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ser machen. Morgen früh 9 Uhr wird den unverhei- ratheten und Morgen Mittags 1 Uhr den verheira- theten Mannspersonen gesalbadert und zwar, gleich den Mädchen und Frauen, über ihre Standespflichten. Daß die Kirche sich ebenso wie heute füllt, bin ich über­zeugt, denn die 500 fL, welche der Piusverein an ge­ringe Handwerker und dergleichen, zur Zahlung der Steuern, hat anstheilen lassen, und welche von den von Dr. Busch dem Verein geschenkten 1000 fl. ge­nommen worden sind, ebensowenig, wie die Predigten der Missionare, verfehlen-

/X Diez (Ein Gottesgericht.) Mag der fri­vole Unglauben der modernen Zeit noch so sehr da­gegen eifern, daß Gott nicht zuweilen unmittelbar in das Walten der Natur eingreife, um einzelnen Aus- erwählten ein besonderes Zeichen seiner Huld zu geben; so ereignen sich zuweilen dennoch Fälle, welche auch den Ungläubigsten überführen müssen. Hier ein Bei­spiel.

Sie wissen, welchen Verfolgungen der Herr Kaplan Künstler dahier, ein Maunz, dessen allumfassende, reine Menschenliebe so gerne die ganze Welt gläubig und glücklich machen mochte, ausgesetzt ist, wie eine gottvergessene Rotte" so unablässig an seiner Entfer­nung arbeitet und durch die zügellose Prepe sein Wir­ken in dein Weinberge des Heern zu verdächtigen strebt, weit entfernt, sich hierdurch irgendwie beirren zu lassen, beharrt Herr Kaplan Künstler mit der Aus­dauer, welche nur gläubigen Männern eigen ist, auf seinem Posten und folget Gottes Stimme, die ihm zuruft:Bleibe, denn du bist ein zweiter Petrus, auf dem ich meine Kirche neu gründen will," mehr als der Menschen Stimme. So weit haben es die Ruch­losen gebracht, daß der Kirchenvorstand ihm die Thüre des Predigerstuhles verschlossen und den Bürger-Aus­schuß ersucht hat, seinem Gesuche um Entfernung des Kaplans Künstler auch von der Realschule beizutreten. Am verflogenen Sonntage sollte sich der Bürger-Aus­schuß darüber erklären, aber zum Zeichen, daß der Herr keinen Wohlgefallen an den Verfolgungen^ seines treuesten Dieners" finde setzte er die Eismassen her Flüsse und Bäche in und um der Stadt in Bewegung und schwellte ihre Wasser an und leitete sie in die Stadt also, baß Vielen Angst und Grauen übers um. Zwei Tage und zwei Nächte ließ er die Gewäger in der Stadt, so daß man mit Nachen von Haus zu Haus fahren mußte; dann ließ er sie wieder verlaufen, aber das Damocicsschwerd einer zweiten Ueberschwem- mung schwebt noch immer über der Stadt und wenn sie nicht abläßt von den Verfolgungen des Dieners des Herrn, dann wird die Stadt ein See werden undGaul und Straßen wird man niemals wieder sehen."

Herr Künstler sieht ruhig dem Verlauf der Sache entgegen und hat im Bewußtsein des Sieges der guten Sache seine Möbel noch ruhig hier stehen.

Ein guter Freund.

Leipzig, 6. Febr. (Fr. I.) Am nächsten Sonn­tag wird sich hier, wie wir aus bester Quelle erfahren, unter der Leitung des Herrn Wislicenus, Dou ay und Weißgerber eine freie Gemeinde constitu- iren. Mehrere Versammlungen haben schon stattge- funden, auch ist bereits ein Ausschuß erwählt worden. Die Theilnahme dafür dürfte eine sehr bedeutende sein.

Dresden, 5. Februar. (D.A.Z.) Der Abgeord­nete Dr. Braun stellte in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer an das Ministerium des Acußern folgende Anfrage: 1) Ob die Regierung wegen Zu- standebringung einer deutschen Verfassungswerkes außer dem Bündnisse mit der königl. preußischen Regierung vom 26. Mâi 1849 noch anderweite Verhandlungen mit königl. Regierungen von Bayern, Hannover und Württemberg, resp, mit Oesterreich angeknüpst habe? 2) ob diese Verhandlungen den in der Beilage zum Dekrete vom 29. Dezember 1849, das deutsche Ver­

fassungswerk betreffend, am Ende angegebenen Zweck eines Entgegenkommens gegen Preußen verfolgen oder ein dem genannten Vertrage vom 26. Mai entgegen« stehendes separates Bündniß bezwecken? und endlich 3) ob die Regierung nicht in der Lage sei, über den Stand dieser ganzen Angelegenheit den Kammern die Seite 752 der genannten Beilage versprochene nach­trägliche Mittheilung ehebaldigst zu machen? Ich er­warte von der Regierung hierauf eine genügende und bestimmte Antwort.

