Einzelbild herunterladen
 

ein solches Naturspiel schön nennen, wenn eS nur nicht so traurige Folgen hätte. Niederheimbach steht ganz unter Wasser, und die Gemässen lehnen sich drohend an die oberen Etagen der Häuser an der Chaussee an. Nehmen die Dinge keine wunderbare Wendung, so sind Einstürze von Häusern unvermeidlich. Das Vieh steht größtentheils im Freien. Eben so traurig sieht es in Nheindiebach aus, doch ist dieser Ort mehr durch seine Ringmauer vor dem Eise geschützt. Für heute will ich meinen Bericht schließen und zusehen, wie ich Ihnen denselben, da die Passage gänzlich gestört ist, zuschicken kann. Gebe Gott, daß ich Ihnen morgen in der Fort­setzung weniger Trauriges zu berichten habe, als der Stand der Dinge jetzt befürchten läßt.

Lorch im.Rheingau, 31. Januar. Gestern um 4 Uhr Morgens erreichte das Rhcinwaffer hier eine solche Höhe, welche die vom Jahr 1811 bei weitem über­steigt. Das Rheineis hat sich nämlich an der Lurley und weiter unten der Art festgcstcllt und aufgethürmt, daß ein Durchgang des Wassers unmöglich geworden und ein Steigen desselben oberhalb des entstandenen Eisdamms unvermeidlich ward. Da in Lorch nun noch die Wisper sich in den Rhein ergießt, deren Einströ­mung aber durch den stehenden Rhein gehemmt ist, so trat dieselbe aus und setzte die auf beiden Seiten stehen­den Häuser unter Wasser. Die Bewohner flüchteten in die oberen Stöcke und suchten dabei ihr Hansge- räthe und nothwendigen Lebensmittel zu retten. Doch die Gefahr ward bald für Manche zu groß, so daß sie um Hülfe riefen. Es mußten demnach Nachen durch den Flecken gebracht werden, um die Unglücklichen aus der Lebensgefahr zu retten. Mittlerweile stürzten Ge­fache und Wände ein, und viele Wohnungen sind da­durch unbewohnbar geworden. Die Nacht vom 30. auf den 31. war sehr kalt, und vielen armen Leuten sind dadurch auch^ die scheinbar geretteten nöthigen Kartoffeln erfroren. Da nun weiterhin der tägliche Verdienst, der ohnedies sehr gering ist, und in ungün­stiger Jahreszeit gar nicht geboten werden kann, fehlt, so schmachten viele Arme in der dürftigsten Lage. Im Flecken längs des Rheins sind sämmtliche Bewohner in den obern Stock geflüchtet und haben zum Theil auch diesen wegen Lebensgefahr verlassen müssen. Ein­zelne Hausthiere mußten durch Kähne gerettet werden. Wohlthätige Menschenfreunde sowie Vereine für men­schenfreundliche Zwecke dürften wohl, durch das Un­glück Vieler gerührt, eine christliche Aufgabe darin finden, eine milde Gabe auf den Altar der Nächsten­liebe niederzulegen. Wie es weiter unten und oben am Rhein aussieht, hat Schriber dieses wegen Hem­mung der Communikation bis dahin nicht ermitteln können. (Fr. I.)

Darmstadt, 2 Febr. (Fr. I.) Die Anklage gegen Johannes Stauf von Oberohmen, wegen Ermordung der Gräfin von Görlitz w. wird bei den gegenwärtigen Assisen nicht zur Verhandlung und Aburtheilung kom­men, weil erst am 30. v. M. das Verweisungsurtheil und der Anklageakt dem Angeklagten zugestellt worden sind.

Heidelberg, 2. Febr. (Fr. I.) Altbürgermeister Winter, welcher vor mehreren Tagen verhaftet wurde, wird in diesen Tagen seiner Haft entlassen werden, da einestheils nichts so Bedeutendes gegen ihn vorliegt, um ihn länger insitzen zu lassen und anderntheils auch, nach einem eingereichten ärztlichen Zeugnisse, eine längere Haft für seine Gesundheit sehr nachtheilig werden könnte.

