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âerheLL und Recht!"

^U ÄI. Wiesbaden. Sonntag, 17. Februar 1850»

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Ihr selbst habt es so gewollt!

* Wiesbaden, 16. Februar.

Die Nass. Allg. Ztg. belehrt uns in ihren neuesten Nummern, cs sei durchaus unstatthaft, daß ferner schlichte Männer aus dem Volke in politischen Pro­zessen als Richter fungirten, und sie betheuert uns,es bleibe gar nichts weiter übrig, als einen Staatsge­richtshof zu bilden, in welchem staatsrcchtsgelehrte, in ihrer Stellung unabhängige Richter auf den Geschwor­nenbänken streit, die der Staat nach Maaßgabe ihrer Befähigung ein für allemal ernenne."

Das Organ der Regierung geht sehr radikal bei den Vorschlägen zur Beförderung der Reaktion zu Werke: es begnügt sich jetzt nicht mehr damit, auf einen Census bei der Wahl der Geschwornen zu drin­gen, was früher nach der ersten Session der Assisen von ihm geschah. -

Man könnte sagen schreibt die liebenswürdige Nachbarin ein vornehmlich auf das Prinzip der Capazitäten gebauter Wahlmodus müsse abhelfen. Allein wer sind denn die Capazitäten, wie findet man sie? Wenn man etwa den blos für eine^Capazität erklärt, der den Doktorhut trägt, oder ein Staatsexa­men bestanden hat, dann würden viele der größten Geister der Nation keine Capazitäten gewesen sein." (Natürlich! Hr. W. H. Niehl ist ja selbst weder Doktor" noch auch unseres Wissens im Besitze eines Ausweises, daß er in irgend einem Fache am we­nigsten aber im staakswisscnschaftlichen ein ^Staats­examen abgelegt habe.)

Die Frage nach den Capazitäten nimmt sich übri­gens in einem Blatte, welches sich seit seinem Bestehen in dem einen Satze unaufhörlich wiederholt hat, daß die Partei der Constitutionellen mit derjenigen der Bildung ganz identisch sei, und daß die demokratische Seite des Volks lediglich aus rohen und ungebildeten Elementen bestehe, wirklich sehr naiv aus.

DieNass. Allg. Ztg." macht sogar das beherzi- genswerthe Geständniß,daß der politische Dilettan­tismus bei studirten Leuten bei weitem rechhaberi- scher und widerwärtiger als bei unstudirten sei."

Nun verlangte das Volk aber im März die Schwur­gerichte ganz besonders aus dem Grunde, um durch dieselben die Entscheidung in politischen Prozessenganz unabhängigen und redlichen" Männern aus dem Volke anheimzugeben, und, um durch dieselben den abhängi- gigen, im Dienste des Staats befindlichen, Richtern das Urtheil in solchen Prozessen zu entziehen. Doch was das Voll, unter dem sich alsLiberaler" damals bekanntlich auch Herr Riehl befand, zu jener Zeit verlangte, darf heute dieNass. Allgemeine" einer Beachtung nicht mehr würdigen.

Die gegnerische Partei sieht mit verbissenem Grimm, daß die Männer aus dem Volke zu unabhängig sind; ihr sehnlichster Wunsch, die verhaßten Wühler im

Zuchthaus Wolle spulen zu sehen, ist abermals ver­eitelt. Die gegnerische Partei ist unerbittlich; sie will nun einmal um jeden Preiß Verurtheilung; sie führt einen Kampf auf Leben und Tod; diejenigen von uns, welche die konstitutionellen Absolutisten im Standge­richte nicht erschlagen können, möchten sie gerne durch das elende Zuchthausleben langsam, langsam abschlach­ten. Der Staatsgerichtshof der Botschaft vom 7. Januar, welcher von dem belletristischen Staatsmann nunmehr auch Nassau auempfohlen wird, bedeutet für die Demokratie nichts mehr und nichts weniger, als die glänzendste Anwartschaft auf das Zuchthaus, mit Wollespulen und Marmorsägen.

Statt zu gestehen: unsere Politik ist wieder einmal durch einfache, unabhängige und redliche Männer aus dem Volke, die durchaus den Dilettanten und Belle- tristikern in der Politik vorzuziehen sind, und die die Ansichten des Herrn Staatsanwalts doch eben so gut, als die der Angeklagten, anhören mußten, verdammt worden, und statt zu sagen, wir wollen den War­nungsruf beachten, dem Volkswillen Rechnung tragen und in Einklang mit der Majorität uns setzen, meinen die Herren Bürokraten und Bourgeois:Schwurge­richte aus Landleuten gebildet; der sogn. Volkswille unp die sog. Majoritäten das sind lauter Dumm­heiten; einen Gerichtshof müssen wir haben, der die Kerle ins Zuchthaus bringt, in welches sie schon lange gesetzt sein sollten."

