Aus Schleswig-Holstein, 24. Januar. (Nat.-Z.) Gestern ist endlich eine Erwiderung des Königs von Dänemark an die Vertrauensmänner eingetroffen. Das königliche Schreiben soll — so wird von allen Seiten versichert — sich wohlwollend und anerkennend über die von den Vertrauensmännern in ihrem Briefe ausgesprochene Gesinnung äußern, nichtsdestoweniger aber die bestimmte Forderung wiederholen, diese Männer möchten zuvor schriftlich ganz genau formnlirte Vorschläge einreichen. Eher könne man sich auf keine Unterhandlung einlassen. Eine solche Unterhandlung könne übrigens nicht mit dänischen Vertrauensmännern gepflogen werden, da dies unter Unterthanen eines und desselben Monarchen ganz unstatthaft sei. Man würde die schleswig-holsteinischen Vertrauensmänner lediglich als die Repräsentanten der loyal Gesinnten in den Herzogthümern ihrem rechtmäßigen Souverän gegenüber betrachten.
Wien, 21. Jan.f^ (Köl. 3 ) Der Oesterreich betreffende Passus in der Botschaft deslnordamerikanischen Präsidenten kommt ein wenig ungelegen; die Worte sind ohne weitere praktische Bedeutung, höchstens, daß sie zu einigen sauern Mienen in den diplomatischen Kreisen führen werden^ allein es steckt doch ein Stachel darin. Man erinnert sich der Anekdote, welche voriges Jahr erzählt wunde. Der Premierminister ahnte, daß Nordamerika mit den Freiheitsbestrebungen Italiens und Ungarns sympathisiren werde; er hätte gern erfahren ob etwa den Venetianern von bieier Seite eine Unterstützung zugestanden sei, was bei der Schwäche de7 österreichischen Marine nicht lohne Bedenklichkel gewesen wäre. In einer Gesellschaft wandte sich der Ml- nister des Aeußern hastig zum nordamerckanstchen Gesandten mit der Äußerung: es sei auf dem Prwat- wege die Nachricht eingelaufen, daß ein nordamerl- kanisches Fahrzeug die Passage nach dem Hasen von Venedig habe urgiren wollen; das BIocade-Ge,chwader sei genöthigt gewesen, es in den Grund zu schießen, ^et- nordamerikanische Gesandte verzog keine Miene bei dieser Nachricht. Der Minister äußerte fein Bedauern daß hiedurch in den Freistaaten eine Ausregung entstehen könne gegen Oesterreich. Sein Sie unbesorgt, soll der amerikanische Gesandte geantwortet haben, in Amerika glaubt es kein Kind, ^daß, Oesterreich es wagen würde, ein amerikanisches Schiss in den Grund zu bohren.
Wien, 23. Januar. (Wcstd. Ztg.) Nach langem Stillschweigen ergreife ich endlich heute mit Freuden die Feder, um Ihnen über den Zustand in unserer Stadt Bericht abznstattcn. Seit einigen .Tagen ist eine große Veränderung in Wien vorgegangen; - die herrischen Gesichter der Offiziere, die bisher immer sto z unb trotzig in den Straßen hcrumparavcrten, |inb Hof- licber geworden, die Saiten, die bis jetzt.die reaktionäre Schandpresse anstimmte, wurden herabgestimmt und selbst in dem Benehmen des Herrn Gouverneurs gegen die Bürger soll eine bedeutende Umwandlung zu bemerkt sein. Erstaunt sehen wir uns gegenseitig an und wenn wir zuweilen ein unbelauschtes Wörtchen sprechen können, so fragen wir uns verwundert nach den Ursachen dieser gewaltigen Veränderung. Allein Einer weiß dem Andern nur Vermuthungen »utzuthel- len und diejenigen Herren, die uns Gewißheit darüber verschaffen konnten, hüllen sich in ein undurchdrmgUches Sckweigen. Aber wenn wir auch die Details nicht kennen, das Faktum wissen wir doch: die Serben haben sich wider Oestreich traben! - Es wird Ihnen wahrscheinlich schon in verschleimen Vana- Honen das Gerücht zu Ohren gekommen sein, die slavischen Bewohner Ungarn's seien unzufrieden über das vom Ministerium befolgte Centralisationssystcm und in mehreren Gegenden sei es bereits zu ernstlichen Con- siikten gekommen. — Die kaiserlichen Standrechtsblatter welche diese Thatsachen, die überall durch Reisende erzählt wurden, nicht ganz in Abrede stellen konnten, suchten die Lüge zu verbreiten, die slavische Empörung sei nicht innerhalb der Gränzen Oesterreichs, sondern nur in Türkisch-Serbien losgebrochen und hauptsächlich aeaen die Herrschaft der Osmanen gerichtet.
