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Die neueste Entwicklung der Parteien in; Deutschland
I.
# Wiesbaden, 6. Januar. Wir haben zwei große Niederlagen, welche die Partei der konstitutionellen fast zu einer und derselben Zeit davon trug, noch ein- ; zuregistriren. Die Bourgeoisie und das mit ihr ver- ■ bündele Beamten- und Pfaffenthum haben eben die Erfahrung gemacht, wie die große Masse des Volkes , ihren ehrlosen und plumpen Intriguen den Rücken ;u> i kehrt, und neben dieser gründlichen Verachtung von ; unten, ist diesen drei Classen, welche die Rekruten für die sogenannte constitutionelle Partei liefern, ein erstaunlicher Fußtritt von oben beigebracht worden.
, Beleuchten wir zuerst die Bedeutung des Fußtritts. Die in der constitutionellen Partei vereinigten Bourgeois und Bürokraten hatten allein so viel Mangel an allem Ehrgefühl, um sich zur Eonstituirung der jetzt noch in Berlin tagenden zweiten Kammer herzugeben. Diese zweite Kammer trat ihr Amt damit an, daß sie den Oktroyirern Manteuffel und Brandenburg unerhörten Beifall „wegen ihrer unsterblichen Verdienste um die Bändigung der deutschen Demokratie" zujauchzte und daß sie von ebenso widerlichen als albernen Vertrauensphrasen förmlich überfloß.
Doch „wer schützen kann, kann auch drucken", sagt Dahlmann in seiner „Politik" und auch die ver- dahlmaunten Kammerhelden in Berlin sollten die Wahrheit dieses Satzes an sich selbst erproben.
Das preußische Königshaus will herrschen von Gottes Gnaden" und nicht von Bourgeois und Professoren Gnaden; es will nicht von den knauserigen Krämern und Fabrikanten sich die Machtbefugnisse ellen- weise zumessen lassen, sondern regieren kraft des herrlichen Kriegsheeres. Die industrielle Macht der Bourgeoisie ringt aber, wie Louis Blanc sagt, darnach: „das Königthum sich zu unterwerfen, ohne es zu vernichten."
Das preußische Königshaus hat dieses Ringen und Streben der Bourgeoisie wohl erkannt: und Friedrich Wilhelm IV. will nicht ein zweiter Louis Philipp, ein Bourgeoiskönig sein, sondern der Erste der Adeligen, welche letztre bekanntlich nach göttlichem und menschlichem Recht zur Herrschaft der Welt berufen sind.
Hiermit habt ihr den Schlüssel zu all den Vorgängen, welche in letzter Zeit tu Berlin an eurem geistigen Auge vorübergeschwebt sind.
Manteuffel hatte die Demokratie, welche er selbst für gefährlich erklärt, der gegenüber der Prinz von Preußen die Wachsamkeit des Heeres, dieses uniform wirten Proletariats, fortwährend in stets erhöhtem Grad in Anspruch nimmt - Manteuffel hatte die Demokratie besiegt; er hatte den thatkräftigen Theil der Nation besiegt, und er sollte sich von den weinerlichen Beckerräthen, den furchtsamen Wassermännern
Vorschriften machen lassen V Maoteuffel, der trotz allem Salbader der Kölnischen und Deutschen Zeitung ein Absolutist vom reinsten Wasser^ ist, Manteuffel sollte nicht wissen und offen an den Tag legen: „daß, wie St. Gerlach sagt, die eigentliche Repräsentation des preußischen Staats das^herrliche Kriegsheer sei"?
WaS die Demokraten vorausgesagt, geschah. Nachdem diese sog. Volksvertretung in dem Beschluß über die Steuerverweigerung — und das Recht zur letzteru hält auch Herr von Blittersdorf für das Alpha und Omega der konstitutionellen Machtbefugnisse einer konstitutionellen Kammer — sich selbst geradezu entehrt hatte, wurde sie von dem Ministerium der „Gründe" nicht mehr gewürdigt. Manteuffel sprach einfach: „so ist es; und ich will es so haben" — und diese Kammer, von Lakaien zusammengesetzt, gehorchte. Als endlich die Kammer glaubte, sie dürfe sich einmal von den vielen Ohrfeigen erholen, ergab sich auf einmal ein ganz neuer Stein, der den Gelüst eit der Herrn Bourgeois im Wege lag: — — — — das königliche Gewissen. Das königliche Gewissen diktirte die königliche Botschaft des Januar, d. h. die zweite Oltroyirung in der Oktroyirung des Monats Dezember. Die Bourgeoisie stolpert über diesen neuen Stein, und dieser neue Stein, diese Botschaft, hat dann vorläufig die konstitutionellen Prinzipien begraben. Denn diese Botschaft selbst ist die offene Manifestation des Königthums: „cs wolle sich nicht auf die Bourgeoisie, sondern auf den Feudalismus stützen": und die Annahme der Botschaft selbst, das ist die vollständigste Besiegung der Bourgeoisie durch das Funke r t h u m.