Frankfurt, 1. Februar. (Fr. I.) Das kaiserlich österreichische Staatsministerium hat der hiesigen Bun- des-Centralcommission eine Aufgabe von größter Trag­weite gegeben. In einer an dieselbe eben überreichten Denkschrift über Anbahnung der deutsch-öster­reichischen Zoll- und Handels-Einigung trägt es darauf an: es möge der Centralcommission gefallen, sofort eine aus Bevollmächtigten deutscher Staaten bestehende Zollcommission. zur Berathung der Zoll- und Handelsfrage zu veranlassen. Als Mini­mum der durch die einzuberufende Commission zu ver­handelnden und zu stipulirenden gegenseitigen Zuge­ständnisse schlägt die österreichische Regierung vor: a) den gegenseitigen zollfreien Austausch sowohl bei der Ausfuhr vieler einheimischer Roherzeugnisse und Nahrungsstoffe, eben so mehrer inländischer Halbfa­brikate, wenn für die letzteren ein gleichmäßiger aus­giebiger Zollschutz an den Gränzen der gegenseitigen Zollgebiete gegen die nicht zu denselben gehörenden Länder zu erzielen ist; b) die freie Durchfuhr durch die deutschen Staaten nach Oesterreich und umgekehrt; c) eine durchgreifende wechselseitige Erlekchtung in der Gränzbewachung; d) Regelung der Flußschiff­fahrt und Ermäßigung der Flußzölle; e) Rege­lung der gemeinsamen Post-, Eisenbahn-, Telegraphen- und Dampfschifflinien. Die österreichische Regierung hält die Centralcommission für völlig kompetent, in der bezeichneten Weise in dieser wichtigen Angelegenheit voranzuschreiten, und legt ihr auch die Erecutkon in Bezug auf die Verhandlungen der einzuberufenden Commission bei.

Frankfurt, 2 Februar. (Fr. II Ueber den we­sentlichen Inhalt der nuen Reichsverfassung er­fahren wir folgendes: Oesterreich- und die vier König­reiche haben sich dahin geeinigt, die oberste Leitung der gemeinsamen Angelegenheiten einem, aus sieben Mitgliedern bestehenden Directorium zu übertra­

gen; die Verhandlungen über daS Staatenhaus sind noch in der Schwebe; Oesterreich ist gegen Bil­dung deffelben; dagegen willigt Oesterreich nun in ein Volks ha ns, das aus 300 Mitgliedern bestehen wird, von denen Oesterreich '/z, Preußen Va und die übrigen Staaten auch % wählen. Oesterreich hat unter der Bedingung seine Zustimmung gegeben, daß es mit seinem ganzen Staatencompler beitreten dürfe, willigt indeß ein, diese Frage offen zu lassen und mit Preußen besonders zu verhandeln. Außerdem handelt das betreffende Dokument noch von einzelnen Compe- tenz-Bestimmungen für das Directorium, und überläßt die Anordnung des Wahlmodus für das Volkshaus dem Ermessen der einzelnen Staaten.

Eßlingen, 31. Jan., 10 Uhr Abends. Auch der Redacteur desEulenspiegels", L. Weisser, ist feilte Abend spät vom Schwurgerichte wegen seines politischen Katechismus" freigesprochen worden. Schoder hat ihn glänzend vertheidigt; so eben bringt man ihm ein Ständchen. (Fr. I.)

Wien, den 25. Januar. Die hiesigen Zeitungen bringen mehrere schreckliche Details über die empörenve Rücksichtslosigkeit, mit der man die armen Soldaten zur Zeit der Noth dieRetter des Vaterlandes", dieHelden von Italien und Ungarn" jetzt bei einer Kälte von 24 30 Graden, zu den angestreng­testen Märschen zwingt, oder in offenen Waggons transportirt und massenweise erfrieren läßt. So be­richtet diePreßburger Zeitung" aus Nickelsdorf, den 22. Januar:

Ich kann nicht umhin, Ihnen das so unglückliche Ereigniß zu berichten, welches sich verflossenen Sonn­tag bei uns zutrug. Ihn genannten Tage sollten hun­dert und etliche Mann von der k. k. Artillerie von hier aus nach Parendorf marschiren, wurden auf der dortigen Haide aber von der grimmigen Kälte und dem Schneegestöber überrascht, und verirrten sich dergestalt, daß die Meisten von ihnen in der großen Kälte er­froren. Einige erreichten glücklich die nahgelegenen Dörfer Gols und Weiden, und auf ihr Melden beim dortigen Gerichte wurden Bauern ausgeschickt, welche die Uebrigen suchten. Etliche und 25 wurden bereits gefunden, Alle todt, darunter ein knieender Haupt­mann in betender Stellung erstarrt war. Nach der Aussage der Geretteten waren sie 108 Mann, und nicht mehr als 30 sind bis jetzt gefunden worden, welche meist unrettbar waren!"