$ Dem ist aber nicht so! Ich habe gestern Gelegenheit gehabt, mit mehreren aus den unteren Gegenden Ungarns zurückgekehrten Kaufleuten zu sprechen und habe von denselben den wahren Sachverhalt erfahren. Die Geschichte ist einfach: Sämmtliche sudslavische Völkerstämme haben sich entschieden geweigert, die östreichische Verfassung anzuerkennen und widersetzen sich der Einführung derselben mit Waffengewalt.
Wien, 24. Januar. Freiherr v. Weiden steigert seine Strenge gegen die Presse. Schon muß geradezu alles Gedruckte vor der Ausgabe vorgelegt werden. Petenten um die Concession zu einer neuen Zeitung erhielten vom Herrn Civil- und Militärgouverneur wörtlich folgende Antwort: „Wir brauchen nicht so viele Journale; wir sind keine Franzosen und Engländer." (D. A. Z.)
Wien. In der Nacht vom 22. auf den 23. soll ein Transport Honved ans der Haide von Parendorf zum Theil erfroren sein.
Schweiz.
Zürich, 19. Januar. Gestern hat das Kriminalgericht den Todtschlag, welcher in der Nacht vom 2. September v. I. an einem badischen Flüchtling, Albrecht Weiß von Eppingen, begangen wurde und der so große Entrüstung im Publikum erzeugt hatte, ab-
geurtheilt. Der Schiffsküecht Vinzenz Wagner von Eschenbach wurde des Todtschlags für schuldig erklärt, und zu einer siebenjährigen Zuchthausstrafe und nachheriger Verweisung, sein Gehilfe, Dominik Thommann von Schännis, zu einer 21 monatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt. Gegen das Urtheil wird indessen appellirt. Der ganze Vorfall stellte sich als eines jener rohen Nachtbubenftücke dar, wie sie leider am See und namentlich unter Schiffleuten noch immer nicht ganz selten vorkommen.
Wepublit Frankreich
Paris, 27. Januar. (M. Ztg.) Eein Journal fordert heute die Katholiken aller Länder auf, sich zum freiwilligen Militär-Dienst zu Gunsten des Papstes zu melden, und muthet namentlich dem Malteserorden zu, seine Statuten zu diesem Behufe zeitgemäß zu verändern.
Ein Gerücht, welches übrigens gar keine Wahrscheinlichkeit an sich trägt, war gestern auf der Börse verbreitet und wird heute von der Assemblee nationale mitgetheilt. Das Ministerium soll damit umgehen, der Nationalversammlung eine Gesetzvorlage in Bezug auf eine Modifikation des allgemeinen Stimmrechts vorlegen zu wollen. Das genannte Blatt sucht bei dieser Gelegenheit aufzuweisen, daß die gesetzgebende Versammlung zu einer solchen Modifikation berechtigt sei und daß keine revolutionäre Bewegung daraus hervorgehen werde.
Die Montagne beschäftigt sich lebhaft mit der Wiedergründung der „Reforme". Man sagt, daß das Journal unter der Leitung des Bürgers Isidore Bu« vigniers, ehemaligen Mitgliedes der Constituante, am 1. Februar erscheinen soll. Auch für das Erscheinen des Blattes Ledru-Rollins, von welchem schon oft gesprochen wurde, sollen Schritte geschehen sein, die bitter zu keinem Resultate geführt, weil keine Druckerei dasselbe übernehmen will.
Die Legitimisten bereiten sich für die Wahlen vor. Großer Zwiespalt herrscht noch immer in ihrem Lager. Es scheint, daß ein Theil derselben mit der jUnion électorale brechenwolle. Diese Fraktion spricht die Ansicht aus, daß sie es vorziehe, mit den Rothen sich zu vereinigen, als mit den Orleanisten. Sie will die Candidatur Chabrols, mag die Union électorale sie verwerfen oder nicht.
Italien.
