Schweiz.
Bern , 1. Febr. (S. M.) In Nyon am Genfer See beobachtete man vor einigen Tagen, als sehr warme Witterung eintrat, daß sich von den Gipfeln des im schönsten Sonnenschein strahlenden Montblanc ungeheure Schneemassen ablösten und von dem heftigsten Südwind zerstreut und in Wolken verwandelt wurden, was ein prächtiges Schauspiel dargeboten haben soll. — Der große Rath von Bern hat den neuen Kriminalprozeß, der die Geschwornengerichte entführt, in zweiter Berathung definitiv angenommen. Mit dem 1. Jan. 1851 soll derselbe in Kraft treten.
Griechenland.
Von Triest wird gemeldet, daß am 11. Januar das englische Geschwader in der Nähe der Bai von Salamis Anker warf und daß am 16. Januar Hr. Londos, Minister der auswärtigen griechischen Angelegenheiten, vom britischen Minister Wyse die Anzeige erhielt: der Viceadmiral Parker werde sick zu ihm begeben, um ihm im Namen seiner Regierung einige Mittheilungen zu machen. Sir Wyse bedeutete in dieser Unterredung Hrn. Londos, daß er Kraft der von seiner Regierung erhaltenen Befehle aufragen müsse, in welcher peremtorischen Weise die unmittelbare Vollziehung der von Sir Edmund Lyons schon im Dezemb. 1848 gestellten und von ihm (Wyse) erneueten, aber von der Regierung unbeachtet gelassenen Forderungen bewirken wolle. Der Vice - Admiral Parker sei von diesen Befehlen unterrichtet und habe noch außerdem seine besonderen Instruktionen zur Unterstützung dieser Forderung. Er (Wyse) wünsche, daß die griechische Regierung binnen 24 Stunden befriedigende Antwort ertheile, im entgegengesetzten Falle würde an die griechische Regierung eine schriftliche Erklärung ergehen, und die Folgen davon könnten für Griechenland sehr ernsthaft werden, weßhalb der König sowohl, wie seine Regierung die Sache reiflich erwägen wolle. — Die gestellten Forderungen sind folgende: 1) eine Entschädigung von 800,000 Drachmen an den israelitisch englischen Unterthan David Pacifico, dem vor mehreren Jahren am Osterfeste das Haus zerstört wurde. 2) Desgl. 500 Pf. Sterling Entschädigung an Pacifico für seine Ehrenverletzung; 3) eine Entschädigung an den als griechischer Bürger aufgenommenen Engländer Finlay für das beim Bau des königl. Palastes verwendete, ihm gehörende Grundstück; 4) eine Entschädigung an verschiedene, vor einigen Jahren von Piraten in der Nähe von Acaruanien ausgeplünderte jonische Barken; 5) eine Entschädigung an einige Ionier, welche vor mehreren Jahren der Theilnahme an einem Aufstande beschuldigt in Elis verhaftet und eingekerkert wurden; 6) eine Entschädigung an einen in Patras verhafteten und gemißhandelten Engländer.
Die verlangten Entschädigungssummen betragen nebst Interessen anderthalb Million Drachmen. — Auf die an den König erfolgte Mittheilung des Herrn Londos wurde der Ministerrath zusammenberufen, und der Präsident des Areopag , der Appelationshof und andere ausgezeichnete Männer Athens zu Rathe gezogen, die nach reiflicher Ueberlegung alle sechs Forderungen einer Tribunal-Entscheidung überließen und dahin sich aussprachen , daß das damit verbundene Verlangen durchaus jeden Rechtsgrund entbehre. Die Vertreter Frankreichs und Rußlands schritten bei dem britischen Minister ein, der jedoch jede Vermittelung verweigerte und als er auf eine erneuerte Forderung keine andere Antwort als bisher erhielt, begab er sich zu seinem Geschwader, indem er jede Verbindung abbrach. Der britische Konsul forderte alle englische und jonische Unterthanen von Athen und Pyräus auf, sich zur Einschiffung bereit zu halten. Einem von Pyräus nach Syra absegelnden Dampfboot mit königlichen Depeschen untersagt am 18. d. Parker