Berlin, 5. Februar, Abends. Die zweite Kammer- Hat in ihrer heutigen Berathung über das vorgelegte Steuer-Gesetz den ersten und zweiten Paragraphen des Regierungs-Entwurfs, also das Prinzip der Ersetzung der bisherigen Elaffensteuer und Mahl- und Schlacht- steuer durch eine Einkommensteuer, angenommen, und das entgegenstehende Amendement Pochhammer (welches keine Einkommensteuer, sondern allein eine verbesserte Classensteuer will) verworfen. Zehn Po­len haben ihr Mandat nicdcrgelegt, weil sie die Ver­fassung, die ihre nationalen Rechte gefährde, nicht be­schwören wollen. (Köln. Z.)

Berlin, 6. Februar. Der König hat heute die Verfassung" beschworen und zugleich bei dieser Gelegenheit zwei frühere Gelöbnisse: das von Königsberg und das 'vom 11. April 1847dem Herrn zu dienen" erneuert.

Berlin, 8. Febrnan. (Fr. I.) Abends. Die Wahlen zum Staatenhause erfolgen in der ersten Kammer Montag 11. fr. M., in der zweiten Dienstag 12. fr. M., Abends.

Köln. 5. Februar. (K.Z.) Heute stand der Her­ausgeber derWestd. Ztg.", Herr Chr. Jos. Esser, vor dem hiesigen Assisenhofe, beschuldigt, durch einen in Nro. 117 seines Blattes von 1849 enthalten Ar­tikel den öffentlichen Frieden dadurch zu stören gesucht zu haben, daß er die Angehörigen des Staates zum Hasse oder zur Verachtung gegen einander öffentlich angereizt (§. 17 der Verordnung vom 30. Juni 1849). Die Geschwornen erkannten den Beschuldigten für nicht schuldig.

Rudolstadt, 20. Jan. (Z. f. N.) In Rudol­stadt steht die Einberufung des Landtags in naher Aussicht. Er wird sich hauptsächlich mit der Wahl für das Staatenhaus und mit den Entwürfen einer- neuen Verfassung, einer Gemeindeordnung, eines Staatsdienstgesctzcs und der ministeriellen Vorlage über Umgestaltung des Gerichtswesens zu beschäftigen haben.

Bückeburg, 3. Febr. (Z. f. N.) Im vorigen Herbste hatte die zur Vereinbarung einer Verfassung berufenen Versammlung einer bleibenden ständischen Ausschuß niedergesetzt, bestehend aus dem Landtags­präsidenten Knodt und den Abgeordneten Mever, San­der, König und Wippermann. Da der Landtag bis­her von der Negierung nicht ein berufen würde, um die dem Lande verheißenen Verfassung zu schaffen , so hielt es der Ausschuß für Pflicht, daran zu erinnern, und wandte sich mit einem Schreiben vom 3. Januar an die fürstliche Regierung. Darauf ist gestern die durchaus unerwartete Antwort erfolgt,daß die fürst­liche Negierung einen bleibenden Ausschuß der zur Vereinbarung der Verfassung, durch das Wahlgesetz vom 6. Dezember 1848 berufenen Versammlung nie­mals genehmigt hat und auch jetzt nicht genehmigen kann."

Indem dies weiter ansgefüchrt wird, heißt es dann weiter: Die Regierung muß Sie vielmehr ver­anlassen , sich nicht ferner als einen beständigen Aus­schuß zu betrachten und das etwa in Ihrem Besitz besindliche Landtagsarchiv dem Landtagsprasidenten Hrn. Knodt, der sich ja unter Ihnen befindet, oder, wenn dieser sich damit nicht befassen wollte, der Regierung zur Aufbewahrung bis zur Wiedereröffnung des Land­tags auszuantworten. Was übrigens diese letztere an­betrifft, so trägt die Regierung kein Bedenken, Ihnen

zu eröffnen, daß der Landtag, wenn^nicht unvorher­gesehene politische Ereignisse dazwischen treten, wieder ein berufen werden wird, sobald die das Land und die Arbeitskräfte der Regierung in Anspruch neh­menden Wahlen für den nächsten deutschen Reichstag und einige der neuen Regierung noch unentbehrliche materielle Vorarbeiten vollendet sein werden."

