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Freie Zeitung" wird sich auch des Nothstandes unserer mißhandelten Stadt annchmen und dem System heilloser Centralisation gegenüber uns Gerechtigkeit und Abhülfe zu verschaffen bemüht sein. Duch den doppelten Lcr- lust, deS Hofger icht§ und das Kreisamtes gleicht Usingen einer belagerten Festung, der man das Wasser abgegraben hat, um sie zur Uebergabe zu zwingen. Wie ich höre hat unsere Stadtkasse schon an 300 fl. für Deputationen bezahlt und alle diese Gesandtschaften haben nichts als kalte und leere Rede zurückgebracht, die uns fast dem Hohn und Spott zu gleichen schien. Man soll das Unglück, die Verarmung einer Stadt und ihre Ansprüche ans Abhülfe nicht gering anschlagen, denn das Unglück schwebt über allen Sterblichen. Wie die Pfaffen kein Herz haben, so haben auch die Bürokra­ten kein Herz.

Das arme Volk in seiner Angst und !um keinen Anstoß zu geben, stel.t sich wenigstens als habe es Vertrauen, es verzagt, wird muthlos und gesinnungslos und das Elend ist nicht abzusehen. Aber die Noth bringt den Menschen zum Nachdenken, je leerer der Beutel, desto heller das Urtheil. Man erwägt, welche Opfer das Land bringt, um andere Städte und Landes- thcile in der Höhe zu halten.

Dies führt weiter von einem Schluß zum andern und wenn man zugibt, daß die UnzMriedcnhcit eines ganzen Amtes von 20,000 Seelen wegen des ungleichen Verfahrens nicht ohne Bedeutung ist, so könnte der Nachtheil leicht auf die Seite derer fallen, die jetzt unsere Ansprüche auf Verlegung der N e ch n u n g s k a m m e r nach Usingen, als Ersatz für den Verlust des Hofgerichts, als eine Narrheit und lächerliche Bauernanmaßung ver­spotten.

y. Diez, Mitte Febr. (Der Candidat der evangeli­schen Theologie Wilhelm Künstler und der Bür­gerausschuß zu Diez.) Verzeihen Sie, Hr. Re­dakteur, daß ich diesmal etwas spät berichte, die Ur­sache ist: weil Sie die Freunde derRuhe und Ord­nung" diese Woche einmal wieder auf die Armen­sünderbank hatten scheppen lassen, so wollte ich Ihnen inzwischen mit dem Herrn Künstler nicht zur Last fallen; doch jetzt, da die Kunde von Ihrer Freispre­chung zu uns kommt, erlaube ich mir nochmals, Ihnen den Herrn Künstler vorzuführen, und zwar in Fol­gendem:

Der Bürgerausschuß wurde vorschriftsmäßig durch dreimaliges vorheriges Ausschellen der Tagesordnung, sowie der festgesetzten Stunde, in der sich derselbe ver­sammeln sollte, auf Sonntag den 3. Februar, Mittags 1 Uhr, berufen, auf der Tagesordnung stand, wie der Ausscheller ausrief:

1) Vorlesen des Budjets, 2) Entfernung des Can- didaten Künstler von der Kirche und Realschule zu Diez, 3) rc. rc.

Doch siehe, als die Mittagsstunde eintrat, da ge­staltete es sich, als sollte ein Wunder geschehen; der Herr ließ plötzlich treiben die Eismassen auf der Lahn, ließ Aar und Lahn hochanschwellen, die da bal­digst überschwemmten die Straßen derbösen" Diezer, und ihre Keller fülleten sich, und die Fluth stieg höher und höher und drang ein in dieDemokratenhöhlen" undHaio-Nester" ohne jeglichen Unterschied, und siehe, es war gegen 4 Uhr desselben Tages, als die Fluth plötzlich stille stand und der Bürgerausschuß . konnte sich derohalben nicht versammeln. Und die al­ten Weiber und Alle, die nach Hayo riechen, glaub­ten, das sei ein Wunder, das da sollte züchtigen die bösen" Diezer, ob ihres ruchlosen Vorhabens." Aber siehe, nach 3 Tagen war die Fluth wieder vor­bei und der Ausscheller rief wieder den Bürgerausschuß zusammen auf Sonntag den 10. Februar, Mittags 1 Uhr; die Tagesordnung war bekannt.

Dießmal wollte sich jedoch kein Wunder gebühren und der Bürgerausschuß konnte sich daher bestens ver­sammeln, was denn auch ziemlich pünktlich geschah.

