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èM ZG. Wiesbaden. Dienstag, 5. Februar 1850»

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famm Erfolge. - Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuer. ' b ^ großen Verbreitung derFreien Zeitung" stet- wtT

Protokoll

über die Verhandlungen bezüglich der An­lage einer Eisenbahn durch das Lahnthal von Gießen nach C 0 b l e n z.

Geschehen Limburg an der Lahn, den 27. Januar 1850.

Auf die vom Weilburger Comits zur Förderung der Lahneisenbahn ergangene Einladung hatten sich heute die in dem Verzeichnisse Anl. 1 genannten Personen in dem Locale des Herrn Gastwirths Walter zum deut­schen Hause zu einer gemeinsamen Berathung einge­funden. Nach einer einleitenden Rede des Herrn Pre­diger Treu eu fe ls, Mitglied des Weilburger Coimtö's, wurde auf Vorschlag des Herrn Schulz von Weilburg zuerst das Bureau in folgender Weise durch Acclama- tion gebildet:

1) Präsident: Herr Bergmeister W i nter von Weil­burg ;

2) Vicepräsident: Herr Hofgerichtsadvokat Briel von Gießen;

3) Secretär: Herr Bern ns von Runkel;

4) Secretär: Herr Prokurator Hilf von Limburg.

Der Herr Präsident verlas zuerst die von dem Weilburger ComitP entworfene Tagesordnung für die heutigen Verhandlungen, Anl. 2, welche angenommen wurde.

Herr Baumeister Preußer von Weilburg legte eine von ihm entworfene Karte über die Richtung der projectirtcn Lahneisenbahn vor und hielt den in pos. 2 der Tagesordnung bezeichneten Vortrag, enthaltend eine annähernde Berechnung über die Bau- und Betriebs­kosten der Bahn, nach welcher sich für die circa 26 Wegstunden betragende Bahn die Kosten der Anlage und ersten Einrichtung auf 9.500,000 Gulden belaufen, untreue japriuytt^ öunev»' ww ^tneehünuuK»vsleil 302,000 Gulden erfordern. Derselbe brachte ferner einen jährlichen Verkehr von 60,000 Personen (27 per Zug) mit 124,800 Gentner Gepäck (8 Pfund pro Per­son" per Wegstunde) und 2 Millionen Gentner Fracht­gut, welche durch die ganze Bahn befördert würden, in Rechnung; nahm den Tarif pro Person auf eine Wegstunde im Classendurchschnitt zu 9 kr.; ebenso pro Centn er Gepäck zu 1 kr.; pro Gentner Frachtgut für die ganze Bahn 16 4/5 kr. an, was eine Brutto-Einnahme von 839,732 fl., und somit einen Netto-Gewinn von 537,732 fl. oder eine Rente von 566/100 Procent er­geben würde.

Gleichzeitig legte Herr Kreisamtmann v. Langen zu Limburg, in Ermächtigung Herzoglichen Staatsmi- nisterinms, bereits früher offiziell ausgearbeitete Pläne und Kostenberechnungen der Bahn vor. Die Summe der Gesammtbaukosten stimmt in beiden approximativ, aber unabhängig von einander angestellten, Berechnungen fast ganz überein.

Der Herr Präsident setzte hierauf die pos. 3 der

Tagesordnung zur Debatte, nachdem er selbst das da­rin bezeichnete Schema vorgelesen hatte.

Herr F. Wimpf von Weilburg gab mehrere all­gemeine, aus amtlichen Acten zusammengestellte Notizen über den Güterverkehr auf der Lahn; (im Jahr 1847 bewegten sich auf derselben 1,830,000 Gentner und von Coblenz per Fuhre 42,000 Gentner, wobei noch sehr viele Produkte fehlen, so daß damals schon über 2 Millionen Gentner zwischen Weilburg und Coblenz befördert wurden;) ebenso gab Herr Dotzler von Coblenz Auszüge aus den amtlichen Zusammenstellun- ! gen der Zollbehörden in den Jahren 1847 bis 1849, i nach welchen sich der Güterverkehr auf der Lahn in diesen Jahren um das Doppelte vermehrt hat.

Herr Baumeister Preußer bemerkte noch, daß er bei seiner Kostenberechnung nur einen sehr niedrigen Frachtansatz angenommen habe, der sich für f. g. Güter 1. und 2. Classe recht gut erhöhen ließe,

Herr Treuenfcls beantragte:Die Debatte hier- jetzt zu schließen und den demnächst zu wählenden Co- Mltk's zu überlassen, die nöthigen Nachweise über den j zu erwartenden Verkehr zu liefern."