Wohlan, ihr Herren! Wir wissen, daß Herr Ger­lach gesagt hat, die Schwurgerichte seien nur Privi­legien für Verbrecher; wir sehen die Stunde kommen, da der Spruch Gerlach's sich allenthalben in Deutsch­land vollziehen wird.

Zweierlei geben wir Euch aber wohl zu bedenken. Ihr, die Ihr jetzt Alle so bereit seid auf die Fahne des AsolutismuS denselben Eid der Treue abzuleisten, welchen Ihr früher derdemokratischen breiten Grundlage" abgelegt habt; Ihr seid von Wahnsinn befangen, wenn Ihr glauben solltet, wir Demokraten würden uns Eure Feigheit zum Muster nehmen.

Die Zuchthäuser werden unsere Reihen ebensowenig lichten, als die Standgerichte. Fällt Einer, so erheben sich Zehn, Hundert an seiner Statt, um den unaus- gekämpften Streit fortzuführen.

Und nicht kämpfen wir, weil wir den Satz:öte- toi de que je my mette6' (Geh hinweg von Dei- j nein Platze, damit ich mich dahin stelle), welchen Graf Samt-Simon vom Liberalismus behauptet hat, auf uns selbst etwa anwenden wollten; weil wir unsere i Personen in Vordergrund drängen und unserm Haupte denMärtyrerschein" erobern möchten.

Wir legen gar kein Gewicht auf unsere Personen; ! wir Demokraten wiederholen stets, daß es sich nur um i die Sache, d. h. das Volk, handle; daß die Einzeln kommen und verschwinden und nur das Volk ewig sei; ' daß wir recht gut wüßten, daß das Volk vollkommen dazu berechtigt sei, diejenigen, die der Verherrlichung

ihrer Person und nicht mehr der Sache dienen, sofort als abgenutztes Möbel in die Rumpelkammer der wort­reichen aber thatenarmen sogenannten Volksfreunde zu schleudern.

Wir dienen dein Volk, weil wir die Menschheit lieben; wir dienen ihm, mag es uns lieben, mag es uns Hayen, mag es uns schätzen, mag es uns ver­achten !

Die Zuchthäuser also, welche Hr. Gerlach in Aussicht stellt, können vorerst uns selbst nicht ermatten.

Das Zweite, was wir den Herrn Gegnern zu be­denken geben möchten, geht sie aber selber an.

Ihr wollt uns also vernichten, einen Kampf auf Leben und Tod! Habt Ihr aber auch schon bedacht, daß in der Schrift zu lesen steht:Mit dem Maße, da du missest, soll dir wieder gemessen werden"?

Auge um Auge"Zahn um Zahn" das ist jetzt Euer Wahlspruch. Habt Ihr nicht, indem Ihr diesen Spruch praktisch zu bethätigen sucht, manchmal wirre und wüste Träume, die Euch euer künftiges Loos in schreckhaftem Lichte zeigen?

Fahrt Ihr nicht manchmal erschreckt auf, weil Ihr glaubtet verworrene Stimmen zu vernehmen, die mit Wuthgeschrei eure Namen ausstießen t

O nein ihr Wahngläubigen! Ihr seht nichts, Ihr hört nichts, Ihr werdet rettunglos als Blinde in den Abgrund stürzen.

Wenn aber diese Zukunft, in die wir jetzt klar wie in einen hellen lichten Strom hinabschaucn, Ge­genwart geworden ist, dann erinnert Euch, daß wir Euch heute erklärt haben:

Weil Ihr den SatzAuge um Auge Zahn um Zahn", solange Ihr Sieger, in Anwendung bringt, so wären wir Tollhäusler, oder tragisch-komische GefühlSpinsel, wenn wir ihn nicht selbst auch einst zudem unsrigen machten, um UNS selbst zu retten; uns selbst und unsere ^ache; und dann begnügt Euch, wenn wir auf Eure Wehklagen antworten: daß in dem Grade als die Erdkugel mehr bedeutet, als das Sandkorn, wir auch das Glück der Menschheit höher anschlagen, als einiger weniger Menschen, und Euch zurufcu:

Ihr selbst habt cs so gewollt.

Assifenverhaudlunge» zu Wiesbaden.

Sechzehnter Proceß.