Nach Verlesen des Budjets kam nun die Reihe an Hkrrn Künstler; nachdem erläutert worden war, warum bar Gemeinderath das Gesuch des Kirchenvor­standes unterstützt habe, wurde nach kurzer Debatte vom Bürgerausschuß fast einstimmig beschlossen, das Gesuch des Kirchenvorstandes nicht nur zu unterstützen, sondern auch noch selbstständig vom Bürgerausschuß ausgehend eine Petition an Herzogliches Staatsmini­sterium zu entwerfen,es möge mit Ostern den Can­didaten Künstler auch von der Realschule dahier entfernen, indem er auch allda das nöthige Vertrauen nicht genieße, und es möge wo möglich den Herrn Caplan Creutz wieder an dieselbe placiren, der voll­ständig Vertrauen genieße."--

Mainz, 19. Februar. In der heutigen Assisen- sitzung erschienen Johann Leise und Johann Forrer, Oekonomen von Ibersheim, der Majestätsbelei­digung angeklagt. Das Justizministerium hatte ei­nige angeblich von den Angeklagten in einem Wirths- Hause zu Hamm bei einem Streit mit hessischen Sol­daten ausgestoßcne Schmühworte gegen den Großher­zog der Verfolgung für werth erachtet. In der Si­tzung traten äußernden Soldaten, welche den Vorfall deuunzirt hatten, "mehrere Zeugen zur Bekräftigung auf. Allein die Vertheidiger Dr. Müller und Krämer brachten den Geschwornen eine Reihe von Strafurthck- len zur Kenntniß, welche die Glaubwürdigkeit der Hauptzeugen sehr in Zweifel zu stellen geeignet wa­ren, und wiesen überdies nach, daß bei den Angeklag­

ten die Absicht einer Beleidigung der Majestät nicht vorhanden gewesen sein könne, da deren Angriffe di­rekt nur gegen die Soldaten gerichtet waren. Sie bewirkten die Freisprechung der Angeklagten durch die Geschworenen. (Mz. Z.)

Wien, 13. Februar. (Nat.-Ztg.) Aus dem Vor­trage, durch welchen der Justizminister die mildernden Abänderungen des Strafgesetzes eingeleitet hat, heben wir folgenden Passus hervor:Mit dem Hinwegfalle jeder Bevorzugung der katholischen oder überhaupt der christlichen Religion vor den übrigen nichtchristlichen Glaubenskonfessionen, in Beziehung auf die staatsbür­gerliche Stellung, können weder die Verleitung zum Abfall vom Christenthum, noch das Bestreben, Lehren zu verbreiten, welche mit den Grundsätzen dieses letz­teren im Widerspruch stehen, als bürgerlich strafbare Handlungen und noch viel weniger als Verbrechen auf­geführt werden." Das kaiserliche Patent geht hierauf zustimmend ein.

Wien, 15. Februar. Der heutigeLloyd" sagt: Mit Bestimmtheit können wir mittheilen , daß Alles, was von der Nichttheilnahme des österreichischen Ka- binets an der Münchener Verfassungsarbeit in verschie­denen Correspondenzen behauptet und gemuthmaßt wird, der Wahrheit durchaus nicht gemäß ist. Die Confe- renzen in München werden unausgesetzt fortgeführt. Auch hat das österreichische Kabinet bereits sogar einen positiven deutschen Verfassungsplan vorgelegt, der aber einstweilen noch in ein streng diplomatisches Dunkel gehüllt ist. Vor Kurzem erst sind diesfalls neue Mit­theilungen nach München von hier abgegangen." Im Wanderer" heißt es in Bezug auf denselben Gegen­stand:Die Verhandlungen über den neuen Vierkö­nigs-Entwurf zu einem konstitutiven Rcichsgesetz für Deutschland werden, wie wir vernehmen, mit dem reg­sten Eifer fortgesetzt. Das österreichische Kabinet hat wiederholt den entschiedensten Wunsch geäußert, daß diese Verhandlungen in kürzester Frist zum Abschlusse geführt werden möchten, und man versichert, es sei aller Grund vorhanden, daß diese Angelegenheit ganz in der nächsten Zeit so weit gediehen sein werde, daß das.österreichische Cabinet und die mit ihm dem kon- stituirenden Reichsgeseßentwurfe beitretenden Regierun­gen öffentliche und entscheidende Schritte zur Verwirk­lichung des Entwurfs thun würden. Sobald die An­gelegenheit in dieses Stadium tritt, wird sich der öster­reichische Staatsminister v. Schmerling nach Frankfurt begeben, um hier bei den weiteren Schritten zur Re­gelung der deutschen Lerfassungsfrage mitzuwirken. Herr v. Schmerling wird übrigens, wie verlautet, in diesem Falle nicht das von ihm im österreichischen Ka­binet bekleidete Portefeuille niederlegen; während seiner Abwesenheit von Wien würde er im. Justizdepartement einen interimistischen Nachfolger erhalten."

