denselben Personen und denselben Grundsätzen beherrscht, fortwährend sehen sie, wie die Rache die Freigesinnten trifft. -
Aber, was kann eine Erziehung leisten, wenn der Erzieher zerknickt, an allem Bessern verzweifelnd, sich als Sclave der Willkür beugen muß?
Wenn der Charakter zerknickt, so gleicht der Geist trotz aller Kenntnisse dem Körper, der das Rückgrad zerbrochen, er kann sich nicht aufrichten, trotz aller Kraft der Muskeln.
Wenn das Volk seine Schule nicht erlöst aus der ägyptischen Knechtschaft der Priester,' — so wird das kommende Geschlecht aller Errungenschaft der Cultur verlustig, das Mittelalter mit seinen Mönchen, Heren, Gespenster und Galgen auf allen Höhen wird hcrciu- brechen, und der Beduine wird vielleicht am Abende in seinem Zelte erzählen, daß im Westen einst gebildete Völker gewohnt. Man sehe hierin keine Uebertreibung, Daß es wohl nicht dahin kommt, glauben wir auch, weil wir die Zuversicht haben, daß daS Volk sich lossagt von der Priesterherrschaft, daß cs sich eine freie Erziehung erringt — sonst wird, sonst muß cs dahin kommen! Betrachtet die Zeichen der Zeit, sehet das Treiben in Limburg und fragt euch — ob die Herrschaft der Finsterniß nicht nahe ist.
yfttfciiVctbdHbhu!^ zu Wiesbaden.
Sechzehnter Proceß.
Anklage gegen Correktor und Sprachlehrer Carl S ch a p p e r von Weinbach, Berg m a n n Dr. Joh. Baptist Mayer von Katzeuellenbo- g e n, H o f g e r i ch t s p r ä si d c n t Adolf Raht v o n Dillenburg, Amtssekretär Karl Aug. Hch- ner von Rennerod, Prokurator Friedrich Lang von Wiesbaden, Pfarrer Friedrich Heinrich Snell von Langenbach, Advok a t Friedrich Müller von Nastätten, Liqueur- fabrikant Gustav Iu ft i von Idstein, Landob e r s ch u l t h e i ß L u d M. W c n k e n b a ch v o n W e - hen und Redakteur Julius O p p e r m anu von Wiesbaden, wegen Hoch v r r rath s.
(Fortsetzung.)
$ Wiesbaden, 12. Febr. Der Staatsanwalt k< gründet die Anklagen. Nachdem er eine Erläuterung seiner ersten Rede gegeben und die vorliegenden angeblichen Verbrechen als höchst gefährliche, die nur der gewaltsamen Umänderung der bestehenden. Gesetze und Einrichtungen gegolten hätten, geschildert hat, geht er auf die einzelnen Zeugenaussagen über und bemüht sich aus diesen nachzuweisen, daß die Staatsbehörde keine Unschuldigen verfolge; er berührt natürlich nur solche Zeugenaussagen, die für seine Ansichten sprechen, die anderen läßt er unbeachtet; im Ganzen genommen, ist das stenographische Protokoll seine Hauptstütze, do
«..f.^itut sein fvti. L-rel volle Stunden spricht er: die Quintessenz seiner ganzen Rede, soweit sie sich auf die damaligen politischen Verhältnisse bezieht, ist ganz dasselbe, was die „Edlen des Volkes", die damals die Nationalversammlung verließen, uns so oft schon zur Beschönigung ihrer Bestrebungen gesagt haben. Die endgültig beschlossene Reichsverfassung ist natürlich unausführbar, die Regierung hat die Reichs- Verfassung anerkannt und sie beschwören lassen; daß sie nicht ausführbar sei, davon hat die Regierung gewiß keine Schuld, sie habe doch Alles gethan, was zu thun möglich gewesen rc. rc. In diesem Sinne geht es fort und von diesem Standpunkt aus beleuchtet er die einzelnen Anklagen. Die lächerlichste Anklage ist die, die gegen Raht noch besonders gerichtet ist, welcher dadurch an den Majestatsbeleivigungen des Dr. Meyer Theil haben soll, daß er die oft erwähnten Ausdrücke desselben und den Antrag zu Gewaltmaß- regeln als Präsident des Congresses nicht gerügt und nicht zurückgewiesen habe.