Anklage gegen C 0 r r e k t 0 r und Sprachlehrer Carl Schapper von Weinbach, Bergmann Dr. Joh. Baptist Mayer von Katzeucllenbo- gen, Hofgerichtspräsident Adolf Raht von Dillenburg, Anitssekretär Karl Aug. Heh- ner von Rennerod-, Prokurator Friedrich Lang von Wiesbaden, Pfarrer Friedrich Heinrich Snell von Langenbach, Advokat Friedrich Müller von Nastätten, Liqueur-

Leben und Abenteuer des John Davys

Bon. Alexander Dumas.

(Fortsetzung.)

Das eine Zelt erhielt Fortunato, das andere Apo- stoli; dann mußte ich zum zweiteumale schwören, keinen Versuch zur Flucht zu machen, bis Fortunato geheilt sein würde und ich durfte darauf frei umher gehen. Die-' ser Schwur war unuöthig, denn ich würde um seinen Preis Apostvli verlassen haben, dessen Zustand sich mehr und mehr verschlimmerte. Einst bat er mich, ihm zn versprechen, alles genau zu erfüllen, um was er mich bitten würde. Ich ersuchte ihn durch ein Zeichen er möge nur sprechen, denn Thränen erstickten meine Stimme.Wenn ich todt bin," sagte er,schneide mir mein Haar ab und ziehe mir diesen Ring vom Finger. DaS Haar ist für meine Mutter, der Ring für meine Schwester; Du sollst ihnen meinen Tod melden, denn Du wirst ihnen die Trauerkunde sanfter und schonender überbringen, als ein anderer. Du wirst in das HauS treten, wie die alten Boten, mit einem Zweige in der Hand, und da sie lange nichts von mir gehört haben, werden sie sogleich errathen, was aus mir geworden ist, daß ich gestorben bin. Nun möchte ich aber einen Priester haben; sage Constantin, möge zu mir kommen; ich habe viel mit ihm zu reden. Ich will ihn um die

Freiheit der unglücklichen Matrosen und der armen Passa­giere bitten, die er gefangen hält und ihn ersuchen, ihnen an meinem Todestage die Freiheit zu schenken, damit sie für den beten , der sie best riete."

Glaubst Du, daß er Dir diese Bitte gewähren wird?"

Er antwortete nicht und ich beschied Constantin zu ihm.

Sie blieben eine halbe Stunde beuämmen und ich ! konnte wohl sehen, daß Constantin alles bewilligte. Ueber i einen einzigen Punkt waren sie nickt sogleich einig, aber Constantin sagte einige Worte im bittenden Tone und Apostvli drang nicht länger in ihn.

Nun?" fragte ich, als Constantin wieder gegangen war.

Morgen früh bekomme ich einen Priester," ant­wortete Apostvli,und an meinem Todestage werden alle Gefangenen freigegeben, nur Dich, John, sollte ich wie er mich im Namen meiner Mutter bat, bei ihm lassen, bis Fortunato geheilt sei. Vergieb mir, aber im Namen meiner Mutter habe ich nachgegebe» und in dem Deinigen ihm versprochen, daß Du ihn nach Ceos be­gleiten würdest."

Ich werde Dein Versprechen erfüllen, Apostvli; mir liegt wenig daran, wohin ich gehe,... bin ich nicht ein Verbannter? Aber wie konntest Du ein solches Opfer von diesem Maune verlangen?"

Wir gehören beide zu der Gesellschaft der Hc-

tänsteu," antworlcApvstoli,welchesichdieBifreiung Gric- chenlands zum Ziele gesetzt hat. Eine unsere Hauptbestim­mungen ist, nichts zu verweigern, um das uns ein Freund auf dem Sterbebette bittet.. Ich bat ihn, um die Freiheit der Gefangenen und er hat sie mir bewilliget."

Mehrmals erfolgte nun Blutbrechen und der arme Jüngling wurde m meinen Axmen ohnmächtig; ich glaubte er würde sterben , aber er kehrte immer wieder in das Leben zurück mit jenem traurigen engclSgleicheu Lächeln, das ich nur an denen gesehen habe, welche jung starben. Früh gegen zwei Uhr endlich ließ diese Kampf zwischen Tod und Leben nach. Das Leben war überwunden und schien von seinem Gegner nur noch so viel Zeit zu ver­langen, um christlich zu verlöschen.

Früh erschien der griechische Priester, den man von SamvS hergkholt hatte; cs war ein Augenblick reiner Freude für Apostvli. Ich wvlllc sie allein lassen, aber er wendete sich zu mir und sagte: .

Bleib John, wir haben keine lange Zeit mehr für einander.." Dann erzählte er dem alten Mönch sein kindlich reines Leben. Der Priester war tief gerührt; er zeigte bald auf den sterbenden Apostol, und bald auf die Piraten, die von Zeit zu Zeit kamen, um hereinzu­sehen und sagte zu mir:dieser geht und jene bleiben l*

(Fortsetzung folgt.)