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EE. Mit der guten Sahe des Volkes hat es keine Noth, weder jetzt noch hernach!

Vom Seewciher, im Januar. Von der Wahl nach Erfurt ist also nun der erste und bedeutendstcAlt aespielt denn was am 31. Januar noch geschehen soll, ift im Ovunbc genommen von feinet 93eoeutiing ^ über 0 Himmel, wieviel könnten diese Wahlen einer gewis­sen" Partei zu bedeuten geben, wenn dieselbe auch nur ein Wenig bedenklich wäre. Aber freilich in der süßen Behaglichkeit, daraus der März 48 so unangenehm auf­rüttelte, fängt es nachgerade wieder an Einem wohl zu werden ; kommen von Zeit zu Jeit auch einmal die beunruhigenden Fliegen der ^orge, da führt man init der ^and über die Stirne und verscheucht sie leicht- Das Volk, sagt man sich, will von all dergleichen Dingen, will vom Jahr 1848 und seinem Teufels,puck nichts wissen, das Volk will keine Wahlen, es will Ruhe haben und - hörte ich vor einiger Zeit einen Beamten sagen cs wird auch eher nicht wieder gut, bis Alles wieder ist, wie es war, und es soll schon dafür gesorgt werden, daß in 10 Jahren der ganze Spektakel vergessen ist." Wie furchtbar mag das Er­wachen aus solchem Schlummer sein! Wenn einmal Ideen deren Wurzeln mehrere Geschlechter zurück­reichen die von den erleuchtetsten Geistern gepflegt wurden wenn die einmal ansangen praktisch zu wer­den und ins Leben emzudringcn, dann hilft Alles nichts um ihren Durchbruch zuruckzudäinmen, auch der erbittertste Gegner muß* ihn wider Willen beför­dern, das lehrt die Erfahrung aller Zeiten, das folgt mit Nothwendigkeit aus der Einrichtung der menjch- lichen Natur. L v .

Aus dem Kampfe der Gegenwart, der am schick­lichsten als Kampf der Vernunft gegen die Privilegien bezeichnet werden dürfte, wird die Vernunft ,o gewiß siegreich hervorgehen, als ein Gott über der Welt waltet, wenn wir auch heute ten Tag noch nicht be­stimmen können, wo es geschehen wird. _

Daß eine bedeutende Umgestaltung des öffentlichen Lebens nicht urplötzlich erfolgen könne, ist ja ganz na­türlich; denn die Gestaltung der äußeren Verhältniße hängt immer ab und wird bedingt von dem unker oem Menschen vorhandenen Maaße der Einsicht und Tugend. Auch das kann keinen Verständigen beirren, daß in der ersten Zeit eines so großen Kamp­fes bald die Rückschritts-, bald die Fortschrittspartei oben ist, obwohl die letztere, für welche der Zeitgeist wie ein heiliger Georg streitet, in jedem folgendci^ Ab­schnitt des Kampfes immer auf einer höhern ^tuse der Entwicklung erscheint. Im März 1848 wurden politische Anschauungen in die bis dahin gleichsam todte Masse des Volkes gemengt, wie ein Sauerteig in die Masse des Mehles und der Sauerteig wird nicht ru­hen, bis er den ganzen Teig durchsäuert hat. Unb wie

Leben und Abenteuer des John Davys

Von Alexander Dumas,

(Fortsetzung.)

Fünf Minuten vor zwölf erschien David auf der Treppe; auf der einen Seite neben ihm ging Bob , aus der andern der Geistliche. Sein Gesicht war weiß wie die Nachtmütze auf fernem Kopfe, sein Gang jedoch fest und sicher; er warf einen Blick auf die Vorbereitung Anstalten. Als er sah, daß die Soldaten, welche folgten ihn nicht vorwärts stießen, drehete er sich um und fragte den Geistlichen, was er nun zu thun habe.

èEmpfiehl Deine Seele Gott, mein Sohn," ant­wortete der Geistliche. ,

Ja, ja/ murmelte Bob,jetzt ist eS Zeit. Muth , David."

David lächelte traurig und ging bis an den des Hauptmastes; hier sah er sich nochmals um, als wolle er Abschied von der ganzen Mannschaft nehmen, und seine Blicke hafteten auf mir.

Da erinnerte ich mich des Wunsches, den er am Abende vorher ausgesprochen hatte. Ich schritt durch die Haie der Soldaten hindurch und ging zu ihm.

David," fragte ich, hast Du mir noch etwas wegen Deiner Fran und Deiner Kinder zu empfehlen."