Der vormärzliche Absolutismus Preußens ist nunmehr in der „Constitution" in bester Form verbrieft worden: jetzt wird man das Prpier auch sehr gerne beschwören.
Die Bourgeoisie aber, welche vor der Märzrevolution eine achtunggebietende oppositionelle Haltung dem Junkerthum gegenüber einhielt: ist jetzt dazu verdammt, dem Königthum die Steuern zu bezahlen und die herrlichen Soldaten zu kleiden und zu füttern, und als Lohn dafür ist es ihr vergönnt, der Schleppträger des übermüthigen Junkerthums zu sein.
Gewiß hatte also jener Kammerlakaie sehr recht, welcher in einem verzweifelten Anlauf die Behauptung wagte: „schon vor der Botschaft sei die Constitution (d. h. d i e v e r b r i e f t e G e w a l t d e r Bourgeoisie) ein Simson gewesen, dem man die Haare abgeschnitten habe; durch die Annahme der Botschaft würden aber diesem Simson auch die beiden Augen ausgestochen."
Das ist sehr wahr; aber die Courage der Herrn kommt sehr post festem und der Hohn auf der Ministerbank ist die Antwort auf prunkhafte Reden.
Nachdem Dahlmann, der Mann, der unstreitig am besten das konstitutionelle System vertritt, in essig
saurer Rede die Paine bekämpft hatte; erhob sich Manteuffel und sprach die denkwürdigen Worte:
„Es gibt verschiedene Partheien im Lande, ich erkenne die Berechtigung auch der demokratischen an, denn Preußen ist ein Staat mit wesentlich demokratischen Institutionen: aber eine Parthei erkenne ich nicht an, die Parthei der Doktrinen."
Diese Worte erregten wie die Berichterstatter melden, eine große „Sensation"; und wir glauben wohl, daß die verblendeten Narren sich sehr gewundert haben mögen, als ihnen der Minister ohne Umschweif erklärte: er erkenne die Parthei der Doktrinen, d. h. der Dahlmann'schen Doktrinen, d. h. schließlich der konstitutionellen Doktrinen nicht an. ' (Forts. folgt.)
Zur nassauischen Eiseubahnfrage.
□ Wies bad n. (Schluß).
Wir sind der Meinung, daß eine Bahn, wie die mittelrheinische, die durchaus nicht den Charakter einer Lokalbahn, sondern den einer Weltbahn hat, in einem unterbrochenen Zuge sich fortvewegen müsse, daher entweder eines der Nveinufer ganz beizubehalten sei, oder dieselbe in einem Train von Deutz über Limburg in die Tattnuseiseitbahn in Wiesbaden einmünden müsse, um so Mainz und Frankfurt aus dem kürzesten Wege zu erreichen.
i _ Den Vorzug der letzteren Bahnrichtung und daß : sis für Nassau die ersprießlichste sei, glauben wir schon hinlänglich dargethan zu haben.
Nun noch einige Worte zu Gunsten unseres so sehr im Allgemeinen verlästerten Westerwaldes. Wir haben schon gezeigt, welch großer Gewinn unsern Hüttenwerken aus einem ausgedehnten Verbrauch der Braunkohlen im Lande erwächst, indem hierdurch ein ! entsprechender Theil unseres Brennholzes für die Hüt- I teil disponibel wird. Ein möglichst billiger Brenn- : stoss ist überhaupt die nothwendige Bedingung einer I blühenden Industrie. Die Eisenbahn durch das Koh- | lenrevier des Westerwalds ist nun das Mittel, diesen ! billigen Brennstoff über das ganze Land zu verbreiten, - sowohl zum Hausbedarf als zu andern Zwecken. Ein : solches Produkt, daß so tief in die Oeconomie des Volkes eingreift, ist mehr werth als Golo- und Silbergruben, und dasselbe möglichst zu verbreiten, ist allerdings eine Aufgabe des Staats, dem die Förderung der Nationalökonomie obliegt. Denn Steuern erfinden und ein treiben, ist wohl die geringste Regierungskunst, aber dem Volk Verdienst verschaffen, ist der Probirstein, an dem man eine gute Regierung erkennt.