Nachdem die Herren Bergmeister Horstmann von Diez und Wilhelm Breitbach von Limburg noch Einiges über die zuverlässigste,Art der Berechnung des muthmaßlichen Verkehrs gesprochen, wurde der Antrag des Herrn Treuen fels zur Abstimmung gebracht und angenommen.

Bei der Debatte über pos. 4 a. und b. ber Ta­gesordnung wurde von verschiedenen Seiten, namentlich den Herren Bernus von Runkel, Oberstaatsanwalt Neuenburg von Ehrenbreitstein, Bergmeister Horst- mann von Diez, Tresuenfels von Weilburg und Vogler von Runkel in längeren und kürzeren Vor­trägen darauf aufmerksam gemacht, wie es nicht allein P^AllM^ ;6ie"Kuf^ entweder durch Zinsengarantie oder Uebernahme einer Anzahl Aktien das Unternehmen unterstützten.

Herr Dotzler referirte hierauf, daß die Handels­kammer zu Coblenz in ihrem Jahresberichte an das K. Preuß. Ministerium f. H. und G. die Anlage der Lahneisenbahn auf's Kräftigste befürwortet habe und befürworten werde; sowie daß die Concession für An­lage einer Bahn von Bonn nach Coblenz nicht mehr vorenthalten werden dürfte.

Herr Hofgcrichtsadvokat Briel von Gießen be­merkt hierauf, daß die Großherzogl. Hessische Regierung das Unternehmen jedenfalls unterstützen werde und daß er glaube, daß wenn das Zustandekommen des Unterneh­mens hiervon abhängig fei, selbst die Stadtgemeinde Gießen nötigenfalls eine Zinsgarantie für den hessi­schen Antheil übernehmen würde und Herr F. Wimpf von Weilburg erklärt, wie er überzeugt sei, daß auch die Herzogliche Nassauische Regierung das Unternehmen nicht nur begünstigen, sondern auch unterstützen werde.

Herr J. B. Dotzler von Coblenz beantragte:

Die Ergreifung von Maßregeln um die betreffenden Negierungen und Stände ins Interesse zu ziehen, sollten den einzelnen in den verschiedenen Ländern zu bilden­den Comitös überlassen werden;" welchem Antrag dann auch der Beifall der Versammlung wurde.

Herr Prokurator Winter hatte einen von ihm gestellten Antrag:eine Gesellschaft zur Erwirkung der Concessionen bei den verschiedenen Regierungen sofort ins Leben treten zu lassen," da sich von verschiedenen Seiten dagegen erklärt wurde, vorher zurückgezogen.

Bei Berathung über pos. 5 der Tagesordnung wurde auf die im Wesentlichen übereinstimmenden Be­merkungen der Herren Neuenburg, Dotzler, F. Wimpf, Briel und Treuenfels von dem Herrn Präsidenten, als Nesume der daraus resultirende An­trag:Es sollen in sämmtlichen betheiligten Städten auf Bildung von Comitès zur Ergreifung der noth­wendigen Maßregeln für das Zustandekommen des Projekts hingewirkt, für jeden Staat aber Haupt-Co­mites und zwar in Coblenz, Gießen, Wetzlar und eins für das Herzogthum Nassau mit einem Gen« tral-Cvmite in Weilburg gebildet werden," zur Ab­stimmung gebracht und zum Beschluß erhoben.

Als man zur Wahl der Mitglieder des Central- Comites schreiten wollte, beantragte Herr Bergmeister Horstmann:Das bisher in Weilburg bestandene Comité ohne Weiteres als Central-Comite anzuneh­men" und erhielt die Zustimmung der Versammlung.

Der Herr Präsident machte sodann darauf auf­merksam, daß die übrigen Comites, sobald sie sich con- stituirt hätten, dem Central-Comite hiervon die An­zeige machen und sich zur Ergreifung möglichst gleich­mäßiger Maßregeln ständig mit demselben in Verbin­dung halten sollten.

Ueber Deckung der Kosten wurde beschlossen: die Hir» VTltv 11 (sivni * é- vmVit>3 I< Iv|4 uTljjpvruiyl IvuvmV diese auch zu den Kosten des Central-Comitös verhält- nißmäßig beizutragen haben.

