können, entfernt. Ihre Maj., an welche sich bei diesem Anlasse der Sultan wendete, vereinigte ihre Be- | mühungen mit denen der französischen Regierung, an welche ein gleicher Aufruf gerichtet worden war, um durch ihre guten Dienste eine gütliche Beilegung jener j Differenzen, in einer der Würde und Unabhängigkeit der Pforte gemäßen Weise, zu erlangen. — Ihre ; Majestät hat Unterhandlungen angeknüpft mit den auswärtigen Staaten über diejenigen Maßnahmen, welche durch die Reform der durch die Schifffahrtsgesetze dieses Landes ehedem aufgestellten Beschränkungen nothwendig gemacht werden möchten. Die Negierungen der Vereinigten-Staaten von Amerika und Schwedens haben sofort Schritte gethan, um in den Häfen ihrer respectiven Länder den britischen Schiffen die nämlichen Vortheile zu sichern, welche ihre eigenen Schiffe jetzt in den britischen Häfen genießen. Was diejenigen fremden Staaten anbelangt, deren Schiff- fahrtsgesetze seither einen restriktiven Charakter gehabt, so hat Ihre Majestät von fast allen Versicherungen^ erhalten, welche sie hoffen lassen, daß unser Beispiel bald zu einer großen und allgemeinen Verminderung der Hindernisse führen wird, die bisher einem freien Verkehre zur See zwischen den Nationen der Welt cntgegenstandcn. — Jm Sommer und Herbste des ver- wichenen Jahrs wurde das vereinigte Königreich abermals heimgesncht von den Verheerungen der Cholera; doch der allmächtige Gott, in seiner Barmherzigkeit, hat den Verwüstungen der furchtbaren L-euche wieder Einhalt gethan. Ihre Maj. ist überzeugt, daß wir unsere Dankbarkeit am besten bethätigen, werden durch wachsame Vorkehrungen gegen die Hervortretenderen Ursachen jenes Uebels und durch eine weise Fürsorge für Diejenigen, welche seinen Anfällen am meisten ausgesetzt sind. — Ihre Maj. wurde bei ihrem letzthinigen Besuche in Irland auf's Innigste gerührt von der Loyalität und der Anhänglichkeit, die ihr von allen Klassen ihrer Unterthanen kundgegeben wurden. Obschon die Wirkungen früherer Mangeljahre noch schmerz, lich gefühlt werden in diesem Theile des vereinigten Königreiches, so werden sie doch gemildert durch den gegenwärtigen Ueberfluß an Nahrungsmitteln und durch die Herrschaft der Ruhe, die allenthalben wieder waltet. — Ihre Majestät empfindet hohe Befriedigung darüber, Ihnen Glück wünschen zu können zu der Besserung, die in der Lage des Handels und der Manu- facturen eingetreten. Mit Bedanern hat Ihre Maj.. die Beschwerden wahrgenommen, die in mehreren Theilen des Kvnigsreiches von den Grundeigenthümern und den Pächtern erhoben worden sind. Ihre Maj beklagt es sehr, daß ein Theil ihrer Unterthanen Noth leiden sollte. Aber es ist für Ihre Maj. eine Quelle aufrichtiger Freude, den vermehrten Verbrauch der zum Leben und zum Wohlsein erforderlichen Gegenstände wahrzunehmen, welchen Wohlfeilheit und Ueberfluß der großen Mehrzahl ihres Vols gestattet haben. — Gentlemen vom Hause der Gemeinen! Ihre Maj. hat verordnet, daß Ihnen das Staatsbudget vorgelegt werde. Dasselbe ist mit strenger Rücksicht auf Er- sparniß aufgestellt, während die Wirksamkeit der verschiedenen Zweige des öffentlichen Dienstes nicht vernachlässigt worden ist. Ihre Maj. hat mit Befriedigung den gegenwärtigen Stand der Einnahmen wahrgeuomnicn. — Meine Lords und Gentlemen! Mehrere der Maßnahmen, welche am Schlüsse der vorigen Session, aus Mangel an Zeit zu ihrer Berathung, ausgesetzt wurden, werden Ihnen wieder vorgelegt werden. Unter den wichtigsten derselben befindet sich eine Vorlage für die bessere Verwaltung der australischen Colonien. — Ihre Maj. hat dieVorbereitung verschiedener Maßnahmen für die Verbesserung der Lage Irlands befohlen. Die Mißstände, welche durch Parteiumzüge (Party Processions) veranlaßt werden; die Mängel der Gesetze, welche die Beziehungen zwischen den Grund- eigenthümern und den Pächtern regeln, die Unvollkommenheit der Gesetze über die Großjury; und die verringerte Zahl der Wähler (the diminished number of electors), welche die Mitglieder des Parlaments ernennen, werden, außer anderen Gegenständen von ernstem Belange, den Gegenstand von Vorlagen bilden , welche Ihrer Prüfung unterbreitet werden sollen.
