Amt Zeitung.
„âetheit und Recht!"
^^»»^»^«WWW^^--SWS»-S-»---S«S« I^I.D--!!!- - !!- " '.«••.'.•' .......-...... .«gagBggglU.1» 1 1 . 1 . ''.MW'» . m_. 1 i n— i i ■-w»-=-3a_-::gg!!B!^^
^ L2. Wiesbaden. Dienstag, 19. Februar 18»W.
Die „Freie Zeitung «.erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl 4â kr auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirk- samem Erfolge. — Die Znserationsgebühren betragen für die vierspaltigs Petitzeile 3 Kreuzer.
B. Die „wahren" Freunde des Schwurgerichts.
„Gott bewahre uns vor unsern Freunden ; mit unsern Feinden wollen wir selbst fertig werden."
Wiesbaden, 17. Februar. Kaum sind die Assisen- sitzungen wieder vorüber und schon beginnt das Werkzeug der Reaktion den Angriff auf das Institut, um es zu zerfleischen. Aber nicht offen und kühn tritt es hervor, sondern mit einschmeichelnden, hündischen Manieren, wie sie der Partei eigen sind, der es dient. Wer das Gift der Verleumdung recht tief einspritzen will, muß die Maske der Freundschaft vornehmen, so wie gewisse Beamte, deren Namen vielfach genannt wurden, nur dadurch mit Erfolg ihr perfides Denunziantenwesen treiben konnten, daß sie sich den Schein eines gewissen Liberalismus gaben, ja sogar von ihren Agenten die Nachricht in Umlauf setzen ließen, daß ihnen das jetzige Ministerium nicht freisinnig ^" Alle Verunglimpfungen der Schwurgerichte, die wir bis jetzt gelesen haben, präsentiren sich als Urtheile von sogenannten wahren Freunden derselben. Alle geben sich den Anschein, als sei es ihnen um die Erhaltung des Instituts zu thun. Wenn nun schon der Umstand, daß die „Nass. Allg." diesen Artikel bringt, mißtrauisch machen muß, indem dieses Blatt gleichzeitig in jeder Nummer Ansichten ausspricht, die geradezu gegen das Institut der Schwurgerichte gerichtet sind, so muß dies noch vielmehr der Fall sein, wenn man sieht, daß auch hier diese sog. wahren Freunde dieselben Waffen anwenden, wie die Disziplin ihrer Partei sie vorschreibt, nämlich die der Lüge und der Ver- läumdung.
Während wir Demokraten den Nichterstand als solchen in der öffentlichen Meinung heben und den so sehr geschwundenen Glauben an die Justiz möglichst zu erwecken suchen und von allen so sehr nahe liegenden Angriffen auf einzelne compromittirte Persönlichkeiten unseres Richterstandes absehen, wird von jener Seite der aus der Wahl des Volkes hervorgegangene Richterstand, dem man überall, wo nicht die Gemeinheit die gute Sitte überwältigt hat, wenigstens dieselben Rücksichten angedeihen läßt, wie den gelehrten Richtern, in unerhörter Weise gelästert. So läßt sich die „Deutsche Zeitung" über den Prozeß wegen des Idsteiner Landes-Congreffes, der die Veranlassung zu den schändlichsten Lügen und Verläumdungen abgeben muß, von Wiesbaden aus, und zwar, wenn wir nicht irren, von einem ehemaligen Revolutionär, der später „«Staatsmann der besten Männer" geworden und nunmehr dem öffentlichen Mitleid anheimgefallen ist, schreiben, und die „Nass. Allg." druckt es natürlich ab:
.Wenn man auch den Richtern bei der Neuheit des Verfahrens volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, ihrem
Bestreben nach Unparteilichkeit, ihrem Fleiß und guten Willen die neuen Formen gegen die alten rinzulauscheu, so bleibt doch der Eindruck überwiegend, daß gegenüber der verwilderten, im Zuhörcrranm versammelten VolkS- schichte, ans welcher auch die Geschworenen unverkennbar entsprossen sind, jene höhere, V.rUaurn zugleich und Ehrfurcht gebietende, Autorität der geweihten Gesetzlichkeit durch die hier hervortretluden Persönlichkeiten und werkeltägigen Formen sehr ungenügend vertreten ist.