Von einem ähnlichen Falle berichtet dieN. Od. Ztg." aus Gleiwitz den 24. Jan.:In der Nacht vom 21. zum 22, wahrscheinlich in der kältesten Nacht dieses Winters, denn das Thermometer zeigte 26 Grad, passirte ein Zug österreichisches Militär, von Oderberg kommend, die hiesige Eisenbahnstation. Wie wir hör­ten, kamen die Leute von der italienischen Armee, und haben in Oderberg 4 Todte d. h. Erfrorne zurückge­laffen. Da die Transporte in der Nacht geschahen und die armen Leute auch keine überflüssigen Gelder zum Verzehren hatten, so fanden sie auf den Statio­nen die Restaurationen größtentheils verschlossen und oft noch die Möglichkeit, sich momentan zu erwärmen, durch das militärische Machtgebot:die Wagen nicht zu verlassen,,, abgeschnitten. So konnte es denn nicht befremden, diese bejammernswerthen Geschöpfe mit er- frornen Gliedmaßen wie Blödsinnige auf dem Perron herumtaumeln zu sehen, und wo einer dieser Unglück­lichen den dringenden Anforderungen der Nothdurft nachgegeben, da fand sich, daß er Blut ercrementirt hatte. Die Kinder eines Offiziers, die mit ihm zwei­ter Klasse fuhren, und gegen die übrigen prächtig ver­wahrt waren, heulten förmlich vor unsäglichem Schmerz. Wie wir aus glaubwürdigem Munde' vernehmen, sind in Myslowitz auch wieder mehrere Todte am Morgen gefunden worden. Wer Schweine auf der Bahn trans- portiren läßt, ber giebt dem Vieh Stroh in den Wa­gen, damit es sich erwärme oder verkrieche, Menschen aber die aus südlichen Klimaten kommen, befördert man Nachts bei 24 26 Grad Kälte ohne jeden weiteren Schutz im offenen Wagen. So väterlich sorgt die österreichische Regierung für ihre Stütze, für ihr Heer, den Kern der Jugend. Wenn nur die Zahl stimmt ob todt, ob lebendig, das ist gleichgültig.

Einen weitern Beweis von dieser väterlichen Für­sorge der Regierung für das Heer liefert dessen phy­sische Verwahrlosung in den Stationsorten an der böhmischen Gränze, wo der Typhus in furchtbarer Weise wüthet und die Soldaten ohne alle Hülfe und Pflege wie das Vieh hinsterben. DasConst. Bl." meldet darüber unter Anden»!Indem kleinen Städt­chen Heyda an der sächsischen Gränze liegen allein über 100 Mann am Typhus krank, ohne daß ein Spital odet sonst eine eigene Lokalität zu ihrer Auf­nahme und Pflege hergerichtet wäre. Sie liegen meist auf einem bloßen Strohlager auf der Erde, ohne alle weitere Decke in dieser kalten Jahreszeit, als ihre Mäntel, und nur wenige Aerzte sind da, ihnen Hülfe zu reichen. Aehnliches ward uns vor längerer Zeit aus Karlsbad gemeldet, wo die dahingekommenen Convois kranker Soldaten in den ersten Tagen ihres Daseins ohne die edle Bereitwilligkeit von Privatper­sonen ohne alle Pflege und Schutz geblieben wären. Aehnliche Fälle sollen noch an mehreren Orten vorgc- kommen sein."

Wien, 28. Jan. Nach den bisher bekannt ge­wordenen Erhebungen sind es 18 Kanoniere und ein Hauptmann, welche neulich in Folge des heftigen

Frostes und fürchterlichen Schneesturms auf dem Marsche bei Parendorf umgekommen sind. Dreißig andere Soldaten, welche später aufgefunden wurden, befanden sich leider in einem fast hoffnungslosen Zustand.

Lenau, deyen Tod kürzlich einmal ein falsches Gerücht gebracht hatte, geht der Auflösung entgegen. Schon seit 8 Monaten hat der Unglückliche den Ge­brauch der Sprache verloren. Der' sonst so schwache hinfällige Körper war, als der Geist unterlag, erstarkt, jetzt scheint er Stück für Stück zusammenzubrechen.

(A. Z.

Kiel, 26. Januar. ES verlautet, daß von Seiten der Statthalterschaft der Beschluß gefaßt ist, nach dem Antwortschreiben aus Kopenhagen zu erwiedern , daß man sich auf eine direkte Unterhandlung nicht mehr einlaffen könne. (K. C.-B.)

Ungarn.