General Klapka hat von London, 6. Februar, ein Schreiben an Hayn au erlassen, worin er ihn mahnt, die Capitulation von Comorn, die Jener als Comman­dant von Comorn abschloß, zu halten. Bekanntlich er­folgte die Uebergabe der Festung im Oktober v. I. auf sehr günstige Bedingungen hin, deren bedeutendste Pässe für die Anführer unb freie Entlassung der ganzen Be­satzung ohne Ausnahme in ihre Heimath waren. Jene Pässe wurden aber in Zwangspässe nach Amerika um­gewandelt, mehrere unter den Führern gefänglich ein­gezogen und die aus Comorn entlassenen Honveds werden noch in diesem Augenblicke fortwährend assen- tirt. Klapka fordert diesem Bruch der Kapitulation gegenüber Ha Yuan auf, sie heilig zu halten und die schon geschehenen Verletzungen unverzüglich rückgängig zu machen.

Böhmen. Nach demWecerny List" befinden fich in Prag auf dem Hradschin 9 Jesuiten, welche dort Messe lesen; darunter auch der Urheber der berüchtig­ten Mceler Wundergeschichte.

Breslau, 16. Februar. Alle 34 des Aufruhrs an, geschuldigten Bernstädter Bürger sind durch den Aus­spruch der Geschworenen einstimmig freigesprochen worden. (N. O.-Z.)

Von der badischen Grenze, 13. Februar. Ein Brief von Karlsruhe theilt recht interessante Fakta mit, welche ein Zeugniß geben, daß selbst unter den badischen Offizieren vonGottes Gnaden" Sympa- thieen für die republikanische Partei erwachen. Im Museum in Karlsruhe saßen bei vielen preußischen Of­fizieren die drei badischen Offiziere: General-Lieutenant Hoffmann (seiner Zeit Badens Kriegsminister), Ge­neral-Major Schwarz und Major Ludw ig von der Artillerie. Mit ihrer gewöhnlichen Arroganz machten sich die Preußen lustig über die badischen Soldaten und äußerten,sie hätten sich schlecht geschlagen, es seien Feiglinge" re. (Diese Burschen hatten nicht an Waghäusel, Durlach, Gernsbach und namentlich Ra­statt gedacht; in dem zweiten und dritten benannten Gefechte agirten sie fast einzig mit Artillerie und fan­den dennoch Widerstand genug, bei Durlach mußten sie drei Mal angreifen, während sie die Barrikaden mit ihren Kanonenkugeln niederschossen und die Re­publikaner nicht ein einziges Geschütz gegen ihre 89 hatten.)

Eine Zeit lang hörten unsere Badenser die Her­untersetzung ihrer Soldaten wohl an, endlich wurde es ihnen aber zu stark und General Hoffmann äußerte

sich:die badischen Soldaten hätten sich gut geschla­gen, überall wäre ihnen eine Uebermacht entgegen- gestanden, und wären die Offiziere an ihrer Stelle geblieben, so waren die Preußen noch nicht in Baden und würden auch nicht hereinkommen.

Auch Major Ludwig, ein alter, sehr wissenschaft­lich und praktisch gebildeter Offizier, erhob sich und sagte mit edlem Zorn:Und namentlich die Artillerie hat sich gut geschlagen; ich bin stolz darauf, daß ich ihr Lehrer war und bedaure nur, daß ich nicht an ihr rer Spitze stand, sonst würden die Preußen heute nicht in Baden sein und auch nie dahin kommen. Sie meine Herren", fuhr er fort,haben keine solche Artillerie, und ein jeder Schuß von diesen braven Leuten ist tau­send Gulden werth." Hoffmann ist dimittirt und Ludwig arretirt. (So die.Schw. N. Z.)