Die höchsten Interessen der Gest schaft erscheinen hier in moralischer Inferiorität vor der brutalen ungeduldigen Masse, die den Schluß deö fünften Auszugs längst im Voraus weiß. Unter solchen Umständen findet der unbetheiligte Zuschauer in der ängstlichen Ueber« wachung der Vertheidigungsargumente von Seiten des Präsidenten einen weniger beruhigenden Rückhalt für die öffentliche Ordnung , als in bi r untadelhasten Haltung der Landjäger, welche von Zeit zu Zeit aus den unruhigsten Gruppen einen räuspernden Kritiker hcraus- heben und vor den Präsidenten führen. Das stärkste Beispiel gerichtlicher Formlosigkeit kam heute Abend am Schlüsse der Verhandlungen vor. Einer der Angeklagten erhob sich und nahm ganz selbstständig das Wort zu einer Frage an den Präsidenten, „ob, wenn alle Angeklagten und Vertheidiger auf die Duplik verzichteten, die Sache nicht noch heute Abend beendigt werden könne? sie seien von dem langen Sitzen alle so müde, daß sie cs nun auch lieber in einem Stück abgethan hatte»." Hierauf erhoben sich die Geschwornen wie auf ein will- kommnes Zeichen und sprachen wie mit einem Munde denselben Wunsch auö. Der Präsident bemerkte, daß er, nach Ordnung seiner Papiere, allein zum Resume wohl % Stunden werde nöthig haben, die Fragestellung doch erst vor allem eingesehen werden müßte und dgl. Der Angeklagte war hierdurch nicht befriedigt: „O, wenn eö nur % Stunden sind, die wollen wir ja gerne noch heute Abend aushallen." Ss.Zcßlich blieb der Präsident doch glücklich bei seiner Meinung und vertagte auf morgen. Wie von vielen Seiten versichert wird, findet zwischen den Angeklagten, welche fast sämmtlich auf freien Füßen sich befinden und einem Theil der Geschwornen in den Gasthöfen ein fortdauernder Verkehr statt. Das Grunvübcl liegt in der Wahlart der Geschwornen, welche zu einer sehr ungünstigen Zeit gesetzlich geordnet wurde; das ganze Institut wird sich deshalb durch schwere Proben durchkämpfen müssen und die wahren Freunde desselben haben einen schweren Stand und eine schwere Verpflichtung, in der Belehrung nicht zn ermüden und zu sorgen, daß das Voll an der Gerechtigkeit nicht irre werde."
Wer sich einigermaßen um die Geschwornen erkundigt hat, mußte erfahren, daß es lauter Leute find, die nach dem System des Census, wenn sie die Wahl träfe, ebenfalls auf den Geschwornenbänken sitzen würden und daß diese Geschwornen den ruhigen Bürgerstand des Landes repräsentiern. Freilich der ruhige
Bürger, wenn er ein ehrlicher Mann ist, ist von der herrschenden Partei und denen, die sich ihr beugen, schon soweit entfernt, daß es dieser Partei schon nicht mehr möglich ist, ihn von den Ertreinsten zu unterscheiden. Die b r u t a l e, ungeduldige Masse scheint dem Herrn Eorrespondenten der „Deutschen" so sehr ein Dorn im Auge zu sein, und er scheint es dem Assisen- präsidenten so übel zu nehmen, daß derselbe diese Masse nicht hat hinaustreiben lassen, daß er die Landjäger, die durch ihre fabelhatte Höflichkeit, wenigstens im Anfang, Jedermann empört haben, höher stellte, als den Präsidenten, der im Ganzen Anerkennung gefunden hat. Freilich, mit Landjägern könnte der Herr Corre- spondent der „Deutschen" wohl besser regieren, als mit Richtern! Auch der in dem angeführten Artikel erzählte Vorfall ist rein erlogen.
Nachdem der Staatsanwalt im Anfang die Anklage mit der größten Energie, ja Leidenschaftlichkeit zu begründen gesucht hatte, und nachdem die Angeklagten und ihre Vertheidiger die Angriffe erwiedert und die Anklage so vernichtet hatten, daß die Staatsanwaltschaft ihres Kindes sich schämen mußte, begann derselbe die Replik mit der Ausführung, daß ihm die Anklage nicht zur Last gelegt werden könne, er sei der Anwalt des Staats, und thue, was das Verweisungs- erkenntniß ihm auftrage; sodann ging er über zu einer sehr kleinlauten Wiederholung dessen, was er schon früher gesagt hatte und zur Vertheidigung der Regierung gegen die Angriffe der Angeklagten. Es wäre reine Zeitvergeudung gewesen, wenn man auf eine nichtssagende, retirirende Replik hätte dupliziren wollen.
Nachdem der Staatsanwalt also geschlossen hatte, bat ein er der Angeklagten um das Wort zur Anfrage, ob, wenn nicht duplizirt würde, noch an demselben Tage der Prozeß zu Ende gebracht werden könne, und fügte bei, daß er jetzt bereits den vierzehnten Tag,,ohne Unterbrechung, theils als Vertheidiger, theils als Angeklagter, im Assisensaal sitze und jetzig wenn der Prozeß nicht beendigt werde, außer Stande sei, ohne Unterbrechung länger zu sitzen.
Gelogen ist endlich, daß zwischen den Geschworenen und den Angeklagten in den Gasthäusern, oder sonstiger Verkehr stattgefuuoen habe.