diese Reise, da keine Bewegung unter den griechischen Kriegsschiffen in demselben Hafen stattfinden dürfe. Am 19. Abends reiste der englische Gesandte mit Beamten und Gepäck nach dem Pyräus und begab sich auf das Admiral- Schiff „Quien", von wo aus er Herrn Londos anzeigte, da jener Dampfer sich trotz Parker's Verbot dennoch unter tzoegel begab , er denselben wieder habe zurückbringen und auch andere griech. Fahrzeuge nach dem Hafen von Salamina werde bringen lassen und sie dort so lange zurückbehalten werde, bis die Forderungen befriedigt seien. Die Regierung befahl nach allen Richtungen hin sich den Maßregeln Englands nicht zu widersetzen. Am 20. warf das österreichische Kriegsschiff Marianna im Pyräus Anker; es scheint, daß der österreichische Geschäftsträger entschlossen ist, wegen der schwierigen Verhältnisse dies Kriegsschiff zurückzubehalten. Am 21. wurden 3 griechische Kauf-- manusbarken von englischen Kriegsschiffen am Auslaufen verhindert. Der Eingang in den Hafen ist nicht verboten. — Die griech. Regierung scheint sich passiv verhalten zu wollen und darauf zu rechnen, daß die beiden andern Schutzmächte ein energisches Wort mit England drein sprechen werden. Der französische Gesanote soll die Flotte der Republik aufgefordert haben, sich hierher zu verfügen. Die Pariser „Partie" weiß auch bereits von den Maßregeln der englischen Flotte, von denen die französische Regierung durch telegraphische Depesche benachrichtigt worden sei; sie giebt aber als Grund der englischen Maßregeln die Mahnung zur Zahlung der von England vorge- schossenen Rückstände der griechischen Anleihe an, und fügt hinzu, daß sich die griechische Regierung unter i den Schutz des franz. Gesandten gestellt haben soll. I
Republik Frankreich
Paris, 4. Februar, Abends 8 Uhr. Gegen 5 Uhr zwischen Volk und Polizei wegen Errichtung von Freiheitsbänmen auf dem Boulevard St. Denis. Lamoriciere mußte sich über ein Dach flüchten. Er berichtet darüber später in der Kammer. Einige Verwundungen fallen vor. Große Aufregung herrscht. Ein Regiment ist beim Boulevard aufmarschirt. Die Truppen werden konzentrirt, der Caroussel-Platz und das Arsenal besetzt. 8 Uhr scheint Ruhe herge- stellt. (Fr. I.)
Assisenverhandlungen zu Wiesbaden. Vierzehnter Proceß.
Anklage gegen Christian Jakob Kaufmann von Hochheim, wegen Tödtung.
(Schluß.)
^ Wiesbaden, 6. Febr, Das Zeugenverhör ist im Ganzen genommen sehr günstig für den Angeklagten. Etwas Bestimmtes über die That selbst kann nicht nachgewiesen werden. Niemand hat die Beibringung des tövtlichen Stiches gesehen, nur der Getroffene hat vor seinem Tode ausgesagt, daß Kaufmann einen Schritt zurückgetreten sei, das Messer aus der linken in die rechte Hand genommen, wieder vortretend, den Stich ihm beigebracht habe. Da indeß die übrigen Aussagen des Getödteten mit denen von den meisten Zeugen in direktem Widersprüche stehen, namentlich das Messer fest auf einem Kübelchen steckend gefunden wurde, so vermögen dieselben nichts zur Constatirung des eigentlichen Thatbestandes beizutragen, im Gegentheile, es gewinnt die Ansicht Raum, daß Diefen- busch sich bei ver^ Rauferei in das Messer gerannt habe. Der Herr Substitut Flach vermag trotz der sehr umfassenden Begründung der Anklage die Schuld des Kaufmann nicht nachzuwenen, vielmehr gelingt es dem Vertheidiger, Herrn Prokurator Lang, meisterhaft, die Geschwornen vom Gegentheile zu überzeugen. Nach längerer Berathung wird der Angeklagte "für „ Nichtschuldig " erklärt und in Folge dessen freiae- sp r 0 ch e n.
Fünfzehnter Proceß.
Anklage gegen Lehrer Ant. Horn von Laht- Heim wegen Meineid und Betrug.