Nach einer halbstündigen Pause erhält der Auge- klagte Raht das Wort. Dieser bewegt sich auf streng juristischem Boden und beleuchtet mit einer außerordentlichen Scharfe und Klarheit erst die Begriffe von Hochverrath im Allgemeinen, und im Besondern auf den vorliegenden Fall die Unhaltbarkeit derselben. — Er geht dann auf die einzelnen Anklagen über, es gelingt ihm, die^ Staatsanwaltschaft mit haltbareren Gründen und Schlüffen weit zu überflügeln, und das Lächerliche der Anklage, namentlich der gegen ihn noch besonders gerichteten, nachzuweisen. Nachdem er drei Stunden lang gesprochen hat und bis zur Beleuchtung der Zeugenaussagen gekommen ist, wird gegen 9 Uhr Abends die Sitzung geschlossen. Morgen wird er in seiner Vertheidigung fortfahren.
Deutf«Hl«u-
/X Diez. Auf dem Limburger Lahneisenbahn-Con- qreß wurde unter Anderm beschlossen, in den einzelnen Ländern und namentlich in den bei dem fraglichen Unter- nehmem zumeist betheiligten Städten, Comites ins Leben treten zu lassen, welche in engster Verbindung mit dem Ccntral-Comite das Unternehmen nach Kräften fördern, namentlich Stände und Regierungen dafür zu interessiren suchen sollen. Es kann für die Lahnstädte — villeicht mit Ausnahme von Limburg — keine Frage sein, daß
eine Lahnbahn für sie sowie deren Umgebung von mehr Vortheil sein wird, als eine Bahn über den Westerwald und man sollte daher denken, die Bewohner der Bewohner der Lahnstâbte müßten eo ipso mit der ViK^cbu sympathisiern. Dem ist aber in unserer Stadt nich. ^also und das hiesige Comite wird also noch die weitere — und schwierigere! — Aufgabe haben, die Bürger unserer Stadt über ihr Interesse zu belehren. Die Gegner der Lahnbahn mögen nicht zu frühe darüber jubeln und etwa der Ansicht Raum gebe», als ob man hier für eine Westcrwâlder Bahn schwärme — bei Leibe nicht, „gar keine Eisenbahn", das ist die Parole derer, welche etwas für die Sache thun könnten. Könnte man nur Cöln und Frankfurt :c. von hier aus ganz unzugänglich machen, dafür aber in die nächste Umgebung prachtvolle Straßen anlegen, die alle in Diez und vor gewissen „Häusern" daselbst münden müßten, dann wäre co schon recht.
Daß die Lahnschifffahl t durch eine Eisenbahn längs der Lahn beeinträchtigt werde, läßt sich nicht wohl in Abrede stellen; es ist indessen der Lauf der Welt, daß das Neue sich Balm bricht und sei es über die Trümmer des Alten. Noch nie ist etwas Neues entstanden, was nicht das Alte verdrängt, insofern cs sich als besser erwiesen, und wenn auch Tausende darüber zu Grunde gegangen wären. Eine Lahnbahn wird indessen noch keineswegs den Ruin der Lahuschiffahrt herbeiführen, sondern nur eine Anzahl Arbeiter weniger beschäftigen und da die meisten derselben ohnehin noch ein anderes Geschäft treiben oder sich doch während des Baues der Bahn nach einem andern Erwerbszweig nmschen können, so dürfte der Schaden in dieser Beziehung nicht sehr hoch anzuschlagen sein.
Die zur Schiffbarmachung der Lahn verwendeten Gelder werden im Falle der Anlage einer Bahn freilich als nicht sehr zweckmäßig angelegt erscheinen, allein wenn man zu jener Zeit, wo der Lahnschiffbarmachungs- Vertrag abgeschlossen wurde, die Möglichkeit der Einlage einer Eisenbahn vorhergesehen hätte, so würden diese Summen wahrscheinlich nicht verwendet worden fein, zumal man ohne Canalisirung derselben wohl schwerlich allenthalben die nöthige Tiefe wird darstellen können.
Wir sind der Ansicht, daß die Lahnschifffahrt weder jetzt noch jemals einen solchen Grad von Vollkommenheit erlange, daß ein anderes Verbindungemittel nicht notwendig erschiene und namentlich ein solches, welches dem Lahnthale die gebührende Bedeutung verschaffen wird.