Dalmatien. Ueber die Ursache der revolutionären Bewegung in und um Cattaro theilt dieD.Z. a. B." Folgendes als verläßlich mit: Die Bevölkerung, durch die Ungunst der natürlichen Lage und den Man­gel aller Hülfsmittel zur Herstellung von Communi- kationen und zur Belebung des Verkehrs, in großer Armuth und Dürftigkeit lebend, erhielt im vorigen Jahre das Anerbieten von der Venetianischen Republik, sich mit ihr zn verbinden und sie als Republik anzuer­kennen, wogegen das Gebiet von Cattaro selbstständig und unabhängig und aller Steuerabgaben gegen Ve­nedig entbunden bleiben sollte. Dle Bewohner erklär­ten sich damit einverstanden und errichteten eine selbst­ständige Regierung, unbekümmert um den Verband mit Oesterreich, ter faktisch auf keine Weise gelöst worden war. Als Venedig als Republik gefallen und von unseren Truppen besetzt wurde, sollte' natürlich auch Cattaro in sein früheres Verhältniß zu Oesterreich treten. Dies wollte indeß demselben nicht gefallen, weil es überhaupt gegen die etwas schwer fallenden Stenern und die Beamtenhxrrfchaft schon öfters Ein­sprache gethan, und lehnte sich gegen alle Verfügun­gen des dalmatinischen Gouvernements entschieden auf. Um nun die Unterwerfung dieser ungefähr aus 4000 Köpfen bestehenden Bevölkerung zu bewirken, wurde Oberst Mamula an der Spitze einer aus 3000 Mann bestehenden Expedition dahin abgesandt.

I * a l t e ß.

Rom. Nach dem PariserSiecle" soll selbst daS heilige Collegium" die Unmöglichkeit einsehen, die weltliche Macht des Papstes, namentlich in den Pro­vinzen , wieder herzustellen. Jedenfalls wäre eine fremde Besatzung erforderlich. Man denke daher an eine Auflösung des päpstlichen Staates unter folgen­den Bedingungen: Die Stadt Rom würde als Resi­denz des Papstes eine freie Stadt, unterdemSchutze eines Truppenkorps, welches im Verhältnisse zu ihrer resp, katholischen Bevölkerung aus den sieben europä­ischen Hauptstaaten zu bilden wäre. Die Provinzen behielten das päpstliche Wappen, würden aber, je nach ihrer geographischen Lage, sowohl was Civil- als Mi­litärverwaltung betrifft, entweder mit den Herzogthü- mern Modena und Toskana oder mit dem Königreiche Neapel vereinigt. Die Geistlichkeit behielte tie freie Verwaltung der Kirchengüter, welche für ewige Zeiten frei von Steuern^und Hypotheken blieben. Der Cor- respondent desSiecle" fügt hinzu:Wenn die rö­mische Angelegenheit nicht auf diese Weise ihre endliche Lösung findet, so muß sie auf eine andere Art erfol­gen. Sie ist überreif; ihre Gestaltung darf nicht län­ger aufgeschoben bleiben." (Westd. Ztg.)

Großbritannien.

London, 31. Januar, AbendS 8 Uhr. Durch königliche Kommissäre fand heute Nachmittags 2 Uhr die Eröffnung des Parlaments im Namen der Königin statt.

Republik Frankreich.

Paris, 28. Januar. (Nat. Ztg.) Der Com­missionsbericht über denöffentlichen Beistand", welcher von Thiers ausgearbeitet worden ist und welcher von Thiers als Berichterstatter vorgetragen werden wird, zeigt unS mehr, als jedes andere Werk, die Unmöglichkeit einer ruhigen und organischen Ver­söhnung zwischen den beiden Elementen, von denen Frankreich bewegt wird. Der legislative Körper Frankreichs ist arm und verblendet in seinen negativen Maßregeln, in seinen negativen Maßregeln, in seinen Repressivgesetzen, wodurch er den Genius der Nation und den Kreislauf neuer Ideen zwangsweise verhindern und unterdrücken will, aber am ärmsten und am unfähigsten erscheint er da, wo er einen positiven Anlauf nimmt, wo er, wie in diesem Kommissionsberichte, den Vorschlag macht, mit Bettel- suppe u. s. w. die große soziale Bewegung auszu­gleichen. Wir haben den ganzen Kommissionsbericht ; in seiner ganzen Ausdehnung imMoniteur" durch- , gelesen und von Anfang bis zu Ende, mit allen : seinen praktischen Vorschlägen, ist er uns wie der grausamste Spott, wie die grausamste Ironie auf Frankreichs Bedürfnisse vorgekommen. Er ist ein Werk des Hohnes oder der hartherzigen Verblendung und man sieht deutlich in diesen langen und leeren Spalten die neue Allianz, welche zwischen Monta-' lembert und Thiers geschlossen ist.

Dieser Kommiffionsbericht behandelt die große Frage der Gegenwart wie eine christlich-mittelalterliche