Einzelbild herunterladen
 

-Zeitung.

âethelL und Recht!"

AH, Wrèsbader,. Donnerstag, 7. Februar 1830.

' ^"» ""^"^ ' ............ ' ' ........ ' " ' I I II ------HW

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Momâ, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr au^, wärts durch die Post bezogen mit vcrhältnißmäßigem Abschläge. Jnscvßte werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk- amem Erfolge. Die Znserationsgebühren betragen f& die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

Die neueste Entwicklung der Parteien in Deutschland.

11.

$ Wiesbaden, 6. Februar.

Wir haben gestern zu zeigen versucht, welche Be­deutung in der politischen und sozialen Entwicklung der Deutschen die neueste Botschaft habe. Wir haben damit geschlossen, daß die politische Gewalt der Bourgeosie selbst vernichtet sei, daß die Doktrinen der­selben sogar von den Mnifterbänken aus verhöhnt würden. Heute werden wir zeigen, wie der Geg­ner beider, der Bourgeoisie und des Königthums, die Demokratie sich gestärkt und wunderbar geeinigt hat. Das ist kein LenetdenSwerther Sieg, welchen die königliche rein absolute Junkerparthei über die Pro­fessoren und Bourgeois davon getragen hat. Das preußische Königthum muß vielmehr, ähnlich wie jener berühmte Feldherr des Alterthums, von sich sagen: noch mehr solcher Siege, und ich bin verloren." Heutzutage kann das Königthum ein ferneres Dasein nur allein dadurch fristen: daß es seine Interessen mit denjenigen der Bourgeosie aufs engste verbindet.

Sobald sich das Königthum auf den Adel stutzt, sobald es sich feudalistischen Reminiscenzen hingibt, ist es verloren unrettbar verloren.

Der König von Preußen will seine Gewalt nicht mit den Bourgeois theilen und so mag er denn zu­sehen, daß nicht eines schönen Tags die Krone der HohenzoUern in den Abgrund rollt. Wir konstatiren die wichtige Thatsache, daß das Königthum, indem es die Bourgeosie besiegte, sich selbst eine tiefe Wunde beiqcbracht hat; wir konstatiren, daß bas Königthum durch diese Botschaft in doppelter Hinsicht einen un- xnklch großen Dienst der Demokratie geleistet hat.

Die Hindernisse, welche die Demokratie in dem siegreichen Vorwärtsschreitcn hemmen, brechen von selbst zusammen und die Demokratie sieht zu,wie sich die Geschicke vollenden."

Rein durch Zusehen hat auch die Demokratie bei Gelegenheit der Erfurter Wahlen einen großartigen Sieg über ihre Gegner, bic konstitutionellen, erfochten. Bei dieser Gelegenheit haben sich die ConstitutloneUen die andre der beiden großen Niederlagen geholt, deren wir im Anfang des gestrigen Artikels erwähnten. Die Bourgeois und ihre Vorkämpfer, die Gothaer, buhlen schon seit geraumer Zeit um die Gunst des preußischen Königthums: und streben darnach, durch das beabsichtigte Bündniß die Ehe der sogenannten konst. Monarchie zu gründen.

Das Königthum hatte gegenüber dem heiß.n Ver­langen der Vertreter des Herrschenden Capitals nur Ausflüchte und Vertröstungen. Endlich, da die Zeit reif war, erhielt die Bourgeoisie einen Korb in bester Manier: sie ward nämlich vor die Thüre geworfen. 3)ie konstitutionellen kümmern sich jedoch nicht um das

Leben und Abenteuer des John Davys

Von Alexander Dumas.

(Fortsetzung.)

Ich zweifle, ob während meines âbenteüèr, reichen Lebens das später so vielen verschiedenen Gefahren aus- aefcyt war, eine einzige ein so peinliches Gefühl erregt hat als das, was ich in jenem Augenblicke empfand. Ich'war ohne Waffen, konnte nichts zu meiner und des Mädchens Vertheidigung thun und mußte ein junges Mädchen, das nichts als die seinem Volke eigene Schlau­heit besaß, ein Spiel spielen lassen, bei dem es sich um mein Leben handelte. Verlor sie, so war ich in diesem Cabiuete gefangen wie ein Wolf in der Falle, ohne daß ich entfliehen, ohne daß ich mich vertheidigen konnte; gewann sie, so mußte sie sich wie ein Mann der Ge- kahr entgegenstellen und ich war wie ein Weib ver­steckt gewesen. Ich sah mich um, ob ich nicht irgend ' Gerüche finde, das mir als Waffe dienen könne; aber ich fand nur Kiffen, Rohrsessel und Blumcu- vasen. Ich trat deßhalb wieder an die Thüre und ^âje sprachen türkisch und da ich die Geberden nicht sah welche die Worte begleiteten, so verstand ich nicht was sie sagten. Doch schloß ich aus dem sanften Tone deä Mannes, daß er mehr bitte, als drohe. Nach einigen Augenblicken hörte ich die Töne einer Guitarre,

