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Wiesbaden. Mittwoch 20. Februar

1830

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An die

Demokraten Nassaus.

Mit allgemeinem Jubel habt Ihr die Frei­sprechung der wegen des Idsteiner Congresses Angeklagten vernommen.

In ihnen war die nassauische Demokratie auf der Anklagebank vertreten. Der unterzeichnete Vorort hält dafür, daß die nassauischen Demo­kraten nicht weniger, wie die Angeklagten selbst, gegen die geschickten Führer der Vertheidigung Verbindlichkeiten zu erfüllen haben, und glaubt, daß dieses auf die passendste Weise damit geschähe, wenn einem jeden der drei unerschrockenen An­wälte der Angeklagten als Ehrengeschenk und bleibendes Denkmal an diesen Prozeß ein sil­berner Becher mit der geeigneten Inschrift über­reicht werde.

Wir schlagen daher vor, daß von allen de­mokratischen Vereinen des ganzen Landes und jedem Demokraten in seinem Kreise eine Sechs­kreuzersammlung zu diesem Zwecke veranstaltet werde. Noch geringere Beiträge werden eben­falls mit Freuden angenommen werden; höhere Beträge möchten nicht am Platze sein, damit durch dieselben eine ganz allgemeine und tief eingreifende Betheiligung des ganzen Volks nicht ausgeschlossen wird.

Mitbürger und WWMgerinnmt bâsiet, daß Ihr die Vorkämpfer der guten Sache zu ehren versteht.

Um die Sannnlung zu regeln und zu orga- nisiren, wird es zweckmäßig sein, wenn sich in allen Justizämtern des Landes Comite's bilden, welche die Beisteuern .in ihrem Kreise entgegen­zunehmen und dieselben dem Cassirer des. Vor­orts, Herrn Carl Habel zu Wiesbaden, zu übermitteln hätten.

Der Vorstand des Vereins zur Wahrung der Volksrechte in Wiesbaden, als Vorort der demokratischen Vereine Nassau's.

»t? Die letzte Schlacht.

Ein viertel Jahrhundert hatte der erste nanzösische ! Revolutionskrieg gedauert: er : ar zu ein^rn Weltkrieg geworden. Der größte Held leiden , durch dessen i, Ehrgeiz die Freiheit für die voller verloren ging, hatte, obgleich Er zuletzt der < esiegte war, doch Die Lage seines Welttheils erfaßt, .wie Keiner. Wie oft schon mußten wir an seinen er ikwürvigen Ausspruch: in fünfzig Jahren wird Eur pa republikanisch oder kosastisch sein!" erinnert weeeu. Man muß aber diesen Ausspruch mit seinen andern Ahnungen über unsere Zukunft zusammenhalteu. die er auf St. Helena ; Las Casesj mittheilt, um die zanzc Tiefe des Genius 1 zu ermessen, der im Stande war, eine gegenwärtige | Welt zu erbauen und eine zukünftige zu weissagen. j Hören wir, was der große Kaiser dort spricht:Einst , wird Frankreich eine Republik werden und die andern Lander werden seinem Beispiele folgen. Deutsche, | Preußen, Polen, Italiener, Danen, Schweden und Russen werden sich mit ihm zu einem Kreuzzuge für j die Freiheit verbinden, Sie werden sich gegen ihre Könige bewaffnen, und diese werden sich beeilen, ihnen Bergünstigungen emzuräumcu, um einen Theil ihrer allen Würde zu erhalten, sie werden sich selbst konsti- tittioneUe Könige nennen, welche eine begrenzte Macht haben. Das Feudalsystem wird so seinen Todesstoß empfangen; wie der Nebel auf der Mitte des Ozeans, wirb es bei dem ersten Sonnenstrahle der Freiheit verschwinden. Aber die Sache wird damit nicht ab­gethan sein. Das Rad der Revolution wird an die­sem Punkte nicht stille stehen; sein Ungestüm wird sich verfünffachen und seine Geschwindigkeit nimmt in dem­selben Verhältnisse zu. Wenn ein Volk einen Theil seiner Rechte wieder erl angt hat, so wird es für den Sieg begeistert; und indem es d re Suß igle ii der F renb'ri c fu)meckt, w:.: es unternehmender, um noch mehr zu er­langen." Und weiter unten:Glaubet mir, Las Cases,, wie die Reben, welche in die Asche des Vesuvs und des Aetnas gepflanzt sind, die vorzüglichsten Weine hervorbringen, so wird der Baum der Freiheit die ; herrlichsten Früchte tragen und unerschütterlich fest- ; stehen, wenn er seine Wurzeln in die revolutionäre Lava schlagt, die sich über alle Königreiche ergießen i wird. Mochte er Jahrhunderte blühen."