4. Februar. Wir hören, daß die Militär­konvention zwischen Braunschweig und Preu­ßen auf 15 Jahre abgeschlossen ist, und daß 5000 Mann Preußen in das Herzogthum einrücken, die braunschweigischen Truppen dagegen in preußische Garnisonen v erlegt werden sollen.'

Preußische Provinz Baden. In Stühlingen haben die Preußen einen neumodischen Höflichkeitsun­terrichts Angeführt. Innerhalb 14 Tagen hat man 6 Schmuggler und 2 Handwerksbursche, die bei Ab­forderung ihrer Wanderbücher sich nicht der Höflich­keit beflissen, dadurch Sitte und Anstand gelehrt, daß man ihnen Stockprügel gab. Auch ein Stühinger Bauer erhielt diese Lektion und zur Meditation noch 14 Tage Gefangenschaft. Das Schmuggeln wird gleich nach der That mit dem Stock bestraft und zwar sehr brutal. Letzter Tage fand auf dem Marktplatz in Stühlingen eine Prügelekekution statt. Eine Magd, die aus einem Hause zuschaute und den Anblick nicht länger ertragen konnte, schlug das Fenster mit den Worten zu:Das ist eine Weltschande." Sogleich wurde sie heruntergeholt und nur wieder freigelassen, weil sic erklärte, sie habe sagen wollen: das Schmug­geln sei eine Weltschande. (N. Z. ZI

Darmstadt, 5. Febr. Die Linke des aufgelös­ten Landtags, die Majorität der zweiten und die Mi­norität der ersten Kammer, im Ganzen 23- Mann, haben in einem Rechenschaftsbericht an ihre Wähler ihr Verhalten gerechtfertigt und anseinandergesetzt; die Reichsverfassung von Frankfurt wird darin als allein rechtsgültig für das deutsche Volk erklärt, dagegen hat Hr. Reh, der Gothaer, in einem weitläufigen Manifest die Auflösung der Kammern für gerecht und billig erklärt. Gewiß, ein Gothaer und die Lehre der Majoritäten in Kammern oder im Volk sind be­reits unverträgliche Dinge geworden.

Augsburg, 7. Febr. Der kaiserliche Gesandte in Athen soll die Weisung erhalten haben, gan^ im Ein­klang mit dem russischen zu handeln,

Hannover. (Z. f. N.-D.) Kinkel wird wahr­scheinlich aus dem Zuchthaus von Naugard nach Köln gebracht werden. Wird man ihn auf diesem Trans­port menschlicher behandeln, als damals, wo man ihn aus Baden nach Norddeutschland führte? Bev dieser Gelegenheit wollen wir nicht verfehlen, auf das gräßliche Schicksal von Corvin-Wiersbitzky aufmerksam zn machen. Er sitzt bekanntlich im Zuchthaus zw Bruchsal; er lebt nicht dort, er stirbt dort. Nur einmal im Monate darf er einen Besuch oder einen Brief erhalten. Einem Besuch, dem es endlich gelang, zu ihm durchzudringen, wurde der Gefangene vorge­führt, gekleidet in graue Leinwand, vor dem Gesicht eine blaue Tuchmaske. Seine Zelle ist 4 Schuh breit und 6 Schuh lang, darin ein Loch an der Decke wls- Fenster, ein Stuhl, ein Block als Tisch, ein Matra­tzenbett und ein Spinnrad zum Wollespinnen- Das neue Sprachzimmer, in dem er künftighin- seine Besuche empfangen wird, ist so eingerichtet, dass der Gefangene hinter einem Gitter steht und der Be­such hinter einem andern, drei Schritte davon entfernt.