Die Gegner der Lahnbahn heben zwar immer mit großem Wohlbehagen die Kostspieligkeit und schwierige Anlage einer Lahnbahn hervor und es kommt ihnen dabei gar nicht darauf an, ob sie die Welt glauben machen, es seien 4 Brücken mehr erforderlich als eS wirklich der Fall ist; aber von den Schwierigkeiten der Wcstcrwâl- der Bahn hört man keine Silbe.
Es ist wohl ganz gut anzunehmen, daß während der Hälfte des Winters die Bahn auf dem Westerwald des Schneefalles wegen nicht befahlen werden kann, und allein dieser Umstand wäre geeignet, die Bedenken gegen den einige Stunden betragenden Umweg über Coblenz zu verscheuchen. Die Interessen der Hauptstadt könnten bei dieser Bahn ebenwohl gewahrt werden, wenn man eine Seitenbahn von Wiesbaden durch das Aarthal in die Lahnbahn anlegie, in welchem Falle der Zug der Reisenden sowie der Gütertransport von Frankfurt rc. über Wiesbaden nach Coblenz, Cöln rc. sich bewegen würde, und um schließlich noch von den beliebten Braunkohlen zu reden, so könnten auch diese vermittelst einer an- zuleqendcn Zweigbahn mit in den Verkehr gezogen werden, wenn nicht jener misteriöse Engländer mit dem Geld in der Tasche demnächst zurückkehreu und anders bestimmen wird. —
O Kriftel, 12. Febr. Bezugnehmend auf Nro. 14 Ihres sehr geschätzten Blattes, in welcher berichtet wurde, daß dem Herrn Obertribunalrathe Waldeck in Berlin vom Gemeinderathe in Kriftel das Ehrenbürgerdiplom übersandt worden sei, habe ich heute das Vergnügen, Ihnen eine Antwort mitzutheilen, welche dieser gefeierte Volksmann dem Gemeindevorstande daselbst in folgender Weise zukommen ließ:
Hochgeehrte Herren!
Das mit Ihrem geehrten Schreiben vom 13. l. M. mir gütigst übermachte Ehrenbürger-Diplom habe ich mit großer Freude erhalten. Eine so bedeutende Ehrenbezeugung von Seiten einer fernen Gemeinde im Süden unseres deutschen Vaterlandes gilt, dessen be- scheide ich mich gern, weniger meinem redlichen aber meist erfolglosen Streben für das Volk, als der Sache der Freiheit, des Rechts und der Wahrheit selbst, welche durch meine Freisprechung einen Sieg erhielten. Nehmen Sie dessen ungeachtet meinen herzlichsten Dank freundlich an, nehmen Sie mich in die Reihen der Ihrigen auf, und möchte es mir bald vergönnt sein, an den Ufern des Main persönlich meine neuen Mitbürger begrüßen zu können. Berlin, 31. Jan. 1850. Achtungsvoll Waldeck.
Berlin, 12. Februar, 2 Uhr Nachmittags. Der Kriegsminister verlangt außerordentlichen Kredit. „Die Feinde der Ordnung", bemerkt er, „wie die auswärtigen Verhältnisse, erheischen Verstärkung der Militärmacht, vielleicht Mobilmachung des Heeres." (Frkf. I.)
Aus der Pfalz, 1. Februar. (Sp.Z.) Das völlig Unzureichende des früheren Amnestiegesetzes tritt
immer mehr hervor. Noch immer neue Verhaftungen. Vorgestern wurden wieder 16 Anuweiler Bürger wegen Theilnahme an einem Zuge nach Gossersweiler in daS Zweibrücker Gefängniß gebracht; 6 Andere sollten mit ihnen verhaftet werden, waren aber nicht aufzufinden. Die Hälfte der Festgenommenen ist ver- heirathet; cS sind meistens Handwerker und Ackersleute. —
Heidelberg, 10. Februar. Der verhaftete Winter ist so eben freigelassen worden. Die Blame war wahrscheinlich zu groß, einen im Voraus als vollkommen fleckenlos Erkannten wie einen Verbrecher zu behandeln. (Mz. Z.) .
Flensburg, 8. Februar. Heute Nachmittag sind denn wirklich die Schweden aus Angelu zurückgekom- mcn, ohne etwas auSgerichtet zu haben, denn die Steuern sind immer noch nicht bezahlt. Der Angler ist zähe. Das schwedische Leib-Grenadier-Battaillon hat uns heute Morgen verlassen und ist nordwärts gezogen. Von rückgängigen Bewegungen der übrigen Bataillone bemerkt man noch nichts; hoffentlich werden sie aber bald dem Leibbataillone nachfolgen.