Frankreich wird das Signal geben den Völkern , zum Kreuzzuge für die Freiheit, und das Ende des Kampfes wird das Aufbauen des Freiheitsbaumes in i die revolutionäre Lava sein!

Aber war nicht schon das Signal ertönt, waren ; die Völker nicht schon aufgestanden, um bald wieder zurückzusinken in die alte Knechtschaft? Sind die Lei­chenhügel in Ungarn, Italien, Wien, Baben, sinb es nicht Leichenhügel der Freiheit?

Wohl sind Vie Kämpfe blutig, großartig, erhaben,

welche die Geschichte der zwei verflossenen Jahre bil­den, wohl hatte der Hahnenschrei vom Westen die Deutschen, Polen, Ungarn, Italiener wachgerufen, wohl war der Würfel um das Sein von manchen Königs- Kronen geworfen; a b e r E n t sch e i d ll n g s k ä m p f c waren es nicht!

Ungebeugt, voll Hoffnung nnd Vertrauen, harrt die Demokratie^ aller Länder auf den Tag, da sie v e r- einigt ihre Streitkräfte gegen die Heeresmassen des alten Europa in den Kampf senden wird. Sie harrt auf den Tag, weil sie weiß, daß er kommen muß; sie freut sich auf den Tag, weil sie weiß, daß der Sieg ihr ist!

Das Zentrum der europäischen Demokratie: Pa­ris, und das Zentrum des europäischen Absolutis­mus: St. Petersburg, noch haben sie nicht um die Weltherrschaft geloost. Noch sahen wir keine franzö- mtye Armee gegen die vereinten Armeen Rußlanos, Oesterreichs und Preußens im Felde stehen. Erst an dem Tage, da die Soldaten des russischen Selbstherr­schers nach Westen marschiren, und die französische Re- volutionSarince den Rhein und die Alpen überschreitet: erst an dem Tage wird die letzte entscheidende Schlacht beginnen!

Die Könige ahnen jenen Tag: das beweisen ihre Rüstungen. Haben sie auch mit keckem Stolze den Ka­pitalbesitz von sich gestoßen: sie konnten cs thun im Vertrauen auf dessen Furcht vor der Riesengewalt der Demokratie, im Vertrauen auf ihre kolossale Militär­macht. Rußland schiebt seine Hccresmasseu mehr und mehr gegen Westen, Oesterreich rüstet fort und fort in Italien, hat ein Armeekorps in Vorarlberg und in Böhmen, Preußen hebt neue Mannschaften aus: daS Kriegsbudget aller drei Reiche droht, ihre gesammte öffentliche Einnahme zu verschlingen, und vom Be» dürfnisse getrieben, neue Geldquellen anfzusuchen, be­ruft Preußen unter der Firma Bundesstaat einen sog. Reichstag nach Erfurt, ersten ganze ceyWiz ^, die legalen Schlüssel zu den Geldkossern der kleineren deut­schen Staaten zu verschaffen.

Wem gelten diese Rastungen? Sie gelten der De­mokratie, jenem niinmeeruhenoen Gespenste, das Gerech­tigkeit wüt für das vergossene Blut.