Doch zur Sache. Der Zain Braunkohlen bester Qualität kostet an den Gruben 1 fl. 30 kr. (der Zain trockner Kohlen — 10 Centner); in Limburg 3 fl. 30, i Durch die Eisenbahn kann der Zain um die Hälfte I billiger an die Lahn verführt werden.
Durch den vermehrten wohlfeileren Absatz wird ein I großartigerer Betrieb des Kohlenbaues hervorgerufen,
##$ Das Freiheitsheer der Todten.
Ich trug in meinem Herzen
Den großen deutschen Schmerz;
Die Menschen aber lebten In Jubel und in Scherz.
Da wandert ich zum Friedhof,
Zu trauern ganz allein, — Und meine Klagen drangen Den Todten ins Gebein.
Die Erde von sich schüttelnd,
Erstanden allerwärts Viel wackere Sensenmänner, Als wär' es Außen März.
Ich führte sie znm Kampfe,
Sie mâh'ten fürchterlich;
Nur Scharten aber holten Desi Feindes Schwerter sich.
Und Jeder, der gefallen, Trat ein in'S Todtenheer'; Die Zahl der Freiheitsstreiter Glich der vom Sand am Meer.
Doch wie mit einem Male,
Im Stnrmgewühl der Schlacht,
Der Feind mein Her; durchbohrte,
Da bin ich — aufgewacht. —■ —
Die todten Sensenmänner
Seh' ich nun Tag und Nacht:
Ich glaub' an ihre Siege,
Ich glaub' an ihre Macht.
Und wenn man unsern Streitern
Hinhilft zur ew'gen Ruh,
Dann flüstern durch die Lüfte _
Mir Geisterstimmen zu:
„So oft im Freiheitskampfe
Ein deutsches Auge bricht,
Vergrößert sich die Menge,
Die für die Freiheit ficht."
Fr. M.
Leben und Abenteuer des John Davys.
Von.Alexander Dumas.
(Fortsetzung.)
„Wie?" rief ich, „dieser armselige Jude?"
— „Er selbst. Ich kannte ihn schon längst. Mein
Vater, dessen einziges Kind ich war und mich mit Güte
überhäufte, hatte oft Edelsteine und Zeuge für große Summen von ihm gekauft. Ich gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, daß ich mit ihm sprechen wolle und er sagte deßhalb dem Tzukar-dar, er habe nichts von dem bei sich, was ich verlange, er würde den andern Tag wiederkommcn. Den andern Tag hatte mein Herr Dienst, aber er befahl, den Juden zu mir zu führen, selbst in seiner Abwesenheit; zwei seiner Diener sollten dabei gegenwärtig sein; in dieser Znüschenzeit sah ich Sie von meinem Fenster aus zum zweiten Male. Am andern Tage kam Jacob und ich sagte ihm italienisch alles, um was es sich handelte. Ich beschrieb ihm Ihre Person und er glaubte Sic zu erkennen. Denken Sie sich meine Freude. Wir überlegten alles wohl. Meine Amme, dir man mir gelassen, sollte wie gewöhnlich aus. gehen, um Parfümerien bei Jacob zu kaufen, Sie dorr finden und Ihnen Schleier und Gewand geben, damit Sie an ihrer Stelle in das Hans kommen könnten. Unterdeß sollte sic meine Mütter bcnachi sichtigen , damit sie mit einigen uns treu gebliebenen Dienern am Thurme von Galata eine Barke bereit halte. Wenn Sie das Rendezvous annâhmen, sollte mir Jakob eine Guitarre schicken. Ich habe Sie heute erhalten -- da ist sie.. lind Sind Sie entschlossen, mir zu helfen? Alles ist bis jetzt nach Wunsch gegangen; das Ucbrige hängt nun von Ihnen ab."
„Und was soll ich thun? Sprechen Sie."
— „Durch diese lange Reihe von Zimmern zu