— Ihre Maj. hat mit Befriedigung in Erfahrung gebracht, daß die Maßnahmen, welche bereits für die Förderung des öffentlichen Gesundheitsstandes angenommen worden, mehr und mehr in Vollzug kommen j, und Ihre Maj. hegt die Ueberzeugung, daß es Ihnen durch weitere Verbesserungen gelingen wird, in der Hauptstadt wie in den übrigen Theilen des Königreiches mehr und mehr die Uebel zu entfernen, welche die Gesundheit und das Wohlseyu ihrer Unterthanen beeinträchtigen. — Die Gnade der göttlichen Vorsehung hat bisher dieses Königreich bewahrt vor den Kriegen nnd Erschütterungen, welche während der letzten Jahre so viele Staaten des Continents Europa's bewegt haben. Es ist ihrer Maj. Hoffnung und Glauben, daß durch Vereinigung der Freiheit mit der Ordnung, durch Bewahrung Dessen, was gut, durch Verbesserung Dessen was mangelhaft ist, Sie den Bau unserer Institutionen aufrecht erhalten werden als die Wohnung und den Schutz eines freien und glücklichen Volkes."
Italien.
Rom. Als Beweis, wie groß das allgemeine Unbehagen hier noch ist, dient, daß trotz der großen Mühe, die sich der französische Oberkommandant gibt, um die
römische haute volée ihre Lage vergessen zu machen, es ihm doch nicht möglich geworden ist, die Damenwelt zu seinen Soireen heranzuziehen, um seinen Offizieren Tänzerinnen zn verschaffen. Auch waren auf dem letzten Maskenbälle im théatre fraru;ais gar keine Damen anwesend. — Nach dem „Nazionale" arbeiten die Oestreicher an den Festungswerken von Ankona. Namentlich sind sie mit Herstellen der Lünetten beschäftigt, die sie abgetragen hatten. — Die Franzosen ihrerseits besetzen sorgfältig das Uferland. In alle Thürme legen sie 200 Mann Soldaten und errichten in jedem einen Telegraphen. (Wstd. Ztg.)
Ich kann Ihnen die höchst wichtige Nachricht mittheilen, daß sich der Papst mit den katholischen Mächten über die Verfassung des Kirchenstaates endlich geeinigt hat. Diesem Uebereinkommen zufolge bleibt das Motu proprio Pius IX. vom v. I. die Grundlage derselben. In der weiteren Ausführung soll der Kirchenstaat in 4 Legationen getheilt werden, deren jeder ein Cardinal als politischer Chef vorstehen wird. Eben so soll ein Mitglied des heiligen Collegiums Präsident des Ministerrathes unter dem bisher üblichen Titel: Cardinalstaatssecretär sein; derselben Körperschaft werde auch der Präsident der Consulta di stato angehören. Das Verhältniß zwischen Laien und Priester in Betreff der übrigen Aemter ist jedoch noch nicht festgesetzt. (Coust. Sa
Neapel, 18. Januar. (Wstd. Ztg.) Der Geburtstag des Königs ist vorübergegangen, ohne daß die erwartete Amnestie erfolgt ist. Die Gefängnisse bleiben mit den Opfern der königlichen Rache vollgepropft; die Hunderte Erilirte müssen ihr Heil auswärts suchen, bis es der Negierung gefällt die Polizeimaßregeln zu ändern. Man ;agt, daß der König geneigt gewesen seidie Tausende, die wegen ihrer konstitutionellen Ansichten eingesperrt sind, zu amnestieren; daß jedoch das Kriegsministerium dagegen protestirt habe und zwar aus bloßer Furcht, unter dem Vorgeben daß, wenn man zur Amnestie überginge, man die Krone in die Hände der Amnestirten gäbe.