Also nichts als Lügen und abermals Lügen, und immer von den wahren Freunden.
Zum Schluß wollen wir dem Publikum folgendes Faktum nicht vorenthalten: Gestern wurde der Kellner aus dem „Nassauer Hof" dahier, wo die Angeklagten während des Prozesses Abends zusammenkamen, "auf das Kreisamt citirt und dort eraminirt, was des ' Abends in dem genannten Gasthofe gesprochen worden ! sei, ob Geschworene da gewesen seien rc. Dabei wurde I dem Kellner bedeutet, er solle die Wahrheit sageu, I sonst ließe man ihn auf der Stelle schwören.
Eines weiteren Commentars bedarf ein solches Ver- ; fahren nicht.
Des Edlen wilde Jagd.
Was flimmert dort trüb in dem Nebelmeer?
Hört's näher und näher brausen!
Von Frankfurt tönet Geschwätz daher,
Sie reden so tapfer und heulen nachher, Und erfüllen die Seele mit Grausen.
Und wenn ihr die thörichten Schwätzer fragt, Das ist des Edlen wilde verwegene Jagd.
WaS schleicht dort still durch den finstern Wald, Was rennet durch Gräben und Pfützen?
Sie rennen, sobald das Kommando erschallt, Nach Gotha, — um Frankfurt die Büchse knallt — Das deutsche Reich dort zu stützen!
Und wenn ihr die zitternden Läufer fragt, Das ist des Edlen wilde verwegene Jagd,
Wo am Glase frißt der Dreimännerwein, Der Edle geborgen sich meinte; Doch Manteuffel schrie: In den Koth hinein!
Und sie patschen mit beiden Beinen hinein, Und wälzen sich drinnen als Freunde.
Und wenn ihr die schmutzigen Männlein fragt, DaS ist des Edlen wilde verwegene Jagd.
Und wieder im Kothe die Feindschaft erwacht, Cs thu» fich die Besten zusammen, Zu schlagen mit Manteuffels Junkern die Schlacht, Denn die Sehnsucht nach Erfurt ist glühend erwacht,
Drum scheu'» fie nicht Beulen nicht Schr-umne».
Und wenn ihr die Fußtrittbegnadeten fragt, DaS ist des Edlen wilde verwegene Jagd.
WaS revidirt dort gehorsam, getreu der Pflicht, Auf Verfassungsleiche» gebettet ?
Es zuckt der Verdruß auf dem Angesicht, Doch es fühlen die Steiße die Tritte nicht,
Das ^Vaterland ist ja gerettet: Und wenn ihr die schamlosen Retter fragt, DaS war des Edlen wilde verwegene Jagd.
Die edle Jagd und die deutsche Jagd
Gen Anarchie und Tyrannen! Ihr habt Nichts gewußt, ihr habt Nichts gewagt, Durch Dnmmheit und Trug habt ihrs dahin gebracht, Daß die Radowitze gewannen! Und von Enkeln zu Enkeln sei's nachgesagt: DaS war deS Edlen Wilde verwegene Jagd.
(Auâ der „N. D. Ztg.").
Leben und Abenteuer des John Davys
Bon Alexander Dumas.
(Fortsetzung.)
— »Gott hat seine Pläne, mein Vater," sagte Apostoli, „mich, den Schwachen, beruft er zu sich, damit ich bete; die Starken aber läßt er hier, damit sie
kämpfen. Wenn ich todt bin, werdet Ihr für mich beten , mein Vater, nicht wahr? ich bete dagegen um die Freiheit."
„Sei ruhig, mein Sohn," antwortete der Mönch, „bald wird der Rachcruf Deiner Brüder erschallen und Du, am Throne Gottes, wirst mehr für Dein Vaterland thun können, als Du cs im Leben vermocht hättest."
— „So möge der Tod immer kommen," sprach Apostoli in Begeisterung, denn in diesem Falle segne ich ihn."
„Amen!" sagte Constantin, indem er in das Zelt trat und am Bette des Sterbenden niederkniete.
Der Priester gab ihm das Abendmahl und Apostoli war darnach ruhiger. So verging der Tag; als endlich die Sonne ins Meer sank, schien ihm noch einmal die Kraft zurückzukehreu;? er richtete sich empor, um ihr länger mit den Augen folgen zu können; als er nur noch die letzten Strahlen sah, breitete er die Arme nach ihr aus, flüsterte ein Lebewohl und ließ sein Haupt ans meine Schulter sinken.
Der arme Apostoli mar gestorben, ohne Kampf ohne Schmerz, wie eine Flamme, die verlöscht, wie ein Ton, der verklingt, wie ein Duft, der gen Himmel steigt. i
Ich schnitt ihm das Haar ab, wie er mir geboten hatte und steckte seinen Ring an meinen Finger.