Wien, 7. Febr. (N.O Z.) Ueber die magyarischen Flüchtlinge in Schumla sagt Die „Krönst. Zeitung", daß sie am 16. Januar von Schumla nach Kleinasien trans- portirt wurden. Indessen scheint Diese Nachricht noch Der Bestätigung zu bedürfen. — Der frühere Reichs- tagSpräsidcnt S m vlka ist von der Lemberger Stadt- gemeinde zum Bürgermeister erwählt worden. Man zweifelt aber sehr, daß diese Wahl Die höhere Bestätigung , zu deren Erlangung bereits Schrille geschehen, erhalten werde. — Aus Ungarn erfährt man, daß der Typhus schrecklich grassire. Die Kranken können in Petèrwardein in den dortigen Spital - und Casern - Lo- cälitäten nicht untcrgebracht werden, so daß man in Karlowiy ein Feldlazarett) errichten mußte, um die Leibenden dahin zu transporttreu. — In der Bukowiue werden Die Wölfe von Tage zu Tage zahlreicher und furchtbarer, so daß sich Die Czernowitzer Stadlhauptmannschaft bewogen fand, 600 Waffenpasse auszutheilen. — Bauernfeld'o neuestes Stück. Franz von Sickmgen, hat nur einen succès d’estiine erhalten, obwohl Der Verfasser mehrmals gerufen wurde.
Ungarn.
Pesth. G.-M. Mayerhofer hat den in Agram erscheinenden „Slov. Jug" und die „Südslavische Zeitung" in der serbischen Wojwodschaft und im Temeser Bauäte verboten. — Die Pesther Buchhändler haben in Folge der letzten Ereignisse große Verluste erlitten. Beträge von 6, 10 und 20,000 fl. wurden in Kos- suthnoten an die Behörden gegen Quittung, natürlich ohne Entschädigung, abgeliefert, woraus sich die Fallimente sehr leicht erklären lassen.
Galizien.
In dem Jahre 1848 und 1849 sind in Galizien 80,000 Mann zum Militär ausgehoben worden und nun ist wieder eine starke Rekrutenstellung augeordnet, obschon seit dem Jahre 1846 epidemische Krankheiten von Jahr zu Jahr eiue^ Unzahl von Menschen in diesem Lande hiuweggerafft haben und man schon im vorigen Jahre kleingewachsene und znm Theil krüppcl- hafte Individuen affentirt habe.
Donau - Fürstenthttmer.
Bucharest. Aus ziemlich zuversichtlicher Quelle meldet man, daß Fuad Effendi, und zugleich mit ihm auch der General Duhamel, den 28. d. M., wenn cs Wege und Witterung erlauben, hier aus Petersburg eintreffen sollen. — Gleichzeitig wird versichert, daß zur Completiruug des hiesigen russischen Armeestäudes auf 20,000 Mann, der Befehl zum weitern Einmarsch von russischen Truppen erlassen worden ist.
Rußland.
Von der Elbe, 6. Febr. Dem Hamb. Korresp., den man wohl öfters als im Vertrauen des russischen Geschäftsträgers stehend bezeichnet hat, wird geschrieben: Es bestätigt sich, baß Die russische Regierung rücksichtlich der in der Fremde sich aufhättenden ausgewanderten Polen, welche nicht zur Zahl der Hanptanfrührer nnd Theilhaber der Insurrektion gehören, mildernde Gesinnungen angenommen hat. Es sind den G.saubtschaften und Consulateu Befehle zugekommen, Die ihnen unter gewissen Bedingungen gestatten, Bittgesuche solcher Cmi- grirtcn zur Rückkehr in ihr Vaterland entgegenznnehmen, damit sic, nach ihrer Ankunft, sich vor den Gerichten geietzlich rechtfertigen können. Es beziehen sich diese Befehle besonders auf Diejenigen leichtsinnigen Auswanderer; w!lche Polen seit den Jahren 1831—49 verlassen haben, vorausgesetzt, daß sie keine Criminalverbrechen weder auf russischem Gebiete noch in der Fremde begingen. Die Bittenden haben deshalb vor ihrer Abreise sich Durd) ihr Unterschrift zu verpflichten, nach ihrer Rückkehr ihr Schicksal der Prüfung der Regierung unbedingt anheimzustellen. (Trau, schau, wem? möchten wir da hinzusetzen.)