$ Wiesbaden, 7. Februar. Lehrer Anton Horn, früher in Frauenstein, jetzt in Dahlheim, war dem Handelsjuden Kahlmann Kahn von Frauenstein, Ces- sionar des Isaak Frank von Flacht, 47 oder 48 fL schuldig und auf diese Suinine verklagt. Die Versteigerung des gepfändeten Weins war anberaumt und Horn wandte sich deshalb auf Betreiben seiner Frau in seiner Noth an den I. R e i tz von Frauenstein, und bat diesen in einem Schreiben, daß er.ihm helfen möge, in 14 Tagen werde er ihm das Geld zurückerstatten. Dieser erklärte, ihm nicht helfen zu können, da er durch sein Bauwesen zuviele Kosten habe und seines Geldes sehr benöthigt sei, ließ sich aber durch seine Frau dazu bestimmen, mit dem Juden zu reden, daß dieser mit Horn Geduld habe und daß H orn 's Schuld an der Forderung, die er an Kahlmann Kahn habe, abgehen solle. In Folge Dessen unterblieb die Versieigerung. Reitz forderte nach Verlauf von 14 Tagen sein Geld, konnte es aber nicht erhalten. Da eine zweite Forderung erfolglos war, so verklagte er Horn. Dieser leistete nun aber an dem Amte zu St. Goarshausen den Eid „daß erden Kläger nicht beauftragt habe 40 fl. an Kahl- mann Kahn zu bezahlen." Dieses Eides wegen sitzt Horn auf der Anklagebank. Er behauptet fest und unerschütterlich, denselben vor dem allwissenden Gott und seinem Gewissen verantworten zu können. Er habe Reitz um ein Darlehen von 40 fl. gebeten, die er bedürfe, um Kahn bezahlen zu können, einen Auftrag, diesen selbst zu bezahlen, habe er ihm nicht gegeben. Er sei dem Kahn das Geld noch schuldig, nicht aber dem Reitz. (Schluß folgt.)
Zur neueste» Geschichte Ungarns.
Die Katastrophe von Facset.
Ueber die letzten Tage der ungarischen Revolution erhalten wir allmählig einige aufklärende Darstellungen. Sind auch die Motive der Katastrophe nach wie vor dunkel und dem Reiche der Vermuthungen anheimgegeben, so wird doch wenigstens das Detail klarer. Besonders bringen die „Grenzboten", die sich schon zur Zeit des Krieges durch höchst anziehende und meisterhaft geschriebene Darstellungen auszeichneten, mehrere sehr schätzenswerthe Beiträge zu der Geschichte der letzten Tage Ungarns. Das neueste Heft dieser Zeitschrift enthält unter der Ueberschrift: „Die Katastrophe von Facset" eine Schilderung des letzten verunglückten Versuches der ungarischen Revolutionsmänner auch nach der Kapitulation von Villagos noch einmal das der Revolutionsfahne treu gebliebene ungarische Heer zu sammeln. Diesen Versuch machte Bem in Facset, einem Flecken dicht an der Grenze Siebenbürgens , in welches er die Reste der Armee führen wollte. Wir führen unsere Leser durch einige einleitende Bemerkungen auf den Schauplatz der Darstellung. Der Plan
der Kossuth'schen Partei, die ganze ungarische Armee an der Theiß zu sammeln, war durch Görgey's Widerspenstigkeit vereitelt. Als Haynau in den letzten Tagen des Juli von Pesch nach dem Süden vorrückte, stand ihm allein Dembinsky mit etwa 40,000 Mann gegenüber, während des Ersteren österreichisch-russisches Heer fast 60,000 Mann zählte. Bei Szegedin an der Theiß traf man zusammen, Haynau erzwang den Ueber- gang, drang im Banat gegen Temesvar vor und schlug Dembiusky bei Szoreg und am 9. August in der Entscheidungsschlacht bei Temesvar. Dembinsky hatte die Schlacht angenommen, obwohl weder der sehnlich erwartete Görgey erschienen noch Temesvar -von den Ungarn erobert war; Bem selbst, am Morgen des 9. aus Siebenbürgen angekommen, nahm an der Schlacht Theil. Die gänzliche Niederlage der Magyaren hatte eine Auflösung des Heeres znr Folge, dessen größester Theil sich gegen Siebenbürgen zu wandte. Bei Lugos sammelten Bem, Guyon, Vecsey, Török nnd Kmety ihre Schaaren, während Dembinsky und Perczel bereits gegen die türkische Gränze gezogen waren. Kossuth verließ am 14. Abends Lugos, alle Hoffnungen ausgehend, nachdem am 11. der große Knegsrath' in Arad Görgey zum Diktator ernannt, und dieser am 13. die Kapitulation von Villagos abgeschlossen hatte. Die bei Lugos stehenden Truppen hatten noch nichts von dieser Katastrophe erfahren und wurden weiter gegen die siebenbürgische Gränze geführt. In Facset machte nun Bem den Berylch, sie zu einer Fortsetzung des Krieges in Siebenbürgen zu vermögen; er wird den „Grauzboten" folgendermaßen geschildert:
Am 16. Abends ruhte dasHeer vor Facset. Es war ein trauriger Weg bis dahin; eine öde, unwirth- bare Gegend, über Hügel und Wälder zogen wir entlang, ein einziges Dorf, ohne Wasser in seinen Brunnen, ohne eine menschliche Seele, unterbrach den einförmigen Marsch. Die Leute litten Hunger und Durft. Die ganze, gut gebaute Straße war mit um- geftürzten Munitionswagen und den Trümmern des Trains der Abtheilungen bedeckt, welche vor uns zogen. Naye am Eingänge des Fleckens Facset, zu beiden Seiten der Straße, lagerte das müde Heer, rechts von der Straße, hart am Dorfe, lagen die Trümmer des V ec sey'schen Corps, dahinter an einen Hügel gelehnt Bem und Guyon, links das Corps Kmety's. Die Husaren, welche die Nachhut bildeten, hatten sich eine Viertelmeile zurück auf die Felder gelegt, auf denen die Frucht noch in Garben stand. Es war ein milder Augustabend, der auf einen sonnigen Tag folgte, und um die Lagerfeuer herrschte ein so reges Leben, so wenig war von Niedergeschlagenheit zu merken, das Aussehen der Honveds war besonders in Vecsey's Corps so stattlich, daß ein Fremder unmöglich hätte glauben können, ein geschlagenes Heer vor sich zu seyen. An den Ruthenzaunen des Fleckens waren die Wagen, Karren und Kanonen des einen Corps auf- gestellt , unter ihnen der geschlossene Scheibenwagen des Generals Vecsey, welcher die Stelle des Hauptquartiers vertrat. Dort hatte sich eine große Anzahl Offiziere versammelt, zunächst nm durch Wahl die Lücken im Offiziercorps auszufüllen. Zm Anfang flog die Unterhaltung lustig', fast übermüthig hin und her, man scherzte und prophezeite einander Avancements. Allmälig wurde es dunkler, die Stimmung warb ernster, es ging durch die Menge, welche aus Offizieren aller Corps bestand, wie sie die Neugierde und Erwartung zusammengetrieben hatte, ein Geflüster: Kriegsraty soll gehalten werden, Bem wird kommen! —
Irr einer offenen vierspännigen Calesche kam Bem heran, ganz allein im Wagen, auf dem Haupte einen weißen Kossuthhut mit langer weißer Straußenfeder. Rüstig sprang er herab, das narbige, bleiche Gesicht so voll von stolzer Zuversicht und freudiger Kraft wie nur je; sonst ging er wankend und vorwärts geneigt, aber heute war sein Schritt fest, seine Haltung gerade : und stumm, seine geistige K-aft war in dieser Stunde ■ Siegerin über seinen hinfälligen, von Wunden gelähmten^ Körper. Man empfing ihn mit stürmischem Elfen, unser Zirkel öffnete sich, er trat in die Mitte und eine feierliche Stille legte sich auf die erwartende Menge, man konnte das Summen einer Fliege hören. Der Dämmerglanz des Abendshimmel legte einen feierlichen Schimmer über die verhängnißvolle Scene, welche jetzt anfing. Bem begann sogleich mit diesen Worten in seinem gebrochenen Deutsch: Meine Herren, ich komme ’ im Namen der Regierung und in meinem eigenen Na- ' men als Oberkommandant zu Ihnen, ich fordere auf alle Commandanten des Bataillons, der Eskadrons und der Batterien, morgen früh 6 Uhr sich schlagfertig zu halten, um gegen Siebenbürgen nach Dobra zu ziehen. — — Hier unterbrach ihn ein Oberst, ein hochgewachsener Mann mit ausdrucksvollem Gesicht und schwarzem Bart, aus dem Kreise heraus und auf ihn zutretend: Herr Feldmarschalllieutenant, wir erkennen keine Regierung. Die Regierung hat unS schändlich verlaßen, sic hattte nicht die Kraft, daS Werk auszuführen, welches wir so glorreich begonnen und für welches wir mit unserm Herzblut eingestanden haben. Sie hat das Heer in der furchtbarsten Gegend verhungern lassen, hat nicht nur Mangel an Energie gegen den äußern Feind gezeigt, sondern auch Unfähigkeit, die Kräfte des Landes, welche sich ihr so reichlich darboten, zu benutzen. Sie hat sich der großen Aufgabe, die ihr das Schicksal stellte, unwürdig gezeigt.
Darauf sagte Bem kurz und barsch: Aber warum