Setzen âi die Luft", sondern betteln fort und fort, nachdem ân sie mit Schimpf und Hohn auf das harte Pflaster geworfen, um einen kleinen Strahl königlicher Gnade, und-zwar soll diesmal in Erfurt gebettelt wer­den. Die demokratische Partei weiß sehr wol die Rolle, welche der CoMtutionalismus als unglücklicher Freiers­mann spielt, zu würdigen: aber sie trägt nicht nach einer häßlichen Und bejahrten Braut Verlangen, son­dern nach einer solchen, die jung und schön und heilig zugleich; sie sehnt sich mit der ganzen Gluth der Ueber­zeugung, wie sie nur die Wahrheit der Idee und der redliche Wille zu erzeugen vermögen, nach jener hoff­nungsvollen Zukunft, die näher ist als mancher glaubt, und die auf ihr Panier die Worte:

Freiheit! Gleichheit!' Brüderlichkeit! geschrieben hat.

Die Demokratie konnte also unmöglich dem Con- stitutionalismus auf seinem neuen, für ihn gewiß un­seligen Freiersgang gen Erfurt folgen und das Volk hat nicht gewählt; es hat allenthalben nicht gewählt und es hat damit bekundet, welche unendliche Fort­schritte es in kurzer Frist in dem bewußten politischen Auftreten gemacht hat. Das Volk hat sich durch das Nichtwählen emanzipirt von dem Einfluß des Beam­tenthums und der Clerisei; es hat sich in geschlossener Phalanr um die demokratische Fahne geschaart, und damit sich selbst klar vor die Augen geführt, wer ihm eigentlich gegenüberstehe; es hat den Ministerien allent­halben gezeigt, welche Majoritäten, aus Flurschützen und Accessisten gebildet, hinter ihnen stehen, und da­mit sich selbst wieder klar gemacht, wie gering, wie ungeheuer gering an Zahl die jetzt herrschende Partei ist. Dieses Volk, dieses sich seiner Kraft bewußt ge­wordene, und in der Demokratie einige Volk, wird, wenn der Tag kommen wird und tata^«o! (es wird der Tag kommen!) sicher nicht die Sünden wiederholen, welche es beim ersten Betreten der poli­tischen Bühne im März 1848 begangen hat.

Desrtsehl««A.

X. Braubach, 2. Febr. (Die nassauischen In­validen.) Die Leser dieses Blattes werden sich noch eines Aufsatzes erinnern, der die drückenden Verhält­nisse der Garnison Marrburg schilderte und offenbar den Zweck hatte, das Gouvernement zu einer Aende­rung zu veranlassen!

Es sind dermalen noch 15 Mann auf der Marr­burg aktiv, die denselben Dienst thun müssen, wofür das Generalcommando 23 Manu forderte; es muß der Gemeine zweimal jeden 3. und einmal jeden 2. Tag auf die Wache; von den noch übrigen 7 Mann muß einer die Zimmerwache, der zweite die Kranken­tonr , der dritte das Kochen versehen, zwei müssen Holz klein machen und die letzten zwei müssen die Victualien in der Stadt holen; dazu kommt noch, daß

dann ließ sich die Stimme der jungen Griechin in reinen und harmonischen Tönen vernehmen und ein Gesang er­tönte, der zugleich ein heiliges Gebet und ein Liebeslied zu sein schien, so fromm und so sanft war er. Ich war höchlich verwundert. Dieses Mädchen, das kaum fünf­zehn Jahre zählte, das noch einen Augenblick vorher händeringend den Tod ihres Vaters, das Elend ihrer Familie und ihre eigene Gefangenschaft beweinte, dieses Mädchen, die auf der Flucht unterbrochen wurde, als sie eben die verlorene Freiheit wiedergewinnen sollte, die wußte, daß ich mich in dem anstoßenden Cabinette be­finde, die keine andere Hoffnung hatte, als den Dolch unter den Kissen ihres Divans, dieses Mädchen sang vor dem Maune den sie mehr als den Tod verabfebenete mit einer scheinbar so ruhigen Stimme, als feiere sie die Verdienste der heiligen Jungfrau inmitten ihrer Fa­milie unter der Platane, welche die Thüre ihres Hauses beschattete.