Nein, Herr Davys, Sie haben gehört, was

der Teig jzur Vollendung der inneren Gähre der Ruhe : bedarf, so bedurfte auch das Volk gewissermaßen der Ruhe, um die Ideen, welche im März 48 über das- i selbe ausgerufen wurden, sich anzueignen und zu- ' herein Verständniß zu bringen.

Das Geschäft des Hemmens übernahm die privilegirte ! Partei, allein selbst der Hemmschuh mußte auch im - vorwärtsdrängenden Wagen des Volkes einen An- ! knüpfungspunkt finden; er fand ihn in den mancherlei : Ercessen Einzelner, in den Schultheißen- und Dorf- I beamtencrawallen, in der Spannung, die aus der i Gespensterfurcht des Gütertheilens und dergl. zwischen den Wohlhabenderen und Armen entstand. Diese Ent­zweiung des Volkes unter sich kam natürlich seinen Gegnern zu Statten und wurde von ihnen ausgebeutet; während die Brüder sich um ihr Erbe stritten, suchte j der harte Vormund es wieder an sich zu reißen. Auch ' suchte man hin und wieder das Stocken der Geschäfte und des Handels der Bewegungspartei allein in die Schuhe zu schieben. Dafür müssen die Gegner denn nun auch wieder büßen, das ist ein ewiges Weltgesetz, i Für die in merkantiler und gewerblicher Beziehung ; heute über allen Begriff schlechten Zeiten wird die i jetzt herrschende Reactionspartei verantwortlich gemacht i und die Zwietracht des Volkes wird sich viel eher aus- . geglichen haben, als es seinen Feinden lieb ist. Ob i aber das Volk von dem Ziele seiner Einigung noch j weit entfernt sei mag man aus den letzten Wochen ab­nehmen.

Wer überhaupt an eine Scheidung in Demokraten und konstitutionelle unter unserem Landvolk glaubt, der kennt dasselbe imEntferntesten nicht. Hier gicbt's nur eine Opposition, nämlich die gegen die Privi- legirten. Erscheint das Volk deßhalb zum andern Male auf dem Plane, dann wird es zeigen, daß es klüger geworden ist.

Darum Vertrauen auf den Sieg der Wahrheit und des Rechts, den Sieg der Vernunft gegen die Privi­legien; jedoch nicht das Vertrauen eines Türken, der müßig die Hände in den Schooß legt; denn es muß ein bestimmtes Maaß von rück- und vorwärts wirken­den Kräften bei der Geburt einer neuen Zeit sich ver­zehren, je schneller das geschieht desto eher ist das Ziel erreicht; muthig ihm entgegen.

Berichte über die Wahlen nach Erfurt.

(Fortsetzung )

f Königstein, (Wahlen nach Erfurt.) In den fünf Wahlbezirken des Amts Königstein bcthei- ligten sich an der Wahl 85 Urwähler, also von 100 etwa 3.

In Königstein 19, in Oberursel Niemand, in Oberhöchstadt 14, in Cronberg 35, darunter 18 Neuenhainer mit dem bekannten Batz an der Spitze, in Epstein endlich 17.

der Herr Capital» sagte und ich weiß, er wird Wort halten, so lange er lebt."

So umarme mich und stirb ruhig."

Er machte eine Bewegung, um mir zu Füßen zu fallen. Ich schloß ihn in meine Arme; in diesem Augen­blicke schlug die Uhr zwölf.

Ich danke, Herr Davys," sprach er,ich danke. Nun gehen Sie aber; der Augenblick ist gekommen."

Es traten wirklich zwei Matrosen zu ihm. Der eine warf ihm die Schlinge um den Hals, der andere zog ihm die Nachtmütze über die Augen. Es war ein Augenblick feierlicher und schrecklicher Stille. Alle Blicke richteten sich auf den Unglücklichen.

Der Profoß gab das Signal und die Matrosen, welche das Scilen.de hielten, zogen mit einem Rucke an.

Herr Gott, erbarme Dich meiner...."

Mehr konnte der arme David nicht sagen; die Schleife an seinem Halse zog sich zusammen und schnitt fein übriges Gebet ab. Man sah seinen Körper in die Höhe ziehen; in demselben Augenblicke donnerte ein Kanonen­schuß und die Justizflagge flatterte frei in der Luft.

Alles war vorüber; David hatte aüfgchvrt zu leben.