Das Mene Tekel, das Die schaurige Toorenhand mit Flammenschrift an die Wand schrieb, es hat die Gewaltigen im Freudenräusche ihres Sieges erblassen gemacht . . .

Vergleiche die Worte des Prinzen von Preußen an den Großherzogl Hessischen Offizierstab in Darmstadt.

Die. Demokratie wird nicht den Kampf mit den russischen Armeen, die die Freiheit in Ungarn gewürgt haben, cheuen, sie scheut ihn nicht, sie ist umgurtetmit jenem heiligen Muthe, den nur die gerechte Idee zu geben vermag.

Des Verbannten Klage.

Gedicht von C. H. Schn ausser.

(Aus dessen in Basel bei Wieland und Fischer erschienenen Gedichten.)

Ich zieh durch Länder und Völker hin, Was kümmert sse's, daß ich unglücklich bin? Ein Fremdling geh' ich weitaus, welteiu; Der Verbannte ist immer allein!

Wie der Sturm die Wolken am Himmel jagt, So scheucht mich mein Schicksal so oft eS tagt, Ich frag nicht, wohin? in meiner Pein Der Verbannte ist immer allein.

Der Aermste ruht vom Tagewerk aus, Kehrt heim getrost inS dürftige HauS, Da ist er froh mit den Lieben fein Der Verbannte ist immer allein.

Die Blumen blühn, es knospet der Baum, Mein Herz hat nicht für den Frühling Raum Mir winkt nicht der Heimath Blüthenschein; Der Verbannte ist immer allein.

Es klingt am Weg ein lustig Lied, Meine Seele trauert, mein Haupt ist müd,

Das Lied ist fremd, die Lust nicht mein Der Verbannte ist immer allein.

Ich seh' beim Vater tie Kinder stehn,

Ich seh' mir bem Jüngling das Märchen gehn, Mir ruft keine Stimm: Du bist mein, ich bin Dein! Der Verbannte ist immer allein.

Da sitzen die Jungen am traulichen Tisch

Sie zechen und jubeln so froh nur frisch, Mich labet kein Becher mit tröstendem Wein Der Verbannte ist immer allein.

Der Heimath fliegt mein Sehnen zu,

Im Vaterlanv nur ist Freud' rmd Rah, Ich darf nicht rasten auf fremden Stern Der Verbanute ist immer allein.

Geächtet wandr' ich durch Fels und Schlucht, Muß fliehen, was Herz und was Auge sucht, Thu' auf Dich erbarmender Leichenschrein Den Verbannten beglückst Du allein!

Leben und Abenteuer des John Davys

Bon Alejander Dumas.

(Fvnfeytiiig.)

In dem ersten Zimmer ließ mich Constantin einen Augenblick allein. Es war ganz auf türkische Art meub- lirt unD hatte eine riselirte unv in lebhaften Farben ge­malte Decke. Auf Den weißen Wänden schlangen sich Arabesken hin, die Blumen, Fische, Vögel, Kiosks, Schmetterlinge, Früchte zc. verstellten. Ein Divan von lilaö Atlas mit Silberblumen zog sich in dem ganzen Zimmer umher und Kiffen von gleichem Stoffe waren an den Ecken aufgehäuft, so wie hier und da hingelegt. In der Mitte des Zimmers befand sich ein kleines Bassin in welchem glänzende Goldfischchen schwammen und wo zwei kleine Lachtauben tranken. »In einem Winkel brannten auf einem Dreifüße von antiker Form Aloeholz und Zas- minesscnz.

Als Constantin zurückkam, entschuldigte er sich, wegen der Zögerung und schob alles auf den launenhaften Sinn des Mädchens. Fatinitza hatte den Abend vorher ein- gewitliget, daß ich zu ihr geführt werde, jetzt aber neue Schwierigkeiten gemackt. Wir traten nun in das zweite Zimmer, das ich nicht beschreiben will, denn ein ein­ziger Gegenstand fesselte meine Blicke, die Kranke, die auf seidenen Kissen lag.

Ihr Gesicht war, wie bei den Türkinnen, ganz von