Ich hörte zu; mir war cs, als würde ich in einem Traume von einer höher» Macht fortgetragm. Ich wartete und lauschte. Der Gesang hörte auf. Die Worte, die ihm folgten, wurden noch zärtlicher, als bic vor- h^gaugcueu ; dann trat eine augenblickliche Stille ein, wclwe endlich plötzlich ein unterdrückter Schmerzensschrei unterbrach. Ich ' stand unbeweglich da, mit offenen stieren Augen, als wollten sie die Mauer durchbohren. Ich hörte ein dumpfes Aechzen, dem eine Todcnstüle folgte. Bald darauf näherten sich leichre Tritte der

wenn ein Gewisser wöchentlich zweimal in eine ge­wisse Gesellschaft geht, einer von der Wache, Ächt haben muß, bis er zurückkehrt, um ihm das Thor zu öffnen; wodurch es vorkommt, daß derselbe Mann dann 6 Stunden anhaltend sich ein Freien ergehen kann, was bei 12-18 Grd. Kälte gewiß eine schöne Promenade ist. Der Wachedienst ist aber hier schwerer und mühesamer als an andern Orten, denn nicht allein sind die Soldaten allen Witterungsverhältnissen so sehr ausgesetzt, daß man nicht begreift, daß noch keiner der Kälte erlegen, sondern sie können seit dem Winter nicht anders als mit Fußeisen oder mit Lappen um­wickelten Schuhen vom Wachthaus zum Posten ge­langen. Ferner wird Niemand, der die Leute mit dem Brobsack beladen, oder den $lei|djforb in der einen, den Wasserkrug in der andern Hand den steilen mit Eis über­zogenen Feljenweg hinauf kriechen sieht, dieselben um die Wohlthat einer solchen Verpflegung beneiden! Die Dienstverrichtungeu zeigen schon, daß kein Verheira- theter irgend einen Taglohn verdienen kann, sie sind mithin angewiesen, mit 9 Kreuzer täglich mit Frau und Kindern zu leben wahrlich das ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Wird einer krank, so bekomint er 4 Kreuzer Zulage, muß aber 6 Kreuzer in die Menage für eine Kost bezahlen, die er nicht essen darf, und ist deshalb genöthigt, mit 7 Kreuzer zu leben. Das fasse, wer es fassen kann.

Da die Marrburg mit ihren Kanonen nicht weg. tragbar, auch keine Verpflichtung besteht, den Vorbei­reisendendas Zeichen von Braubach" zu geben; so genügte wohl Ein Poften, der bei Tag das Thor und Nachts das Pulvermagazin bewachte, vollkommen: auch wäre^ wohl die bloße Anwesenheit eines Soldaten an dem Thor^ hinreichend, und brauchte derselbe bei der jetzigen Jahreszeit gewiß nicht das schwere und kältende Gewehr zu schleppen; oder ist der Posten vielleicht um die Alten im Dienst zu üben. Läßt sich denn Humanität gar nicht mit dem Soldatenstand verbinden? Dann verschone man aber das Alter mit diesem Stande, und gebe ihm, was ihm alle selbst die ungebildeften Völker nicht versagen: Ruhe und Nahrung!

llus scheint es, als ob vom Generalcommando die jetzigen Verhältnisse der Compagnie nicht vollständig gekannt seien; denn sonst ließe sich das Fortbestehen nicht begreifen ! Möge Gegenwärtiges dazu beitragen, den alten Kriegern baldige Erlösung, die sie so sehn­lichst wünschen, zu bringen!

Vorarlberg, 25. Januar. (Das Beobach­tungs-Corps.) Noch immer weilt das Beobach­tungs-Corps in unserm Ländchen und in dem benach­barten Innthal und harrt mit Ungeduld seiner end­lichen Bestimmung; es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß wenigstens ein Theil desselben für die Besatzung einiger Festungen in Süddeutschland be­stimmt sei, jedenfalls hat cs seinen Hauptzweck schon erreicht, indem das bloße Dasein desselben jedem zu

Thüre des Eabiukttes; der Riegel glitt zurück, die Thüre öffnete sich und im Lichte des Mondes, das durch das offene Fenster hereinfiel, erblickte ich die junge Griechin nur mit ihrem langen Untergewande begleitet, bleich und weiß wir ein Gespenst, und ohne Schmuck außer dem Juwelenbouquet im Haar. Ich wollte hinter sie sehen, konnte aber in der Dunkelheit nichts erkennen.

Wo sind Sic?" fragte sie, denn ich war vor der schrecklichen Erscheinung zurückgewichen und stand im Schatten.

Hier bin ich," antwortete ich, indem ich wieder hervortrat.

Nun," sprach sie,ich habe das meinige gethan, jeyt thun Sic das Ihrige." Sie reichte mir den Dolch.

Sie hielt ihn am Griffe, ich faßte ihn also an der Klinge. Sie war warm und feucht; ich machte die Hand wieder auf und erkannte im Mondenlichte, daß sic voll Blut war.

Es war Vag erste Msusclrcnbbüt, daS mich berührte. Das Haar richtete sich auf nr incr Stirn empor und ich fühlte einen kalten Schauer durch den ganzen Körper riffln; dennoch sah ich ein, daß keine Z it zu verlieren seif und ich- machte 'mich also wieder an die Arbeit Die beiden Männer standen noch immer an der Straßen­ecke, aber ich kümmerte mich nicht um sie und setzte meine Arbeit fort, obgleich bei dem Lärme, den ich machte, ihre Blicke sich nach dem Fenster zu richten