Der Papst machte dem Kartätschen - Könige an dessen Geburtstage mit einer Zahl der ihn umgebenden Prälaten seine schuldige Aufwartung, wodurch bas Gerücht von der baldigen Rückkehr des Papstes nach Nom sich erneuerte. Der Papst wird indeß nicht sobald als man glaubt das neapolitanische Gebiet verlassen und gewiß nicht nach Rom zurücktepren, so lange sich noch ein französischer L-oldat in den römischen Staaten befindet. Es wird schwer, die Pläne, die der Papst bei seiner Rückkehr nach Rom wegen der Untersuchung gegen die republikan. Armee ansüben wird, zu erforschen, aber sie stehen mit der bestimmten Forderung des Abzuges der französischen Armee in Verbindung, da die Jesuiten wohl wissen, daß sie die Jnquifitionv- tribunale und die Einkerkerungen in größerem Maßstabe nicht unter den Augen der französischen Armee, die jetzt schon ihren Oberen droht, den Gehorsam zu verweigern, wenn man sie länger zum Spielball gebrauchen wolle, ins Werk setzen können; indem dann diese leicht mit den Römern gemeinschaftliche Sache machen könnte. Die Kardinäle wollen daher die alleinige Macht in Händen haben und ihre Handlungen vor den Augen der Welt verbergen. Die Zeit des 16. Jahrhundert droht mit allen ihren Gräueln wieder kliizuzieheil, wenn das italienische Volk sich nicht bald wieder erhebt und dieser geistlichen Sippschaft das weltliche Regiment nimmt. —
Prinz Borghese ist von Rom hier angekommen und begab sich unmittelbar nach Portici zum Papste. Wie es heißt, hat er von dort gar keine Aussicht zur baldigen Rückkehr des Papstes mitgebracht. Antonelli und Lambruschini wirken, wie jeder weiß, für Oesterreich, welches jeden französischen Einfluß in Rom zerstören und um jeden Preis die französische Armee aus Italien entfernt haben will. Ein sonderbares Aktenstück ist kürzlich in meine Hände gekommen. Es ist in Portici gedruckt und auSgegeben und an „alle Katholiken Italiens" gerichtet. Es lautet: „In Erwägung, daß die kirchliche Autorität durch die italienischen Fürsten, die deren Stütze sein sollen, geachtet werden soll; in Erwägung, daß die italienischen Fürsten die kirchliche Macht aber usurpirt und das Volk gegen die bestehenden Prinzipien ausgewiegelt haben; in Erwägung ferner, daß die italienischen Fürsten den Besitz der Kirchengüter achten sollten, daß sie aber statt dessen dieselben seguestrirt und dabei vom Kommunismus gesprochen haben, re." Wie ich seitdem in Erfahrung gebracht habe, ist dies sonderbare Aktenstück, wovon ich leider nur den Abriß besitze, vom Kardinal Autonelli entworfen worden. Hieraus geht nun unleugbar die Absicht hervor, daß die römische Kirche sowohl die italienischen Fürsten wie das italienische Volk angreifen wird, sobald sie wieder festen Fuß gefaßt hat. — Die Neapolitaner, welche von Venedig, auf österreichischen Dampfschiffen transportirt und zu Brindisi gelandet sind, sind in die Hände der Neapolitanischen Regierung gefallen. Nach verschiedenen strengen Untersuchungen wurden dieselben als Verbrecher nach den Inseln Capri und Ischia gesandt.
Es waren dieselben Truppen, welche der König vor ihrer Abreise von Neapel zum Unabhängigkeitskriege freundschaftlich bewirthete. Ueberall im Volke hat sich eine Bewegung wegen dieser Gewaltmaßregel gezeigt und die Gefangenen haben einen energischen Protest gegen das Verfahren erhoben. Obgleich die
I Juristen einverstanden find, daß gesetzlich kein Grund zu diesem Schritte vorliegt, so werden die Transpor- tirten doch nichts ausrichten. — Die strengsten Nachsuchungen werven nach Schriften, Bücher rc. fortwährend gehalten. Kurz, der Despotis aus ist in Neapel in voller Blüthe. Die Diplomaten und Pfaffen führen ein Leben wie im Pâradies; sie bilden "sich ein, die Gesinnungen des Volkes wären aufrichtig, während sie nur erheuchelt sind, indem man ihm, wie die Straßen- râuber dem Reißenden, die Pistole auf die Brust setzt mit dem Ausrufe: „La bourse au la viel” So stehen die Sachen in Neapel; aber ein kleiner Ruck und das von der Regierung und brr Klerisei nnterwühlte Gebäude stürzt in tausend Trümmer zusammen.