Nachdem somit die Tagesordnung erschöpft war, keine neuen Anträge in der Sache selbst gestellt wur­den, beschloß die Versammlung auf Antrag des Herrn J. B. Dotzler den Drucks des Protokolls, zu welchem Zwecke alsbald eine Sammlung veranstaltet wurde.

Es wurde endlich beschlossen, daß die Adrepe des GentraUGomitéö lauten solle:Central-Co mit« für die Lahn-Eisenbahn in Weilburg" und wurde hierauf die Versammlung von dem Herrn Prä­sidenten für geschlossen erklärt.

Zur Beglaubigung:

H. Bernus, Schriftführer.

H. Hilf, Schriftführer.

^ Türkenlied.

Mel: In einem kühlen Grunde rc. rc.

Sa, ein Asyl der Freien Ist jetzt daS Türkenland, Das Land wo Bem, wo Kossuth Die Menschenliebe fand.

Blickt hin auf jene Leute

Die Ihr Ungläub'ge heiß;: Es spricht aus ihren Werken Der ächte Christ eng eist.

Daß er dem Strick entrinne,

Der in der Heimath reift, Daß ihm im Osten wachse Ein mächt'ger Pf erde sch weis.

Fr. M.

Leben und Abenteuer des John Davys

Von Alexander Dumas.

Den Helden Bem zu hängen, Dies war der Christenplan; Die Türken aber hängten

Dem Bein den Roßschweif an. ----

Wir wünschen jedem Streiter Für Freiheit und für Recht, Der bis zu Ende kämpfte Das blutige Gefecht:

Daß aus dem Reich des Kreuzes

Er kommen möge, frei, Daß er das Land des Halbmond'S Erreiche, die Türkei;

(Fortsetzung.)

VI.

Ich ritt etwa zehn Minuten lang, ohne daß ich eine der Straßen erkannte, durch welche wir kamen und hielt endlich vor einem recht hübschen Hause an. Mein Führer öffnete dasselbe, ich trat ein, er schloß die Thüre hinter uns zu und ich befand mich in einem vierseitigen Hofe. Ich wollte von meinem Esel herunter steigen, aber der Sclave kam zu mir und kniete nieder, damit ich den Fuß auf seine Knie setzen und die Hand auf seinen Kopf legen konnte. Ich fügte mich, deutete ihm dann aber an, als er den Esel in den Stall führen wollte, durch eine gebieterische Gcbcrde an, daß er vor mir her zu gehen habe. Er verstand mich sogleich und es war sehr gut, daß ich diese Vorsicht gebraucht hatte, denn ich hätte mich sicherlich in dem Labyrinth von Gängen

und Zimmern nicht zurecht gefunden. Endlich öffnete sich eine letzte Thüre, welche in ein Zimmer führte, das kostbarer und eleganter war als alle die, durch welche wir bereits gekommen waren. Mein Führer ließ mich eintreten, schloß die Thüre hinter mir und ich befand mich vor einem jungen Mädchen von kaum vierzehn bis fünfzehn Jahren, die mir aber wunderbar schön vorkam.

Meine erste Sorge ging dahin, den vergoldeten Riegel vorzuschieben, welcher die Thüre von innen ver­schloß dann drehcte ich mich um, blieb einen Augenblick unbeweglich stehen vor Erstaunen und Freude und ver­schlang fast mit den Augen die Fee, deren Zauberstaab mir die Pforten eines Zauberpatlastes geöffnet zu haben schien. Sie ruhete aus Atlaskissen und trug einen Kaf­tan von rosa Seide mit Silberblumen und ein Unter­kleid von weißem Damast mit Goldblumen, das sich knapp an die Taille anschmiegte. Die langen Aermel hingen hinten hinab und ließen die cinas Hemdes von weißer Scidcugaze sehen, das am Halse durch einen Diamantknopf zusammengehaltcn wurde. Ein mir Ju­welen besetzter Gürtel befestigte das Gewand am Kv per. Auf dem Kopfe trug sie den Talpock, jenen reizenden Kopfputz der Türkinnen, der aus einem Käppchen von kirschrothem Sammet mit einer, goldenen Quaste besteht. Auf dem Schlafe, den der Talpock frei ließ, war das Haar in einen glatten Streifen gelegt und in diesem ein Bouquet von Juwelen befestigt. Unter dem Käpp­chen hervor quoll das lange Haar, das sich auf den