Rom, 16. Jan. (M. Z ) Der Schlag vom 24. Dez., durch welchen 96 Armee-Angehörige und Ver- waltungsbeaMte getroffen wurden, schien Jedermann, selbst den fanatischsten „Schwarzen" das Ende der Verfolgung. In der That war aber Alles so sehr beendigt, daß seit acht Tagen zweihundert neue Absetzungen in den verschiedenen Verwaltungszweigen und dreihundert neue Verbannungsdekrete erfolgt sind. Unglücklicherweise mischen sich Privathaß und Kabale hinein, und mag Jemand eine noch so unbedeutende Rolle gespielt haben, so kann er sich doch eines schönen Morgens auf der Proskriptionslifte sehen, weil irgend ein Monsignore, der neben ihm wohnt, Gründe hat, seine Abwesenheit zu wünschen; Hr. L., früher schwedischer Offizier, dann Kommandant eines Bataillons in dem Kriege gegen Oesterreich, ist so eben das Opfer- einer dieser schändlichen Intriguen geworden, deren Details man nicht niederschreiben kann, ohne seine Feder zu beschmutzen. Hr. L. ist der Gemahl einer der beiden Damen P., welche zu den schönsten Frauen Roms gehören. Seine Anwesenheit kreuzten gewisse Anmaßungen, denen er nicht weichen wollte. Man hat ihn „entfernt." Das ist eine einfache Prozdur.
Eine andere Infamie, die hier täglich sich wiederholt, ist folgende: Wenn man Gründe hat, einen Beamten, einen alten Offizier oder einen andern Bürger zu fürchten, ohne ihm in Rom etwas anhaben zu können, so läßt man ihn Nachts durch eine Patrouille von Sbirren aufheben, setzt ihn in einen Wagen und bringt ihn ohne Aufsehen nach Bologna oder Ferrara. Dort findet man schnell ein großes revolutionäres Verbrechen, er wird einem österreichischen Kriegsgerichte übergeben, das sich beeilt, ihm gute und prompte Justiz zu Theil werden zu lassen. Das ist eine Sache, die sich täglich wiederholt.
Wenn die „Freunde der Ordnung" glauben, daß solche Dienste ihnen eines Tages bezahlt werden, so irren siè. Der Papst wird nicht wieder kommen, bevor man ihm nicht seine Feinde als Schemel unter die Füße legt: Inimicos tuos scabellum tuorum pedum 1 — Der General Baraguay d'Hilliers ist krank und unzugänglich. Nur Sonntags empfängt er, und für diesen Tag leg; er seine Miene zurecht, während der Woche ist er nicht zu sehen. Er soll wüthend darüber sein, daß man ihn in Portici zum Besten gehabt hat. Ja er soll nicht Diplomat genug sein, seine Klagen zu verschweigen. Man sagt, daß ein vollständiger Brnch bevorstehe.
Ungarn.
(Der Mordanschlag gegen Kossuth.) Vor mehreren Tagen schon brachte der englische Herald die Nachricht von einem gegen Kossudh und seine Fluchtgefährten gerichteten Mordanschlag dem die österreichische Regierung nicht fremd gewesen wäre. Dieser Nachricht war die Aufforderung an die genannte Regierung beigefügt, öffentlich diese Anschuldigung Lügen zu strafen und sich damit von einem so unerhörten Frevel rein zu waschen. Jetzt erklärt
der Globe, bekanntlich ein mit dem englischen Ministerium in Beziehung stehendes Blatt, daß er sich alle Mühe gegeben, um der Wahrheit auf den Grund zu I kommen, daß er aber nach diesem leider gestehen müsse, i jene Nachrichten werden durch Thatsachen, so weit ; diese jetzt ermittelt, bestätigt. Vor vier bis fünf Wochen sei der britische Botschafter in Konstantinopel, I Sir Strafford Canning von diesem Anschlag in Kenntniß gesetzt worden. Die Einzelheiten desselben werden wie folgt erzählt: Unter den Flüchtlingen, welche Kossuth über vü türkische Gränze folgten, befand sich ein ungarischer Soldat, der dem österreichischen Sklaven- [ dienst in Italien ohne zu fragen Valet gesagt und dem es gelungen war sein Vaterland zu erreichen, ehe noch sein verzweifelter Freiheitskampf durch Verrath den traurigen Ausgang genommen hatte. Ein österreichischer Konsul in der Türkei setzte sich mit diesem Manne in Vernehmen und bat ihn, dazu behülflich zu sein, Kossuths Entweichen aus der türkischen Gc- fangenschaft zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke stellte er dem Soldaten vor, daß die Flüchtlingsfrage Oesterreich fortwährende Verlegenheiten bereite, deren es auf einmal überhoben werde, wenn man Kossuth die Mittel zur Flucht nach Frankreich oder England zu gewähren im Stande sei. Der Ungar fiel in die ihm gelegte Schlinge und begann mit seinem arglistigen Verführer Maßregeln zur Ausführung des Plans zu verabreden; aber noch ehe beide damit zu Ende waren, wurde der wahre Zweck des österreichischen Konsuls enthüllt. Kossuth sollte von seinem Auseuthalts- ort nach einem Punkt der türkischen Küste gelockt und dort durch Haufen dort aufgestellter Kroaten ermordet werden. Ueber die Art und Weise, wie und bei welcher Gelegenheit die Sache ans Licht kam, lauten die Nachrichten verschieden. Das ministerielle Blatt schreibt dies dem englischen Consul, Oberst Real, zu.
