himmel sich verwende, daß, wie die beiden Fäden auch die beiden Herzen vereiniget würden. Man ließ Fatiuitza nicht ziehen, sondern reichte mir einen Faden und es fand sich, daß ich ihr Partner wurde.

Nach der Trauung begaben wir uns alle in das Haus des Bräutigams, in einem großen Saale der von Baumzwcigcn erbaut war, wurde ein reichliches Mahl aufgetragen. Die Damen setzten sich zuerst, aber nicht an eine Tafel, denn diese gab es nicht, indem die Speisen sich auf einem Teppich befanden, sie setzten sich also mit unterschlagenen Füßen auf türkische Weise , wobei sie ihren Goldfaden in der Hand hielten. Die jungen Männer, welche die ihrigen an ihr Jäckchen geknüpft hatten, ban­den ihn los, um. ihr Recht nachzuweisen, Play ihren Partnern gegenüber zu nehmen, und fegten sich dann auf eben diese Art, die für mich ziemlich unbequem war. Aber alles wurde vergessen, als ich mich Fatiuitza gegen­über befand.

Darauf folgte Tanz, und endlich wurde die junge Frau von den anbmi Frauen in das Brautgemach ge­führt. Dann entfernten wir uns alle; die jungen Leute