Republik Frankreich

Paris, 13. Febr. (Nat.Z.) Der heutigeMoni­teur zeigt enDlid) auch den Ungläubigsten, worauf man im Präsidentschaftspalaste hinaus will. Es kann die Zeit kaum noch abgewartet werden. Ein allgemeiner Belagerungszustand schwebt über ganz Frankreich, die Divisionen der französischen Heeresmacht sind nur in den Händen weniger Generäle konzentrirt, auf die man im Präsidentschaftspalasie rechnet. Man muß die Er­nennungen des heutigenMoniteur" mit der Charte Frankreichs in der Hand studiren. Alle großen Centren Frankreichs, das. ganze Land von allen Enden ist nun von den Plänen der neuen napoleonistischen Heeres- Organisation bedroht, das Schwert hängt über dem Lande. Lonis Napoleon weiß sich dafür zu ent. schädigen, daß die Konstitution ihm den Oberbefehl über die Truppen verbietet. In C h a n garn i er's Händen ist Paris und das Departement der Seine. Es sind enorme Anstalten gemacht, um Paris im Zaume zu halten. Dennoch wünscht man im Elysee Changarnier zu ersetzen, weil er von einem Staatsstreiche abgerathen hat. Es. fehlt nur noch der Muth dazu. Der Gene­ral Castell« ne gilt als eifriger Parteigänger des Bon- apartismus. In seinen Händen sind die großen Länder­strecken der 12., 14. und 15. Militär - Division funecr. trirt, die großen Städte Bordeaux, Nantes, Rennes stehen unter seiner Kontrolle; er soll den ganzen Westen Frankreichs zügeln. Der ganze Süden Frankreichs von Montpellier an über Toulouse bis nach Perpignan, bis an die Pyrenäen heran, ist dem Säbel des Generals Rostolan überantwortet worden. Der große Kreis der 6. Militärdivision, deren Centrum die zweite Stadt des Landes, Lyon, ist, wird mit der 5. Militärdivifivn (Besanyvn) zusammen geschmolzen. Der General Ge- mea u herrscht nun bis an die schweizer Grenze. Ueber den Elsaß ist vorläufig noch nicht verfügt, aber einer der übermüthigsten Abenteurer des Prästdentschaftspalastes R v m i e u, bisher Redakteur desNa p o lc o n"; ist als außerordentlicher Kommissarins dahin abgegangen. Nach allen HauptpläyenFrankreichs wird man solche außer­ordentliche Kommissarien senden. Das ganze Eisenbahn- system Frankreichs ist militärisch oecupirt Ungeheure Heereömassen können jeden Augenblick nach jedem großen Centrum gewälzt werden. Es bedarf nur des geringsten Vorwandes und ganz Frankreich liegt in der Zwinge eines allgemeinen Belagerungszustandes. Bei Bourges, mit Paris eine durch Eisenbahn verbunden , wird für alle Fälle noch ein besonderes großes Truppenkorps zusam- mengezogen. Der Plan scheint im Ganzen und Großen ausgebaut zu sein. Nie waren in Frankreich zur Be­zwingung der Nation je solche systematische, solche all­gemeine Vorbereitungen getroffen; nie waren, wie jetzt alle Striche überwacht; nie waren solche Kettenglieder über ganz Frankreich von einem Ende bis zum andern ge­worfen worden. Das System ist fertig, wir müssen nun abwarten, wie es sich in der Praxis bewähren wird. Die neuen Präfekten thun , nach der Erklärung Ferd. Barrots, bereits Wunder, die außerordentlichen Kom- misiarien und die Militär-Kommandanten des Präsiden- tenpalastes werden diese Wunder verstärken. Man hört das Wimmern der Nation unter dem furchtbaren Drucke der auf sie gewälzt wird, aber zugleich auch das Grol­len unheimlicher Mächte in der innersten Tiefe. Das Ende, das Resultat dieses Zustandes, ist nicht abzusehen, aber es ist zu fürchten, daß, nicht durch des Volkes Schuld, sondern durch den übertriebenen Ehrgeiz ver­blendeter Abenteurer, diese französische Nation aufs Neue aus dem Geleise einer friedlichen Entwickelung in neue, gewaltsame Krisen wird hineingcworfen werden. Nach der Ausdehnung, welche das System des Bonapartismus bereits erhalten hat, kann der leyte Versuch nicht mehr ferne sein. Das Jahr 1852 rückt immer näher und Die Verzweiflung und der Uebermuth treiben immer mehr zu einem letzten Würfelspiel. Wir werden sehen, was die Präfekten und außerordentlichen Commissarien daun vermögen, wir werd» sehen, ob Frankrerchs Heer, dieses Bein vom Beine des Volkes, sich dann willenlos im Jahre 1852 als eine Prätorianer - Bande wir ge­brauchen lassen. Die Zustände in Frankreich werden unsicher durch die Besorgnisse um die Ereignisse der nächsten Zukunft. So kann es nicht bleiben. Das sagen Alle. '

Paris, 17. Febr. Noch immer sind Gerüchte von einer theilweisen ministeriellen Modifikation, welche bevorstehe, im Umlauf; es wird wiederholt und im­mer bestimmter versichert, daß die Herren Ferdinand Barrot, Bineau und d'Hauptpoul ihre Portefeuilles