Die Kunde von diesem empörenden Verrath wurde sogleich dem britischen Botschafter in Constan- tinopel hlnterbracht und zwar mit Umständen, welche die österreichische Regierung selbst darin verwickelt erscheinen ließen. Unter seiner Mitwirkung sind die türkischen Behörden jetzt mit Ermittlung dieses Mork- anschlagS beschäftigt und in Kurzem werden, wie das englische Blatt versichert, die Ergebnisse dieser Untersuchung der Welt bekannt gemacht werden. Jedenfalls wird die Regierung des modernen Byzantinerreichs, das Cabinet in Wien, auf eine vor dem Forum ganz Europas erhobenen^Anklage solcher Art antworten und sich rechtfertige müssen. (N. D. Z.)
Amerika
Newyork, 7. Januar. Der „A. A. Ztg." hat es beliebt, den Antrag des Generals Caß, früheren Gesandten der Vereinigten Staaten zu Paris, im Hause der Volksabgeordneten zu Washington, auf Abbrechung der diplomatischen Verbindungen mit Oesterreich wegen seines völkerrechtswidrigen Gewaltstreichs gegen Ungarn, für einen „amerikanischen Puff" zu erklären. Nun war bekanntlich General Caß der Kandidat der Demokraten bei der letzten Präsidentenwahl und es ist sehr wahrscheinlich, daß bei der nächsten Wahl in kaum drei Jayren, dieser Mann durch die Stimme der Demokraten an die Spitze der mächtigen und freien Republik getragen wird. Die schwarzgelbe 21 Hg. wird also wohlthun, den besagten Antrag nicht so geringschätzig zu behandeln. Die Rede, mit welcher General Caß denselben begründete, und worin er das Verfahren gegen Ungarn als eine allgemeinen Abscheu erregende Grausainkeit bezeichnete, hat im Kongreß großen Eindruck gemächt und die Gefühle der amerikanischen Freibürger gegen die österreichischen Heldenthaten , wo möglich, noch mehr gereizt. — „Eine Macht — äußerte Caß im Laufe seiner Rede — die auf solche Weise der öffentlichen Meinung der ganzen Welt Trotz bietet und die besten Gefühle der menschlichen Natur im ; höchsten Ueoermuth erfolgreicher Grausrmkeit verletzt, I hat kein Band der Gemeinschaft mit dem amerikani- I scheu Volke. Je früher unser diplomatischer Verkehr ; mit ihr unter Kundgebung entrüsteten Tadels aufgelöst wird, desto eher werden wir eine Handlung öffentlicher Pflicht erfüllen." — Ueber das Resultat der ' Verhandlungen wird uns erst die nächste Poft ans den Vereinigten Staaten Nachricht bringen. (N.D.Z.)
Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.
Zehnter Proceß.
Anklage gegen Philipp Martin Kopp von Breit Hardt, wegen Raubmord und versuchter Nothzucht.
(Fortsetzung.)
$ Wiesbaden, 29. Jan. Von der Leiche zurückkehrenden Leuten, denen der Angeklagte begegnete, hatte ; er gesagt, die Frau habe 5 Stiche, er nahm gleich die Ausrede, kleine Buben hätten ihm dies gesagt. Kurz, er ergeht sich in den widersprechendsten Aussagen. Der Staatsanwalt beantragt daher, den Herrn Criminal- richter Zinn wegen des bisherigen Verhaltens des ' Angeklagten zu vernehmen und auch darüber ob seine Klagen gegründet seien. ^Diejer schildert den Angeklagten als einen verschlossenen, abgestumpften Charak- ; ter, selten habe er ein zusammenhängendes Wort bei dem Verhöre gesprochen. So oft er besucht worden unb nach seinem Befinden gefragt worden sei, habe er immer geäußert, daß es ihm „güt" gehe. Seine ein« 1 zige Klage, die er auch bei jedem Verhöre gellend ge-