Hannover, 4. Februar. Die jüngsten traurigen Siege einer dem Verhängnisse geweihten Partei in Berlin haben hier in den Kreisen des Adels und der Beamten allerdings Eindruck gemacht, und nach ge­wissen Seiten hin neue Hoffnungen erregt. Der Adel hat den Verlust seiner bevorzugten und zur Erhaltung der eigenen Interessen so wirksamen Stellung in der Landes-Vertretung schwerlich bereits verschmerzt, und

Der Capitain machte seine Sache bei der Abfahrt so schlecht, daß wir einen Anker verloren und ich mich in das Mittel schlagen mußte, um das Schiff gehörig in Gang zu bringen. Der wirkliche Commandant war der erste Lieutenant gewesen, den man aber krank in Scutari hatte zurücklassen müssen. Meine Geschicklichkeit gewann mir ein großes Ansehen auf dem Schiffe und erwarb mir einen Freund in einem jungen kranken Griechen, Apostoli.

Nach einigen Tagen ließ mich Abends der Steuer­mann auf das Verdeck rufen, um mich zu fragen, was ich von einem kleinen weißen Punkte halte, den man in Nordwest bemerke, der ganz verdächtig aussehe und ein Seeräuber zu sein scheine, der auf uns Jagd mache.

Ich nahm das Fernrohr und erkannte, da der Mond hell schien, wie der Steuermann , eine griechische Feluke mit vollen Segeln, die etwa drei M. entfernt war und uns immer näher kam. Sie wurde jetzt mit bloßem Auge sichtbar, denn die Wache ries:ein Segel l"

.Ich glaube, es wird gut fein, wenn der Capitain geweckt wird," sagte ich.

-r-Leider ja," antwortete der Steuermann,ich sähe es viel lieber, wenn Sie seine Stelle einnähmen und alles geschähe, während er schläft. Konnten wir nicht unterdeß noch einige Segel ansetzen?"

Das wird wohl gut sein und von dem Capitain angeordnct werden. Wie trägt übrigens das Schiff seine Segel?"

Wie eine Spanierin ihre Mantille; man kann cs behängen, bis zur höchsten Spitze, es wird sich nie ! über zu viel beklagen."

Das ist etwas," murmelte ich.

Aber nicht genug."

Glauben Sie, daß eine Feluke schneller fahren könnte?"

Eine gewöhnliche Feluke gewiß nicht, aber an jener dort, die uns folgt, glaube ich einen gewissen Schaum zu bemerken, der mir nicht recht richtig verkommt, Sie hat hat gewiß auch Pfoten, nicht blos Flügel."

Die Feluke hatte sich unterdeß noch mehr genähert und schien nur noch etwa zwei Meilen entfernt zu sein. Ich ließ mehr Segel anseycn. Unterdeß kam der Capi­tain herauf, der zwar barsch fragte, wer auf seinem Schiffe Befehle gebe, aber bald aus einem ganz andern Tvne sprach als er erfuhr, was uns bevorstehe. Die ganze Mannschaft und alle Passagiere wurden auf das Verdeck bcschicden, um ihnen die Lage auseinander zu setzen, in welcher wir uns befanden. Ich wurde ein­stimmig zum Capitain ernannt.

Meine Herren," antwortete ich,da es sich hier um Leben oder Tod. handelt, so nehme ich Ihre Wahl an, muß Ihnen aber vorher meine Absichten mit­theilen."

Reden Sie!" riefen alle Stimmen.

Ich werde alles aufbicten, um einen Hafen zu er­reichen , ehe die Feluke uns erreichen kann; ist dies aber nicht möglich, so kämpfe ich bis aufs Aeußcrste und melde Ihnen, daß ich eher das Schiff in die Luft sprenge, als mich ergebe. Sie haben gehört, was ich gesagt. Ich gebe Ihnen fünf Minuten Bedenkzeit. Ueberlegen Sie.

Das geschah, dann kam Apostoli an der Spitze aller und sagte:

Bruder, Du bist zu unserm Führer ernannt; von diesem Augenblicke an verfüge über unser Leben, über unsere Arme."

Und ich," sagte der Capitain, indem er zu mir trat,ich erbiete mich, Ihr Lieutenant zu sein, wenn Sie mich dazu für tauglich halten; außerdem stellen Sie mich mit an, wie den letzten Matrosen."

Ich reichte ihm die Hand und die Mannschaft stimmte ein lautes Hurrah an.

Dann ließ ich alle Segel ansetzen und das Schiff schwamm rasch über die Wogen hin , so daß wir wirk­lich die Feluke allmählich hinter uns zurückließen.

(Fortsetzung folgt.)