Kaum war diese schreckliche Ceremonie vorüber, als alle sich entfernten, so buy mir die auf dem Verdecke blieben, welche eine Stunde lang bei dem Leichname

In Königstein wurden 3 Wahlmänner gewählt, welche selbst nicht mitgewählt hatten; in der dritten Elasse G. Eigner, der gar nicht erschienen war, in der 2ten Classe der alte Oberförster Wohmanu, der zwar erschienen war, aber vor der Wahl das Lokal wieder verließ, als er erfahren hatte, daß er nicht in Strafe verfallen könne, wenn er sich des Wählens enthielte, in der 1. Classe endlich der Lanvoberschult- heißereiverwalter Giel, der den Wahlort verlassen mußte, weil er nicht in den Listen stand. Dieser Mann wurde einige Tage vor der Wahl, zu welcher er anwerben wollte, in zahlreicher öffentlicher Gesell­schaft gefragt, wie er das Wählen mit seinem Eid auf die Reichsverfassung vereinigen könne, worauf er erwiderte:er habe nicht geschworen, da er sich wäh. rend des Actes der Eides-Abnahme mit seinem dam .« ligen Collegen Lehr in eine Fensternische gevrÜckt und über andere Gegenstände gesprochen habe."

O Sonnenberg, 27. Januar. Daß heute vor 8 Tagen zur Wahl nach Erfurt hier nur die Herren Bürgermeister erschienen seien, und deßhalb keine Wahl zu Stande gekommen, wurde bereits in diesen Blattern micgetheilt. Das Herzogliche Kreisaint zu Wiesbaden hatte nun, von der Ansicht ausgehend, das schlechte Wetter habe die Leute verhindert sich an der Wahl zu betheiligen; den Hr. Bürgermeistern von Sonnen­berg, Rambach, Kloppenheim und Frauenstein aufge­geben; auf heute eine neue Wahl anzu beraumen und die Wahlberechtigten Bürger wiederholt zur Betheili­gung an derselben einzuladen. In Folge dessen ' sind denn auch heute dahier von5l5 Wahlberechtig­ten" 3 B ü r Ke rmeifte r erschienen, welche alsbald, natürlich ohne von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen zu können, in aller Stille wieder nach ihren Gemein­den wanderten.

Deutschland.

R. Wiesbaden, 29. Januar. In einem früheren Artikel in diesen Blättern hatten wir am Schlüße den Wunsch ausgedrückt, daß sich recht viele Stimmen in der hochwichtigen Frage, der Erbauung einer Eisen­bahn durch die Mitte des Landes von Wies­baden nach Deutz, erheben möchten, um auch jenen die zwar im Ganzen wohl meinen mit den In­teressen unseres Landes, die aber aus Mangel an ge­nauer Kenntniß der gerade nicht jedem erschlossenen Einzelheiten, nicht immer im Stande sind, nachdrück­lich in die Schranken zu treten, einen besseren Anhalts­punkt zu bieten und dadurch zu ermuthigen, die Wahr­heit weiter zu tragen.

Die Tagespresse faßte den Gegenstand nach Ge­bühr muthig auf und veranlaßte schon manigfache Belehrungen und Aufschlüsse die der Beachtung ver- dienen,_ und so wünschen wir, daß in einträchtiger Weise fortgefahren werden möge, um endlich zum Ziele zu gelangen.

Wache halten mußten. Nach einer Stunde ließen sie ihn herunter. Die ganze Zeit über hatte Bob am Fuße des Mastes gewartet.

Wie er versprochen hatte, nahm er den Körper seines Freundes, als wäre er ein Kind und trug ihn in das Zwischendeck, wo er ihn. einzunähen begann. Mehrere Matrosen erboten sich, ihm bei diesem traurigen Ge­schäfte behilflich zu sein; aber Bob lehnte alles ab. Um vier Uhr Nachmittags waren alle Vorbereitungen ge­macht. Die Trommel rief die Mannschaft nochmals auf das Verdeck, ober die Leute erschienen diesmal langsam, einer nach dem andern, still wie Gespenster.

Der Leichnam war nach der Gewohnheit in die Hängematte cingcnähct. Zu den Füßen desselben hatte Bob einen Sack mit Sand gelegt, dessen Gewicht ihn ans den Grund des Meeres hinabziehen sollte. Der Geistliche erschien. Der menschlichen Gerechtigkeit war genug gethan, die Religon hatte ihr heiliges Werk zu verrichten. Der Tod hatte das Verbrechen gesöhnt; der Schuldige war verschwunden und nur ein Leichnam ge­blieben , für den gebetet werden sollte.

/Fortsetzung folgt.)