Republik Frankreich
Paris, den Iten Februar. Die schweizerische Frage wird ernsthaft. En scheint, die nordischen Mächte seien entschlossen, im nächsten Frühling zu handeln. Der gestrige Ministerrath im Elysee hat sich lange damit beschäftigt. Noch ist nichts entschieden über die Haltung, welche Frnnkreich in dieser Frage nehmen wird. — Der Antrag auf Vermehrung des Soldes der Unteroffiziere und Soldaten ist in der Commission dahin abgeändert worden, daß nur denjenigen , welche ihre siebenjährige Dienstzeit vollendet haben, eine Gehaltserhöhung bewilligt werde. —
Der britische Admiral, welcher gegen Griechenland operirt, soll das Zugeftehen seiner Forderungen binnen 24 Stunden verlangt und gedroht haben, im Fall der Verweigerung der griechischen Steuerung im Namen Englands ein Ulimatum zuzusteUen. — Nach Haltung eines Ministerraths soll das Cabinet von Athen dem Admiral angedeutet haben, daß keiner seiner Ansprüche gegründet sei und zugestanden werden könne. Der russische und französsische Gesandte sollen die Regierung bei ihrem Auftreten unterstützt haben. Am folgenden Tag wurde der Regierung das britische Ultimatum zugesandt und mit der Blokade gedroht. Der englische Gesandte schiffte sich ein und die englischen Angehörigen in Athen wurden von dem eingetretenen Bruch in Kenntniß gesetzt. Die griechische Kammer wurde zusammenberufen, um das Verfahren des Ministeriums zu billigen, welches seinerseit wieder versprach, im Einklänge mit dem Interesse des Landes, der Würde der Krone und Der England schuloigen Dankbarkeit zu handeln. Den verschiedenen Präfeeten soll die geheime Weisung ertheilt worden sein, in dem Fall, daß die englische Flotte sich der Hafen und Zollhäuser bemächtigen wollte, Die öffentlichen Kassen zu retten und sich der Landung zu widersetzen.
Paris, 2. Februar. (Fr. I.) Herr Piscatory, einer der dem Andenken an die Dynastie Louis Phi- lipps^ ergebensten Abgeordneten, hat beschlossen, sich an die Spitze einer neuen Fraktion der parlamentarischen Majorität zu stellen. Dieser Entschluß hat unter den Mitgliedern der Nationalversammlung große Sensation gemacht. Wie ein Organ der Rechten versichert, hätte Herr Piseatory zu seinem Vorhaben die Zustimmung des Herzogs von Broglie erhalten, und er würde sich nun der Nuance Dufaure-Lamoricier zu nähern suchen.
Die Bildung dieses neuen Clubbs erregt lebhafte Besorgnisse in den Reihen der legitimistischen Partei. Von den Führern sind Schritte bei Hrn. Mole gethan worden, um denselben zu bewegen, durch seine Vermittelung eine Wiederannäherung mit den Freunden des Hrn. Piscatori zu bewirken. Hi Mole scheint jedoch wenig geneigt zur Uebernahme dieses Versöhnungswerkes. Die Zustimmungserklärung des Hrn v. Broglie dürfte dem Clubb Piscatory eine zahlreiche Verstärkung zuführen.
Asstsenverhandlungett zu Wiesbaden.
Dreizehnter Proceß.
Anklage gegen An ton Benz, Johann Kiefer, Johann Noll, Johann Syre, Peter Schwei- kart, Michael Schlagwein, Johann Unkelbach, Nikolaus Weinbach, Peter Werner u. Jakob Würges sämmtlich von Niedcrlahn- stein wegen Aufruhrs und unerlaubter Be, freiung eines Gefangenen.
(Schluß.)
^ Wiesbaden, 5. Febr. Die Angeklagten geben über ihre Betheiligung an dem Zuge nach" Braubach verschiedene Auskunft. Schelle und Trommel hatten die Bürgerschaft vor das Rathhaus gerufen. Der eine will demzufolge seiner Pflicht als Bürger, der andere seine Pflicht als Bürgerwehrmann genügt haben, der eine aus Furcht vor Strafe, der andere aus Neugierde erschienen sein.
Die meisten derselben wollen erst auf deut Wege von dem Zweck des Zuges etwas erfahren haben. Gesetzwidrig wurde die ganze Sache übrigens von Niemand gehalten. Der Angeklagte Noll, ein Verwandter des Gefangenen, erschien bei dem Bürgermeister und bat diesen, da die hochschwangere Frau seines Verwandten in großen Aengsten sei, einen Bericht an das Amt zu machen,und um die Freilassung zu bitten. — Dieser, selbst indignirt über das verschiedene Verfahren in zwei ganz gleichen Fällen,